DPP und Eierbecher

Als Kind habe ich immer tolle Geburtstage gefeiert. Es gibt da ja klassische Spiele, die nie aus der Mode kommen. Eines heißt Wasserlaufen. Jede Gruppe bekommt einen Eierbecher und schöpft damit Wasser aus einem Eimer, um es in einen anderen Eimer zu schütten. Auf Zeit. Man rennt also, verschüttet ne Menge und irgendwann ist Ende und der Wasserstand wird gemessen. Wer mehr hat, gewinnt. Vollkommen fair.

So könnte ein Publikumspreis sein. Jeder schüttet seinen Eierbecher voll Wasser in den Eimer, den er am liebsten hat. Hinter dem Eimer steht der Autor/Verlag/Künstler und freut sich. Und am Ende bekommt der Autor/Verlag/Künstler den Preis, dessen Eimer am vollsten ist, weil er einfach die meisten Fans hatte, die ihre Wasserladung bei ihm reingeschüttet haben.

 

Jetzt ändern wir aber die Spielregeln. Nicht alle Autoren dürfen hinter ihrem Eimer stehen. Es gibt schon ein paar Eimer, aber wenn man sein Becherchen nicht dort hinein schütten will, muss man es beschriften und am Ziel abstellen. Man weiß nicht genau, was mit dem Becher danach passiert. Man sieht auch den Autor/Verlag/Künstler nicht. Man weiß nicht ob es überhaupt was bringt, oder ob der Becher Wasser verschwendet ist. 

 

Was nun jeder einzelne entscheidet, ist sicher immer noch frei. Es ist immer noch möglich, dass ein Unbekannter gewinnt. Aber ich brauche sicher nicht mit dem Finger darauf zu zeigen, dass die zweite Variante deutlich ungerechter ist. 

 

Sei es wie es sei, man müsse ja nicht mitmachen.

Ich lasse es mir durch den Kopf gehen: ich habe letztes und vorletztes Jahr nicht mitgemacht. Ich habe meine Fans nicht dazu aufgefordert, für mich zu stimmen. Warum nicht?

Ganz am Anfang meiner Schreiberlingstätigkeit war ich mal auf einer Shortlist. Es ging um den Indie-Autor des Jahres. Und obwohl ich mir keine Chancen ausrechnete, war es großartig, auf dieser Liste zu stehen. Ich hatte das Gefühl, es ganz weit gebracht zu haben. Eine Riesenmenge anderer Autoren hatte ich ausgestochen, jucheee! Und wer sind denn die, die noch mit drin sind? Oh, recherchier .. hmm, nee die sind doch alle doof. Ich hab den Preis verdient! Ich bin so toll, so tapfer, so gut, die sind ... schlechter als ich. Ich will diesen Preis. Ich will da vorne stehen. Was zieh ich denn an? Dieser andere Nominierte ist ja ein Arsch, boah, sein Buch ist voll doof. Wann ist die Verleihung? Wem danke ich denn dann? Wehe ich gewinne nicht. Dann bin ich voll der Loser. Dann bin ich nichts wert. Das hab ich dann verdient, weil ich mir keine Mühe gegeben habe. Mist, und was denken dann alle von mir? Ich sollte mit dem Schreiben aufhören. 

 

Das sind die inneren Affen. Die wollen täglich, sekündlich gefüttert werden. Mit Zucker. Die wollen Zucker mit einem Blasebalg in den Arsch geblasen bekommen und jeden Tag werden sie lauter. Sie wollen sich gut fühlen und das um jeden Preis.

Preise machen mich zu einem schlechten Menschen. (Ich rede hier von mir, bitte, liebe Leser, anderen mag es anders gehen.) Also habe ich versucht, Preise zu ignorieren.

Jetzt bin ich seit einiger Zeit aber Mitglied einer Verlagsgemeinschaft. Wir Autoren wollen zusammenhalten und wir wollen, dass unser Verleger, der sich für uns täglich den Arsch aufreisst, weiterhin für uns da sein kann. Wir wollen, dass er verdient, damit wir verdienen. Und man verkauft mehr Bücher, wenn da ein Preis für verliehen wurde. Prestige.

 

Also ist da der DPP. Ich hab die Verleihungen zwei Jahre lang gesehen. Ich war entsetzt. Ich will nichts über die Bühnenshow an sich sagen, sondern über die Platzierung des Preises. Dieser ach so wichtige Preis wird am absoluten Ende einer Veranstaltung verliehen. Nachdem alle den ganzen Tag dort waren, wird das runtergerissen und die Händler packen im Hintergrund ein. Das Publikum ist weg, es sind nur noch die Prämierten und ihre Fans da. Und die warten die endlosen Laudatien ab, es wird applaudiert und das war`s. Da hilft auf der plötzliche Einsatz moderner Präsentationstechnik nichts, das Ganze war ein Trauerspiel. Onanie.

Jetzt wird eine eigene Veranstaltung drum herum gebastelt und er wird dotiert. Warum das gemacht wird, da kann ich nur spekulieren. Aber ich bin mir sicher, dass das nicht aus reiner Philantropie gemacht wurde. Das hat andere Gründe. Diese Orga hat kein Geld zu verschenken. Meine Spekulation (und bitte, achtet darauf, es ist Spekulation!): Der Preis wurde von seinem Ursprungsverleihungsort weggebracht. Die neue Veranstaltung ist neu. Man hat Angst, dass keiner kommt, weil man weiß, wie dieser Preis bisher verliehen wurde. Also würzt man das ganze mit Geld, dann kommt wenigstens jemand.

