Wenn Besuch kommt.

Ihr kennt das: Wenn Besuch kommt, guckt man plötzlich anders auf seine Umgebung. Ich bin ja sowas wie ein Einsiedlerkrebs. Ich brauch alles direkt um mich herum. Eine freie Fläche bleibt keine Stunde leer. Ein Tisch ist eine Ablage. Stuhllehnen kann man behängen.

Aber kommt jemand zu Besuch, wird das plötzlich seltsam. Man justiert seinen Fokus, schaut mit den Augen des Anderen und schwupps, findet man nur noch Chaos, wo vorher die innere Ordnung alles schick machte.

Und dann werd ich schonmal bockig. So wie die Leute im Internet, die diese Memes teilen, wo sie sagen: Nimm mich, wie ich bin oder bleib weg!

Ja, mir ist es meist furchtbar wurscht, wie meine Bude aussieht. Wie ich aussehe. Mein Lebensglück hängt nicht davon ab, wie andere mich beurteilen.

Meistens jedenfalls. Manchmal ist das aber doch wichtig. Gerade als Kunstschaffende muss man - finde ich - wenigstens ein paar Gedanken darauf verwenden. Man kann danach immer noch sagen: Schluckt die Kröte, Leute! Aber ob man das tut, hängt ja davon ab, was man erreichen will. Also welches Ziel man verfolgt.

Will man einfach nur und ausschließlich Schaffender sein und so auch beurteilt werden, oder will man ebenfalls die Bemühung machen, sein Schaffen so aufzubereiten, dass die Zielgruppe (die auch gut bedacht sein will) damit das Beste anfangen kann?

Was nutzt nämlich das beste Schaffen, das tollste Kunstwerk, der dichteste Roman und das lebensverändernde Gedicht, wenn es nicht wahrgenommen wird?

Nun gibt es Millionen Möglichkeiten, wahrgenommen zu werden. Da hat man die Wahl. Toll, oder?

Ich wundere mich immer, wie sehr manche genau diesen Schritt als mühsam und nicht gehenswert betrachten. Mir verbietet sich allein mein Stolz auf meine Sachen, diese Bemühung nicht zu machen.

Bemühung - Mühe. Ja, es macht Mühe, denn man übersetzt ja das, was in einem vorgeht. Und wie jede Übersetzung wird es vielleicht ungenügend sein. Es wird vielleicht nicht ankommen, funktionieren, verstanden.

Das tut weh und ist dann oft der Anfang des frustrierten Künstlers. Des "unverstandenen", "verkannten". 

Ich hab meinen Weg darin gefunden, dass ich mir bei all meinen Unternehmungen meistens vorher klar werde, für wen die sein sollen. Sollen sie rein für mich sein - oder für die kleine Gruppe von Leuten, die eigentlich alles gut finden, was ich mache - oder will ich mehr? Welche Bemühungen bin ich bereit, auf mich zu nehmen, um dieses "mehr" zu erreichen?

Wenn es mir also egal ist, wie man mich und meine Bude aka Werke findet, dann räum ich halt nicht gründlich auf, zieh mich halt nicht extra schick an und gestalte den Kram so, wie es für mich ausreicht.

Es kann aber sein, dass ich aufräume, mich in Schale werfe und meinen Kram ein oder zweimal mehr überprüfe, damit er perfekter ist. Das ist dann nicht nur, weil ich von euch geliebt werden will, sondern weil ich euch liebe. Und es mir wichtig ist, verstanden zu werden.

In diesem Sinne: Seid vielleicht nicht immer bockig. Manchmal lohnt sich das echt nicht. Und manchmal ist es einfach das falsche Signal, auch wenn ihr es anders meint.

Alles Liebe!

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