2017 - alive and kicking.

2017. Großartig. In vieler Hinsicht. Und dennoch bin ich überrascht, wo es mich hingebracht hat. Und neugierig, wo es mich noch hinbringt.

 

Es ist viel Süßes in dem Körbchen. Die ganzen Veranstaltungen! Egal, ob es um das Amt oder um Bücher ging, alle waren wertvoll - bis auf eine, aber da sag ich nichts zu.

 

Generell hab ich weniger gesagt. Dennoch wird mein Artikel: "Ich weigere mich!" nahezu täglich von irgendwem gelesen und ich frag mich oft, ob das das Bild ist, was ich abgeben will. Aber dann denk ich: man hat es doch kaum in der Hand, oder? Die Leute lesen, was sie lesen wollen, und sie denken, was sie denken wollen. Da kann man nur gelassen bleiben. Und dennoch seine Meinung sagen. 

 

Lesen ... tun die Leute meine Bücher. Zum Glück, denn das ist es ja, was ich eigentlich will. Dass ich auf machen Veranstaltungen mehr mit meinem hinzugekommenen Schnickschnack verdiene, ist symptomatisch für die Zeit. Lesen ist etwas, was nicht an erster Stelle steht. Und die Leseratten lesen lieber leichte Kost. Zu Ostern werden Osterhasen geküsst, im Sommer schmecken die Küsse nach Brombeeren und im Winter nach Zimt. Oder sie wollen es spannend und blutig. Wie viele Bücher kann man nacheinander lesen, wo perverse Serienmörder auf noch perfidere Arten Frauen abschlachten? Oder wo Frauen-Kommissarinnen/Pathologinnen/Agentinnen Serienmördern auf die Spur kommen, um irgendwann selbst in seinen Klauen ... Ja, ich hab sowas auch mal ganz gerne gelesen, aber das ging vorbei.

 

Ich hab zuletzt einige Kurzgeschichten geschrieben: ein Genre, was ich auch als Leser inzwischen sehr sehr liebe. Kurzgeschichten sind wie Pralinen und im besten Falle ist eine Anthologie eine sinnliche Erfahrung. Dennoch sind die Bücher oft eine Innenschau der Szene. Der Literaturszene. Wobei der mich nicht kennende Leser nicht denken sollte, ich triebe mich in erlesenen Kreisen rum .. .nein, nein, ich hab´s weiterhin mit Kleinverlagen. Allerdings ... tatsächlich mit Verlagen. Und da hab ich einige tolle kennengelernt. Die Szene ist großartig, lebendig und wertschätzend.

Größtenteils. Auch hier durfte ich mal wieder eine Erfahrung machen, die einen zweifeln lässt. Gaslighting, nennt man es, wenn einem erklärt wird, dass das, was man zweifelsfrei sieht, nicht wahr sein soll. Wenn man dann aber Mitstreiter kontaktiert, und endlich merkt, dass man einem großen Betrug aufgesessen ist, dann ist es bitter. Bitter, weil man es nicht ändern kann: die Rechte der Verleger sind derer viele, die Autoren haben das Nachsehen. Sie haben ja unterschrieben und nun sind sie die Dummen. Und wer hat als chronisch unterbezahlter Schreiberling schon die Kohle, einen Rechtsstreit durchzufechten über etwas, was im Vertrag sowieso schwammig formuliert war und man ist doch mit den besten Vorsätzen und Freude an das Projekt gegangen! Man hat Stunden, Tage, Wochen und Monate geschrieben und dann abgegeben und es verschimmelt irgendwo, weil der Verleger keine Anstrengung macht, es wirklich unter die Leute zu bringen. Muss er ja auch nicht. Also schon, aber wie viel nun genug ist. und ab wann er sagen kann: es lief halt nicht ... das ist schwammig. Und Geld bekommt man auch keins, weil ... es ist ja nicht gelaufen.

Schwarze Schafe gibt es überall. Ich hab Glück gehabt, dass bei all denen, mit denen ich zusammen arbeiten durfte, bisher nur einer war. Also nochmal die Bitte an alle Autoren, die hier mitlesen: prüft eure Verträge. Lasst euch nichts gefallen. Verleger sind nur ganz ganz selten eure Freunde. 

