Ebook-Piraten Teil 2 oder: Was Anja sagt.

Ui, da hatte ich nicht mit gerechnet. Ich schiebs mal auf die Feiertage. Aber ich sag jetzt doch noch mehr, da es mich drückt.

Be-drückt.

Mich bedrückt vor allem immer wieder, dass manche Menschen nur lesen, was sie lesen wollen. Hat was mit der Gehirnchemie und so zu tun, glaub ich. Keine Ahnung. Aber immer wieder der Klassiker: ich les nur ein bisschen, hau aber direkt meine Meinung drauf. Oder: ich les bei Facebook nur den Originalpost und geh direkt davon aus, dass die 375 Kommentare dazu völlig laaangweilig sind und steig in ein Gespräch ein, welches zu dem Zeitpunkt möglicherweise schon beendet ist.


Fakt 1: ich billige keinen Diebstahl! Egal welchen. Ich billige ebook Diebstahl auch nicht. 

Alles, was ich gesagt habe ist, dass ich mich nicht wundere, dass er geschieht! Ich halte unsere Gesellschaft für eine raffgierige. Ich bin aber weder Philosophin noch Soziologin, und auch wenn ich manchmal so tue, ich hab die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Ich sag nur, wie ich manche Dinge sehe. Das bringt mich zu

Fakt 2: Ich will keinem von den anderen Autoren was vorschreiben. Es ist mir völlig schnuppe, wie jeder seine Bücher verkauft. (So, wie es anderen auch schnuppe ist, wie ich das mache.)

Alles, was ich gesagt habe ist, dass ich einige Strategien des Vermarktens für sinnvoll halte und andere nicht. FÜR MICH!

Fakt 3: alles was ich über den Umgang von Autoren untereinander gesagt habe ist natürlich satirisch erhöht, entspricht aber der Realität.

Aber ich kenne es auch anders. Ich habe eine wundervolle Gruppe, in der ausschließlich Autoren sind, die mit dem gleichen Schreibprogramm arbeiten, welches ich besitze (scrivener). Und ich habe eine Gruppe Autorinnen, die sich gegenseitig unterstützen und das auf wirklich positive und konstruktive Art.


Die Galle, die manchen zu meinem Artikel ausspucken (es ist allerdings wesentlich weniger, als ich befürchtet hatte) kommt mir vor, wie das Gekrächze des bellenden Kettenhundes, der mich auf jeden Fall falsch verstehen möchte, denn er ist ja schließlich festgebunden, während ich einfach so herumlaufe und schwadroniere.


Ich Böse ich.


Wir befinden uns in einer geilen Zeit. Echt. Es ist ein Umbruch, ein melting-pot der Möglichkeiten, ein Tsunami der Altes wegspült und endlich Platz für Neues schafft. Es sterben viele und ja, es ist nicht mehr wie früher (TM). Aber wäre es wie früher, dann wäre ich keine Autorin. Ich hätte nie publiziert, so wie das heutzutage jeder Depp kann.

Wir schwimmen nun alle in einer Suppe aus Deppen, japsen und treten nach unten, und die oben atmen uns die ganze Luft weg, die Gemeinen, die ...

(ja, ich weiß, dass ich mich damit auch als Depp bezeichne) (Hier, für die Erkenntnis einen Teebeutel. Grüner Tee, weil du so eine wache Person bist).

... die Handvoll Autoren in Deutschland, die echt gutes Geld damit machen. Die paar, die die "RICHTIGEN" Preise gewinnen (kurzer Gedanke: hat nicht die unsägliche Lewitscharoff so was gewonnen, so einen von den richtigen Preisen ...?).


Unsinn.

Anstatt aufs Gestern zu schauen, und alles Neue schlecht zu finden, sollte man sich darauf konzentrieren, wie man das Heute und das Morgen nutzt. 