 

Und apropos Geld: Wie diese Liste, die Eimer, die da schon stehen, zustandegekommen ist, das will man nicht sagen. Also man sagt es schon, aber nicht, wer das gemacht hat. Das habe man denen versprochen. Warum? Ist es anrüchig, Jury zu sein? Ist es verwerflich? Sind die schützenswert? Was ist das Problem? Die Versicherungen, es wäre Insider und Menschen, die wüssten, was sie tun, reicht mir nicht.

Wenn ich es also nicht weiß, dann muss ich Schummelei und Klüngel unterstellen. Wäre nicht das erste Mal, dass diese Branche sich als ein Haufen von Klünglern darstellt. Ich habe nichts gegen Gemeinschaften und Zusammenschlüsse, ich bin selbst in einigen. Aber wenn es nur drum geht, Geld in gewissen Kreisen zirkulieren zu lassen, dann werde ich sauer. 

Menschen haben immer Gründe, warum sie Dinge tun, und Geld ist allzuoft einer davon. 

 

Jetzt wurde mir gestern Verachtung unterstellt. Ich würde es nicht wertschätzen, was da jemand tut. Ich würde rumjammern, dass ich nicht nominiert wäre und ich hätte nicht das recht, das alles zu kritisieren.

Doch darf ich.

Nur weil ein Branchenriese nicht nominiert wurde, und auch nicht jammert, dürfte ich das trotzdem, denn ... was schert den Riesen dieser Preis? Er hat doch genug ... Preise und Geld. Und wenn er den Preis wollte, dann könnte er ja seine Fans aufrufen, ihn trotzdem zu nominieren! Ist doch ganz einfach (Ironie) und er hat doch genug Fans! Er würde erdrutschartig ... ach nee um im Bild zu bleiben, sintflutartig gewinnen!

Ich muss einen Unternehmer für seine Arbeit nicht wertschätzen. Und ich dürfte den Preis trotzdem annehmen, weil ... wenn ich ihn tatsächlich bekommen würde, dann hätten sich ne Menge Fans für mich krummgelegt, und deren Aufwand nicht zu würdigen, das wäre wirklich sehr sehr schäbig von mir. 

 

Und ich darf alles kritisieren, was ich will. Ich muss mich nicht von oben herab behandeln lassen, nur weil manche den Fokus verloren haben. Die Welt dreht sich andauernd. Und nicht immer nur um die Gleichen ... 

Und es gewinnen eben nicht immer die Besten. Und nur weil jemand gewinnt, ist er nicht gut.

 

Ich hasse Preise.

 

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Welcher Autor will ich sein?

Heute stelle ich mir eine Frage, die sich jeder Mensch häufig stellt, wenn auch meist nicht bewusst. Aber wir treffen diese Entscheidungen ja dauernd.

 

Wer bin ich, wer will ich sein?

 

Und das auf zweifacher Ebene: erstens in unserem inneren Spiegel und zweitens im Spiegel der Welt, der Mitmenschen.

Ich stelle mir die Frage dann heute mal laut: welcher Autor will ich sein?

 

Will ich der stille Autor sein, der nur schreibt und sonst nichts? Ohh, das ist doch das Idealbild, denkt man so. Nur schreiben, alles andere macht der Verlag und am besten schreibt man im stillen Kämmerchen, in der einsamen Blockhütte oder so ... nur der Hund zu Füßen und die Katze auf dem Schoss, oder so. Und dann wird man berühmt, aber man muss sich nicht mit Fans rumplagen und dem Versenden von Lesezeichen und Teebeuteln.

 

Oder will ich der laute Autor sein, der ein Werk verbrochen hat und darauf rumreitet, bis der Arzt kommt. Der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und sofort eine Schreibschule aufmacht.

 

Es gibt noch die kooperativen Autoren, die sofort Rudelbildung betreiben und mit anderen Autoren Front gegen ... andere Autoren machen.

 

Oder man ist 24/7 für seine Leser da. Mit allem Zipp und Zapp und erwähnten Teebeuteln. Auf Instagram, Twitter und facebook. Autor zum Anfassen. Man weiß nachher alles von denen, bis hin zum Speiserest in den Zahnzwischenräumen, wegen extremer Nahaufnahmen bei Selfies.

 

Aber ... da ist es dann wieder genau, wie mit dem Mensch sein. Der eine so, der andere so. Und ich? Ach ... also ich habe gerade den großartigen Text von der grandiosen Meryl Streep gehört und bin total am Boden. Nicht im schlechten Sinne, sondern im Sinne von geerdet.

Der Dalai Lama soll mal sowas gesagt haben von wegen: die Welt brauche mehr ... und da waren auch Träumer und Geschichtenerzähler dabei. Ich fühle mich jetzt mal angesprochen. Ich würde mich zwar nicht als Bestsellerautorin bezeichnen (wie das manche Kollegen sofort tun, wenn sie mehr als 10 Bücher verkauft haben), aber ich hab in meinen vier Jahren erkleckliche Mengen verkauft. Ich hab also mit meiner Botschaft einige Menschen erreicht.