Aber wenn man so einen gefunden hat, dann geht viel. Also so einen Verleger Freund. Dann geht ne geile Buchmesse, dann geht Verlags-Familie. Ein Für- und Miteinander. Wertschätzung. Unkompliziertheit, eben an einem Strang ziehen. Da werden dann auch schon mal Bücher an ferne Orte nachgeschickt, da ist kein Weg zu viel. Ich glaub, ohne meinen Verlag Edition Roter Drache und seinen tollen Chef hätte ich es wahrscheinlich aufgegeben.

 

Denn es bleibt hart. Es wird immer besser, aber ... ich hatte noch nie einen Amazon Bestseller. Ich müsste mal nachzählen, ob Aetherhertz im strengen Sinne inzwischen einer ist (also die Gesamtverkaufszahlen), aber wisst ihr was: ist mir wurscht. Da ist ja so viel mehr. Die Anthologie "Steampunk Chroniken Aetherwelt", die zeigt, was noch geht. Und dann der WeltCon! Mein eigener Con, ein Treffen von mehr als 100 Aetherweltverrückten. Das war gigantisch und davon zehre ich sicher noch lang.

Das Amt ... das Amt ist toll. Das Amt verbindet. Zeitreisepässe und Temporalmarken beglücken die Menschen über sie Szene hinaus. Und wenn es so sein soll, dass die Menschen sich danach auch für meine Bücher interessieren? Go with the flow.

 

Für mich ist der Weg immer das Ziel. Und meine Wege waren nur selten einsam. Sicher, schreiben tu ich allein, aber der Rest wird begleitet von entzückenden Menschen. Leute, die eigene Ideen mit reinbringen und mein Leben so bereichern. Ich bin nicht allein. Und daher -

 

- kann ich die paar Bitterkeiten, die das Jahr hatte, gut verkraften. Den schlimmen Verleger ... nun - er wird sein Fett wegbekommen, so oder so. Wir Autoren haben uns zusammengetan und zeigen Kante.

Die ewig schmerzenden Füße, die vielen Kilometer, die vielen Kisten, die geschleppt wurden. Die vielen Tage, an denen ich kaum zum Essen und Trinken kam und meine Wohnung, die mehr und mehr zum Warenlager verkommt.

 

Denn anderntags kommt eine Anfrage: möchtest du hier und hier mitmachen? Und ich bin atemlos und denke: jajajajajaja! Das nächste Jahr wird fulminant. Auch wenn ich immer älter werde und mein Körper mir gerade ständig signalisiert, dass er zu alt für manche Scheiße ist.

Aber ich bin ja nicht allein!

 

Zuletzt möchte ich also allen danken, die Teile des Jahresweges mit mir gegangen sind. Und alle aufmuntern, auch eigene Wege zu gehen, mutig zu sein, und Dinge zu wagen. Die Balance des Miteinanders ist es, die das Zusammenleben wertvoll macht. Macht Dinge! Seid großartig!

Vergesst aber nicht, und das hab ich ja nicht verschwiegen: es ist harte Arbeit. 10 Likes hat man schnell. 1000 Likes dauern.

Sucht euch eure Wegpartner aber aus. Man muss nicht überall mitmachen. Und nur, weil für die eine Gruppe ein Weg gut ist, muss das nicht einer sein. Verbieg dich nicht zu sehr, sonst brichst du nachher. Und manchmal ist dann keiner da, der dich zusammenklebt.

Ich werde weiterhin auf meinen Bauch hören, auch wenn er ständig "Käsesahnetorte" ruft. Meistens hat er recht.

In diesem Sinne bin ich gespannt auf das nächste Jahr. Es zeichnen sich ja schon einige tolle Dinge ab. Ich freu mich auf jede Nachricht von euch und jede Idee, die ihr habt. Ich wünsche jedem Autor den Erfolg, den er verdient. Lasst es langsam angehen, damit ihr Reserven habt, wenn es nicht so gut läuft.

Ich räum jetzt auf. Muss man am Ende des Tages ... äh Jahres ... ja auch mal.

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