Liebes Börsenblatt: langweil mich doch bitte nicht so.

Liebes Börsenblatt: Ich bin wirklich enttäuscht, dass wieder einmal so ein langweiliger Artikel über eine (mir) nichtssagende junge Dame veröffentlicht wird. Gibt es niemanden, der wirklich mal intelligent etwas zu dem Thema sagen könnte? Aber das interessiert ja wohl keinen, nein, man lässt allerlei abstruse Gestalten unterirdisches Zeug reden.
Ich will jetzt hier mal nicht über amazon als bösem Drachen sprechen, über den Raubfisch im Forellenteich, über den Sauron des Buchhandels. Ich möchte, dass man aufhört, diese Verdummungsphrasen wieder und wieder von "Schriftstellern" wiederholen zu lassen. Die ja offenbar tatsächlich auch noch in das Nest scheissen, in dem sie leben.
Bevor ich selbst Schreiberling wurde, habe ich, trotzdem ich in einer Großstadt lebe und Anbindung an große und kleine Buchläden habe, sehr früh begonnen, bei amazon zu bestellen. Und warum? Weil es toll war. Und ist. Weil ich die Zeit, die ich mit Parkplatzsuche und dem Drängeln durch Massen und dem Suchen nach dem Richtigen besser verbringen kann.
Wer zuletzt in einem Buchladen war, weiß, wovon ich rede. Wenn man mal jemanden ansprechen kann (um so etwas Einfaches zu fragen wie: Darf ich diese Plastikhülle entfernen um in das Buch zu schauen?), dann ist es jemand, der sehr gestresst ist. Jaja, ich weiß, der Buchhandel leidet, und kann nicht so viele Leute einstellen, wegen amazon ... Unsinn. Ich habe selbst jahrelang als Aushilfe im Buchhandel gearbeitet (lange bevor amazon geboren war). Da stehen genauso dumme Chefs dahinter, wie überall, und es ist auch dort nur ein Geschäft. Mein Gott, es wird über den örltichen kleinen Buchhändler geredet, als wäre er ein Weihnachtsmann, jemand, der nachts nicht schlafen kann, wenn er uns nicht das richtige Buch, welches unser Leben verändert, verkauft. Nochmal: Unsinn. Er verdient wesentlich mehr an dem Schnickschnack, der sonst so rumliegt, so, wie Ärzte jetzt mehr an IGEL-Leistungen verdienen und uns diese aufschwatzen.
Typisches Gespräch in einer Buchhandlung: Kunde: "Ich suche ein Buch." Buchhändler (denkt: "seufz" und verkneift sich zu sagen: "gut, dass wir welche haben und keine Burger") lächelt und fragt: "Für wen?" Kunde: "Für meine Oma/meinen Neffen/meine Freundin/zu Weihnachten/zum Geburtstag/zu jedem anderen erdenklichen Feiertag." Buchhändler: "Die Oma ist aus Ostpreußen? Prima, hier "Jauche und Levkojen." Der Neffe? Wie alt? Ach, Harry Potter geht immer. Hat er schon? Dann nehmen sie das, das ist so ähnlich. Der liest garnicht? Egal, das ist gebunden und macht auf dem Geburtstagstisch was her. Die Freundin? Ach, schauen Sie, hier unsere Chick-Lit Abteilung, nehmen Sie doch das, das wird gerne genommen. Ja, es ist sehr lustig."
Ich selbst hatte selten eines der Bücher gelesen. So läuft Verkaufen in 99% aller Fälle.
Und jetzt? Macht amazon das auch. Sagt mir: Leute, die das gekauft haben, haben auch das gekauft und ich denk: fein, danke! Und dann lese ich in Ruhe in die Leseprobe und entscheide, wann ich will.
Jetzt bin ich selbst auch noch Schreiberling. Natürlich Selbstverlegerin bei amazon. Warum? Weil ich es kann. Weil es super ist. Weil amazon ein toller Dienstleister ist. Und weil so die Zukunft geht. Ich will es mal Kunst nennen, was da verbreitet wird, denn Bücher sind eine Kunstform. Und wenn man nur noch die Grass oder Süßkinds verbreiten dürfte, dann wäre was faul in der Gesellschaft. amazon hat jetzt sogar ein Portal, wo man innovative Kinderbücher gestalten kann. Großartig (ja, brüllt nur, dass nun auch die armen Kinderlein ...)! Die Zukunft wird es sein, dass man etwas tut und es verbreiten kann. Hemmungslos. Und genauso hemmungslos wird das Publikum JAAA oder NÖ brüllen. Es werden sich Dinge verkaufen, die niemand vermutet, und es werden sich Dinge nicht verkaufen, die selbsternannte Literaturpäpste hoch loben. So wird das sein, weil es auch schon so ist. Der Kunde wird selbst aussuchen können, was und wie er es haben will (abseits von schlecht sortierten Regalen). Und der Schaffende wird sich anstrengen müssen, dem Kunden das zu verkaufen, er wird neue, spannende und innovative Wege finden müssen. Und die, die jetzt immer noch kreischen und schreien und den Teufel amazon anprangern, werden nur die Lachnummern von Gestern sein.
Es tut mir echt leid, für dieses Mädel, dass sie so blind ist. Aber ich lach mir einen, weil ich mir nicht vor Angst in die Hose mache, sondern fröhlich alles nutzen werde, was ich zu Verfügung gestellt bekomme. So, das waren meine 5 Cent. Echt, Börsenblatt: bitte sucht euch doch anspruchsvollere Interviewpartner!


P.S. Genau so habe ich das als Kommentar auf folgenden Artikel hinterlassen:

Facebook-Appell von Vea Kaiser

"Amazon ist unnötig"

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