 

Meryl redet über Trump und über Menschlichkeit. Darüber, dass Medien missbraucht werden und gezielte Propaganda einem Mann zur absolut mächtigsten Figur der Welt macht, der weniger als ein Abziehbild ist. Der keine Werte verkörpert außer dem, dass es möglich ist, mit Ignoranz, Lügen und Dummschwätzen die niedrigsten Instinkte der Menschen wachzurufen, die es gibt. Der nichts als Wut und Zorn entfacht und was daraus wird, haben wir doch schon erlebt!

Ehrlich, ich schreibe keine historischen Romane, weil ich so gut in Geschichte war. Ich war mies. Ich will es auf den Lehrer schieben, aber ... was auch immer. Ich hab`s gemacht, weil es mir vom Settung her gefiel und ich wollte ja auch nur harmlose Unterhaltung schreiben. Aber letztlich schreibe ich etwas, was so heute wieder passt: ich schreibe von Fremdenhass und Feindseligkeit. Von Ausgrenzung und Abspaltung ganzer unschuldiger Bevölkerungsgruppen. Ich tue es letztlich im Kaiserreich, weil 1910 so eine spannende Zeit war, wo sowieso alles im Umbruch war. (Und weil ich halt eigentlich Steampunk schreiben wollte, ein saublödes Genre, dass auch nicht weiß, wo es hin will.) (Und weil ich Uniformen und hübsche Klamotten mag.)

Was ist meine Aussage (also die meiner Bücher)? Dass es nicht richtig ist, auszugrenzen. Dass es wichtig ist, transparent zu sein, Informationen zu verbreiten, Wissenschaft und Forschung zu ermutigen. In meinen Büchern sind die Leute intelligent und mutig. Das sind die Werte, die ich schätze.

Ich schätze keine Gewalt, falsche Coolness und ich glaube nicht, jemand ist mehr wert, weil sein Kontostand höher ist. Ich glaube nicht, dass jemand besser als jemand anderes ist. Ich glaube, jeder hat die gleichen Grundbedürfnisse und dass wir den anderen so behandeln sollen, wie wir selbst behandelt werden wollen.

 

Wenn ich als Autor und damit Künstler also Stellung beziehen soll, dann so: ich will, dass Intelligenz, Wissensdurst, und Mut wieder sexy werden. Ich will dass Heldinnen wie Agent Carter oder eben Annabelle Rosenherz mehr Aufmerksamkeit bekommen, als Trumps oder so. Ja, auch Vaiana geht da schon den richtigen Weg. Wir Künstler und Geschichtenerzähler müssen dafür sorgen, dass Leser dem nacheifern wollen. Wir müssen nicht nur dafür sorgen, dass wir gelesen werden.

Wenn ich das wollte, dann würde ich nämlich einen Millionär beschreiben der dämliche Frauen verführt und missbraucht. Und meine Cover wären einfarbig mit Kringeln und würden mit einem Wort beschreiben, wo oder wann, wie oft oder von wem sie missbraucht wird (After/Royal/50 usw). Oh, jetzt werd ich grad mal wieder sauer.

Nee, also ... was ich sagen will: Auch wenn mir das Alltagsautorengeschäft gerade mal wieder mächtig stinkt und ich in diesem Jahr definitiv etwas ändern muss, oder ganz aufhören ... Es macht eigentlich Spaß und es ist etwas, wo man mehr Verantwortung hat, als man denkt. 

Daher werde ich mich jetzt wieder um meinen Geschäfte kümmern. Aber am Ende mein Appell: werdet mutig. Schaut nicht weg. Lernt und hinterfragt. Werdet kritisch und bildet euch eine Meinung. (BILDET euch die, nicht sofort eine haben, sondern fundieren, nachhaken, forschen.) Und lasst nicht zu, dass wir Menschen auf die niedrigsten Instinkte reduziert werden. Lasst uns wie Roddenberry sein und lieber eine Sternenflottenakademie besuchen, als bald wieder Hitlerjugend.

 

Kein Trump-Desaster in Deutschland. Kein rechtes Gedankengut. Keine Gewalt. Keine Ausgrenzung. 

 

Bitte.

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Manchmal kann ich, wenn ich will.

Ich will ... mehr. Aber da sind ja immer Grenzen, und wenn man an solche gerät, dann muss man schauen, was man tut.

Es gibt die, die dann aufgeben. Ja, das ist eine Option, kommt ja auch auf die Grenze an. Ein totes Pferd soll man nicht mehr reiten.

Es gibt die, die die Grenzen niederreißen. Ja, geht auch. Manche Grenzen sind nur im Kopf. 

Und es gibt die, die Brücken bauen. Oder drüberspringen oder drumherum oder ... naja, jedenfalls welche, die Grenzen überwinden.

 

Jedenfalls ... gab es da letztlich diese Sache mit den ISBN's. Welche einigen meiner Bücher "fehlt". Für alle, die denken: oje oje, dann sind die doch keine richtigen Bücher!!! Doch, sind sie. Aber sie liegen dann halt nicht in Buchhandlungen rum, weil

- Buchhandlungen es nicht mit Selfpublishern haben. Verständlich, es gibt zugegebenermaßen viel Schrott.

