5 Mal Zweifel. Vom Auf und Ab.

Warum ich meinen Job als Autorin manchmal ein schlimmes Auf und Ab finde?

 

1. Am Aller-aller-aller-Schlimmsten ist die Zackenkurve von amazon. Welcher Autor kennt es nicht, das böse Dashboard, auf das man so oft starrt und jedesmal ist es eher wie eine Geißel, statt ein überraschtes Augenaufreissen. Für alle Nicht-Autoren: Die Zackenkurve zählt auf einem Graphen Verkäufe pro Tag. Und auf dem linken Zahlenstrahl sollten gefühlt immer so 100 oder so sein, oder 1000 oder ... aber in Wirklichkeit ist da eher ne 1 und an super-duper Tagen eine 10. Jedesmal kommt man dann auf dumme Ideen: Eines der Bücher mal wieder kostenlos machen? Dann bekommt man eine Riesenzacke in grün. Tolles Gefühl. Wie Absinth: grün, süß und dann bitter, später halluziniert man von Rankings und Weltherrschaft. Bis das Buch wieder was kostet und die grüne Zacke verschwindet.

 

2. Das nächste Auf und Ab ist das Schreiben selbst: Man hat ne Idee und die ist Gold! Bonanza! Los gehts, das wird ein Mega-Seller! Ja, klar, die ersten Worte und dann noch ein paar und dann ... stop, brems dich: du hast ja noch keine Ahnung über die Chars, welche Haarfarbe, welche Augenfarbe und wo spielt das? Gibts in Hintertupfingen auch so eine Location, oder wird der Leser aus Hintertupfingen merken, dass du da was erfunden hast? Recherche!!! Ich schreibe ja auch chronologisch, da kann schonmal eine Szene nerven und man hat überhaupt keine Lust, die zu schreiben. Aber da muss man durch.

 

3. Bin ich gut genug? Jajajaja, die Rezis sind gut. Die Leute haben es gekauft (nicht genug Leute, nicht genug). Hab ich genug Werbung gemacht, oder zu viel? Mach ich genug auf den Social Media, oder zu wenig. Gewinnspiel oder nicht? Ist mein Buch gut? Ach, das hab ich schon gefragt. Ist es nicht besser, mal was anderes zu schreiben? Könnte ich das? Soll ich nicht doch einen Agenten und dann einen großen Verlag ... so richtig mit allem Zipp und Zapp. Mensch, oder soll ich mal rumjammern, so richtig laut und allen, die denken, dass mir die Sonne aus dem Arsch scheint, mit der Realität konfrontieren? Nein, nein, mach das nicht, das will keiner wissen. Lass sie alle denken, du sparst auf dein Ferienhaus auf den Malediven. Nee, meine Bücher sind scheiße. Die paar, die die gut finden, reißen es nicht raus. Ich sollte es lassen, Brötchen im Baumarkt verkaufen und den Rest der Zeit abhängen.

 

4. Wenn der Tag rum ist und meine Augen kaum noch den Abendfilm sehen; wenn ich meine echte Familie nicht erkenne, weil meine Buchfiguren mein Denken kontrollieren. Wenn ich beim Einschlafen, während des Schlafens und beim Aufwachen nur an die Story denke. Wenn ich es hasse, dass jemand während dem Hundespaziergang sprechen will, weil ich will nicht sprechen, ich will denken!!!! - dann zweifelt ein kleines Stimmchen und nagt: Es kostet dich viel zu viel Zeit und Energie.

 

5. Wenn ich lese, was die Leute so lesen. Wenn ich diesen Kram, dieses hirnerweichende Scheißzeug lese und denke: Herrgottsakra! Mit so einem seichten Mist macht man also Geld? Warum warum warum kann ich das nicht? Warum kann ich keinen solchen Herzschmerzbestseller schreiben? So wie Nicolas Sparks oder sogar wie die, die über Ereketionsstörungen bei einem Vampir schreibt? Bestseller! Ja, genau, ist so. Ich drück mir bald die Augen raus, schneid mir die Finger ab. Dann ist Schluss und ich muss was anderes machen. Ach, nee, doof, ohne Augen und Finger. Mach ich nicht. Aber Zweifeln tu ich schon, an dem, was manchmal Bestseller ist. Seufz.

 

Punkt 1-5 habe ich täglich und zwar mehrmals, in wechselnder Reihenfolge. Nur mal so gesagt. Ich mach trotzdem weiter. Ist wie mit einer Droge: die Höhenflüge vergisst man nicht, und man schafft und schafft, um noch einmal und noch einmal welche erleben zu dürfen.

 

Meine Freundinnen, die ich unten aufgeführt habe, kämpfen auch täglich. Womit? Lest hier: (links folgen)

Hope Cavendish

Melissa David

Gloria Manderfeld

Thomas Knip

Kay Noa

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Michael Kieweg (Sonntag, 17 Januar 2016 13:48)

    Wobei man viele Drogen ja irgendwann nicht nimmt damit es einem besser geht, sondern nur noch weil es einem sonst echt Scheiße geht.
    Gilt besonders bei den harten Stöffchen.

  • #2

    Sylvia Rieß (Sonntag, 17 Januar 2016 14:30)

    Hallo Anja,

    DANKE!!!! Einfach nur DANKE für diesen Beitrag. Es ist zwar nicht schön und macht es nicht besser, aber es ist so beruhigend zu wissen, dass sich andere genau dasselbe denken, genau dasselbe durchmachen wie man selbst. Ich kann jeden deiner Punkte so mitfühlen, wie du ihn schreibst. Besonders Punkt 5 zermatscht mir echt manchmal das Gehirn.
    Das Einzige, was mich dann ein wenig runterholen und rausholen kann aus all dem Elend, ist mein Brotjob, meine zweite Leidenschaft und mein zweiter großer Traum, den ich fürs Schreiben nie aufgegeben habe, weil ich wusste wie verdammt schwer es ist, davon zu leben. Ich bewundere jeden, der sich das Vollzeit gibt. Der nicht manchmal ausbrechen und sich sagen kann : Ruhig Blut, die Sterne-Bewertungen auf Amazon sind nicht das, wovon dein Lebensglück abhängt.
    Ich meine, ja verdammt du hast so Recht, wenn du schreibst, wie hart es ist sich jeden Tag immer wieder selbst zu hinterfragen. Aber ganz ehrlich. Deine Äetherwelt ist einfach viel zu groß und einzigartig, als dass du sie im Stich lassen dürftest. Allerdings, wenn dir danach ist, mal in anderen Genres zu schreiben, einfach um aus dem eigenen Trott auszubrechen, dann mach das doch. Ich wette, es wird genauso großartig.

    Liebe Grüße Sylvia