Ich war auf der Messe. Ich hab Pat gesehen (und gehört)!!!

So, ich möchte ein paar Worte über meine Messe verlieren.

Sie war großartig. Sie war anstrengend, laut und teuer. Aber sie war jeden Euro wert, die schmerzenden Füße und die klingelnden Ohren.

Warum?

Also Autor sitze ich ja meist vor einem Bildschirm. Ich hab ein wenig Welt da drin, ja. Facebook und youtube, aber ansonsten nichts außer mich und meine Worte.

Auf so einer Messe habe ich meine Worte gedruckt dabei, aber in erster Linie bin ich dort, als Mensch. Lebend, atmend, transpirierend.

Und manchmal auch inspirierend und inspiriert.

 

Ich möchte von meinem wichtigsten Erlebnis erzählen: ich habe Pat getroffen? Ja, Patrick Rothfuss. Warum ist mir das so wichtig und warum möchte ich davon erzählen? Warum nicht von all den schönen Momenten mit Bloggern und Freunden, mit Autoren und Verlegern und von meinem Hotelzimmer und ....

Weil das alles mich nicht bis ins Tiefste berührt hat. Pat hat mir gezeigt, warum ich Autor bin. Warum ich das auch weiter sein möchte. Warum es mir dabei auch wichtig ist, als Mensch hinter den Büchern wahrgenommen zu werden.

Pat (ich finde es schon seltsam, dass ich ihn so nenne, als kenne ich ihn, aber ich saß nur auf dem Boden, 4 Meter von ihm entfernt und er hat mich sicher nicht wahrgenommen) kam in Jeans und schlabberig-grauem TShirt auf die Bühne. Und er hatte sein Buch vergessen. Er hatte kein Buch, aus dem er vorlesen konnte. Es war aber ja nun eine Lesung angesagt ... zum Glück haben einige eine englische Ausgabe dabei gehabt und er ließ sich eines reichen. Er war begeistert, weil die Person Anmerkungen und Post-its darin gemacht hatte ... dann las er.

Ich muss dazu sagen, dass das Buch, aus welchem er las, leider nicht mein Fall ist. Ich liebe seine anderen beiden, aber die Auri-Geschichte ... nein, ich mag sie nicht. Das ist wichtig zu wissen, für das, was später kommt.

Er las im Stehen und nur 10 Minuten. Dann gab er das Buch mit Dank zurück und stellte sich den Fragen. Bevor ich einiges, von dem, was er gesagt habe, wiedergebe, möchte ich versuchen auszudrücken, wie sehr mich seine Art zu sprechen berührt hat. Er war lustig und authentisch. Er war ehrlich und leidenschaftlich. Er war völlig bei uns. Er mochte uns, mochte sich in dieser Situation. Er war völlig anwesend.

Auf die Frage, warum er das Auri-Buch geschrieben hat, antwortete er ausführlich und es brach mir fast das Herz. Er sprach davon, wie es ist, ein Buch (das andere, Name of the wind) 7 Jahre lang verkaufen zu wollen, keinen Verlag zu finden, mit einer Hauptfigur (Kvothe) fast 17 Jahre täglich zusammenzusein. Und dann über das Bedürfnis über Auri zu schreiben, die nicht die Hauptperson ist. Sondern nur eine winzige Nebenfigur, aber für Pat so etwas wie seine erste Liebe.

Oh, ich wünschte, ihr hättet ihn hören können, wie er über diese erste Liebe gesprochen hat, darüber, dass die geliebte Person einen oft nicht kannte, und nichts von dieser Liebe wusste und doch ist diese erste Liebe die schönste von allen (ich hatte so etwas, ja ... ). Und er hat sich das Privileg gegönnt, dieser ersten Liebe nachzugehen und die Geschichte über Auri zu schreiben, obwohl 4 Millionen Menschen darauf warten, dass er über Kvothe weiterschreibt.