- Buchhändler auch nur begrenzt Zeit haben. Sie suchen sich ihre Regalschätzchen aus. Verlage bieten an, Buchhändler bestücken ihre Läden. Nach welchem System auch immer, das ist jetzt hier nicht Thema.

- Buchhandlungen nur Bücher bestellen, die eine ISBN haben. Weil die dann im VLB stehen, im Verzeichnis lieferbarer Bücher. (Und auch wenn die Bücher da drin stehen sollten, stehen die manchmal nicht drin oder nur so, dass der Buchhändler sie nicht findet, aber auch das ist ein anderes Thema)

 

Bisher ist es so, dass meine erste Trilogie nur bei amazon oder bei mir zu bekommen ist. Und das war gut so. Aber jetzt wurde es Zeit, einen Sprung zu machen. Ich hätte mir jetzt natürlich selbst ISBNs kaufen können. Je 80 Euro das Stück. Das ist ein Haufen Geld und bringt mich immer noch nicht in Buchhandlungen. Ich brauche einen Partner. Nur ein Verlag und ein Verleger kann mir dazu verhelfen, diese Grenze zu überwinden. Und dann wurde mir klar: ich habe einen Partner!

Ich habe die Glasberg-Trilogie mit Edition Roter Drache publiziert und da war es nur logisch, dass ich jetzt mit der ganzen Aetherwelt dorthin migriere. Ich bin geehrt, dass der Verleger "Ja" gesagt hat. Es wird ein bisschen Arbeit. Ich werde die ersten drei Bücher nochmal durchackern und sie werden neue Cover bekommen (die hab ich ja schon mal gezeigt).

Ich bin da sehr sehr glücklich drüber. Es zeigt aber auch mal wieder: das ganze ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Es gibt dauernd Entscheidungen und manche sind wichtig und manche sind nur zu gewissen Zeitpunkten richtig. Ich bin erst jetzt so weit, ich hab viel gelernt.

Also: bald gibt es die Aetherwelt auch in allen Buchhandlungen. Das ist zumindest der Plan. Stay tuned.

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Warum ich einfach nicht kann, auch wenn ich irgendwie will ...

Achtung, es wird persönlich. Das hat was mit meinem Leben zu tun, weniger mit meinen Büchern. Obwohl das ja kaum trennbar ist.

Ich erzähl jetzt mal was über meinen Vater. Mein Vater war ein toller Typ. Er war fleißig, sehr intelligent, sah gut aus, er reiste viel und wusste viel. Er war Bezirksleiter einer Bausparkasse bei uns unten auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin (Kaiserstuhl). Alle kannten ihn. Alle. Der Bank-Lutz war in der CDU und Kassenwart beim Angelverein. Und er konnte gut saufen und feiern. Er war ein begnadeter Witzeerzähler und er hatte ein Gespür für Hierarchien. Er wusste, wie man nach oben kommt.

Ich war nach der Scheidung meiner Eltern (da war ich 10) bei ihm verblieben. Das war ok so, denn ich hatte alles, was ich brauchte. Ich wollte nicht weg, ich kam grad aufs Gymmi und war sowieso meines Vaters Liebling. Alles war prima (ja so hab ich das empfunden) bis auf die Zeiten, wo der Alkohol meinen Vater veränderte. Wenn er mehr als sonst trank, früher am Tag. Meist waren das die Wochenenden und dann gab es Streit. Man konnte ihm nichts recht machen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich 16 oder 17 wurde. Aber wir hatten uns gestritten. Und nach solchen Streits (die meist aus einseitigem längerem Anschreien seinerseits und Tränen meinerseits bestanden) war ich immer ein paar Tage Unperson. Ich war also an meinem Geburtstagsmorgen Unperson. Meine Geschenke lagen auf dem Tisch, aber niemand war da um mich zu umarmen oder so. Der Tag ging rum (keine Erwähnung meines Geburtstags) und mitten in der Nacht wurde ich geweckt. Mein Vater stand voll wie eine Strandhaubitze mit ein paar Geschäftskollegen (ebenfalls sehr betrunken) vor der Tür. Er wollte, dass ich aufstehe. Er legte seinen Arm um mich und erklärte diesen Männern, dass ich seine tolle Tochter sein, ich habe Geburtstag gehabt und er wäre sehr stolz auf mich. Dann durfte ich wieder ins Bett.

 

Ich liebte meinen Vater, wie man das so tut. Und ich litt lange unter dieser verdrehten Liebe, die er als einziges geben konnte. Ich machte meinen Selbstwert von seiner Anerkennung abhängig. Aber ... egal, wie sehr ich es drehe und wende: das kann es nicht sein. Selbst-Wert kann nur aus mir selbst kommen.

Einzig mein Stolz hat mich gerettet, eine Duckmäuserin zu werden. Denn ich wäre so gerne sein liebes Mädchen gewesen. Aber stattdessen hab ich mich vom Acker gemacht, sobald es ging. Ich weiß heute, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, worauf ich stolz sein kann, und das muss ich mir von niemandem sagen lassen. Vor allem nicht von Leuten, die mich überhaupt nicht kennen! Was soll das? Mein Vater hat mich nicht gekannt. Wie hätte er das auch können, dazu hätte er ja mal mit mir reden müssen.

