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Ein Spiel machen, Teil 3

Ich hab ja schon erzählt, dass ich Spiele liebe, die hübsch aussehen. Schlechte Artwork und langweiliges Zubehör ist doof. Zuviel Zubehör ist doof, und ganz doof ist, wenn das Spiel sehr liebt, es aber doll empfindlich ist.

Mein Spiel soll ja für jeden so ein bisschen was sein. Ganz kleine Kinder waren schnell raus, denn lesen sollte man können. Ich denke, unsere Zielgruppe sollte mindestens acht Jahre alt sein.

Warum?

Nun, das ergab sich halt. Ich muss sagen, der Prozess des Spielerfindens war nicht wirklich linear. Wir haben ein bisschen nachgedacht, Ideen gesammelt, dann hab ich was entworfen und dann haben wir getestet und dann habe ich was Neues entworfen und und ... so wuchs es und wurde geschliffen.

Ein Durchbruch war ein Testspiel mit meinem Bruder ... aber ich greife voraus.

Was sollte denn das Thema des Spieles sein? Schnell war ich bei der Idee, dass ja eine der bekanntesten Dinge über Wichtel ist, dass sie wichteln. Oder wer wichtelt? Wichteln Wichtel auch?

Ja. Das war meine Idee: Was, wenn Wichtel wichteln? Ich mag das. Es ist so ein bisschen heile Welt. Geschenke mag doch jeder. Wenn man wichtelt, dann weiß man oft nicht wirklich viel über seine Zielperson. Und das war dann mein Aufhänger. Was, wenn du eine Zielperson hast und erst einmal herausfinden musst, was die mag?

Dann kam die Überlegung: was gibt es denn zu mögen? Das muss ja irgendwie begrenzt sein. Wir haben uns auf Blumen, Obst und schöne Steine geeinigt. Das Spiel geht also etwa so: Man muss erst einmal jemanden fragen, was die Zielperson wohl mag. Wenn man das weiß, macht man sich auf und sucht danach. Also zb mag Zussa die Farbe Rot (in dieser Partie, das nächste Mal mag sie vielleicht Grün, das wird zufällig durch eine Karte ermittelt) und Obst. Nun kann man also rotes Obst suchen, oder einen roten Stein und eine Mirabelle ... 

Aber wo ist das?

Es gibt drei verschiedene Obstbäume zu finden, aber welcher davon der mit den leckeren roten Äpfeln ist, erfährt man erst, wenn man dort ist.

Links ist der Baum mit Blüte.

Und wenn man den umdreht, dann sieht man erst, welches Obst er trägt.

Rechts also der begehrte Apfelbaum.

Ein grundlegender Mechanismus des Spieles ist also, dass man diese Bäume (und Beete und Steine) umdrehen kann. Aus welchem Material sollten dann diese Scheiben sein? Da kommt dann wieder Rechnerei und mein Musterkoffer zum Einsatz.

Ich habe mir von einer günstigen Onlinedruckerei einen Musterkoffer schicken lassen. Weil: Alles, was normalerweise in solchen Spielen ist, wird in einer 1000er Auflage gedruckt, also mindestens tausend Spiele ... So viele will ich aber nicht ... 

Und mit Alles mein ich auch Alles. Karten, Spielpläne, Schachtel, jede Komponente. Ich brauchte also günstigen Ersatz.

Ein Problem war schnell: der Spielplan ist zu groß. Wir wollten mindestens 50x50 cm. Und mein Traum wäre Lastwagenplane gewesen ... aber: in welche Schachtel soll das passen? Durchschneiden? Ja, das geht, aber das war nicht elegant. Die Plane ist immer noch meine Lieblingsoption, aber wir haben etwas anderes gefunden. Dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Warum eigentlich durchschneiden? Weil man so einfach keinen 50 cm langen Karton findet. Den man mag, bezahlen kann und der gut in ein Regal passt.

Glaubt mir, ich habe einige Produktmuster hier. Die sind blöd.

Und die Karten, die man braucht ... sauteuer.

Aber der Produktkatalog der Onlinedruckerei (wir machen druck) hat Lösungen. Die Bäume zum Beispiel habe ich auf 10cm durchmessende 2mm Displaykartons drucken lassen, rund gefräst, vorne und hinten bedruckt und beidseitig UV-Lack behandelt. Und dennoch bezahlbar. Denn wir brauchen pro Spiel 12 Stück!

Es galt eben, günstig aber dennoch tauglich zu bleiben. Schön wären auch runde Acrylplatten gewesen, die teilweise durchsichtig sind, aber die sind deutlich teurer. Und schwer. Worauf man alles achten muss!

Die Spielkarten sind als Deluxe Visitenkarten auch deutlich günstiger, als sie tatsächlich als Karten drucken zu lassen. So haben sie keine abgerundeten Ecken ... aber ... man kann nicht alles haben. Doppelseitig folienkaschiert sind die schick unempfindlich und ... ihr ahnt es: bezahlbar!

Jetzt soll das Spiel so sein, dass die Wichtel also das entsprechende Geschenk suchen und sammeln müssen. Da gibt es allerlei Hindernisse und Ereignisse, aber dann kann man zb einen Apfel ernten.

Aus was soll der Appel denn sein? Ich dachte, diese Dinger, die man in normalen Spielen hat (die man erst aus einem Gitter rausdrückt, so runde Pappscheiben) wären zu teuer. Darum habe ich Einkaufswagenchips gekauft, Etiketten machen lassen ...

 

Schick oder? Ah, pro Baum/Beet und Stein also 10, es gibt 4 Farben, also 40 mal die drei Arten: 120 pro Spiel. Mal 100 (so viele Spiele will ich mindestens machen): 12.000. Übrigens klebe ich den Aufkleber von Hand drauf. (Ich mach das fast gerne. Es ist eine Beschäftigung während Netflixglotzerei und eine gute Entschuldigung eine Serie zu bingen ...)

Ja, inzwischen habe ich tatsächlich ein bezahlbares Angebot für diese Pappdinger. Drückt mir mal die Daumen, dass das klappt, denn irgendwie ist die Kommunikation stotternd.

 

So, das war jetzt ein langer Beitrag, es wird nicht der letzte sein. Aber ich will euch zeigen, was mein Spiel so besonders macht. Danke fürs Lesen und bleibt gesund!

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