Er erzählte dann über die Schwierigkeit zu schreiben, wenn besagte 4 Mio Menschen zuschauen, wenn man ihren Atem im Nacken spürt, als würden sie einem beim Pinkeln oder beim Küssen zusehen, mit dem Finger auf die Uhr ticken und sagen: make it worthwile, dude, make it good. So gut, dass ich es 80 mal lesen will ... 

Ja, der Druck. Natürlich warten auf mich keine 4 Mio Leser, aber schon die wenigen, die auf meine Fortsetzungen warten, reichen mir.

Er sprach darüber, dass offenbar die Filmrechte schon verkauft sind, und dass er sich wünscht, dass es nie nie nie passiert. Weil es schlecht würde. Er sagte nicht genau warm, aber er deutete an, dass es am besten wäre, es gäbe 6 Folgen, dann würde es abgesetzt und dann würden die Rechte neu vergeben.

Das ist auch ein Leid, welches ich nachvollziehen kann.

 

Jetzt gehe ich weg von Pat, weil es mir hier darum geht, was es für mich bedeutet: ich will besser werden, ich will so sein, wie er. Also so wie ich sein kann, wenn ich er wäre. Äh, ja, also ich will meinen Weg finden. In den Nachwehen der Messe fiel öfter das Wort Rampensau im Zusammenhang mit mir. 

Ja, ich nehm das mal so hin.

Ich kann damit klarkommen, wenn ich sagen darf: alles was ich will ist spielen: ich will zusammen mit anderen unglaubliche Dinge schaffen. Ich möchte das Rampenlicht nicht nur auf mir, sondern auf all denen, die Kunst schaffen, die die Herzen der Menschen bewegen, die zuhause in ihrem Kämmerlein ihr Innerstes aufs Papier oder die Tastatur kotzen und nicht schlafen können, wenn die Kommas nicht richtig sitzen.

Ich möchte nicht allein dort stehen, aber ich möchte dort stehen. Ich möchte mich verneigen und freuen. Weil dann habe ich das Gefühl habe, mein Leben hat einen Sinn, weil ich die Welt etwas besser gemacht habe. Und ich weiß, dass es vielen anderen Autoren ähnlich geht. Nicht jeder möchte wirklich im Licht stehen, aber alle wollen ein Streichholz, eine Fackel oder eine Taschenlampe sein, in deren Licht andere die Schönheiten der Welt sehen.

Pat ist für mich ein Suchscheinwerfer. Und ich geh dann auch mal wieder schreiben, weil ein Buch auf Vollendung wartet. Ich bilde mir ein, es gibt Leute, die warten auch darauf. 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Sabine/Joey (Donnerstag, 19 März 2015 13:16)

    Liebe Anja,

    jetzt war ich auch auf der Messe, durch dich und deinen Blogpost :)
    Und was du darüber schreibst, spricht wiederum mich im Innersten an, genau das fühle ich auch immer stärker: mit dem Schreiben verwachsen sein, authentisch sein, mein Lichtlein hochhalten für wen immer es interessiert ...

    Auf zum nächsten Con!

    Liebe Grüße
    Sabine/Joey

  • #2

    Antje Ippensen (Donnerstag, 19 März 2015 23:40)

    Hallo Anja, endlich einmal eine leidenschaftliche Messe-Erzählung! Ich weiß, andere Autor/innen/Besucher/innen geben sich auch Mühe und ich lese so manchen Bericht gerne, aber durch Deine Zeilen habe ich wirklich etwas gespürt. Danke.
    Herzlich
    Antje

  • #3

    Chris Ulrich (Freitag, 20 März 2015 10:46)

    Das war jetzt aber mal inspirierend!
    Dankeschön!

    Liebe Grüße - und weiterhin viel Spaß, Erfolg und wunderbare Momente mit deinen Projekten

  • #4

    Frank Gerhardson (Dienstag, 05 Mai 2015 15:05)

    Ich war bisher nur auf einer Lesung von dir. Du bist schon gern dort oben, interagierSt aber viel ! ;-) Dementsprechend Rampensau im allerpositivsten Sinne! :-) Liebe Grüße Frank