 

Jetzt ist Stolz so eine Sache, die einem durchaus auch Einiges versauen kann. Ich schreib das heute, weil ich mal wieder mit mir hadere. Es geht um den PAN- das Phantastik Netzwerk.

Ja, ich weiß, wenn ich wollte, könnte ich da rein. Aber ... ich stell mir das so vor: Die Vorsitzende, die weder mich wirklich, geschweige denn mein Buch kennt (das hat sie fallen lassen wie einen faulen Apfel, als sie hörte, dass es SP ist), die würde ja kotzen. Die großen Namen ... die kennen mich auch nicht und vielleicht haben sie was gehört, aber was solls ... who is that anyway? Einige wüprden sich freuen und dann dürfte ich bezahlen und dabei sein.

Der einzige Grund wäre also, weil ich da was für SPs und so erreichen könnte. Weil ich ja prinzipiell so ein Netzwerk toll finde.

 

Wäre ich damals bei meinem Vater geblieben und hätte ich ihm immer nach dem Mund geredet, dann hätte ich mich nicht mit dem Sozialamt rumschlagen müssen, weil ich im Winter kein Holz zum heizen hatte außer dem, welches ich im Wald vom Boden gesammelt hab. Dann hätte ich mit 18 den Führerschein gemacht, anstatt auf der Straße zu sitzen und zu hungern, weil mich der Rechtsstreit so aufrieb, dass ich nicht essen konnte. Keine nachträgliche Sorge: ich hatte Wohnung und Essen. Ich hatte Freunde. Und ich hatte meinen Stolz. Ich war für mich eingestanden und hab gesagt: ich mach den Scheiss nicht mehr mit. Ich belüge mich nicht selbst indem ich sage, alles ist super. Die armen Leute, die das mitbekamen (Dorf halt) (Ich hätte vielleicht ein Pamphlet an die Kirchentür hängen sollen: der Bank-Lutz ist super Leute, macht euch keine Sorgen, eure heile Welt geht nicht kaputt, ich bin verkorkst, aber so sind die undankbaren Kinder ja). Nein ich konnte nicht mehr lügen, nur damit ich im Schoße der ach so bequemen Familie bleiben kann.

 

Und daher kann ich auch jetzt nicht in den PAN. Auch wenn ein Teil von mir das will. Auch wenn ich gerne teilhaben würde und die Macht des Netzwerks hätte. Aber ... ich hab meinen Stolz und ich hab kein Geld. (Wahrscheinlich hängt das auch zusammen, da arbeite ich dran.)

 

Ich hab einen fetten Kloß im Hals, weil ich das nicht will. Ich will keinen Streit und keinen Ärger. Ich will nicht ausgrenzen und mich nicht ausgrenzen. Aber ich kann nicht Teil von etwas sein, was in den Grundlagen falsch ist. Der Ansatz ist meiner Meinung nach falsch - aber das ist eine andere Diskussion. 

Ich musste aber mal loswerden, warum ich nicht kann, obwohl ich will. Das hab ich jetzt. 

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Warum Steampunk ein lausiges Genre ist.

Ja, das ist so. Alle wollen Steampunk schreiben. Inzwischen muss man es noch nicht mal mehr dauernd erklären. Aber lesen? Ach nö. Und die Verlage? Die Indies machen es. Aber die Großen lassen fein die Finger davon. Die haben nämlich nachgerechnet: es lohnt sich nicht.

Warum ist das so?

Schreiben: Autoren mögen Abenteuer. Und Steampunk hat welches. Wo sonst kann man fröhlich Science Fiction mit Fantasy mixen, Historie mit Romantik und zur Not noch Western oder Endzeit dazu mischen? Es ist so vieles möglich. Wie ich immer sage: Steampunk macht wieder weiße Flecken auf die Landkarte. Es lässt uns alltägliche Dinge neu sehen. Es lässt uns Abenteuer erleben, die man in engeren Genres nicht bekommt.

Lesen: Steampunker sind Macher. Sie basteln und nähen, sie sind immerzu beschäftigt mit dem nächsten und übernächsten Projekt. Ich will mal postulieren, dass sie auch stark visuell veranlagt sind, und das Fernsehen da einen stärkere Verlockung bietet, als das Buch. Die anderen? Nun, der Leser an sich ist skeptisch: bietet dieser seltsame Mix mir wirklich einen Mehrwert? Und diese Skepsis reicht, um nicht sofort zu kaufen.

Die Verlage: Naja, die rechnen eben hart. Wenn jemand wie Jim Butcher Steampunk schreiben will, dann darf er das, weil seine Fans hardcore sind und das lesen werden. Ansonsten, liebe Autoren, schreibt Genrerein, das passt besser ins Programm. 

 

Ich erlebe das alles täglich. Manche Tage nehme ich dann meine Bücher aus der Kategorie raus, um sie sichtbarer zu machen. Und packe sie in Fäntäsi, weil sie da vielleicht ... ein paar Tage später pack ich sie wieder zurück, weil, verdammt, sie sind Steampunk.

Ich frage auf Conventions und Messen immer erst, ob ich Steampunk noch erklären muss. Muss ich nicht mehr so oft, wie früher, aber immer noch oft genug. Und inzwischen sag ich auch, dass meine Bücher viel Fäntäsi, Krimi, Historie etc drin haben. Und es ist ja nicht gelogen. Trotzdem komm ich mir dann wie ein Verräter vor, wie jemand, der die Wanderhure auf Aether gesetzt hat.