Und da ist meine Kritik: wir nutzen die Möglichkeiten falsch. Wir wissen, der Markt ist umkämpft und wir wollen unser Scheibchen abhaben. Wir umgarnen also hektisch alle, die uns nützlich sein können. Wir versuchen uns künstlich die Anerkennung zu holen, die wir direkt nicht spüren, weil wir unser Buch ja oft nicht mehr von Angesicht zu Angesicht verkaufen, sondern über Großhändler. Diese Anerkennung in Form von Rezis und Listen und (digitalen) Herzchen und Blümchen. All diese Anerkennung ist die Kohle nicht wert, die den Strom produziert um die Bits und Bytes am Leben zu halten.


Wir wollen aber unbedingt wissen, dass wir keine Deppen sind! Dass es nicht falsch war, all die Mühen auf sich zu nehmen, die Kosten und die Bücklinge! Wir wollen wissen, wo wir in der Literatenwelt stehen, und wie könnten wir das besser, als über Listenplätze, Likes und Fanpost (in Form von Rezis, die die Bezeichnung nicht wert sind, weil etwas, was nicht mehr als ein paar Sätze lang ist und aussagt: "Ich habs gelesen und fand es super" ist eine Lesermeinung und keine Rezension)?


Der vorliegende Fall von ebook-Piraterie ist deshalb zum Thema geworden, weil eben eine der bekannteren Autorinnen betroffen ist. Eine, die noch aus den goldenen Anfangszeiten ist, wo es so wenige Selfpublisher gab, dass sie sich vielleicht noch nicht einmal selbst so nannten. Die zig-tausende von Followern hat.  Ich ahne nur, wie schön das gewesen sein muss. Und wie nett, für die Leser, dass die Autoren endlich so zum greifen nah sind ... auf facebook, auf twitter, auf was auch immer ... manche posten ununterbrochen vom ersten Morgenkaffee bis zum letzten Wort abends und beglücken uns zwischendurch mit allen Perlen der Erkenntnis, die ihnen so aus dem Hirn purzeln.


Ich auch!!! Jaa, ich find das toll! (also selbstverständlich nur, was ich sage, nicht das von den anderen ... )


Wir sind Huren und zeigen halt, was wir haben. Aber nicht nur das Buch. Ja, das Buch ist das Wichtigste. Aber ich stehe als Autorenperson dahinter, und nun kommt das, was man draus macht: 

der eine legt sich ein Pseudonym, oder zwei oder drei zu ... (die Frau geht dann als Mann, weil sie homoerotische Stories schreibt, der Mann geht als Frau weil er Chick-Lit schreibt ... (muss ich eigentlich als Ausserirdischer gehen, wenn ich Sci-Fi schreib? Verdammt, ist ja wie beim Karneval)(ich geh einfach als Einhorn)).

Ich selbst bin  (tatatataaaa) authentisch. Manche übersetzen das mit: naiv/blöd. Ich bin ich und verstell mich nicht. Und ich mag im echten Leben keine Fremden umarmen, und verschenk auch im echten Leben keinen Tee (außer ich hab ihn gekauft und mag ihn nicht). Aber ich mag gerne was geben, und bekomm gerne was. Wenn das ausgeglichen ist, dann bin ich ein super Partner.


Und deshalb kann ich Frau Anderson verstehen, dass sie sauer und enttäuscht ist, weil sie verraten wurde. Wäre ich auch. Das habe ich auch nie bestritten.


Aber ich bezweifle sehr, dass das Anzeigen dieser Leute die Ursachen des Übels beseitigt. (Wie schon einmal gesagt: ich billige den Diebstahl nicht und unterstütze eine rechtsstaatliche Vorgehensweise.) Die Ursachen sind vielfältig und haben nicht alle Platz hier. Um ebook Datenklau zu verhindern (wenn man es denn will) muss sicher einiges verändert werden. Vielleicht wäre es besser, ihn nicht verhindern zu wollen, sondern andere Formen der Entlohnung zu finden, oder ...


 ... ach, wisst ihr was ... da machen sich sicher cleverere Leute als ich schon Gedanken drum. Ich versuch jetzt mal wieder, zu schreiben.





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Kommentare: 1
  • #1

    Kari (Samstag, 03 Januar 2015 19:20)