Woman in the mirror

Ich hab die Tage eine Collage auf Facebook gesehen. GRRM und Stephen King saßen sich gegenüber. Und GRRM fragte King, wie er es schaffe, jeden Tag 6 Seiten zu schreiben. Ob er denn nie Facebook aufmache und mal über seine Person nachlese, was andere so denken, auch über die Bücher und so. Und King sagt: NO.

Ich dachte so: ich will wie King sein. Mal abgesehen von den anderen tollen Eigenschaften, klingt das total weise und vernünftig, sich nicht dauernd darum andere zu kümmern, was andere von einem denken. Viele Persönlichkeiten, die später als Wegweiser bekannt werden, kümmerten sich nicht darum, was andere dachten. Sie handelten einfach.

Ich selbst fühle mich oft eher wie eine Marionette, denn wie ein selbstständiger Mensch. So viele Fäden, an denen Menschen und Dringlichkeiten an mir zerren.

Aber manchmal weiß ich genau, was ich nicht will. Und das ist schon viel wert.

Gerade geht das Jahr los und das Gerenne um die Preise beginnt wieder. Der Seraph, der dpp, der Vincent, der KLP ... was auch immer sich da anbietet. Und wieder weiß ich: nicht für mich. Denn was auch immer man von so einem Preis hat, wenn es nicht ein direkter monetärer Segen ist, es ist flüchtig. Und bei den meisten Preisen, wie auch bei Rankings und Listen ... ist es gelogen. Es ist ein Blitzlicht einer Welt, in der genauso geschummelt wird, wie in allen anderen.

Was letztlich bleibt, ist nur, dass ich mir selbst in die Augen gucke. Und entweder schäme ich mich, oder ich bin zufrieden. Ich will lieber zufrieden sein. Denn nur ich weiß auch, warum ich manche Dinge so tue, wie ich sie tue. Nur ich gehe in meinen Schuhen.

Das bedeutet nicht, dass ich mir Kritik nicht zu Herzen nehme, denn auch das wäre dumm. Aber Kritik ist nur wichtig von Menschen, die deine Umstände kennen. Dieses ewige Bla bla und Klugscheißern auf facebook von Menschen, die keine Ahnung von der wahren Lebenssituation von anderen haben und wenig empathisch und manchmal sogar schädliche Tipps geben ... nein, danke.

Vielleicht besteht Stärke eben darin, sich den richtigen Menschen schwach zu zeigen.

Und noch etwas: selbstverständlich habe ich dennoch auch Vorbilder und versuche stetig, von ihnen zu lernen. Sich vorwiegend auf sich selbst zu verlassen bedeutet nicht, hochnäsig zu werden und guten - wertvollen - Rat aus kundigem Mund abzuwehren.

Aber letztlich entscheide ich.

Und vergleichen lass ich mich nur, wenn die Bedingungen fair sind. 

 

 

 

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Stephanie (Donnerstag, 30 August 2018 19:43)

    Ich hab Sie letztens in einem Lesezelt gesehen und lesen gehört. Zuerst kam ich mir fehl am Platz vor, aber es fasziniert mich doch, dass Sie so für Ihr Ding einstehen. Ich glaube, man merkt, dass Sie Ihr Schreiben trotz aller Widrigkeiten so lieben. Kurzum: ich mag Fanatiker im positiven Sinn..