 

Dazu kommt noch, dass Steampunk gerade "in" ist. Was all das bedeutet, was es für jede ehemalige Subkultur bedeutet: sie wird maistream und das macht sie oft nicht besser. Die Unken rufen schon lang den Untergang aus und das tut weh.

 

Aber wisst ihr was? Steampunk ist ein wundervolles Genre. Es ist nämlich eigentlich keins. Es ist eine Erlaubnis. Es ist so viel mehr als Krimi oder Thriller (wie soll man die beiden Cosplayen?). Es ist auch mehr als Fäntäsi, mehr als spitze Ohren, es ist für manche Lebenskultur.

Es ist die liebevolle Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit die es so nie gab, versetzt in eine Zukunft, die es so vielleicht geben könnte. Und es ist Fantasie, Spaß, viel Arbeit, Detailverliebtheit, genauso wie Ausgelassenheit. 

Es gibt mir die Möglichkeit, von allem das Beste zu picken. Und mich nicht in enge Grenzen einschränken zu lassen. Dass so viel Grenzenlosigkeit zu manch einer Ratlosigkeit führt, muss ich wohl in Kauf nehmen. Ich werde weiter daran arbeiten, eine Welt zu beschreiben, die mir inzwischen zu einer Heimat geworden ist.

Da geht noch viel.

Geht mit mir.

 

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Strange, stranger, Verlage

Liebe Schreiberleinchen, passt fein auf, ich erzähl euch jetzt was.

Wenn man was fertig geschrieben hat, dann darf man stolz sein. Man darf etwas dafür bekommen und man darf Ansprüche stellen. Man hat nämlich etwas geleistet.

Ich weiß, es ist die Mär noch nicht zu allen vorgedrungen, aber so, wie Frauen bei den Männern in der Kirche sitzen dürfen, wir alle der heiligen Messe in deutsch zuhören und wir das Klopapier seit ein paar Tagen per Knopfdruck bei amazon nachbestellen können, so gibt es heutzutage mehrere Möglichkeiten, mit dem Geschriebenen umzugehen.

Was man nicht tun muss, jedenfalls nicht zwingend, sind folgende Dinge: 

 

- Man muss keine Schreibgruppen besuchen. Man muss weder zu Stammtischen noch im Internet in Foren. Man muss sich nicht outen zu welcher Tageszeit man schreibt und wann einem die Plotbunnys durchs Hirn hoppeln.

- Man muss keine Schreibratgeber lesen. Man muss nicht Sol Stein oder sonst jemanden konsultieren.

- Man muss kein Pseudonym wählen, schon gar kein männliches als Frau oder umgekehrt. Und erst recht nicht für jedes Genre ein anderes.

- man muss keinen Agenten oder Verlag haben.

- man muss nicht für jedes Buch ne eigene Facebookseite aufmachen.

- man muss nicht alle paar Tage ein neues Gewinnspiel machen.

 

Was man dagegen darf: 

- man darf entspannt bleiben, auch wenn das Buch sofort auf Piratenseiten auftaucht.

- man darf die ersten paar Verlage, die an die Tür klopfen, ruhig ablehnen.

- man darf grottige erste Ausgaben seiner Werke drucken.

- man darf den Literaturbesserwissern widersprechen.

 

Das ist natürlich alles kein Weg zum Erfolg, davon rede ich hier nicht. Ich rede von den vielen Schreiberlingen, die ich getroffen habe, die am Anfang dachten, sie müssten all dies tun, oder nicht tun. Warum ist das so? Warum denkt man als braver Mensch, es gäbe für alles die eine Schablone, wenn die erfolgreichsten Menschen es einem doch vorgemacht haben, dass eben genau jene nicht gibt?

Eine Erklärung ist, dass der Weg beschwerlich ist. Man stößt auf Unverständnis und muss sich verteidigen. Die meisten Seelen sind verletzlich, gerade wenn es um Kreativität geht. Kreative Menschen müssen in unserer Gesellschaft oft sehr für ihre Passion kämpfen. Es ist nicht so wie bei Fußballtalenten (die ja auch nur durch harte Arbeit und ewiges Trainieren so weit gekommen sind), dass da ein gesellschaftliches Allgemeininteresse oder gar eine Akzeptanz besteht. Der, der schreibt wird erst mal als Sonderling abgetan.

Aber dennoch gibt es Zecken, die sich an einen heften, denn wer will nicht verdienen mit der Sucht des Menschen nach Geschichten? Denn wenn der Schreiberling ein Werk tatsächlich beendet hat, und es nicht grottig ist, dann ... dann kommen sie aus den Löchern.

- Schick mir dein Manuskript!

- Sie wollen Ihr Buch gedruckt sehen?

- Sie wollten schon immer Schriftsteller werden?

- Buchmarketing und Seelenverkauf - wir können beides!

 

Natürlich gibt es sie, die netten Verleger. Ich arbeite selbst mit einigen zusammen. Es gibt die Visionäre, die harten Arbeiter und die, die dich wirklich schätzen.

Aber es gibt auch eine Menge, die nur an dir verdiene wollen. Die dir erzählen, dass du das gut gemacht hast, BIS JETZT, jetzt übernehmen sie. Du brauchst nur hier, hier und hier zu unterschreiben und schwupps, machen sie dich reich und berühmt.

Aber wenn dein Buch nicht gleich so läuft, dann sind sie nicht schuld. Nein, du bist schuld. Sie haben doch eine Anzeige hier, hier und hier geschaltet. Nein nein, du bist zu wenig unterwegs, und vielleicht ist auch dein Buch nicht so gut, wie man gedacht habe, und schau, es gibt a, b und c Bücher. Und deins ist jetzt leider ein c-Buch. Entweder du bringst es unter die Leute oder es muss verramscht werden. Ach ja, du darfst es zum Sonderpreis ankaufen. Aus dem Vertrag lassen sie dich aber nicht raus, noooo way!

Der Vertrag ist auch so eine Sache, da kann man einen eigenen Blogpost drüber schreiben.

 

Naja, oder der Herr Verleger ruft dich an, erzählt dir lang und breit wie toll er ist und wie toll er dich findet. Er habe ein paar deiner Blogbeiträge gesehen. Du seist ja unangepasst, das findet er gut. Dass du kein Lektorat magst findet er gut (Herrgottsakra, wann hab ich das je gesagt????) weil, wenn du ein Buch mit ihm machst, dann gibts keins, dafür darfst du dir aus 123-Fotos jedes aussuchen, daraus macht er dann ein schönes Cover. Das Geld, welches du verdienst, scheffelweise, weil dein Buch wird ÜBERALL zu finden sein, das bringt er dir nach Hause, da er kein Bankkonto hat. Ja, klar, bekommst du nur 35% von ihm, aber du sollst doch nicht glauben, dass die 70% von amazon vollständig an dich gehen!!! Da musst du doch alles abziehen, und dann die Arbeit?!!! Nein, das macht er dann für dich. Schreib einfach was Nettes, was, ist ihm egal, er verlegt alles. Hauptsache billig. Anzahlung? Schnauf, da muss er eben seine Nebenhöhlen befeuchten. Nein, natürlich nicht. 

 

Leute, das sind wahre Geschichten. Ich bin traurig, belustigt und wütend im Wechsel. Ich will nicht verarscht werden und ich will auch nicht, dass andere verarscht werden. Also: denkt lieber ein paar Tage länger drüber nach. Und macht nicht alles, weil MAN es so macht und immer machen wird. Dinge ändern sich. Frauen haben das Wahlrecht bekommen und wir sind nicht gestorben, als wir schneller als 30 km/h gefahren sind. 

 

Bleibt stramm!

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Räusper ...

ui ui ich hab schon lange nichts mehr geschrieben. Warum? Ich bin unterwegs,. Hier und dort ... ich mach dies und das ... keine Zeit für meine Homepage.

 

Wisst ihr eigentlich, was das für ein Stress ist? Also diese Sachen alle. Früher war doch alles besser. da hat man auf seiner Reiseschreibmaschine getippt, nachdem oder bevor man sich zig Daiquiris reingeschraubt hatte, und dann hat man das Getippsel verschickt und dann wurde es gedruckt und man hat sich am Ende das Hirn rausgeblasen.

Mir kommt es vor, als hätte man mir zu Beginn das Hirn rausgeblasen. Und dann hätte ich getippt und irgendwann kommt das mit dem Alkohol.

 

Ich verbringe inzwischen manchmal mehr Zeit mit social media und Veranstaltungen, als mit Schreiben. Warum mache ich das? Weil es mir rein rechnerisch das Brot verdient. Es ist eine verdrehte Welt. Ich hab alle meine Bücher in diesem Strom amazon, aber davon könnte ich weder leben noch bringt mir das so viel ein, dass ich eine gewisse Würde bewahren kann.

Ich reise also herum und stelle mich an Tische. Ich schmink mich und lächle. Ich steh und steh und begrüße jeden und hör mir alles an und lese und erkläre meine Welt wieder und wieder.

 

Deshalb hier mal ein Dank an alle, die mir das Leben leichter machen: an alle die mich unterstützen. Das soll jetzt hier keine Oscar-Rede werden, und ich werde auch keine Namen nennen. Aber alles, was mich da am Laufen hält, ist dankenswert. Menschen, die mir beim Covermachen helfen (xanathon macht das auch für andere gerne ...). Menschen, die meine Welt mit beleben. Die das Amt bevölkern. Die mich einladen, die an mich denken, wenn es eine Veranstaltung gibt, zu der ich passen könnte.

 

Ich weiß, oft sieht es so aus, als würde sich die Welt um mich drehen. Tut sie auch, denn das tut sie für jeden. Aber in Wirklichkeit versuche ich nur, sie in meinem Hamsterrad schneller zu drehen, zu rennen und zu strampeln, damit es endlich geschieht, das Wunder. Das Wunder, dass ich vom Schreiben leben kann.

Warum ich das hier sage? Weil viele denken, ich könne das doch sicher. Nee, ihr Lieben: das ist ein Irrtum. Ich bin ja dumm und mache viele Fehler. Und daher: wenn ihr meint, ich bräuchte keine Hilfe mehr, dann ist das falsch. Das Blöde ist: ich hab so viele hilfreiche Menschen kennengelernt und weiß, dass es eigentlich echt unfair ist, noch mehr zu fordern. Dennoch: glaubt bitte weder, ich vergesse euch, noch denkt, dass ich euch nicht mehr nötig habe.

 

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, das Bild von dem Schloss richtig einzustellen. Verdammte Hacke, ich kriege es nicht gedreht. Aber ... so ist das manchmal. Danke ... für euer Verständnis.

 

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Ich wundere mich.

Eigentlich wundere ich mich nicht nur, ich bin wütend und sauer. Und ich möchte das ausdrücken. Aber eigentlich möchte ich einen Riesenhammer und dann gib ihm, immer druff auf die Kasperköpfe, die immer nur dann auftauchen, wenn ich was zum Thema Lektorat sage.

Was macht ihr eigentlich noch in meiner Timeline? Wir haben doch schon festgestellt, dass wir nicht zueinander passen? Wir haben unterschiedliche Ziele und Werte. Unsere Wege kreuzen sich zwar ab und zu, aber das reicht auch.

Was soll das also? Ich stichele euch an und ihr bellt zurück. Jedesmal. Warum? Ihr seid doch die, mit den ganzseitigen Anzeigen in Hochglanzblättchen. Die, die Werbeetats bekommen und Hotelzimmer und Minibars. Die mit Zimmerservice! Was interessiert es euch, was ich sage?

 

Mich beschleicht der Verdacht, ihr denkt, nur, weil ich viel sage und überall bin, wäre ich erfolgreich. Lächerlich. Ich verkaufe im Monat so viel Bücher wie ihr an einem Tag!

 

Wahrscheinlich gefällt es euch genau deshalb nicht, dass ich in euren Wäldern wildere. Es sind eure Wälder. Und man darf nur drin sein, wenn man die Riten durchgemacht hat. Agentensuche, Verlagsabsagen, überteuerte Schreibseminare ... schlimme Verlagscover, Ärger mit Lektoren ... dann bringt man Bücher raus, macht sofort einen auf Lehrer und sagt anderen, wie sie zu schreiben haben. Und was sie gefälligst zu tun haben, um RICHTIGE Autoren zu sein.

 

Das macht mich fuchsteufelswild. Und wisst ihr warum? Vor allem, weil ihr vermutlich nicht ein Wort von dem gelesen habt, was ich geschrieben habe. Nicht in diesem Internet, nein, in meinen Büchern. Ihr urteilt über mich als Mensch, nicht als Autorin.

 

Ich habe eure Bücher gelesen. Nicht alle fertig, denn ... manche sind leider gähnend langweilig. Ich sag nichts dazu. Ich rezensiere das nicht, obwohl mir zu manchen recht viel einfallen würde. Kein Spannungsbogen, mangelnde Charakterisierungen, ausufernde Beschreibungen, Infodumps, Wortwiederholungen etc.. Nee, ich versuchte sogar, das gut zu finden, wenn ich den Autor dahinter gut fand. Ich hab auf Facebook geteilt, was das Zeug hält und geliked und überhaupt.

 

Ich hab auch nichts mehr dazu gesagt, dass der Verein, der die Phantastik aus dem Kämmerchen holen will, plötzlich der Retter der Literatur sein will und Höhenflüge hat, die Weltherrschaftswillen nahelegen. Ja, macht! Es läuft doch gut für euch? Warum also immer wieder dieses Gegeifere?

 

Achso, weil ich auch nicht aufhöre, gegen euch zu sticheln? Nee, stimmt. Werd ich auch nicht. Weil es mir wichtig ist, ich sein zu dürfen. So bin ich, ich Idiot. Ich Unangepasste. Ja, ich gestehe, ich hätte gerne zu euch gehört. Zum Etablissement. Aber ich hab gemerkt, dass es nicht so ist. Und was jetzt? Schleichen wir umeinander herum, schauen uns nicht in die Augen und beharken uns im Internet. 

 

Ich glaube immer noch, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Dass es keine richtigen oder falschen Weg gibt. Ich bin nicht euer Feind. Das Business ist hart und wenn man glaubt, dass die Selfpublisher es schlimmer gemacht haben, dann verschanzt man sich zu sehr auf einem Level, welches in ein paar Jahren nicht mehr existieren wird.

Die Selfpublisher werden nicht verschwinden, nur weil man sie nicht gut findet. Und sie werden weiterhin Bücher ohne Lektorat herausbringen. Und es werden furchtbare Bücher drunter sein, grottige und nutzlose. Aber es werden auch wunderbare Bücher drunter sein. Und gut geschriebene und mit wenig Fehlern.

 

Alles ändert sich, aber Ausgrenzung war noch nie ein Weg. Ich spreche immer nur für mich. Ich brauche immer noch nicht zwingend ein Lektorat. Ich bin manchmal froh, wenn ich eins bekomme, manchmal nicht. Ich mach manche Sachen allein, andere mit Verlag. Ich mach ganz viel mit Leuten, ich mag Teams. Aber ich mag mich nicht verbiegen, um dazu zu gehören.

 

Daher meine Bitte: Entfreudet mich doch. Warum ich euch nicht entfreunde? Weil ich eigentlich gerne reden würde. Aber das, was bisher lief, nichts gebracht hat. Der Verein hat keine weiteren Anstalten gemacht, über das Thema Selfpublisher nachzudenken. Zumindest nicht öffentlich. Auf der Buchmesse wurde ich gefragt, ob ich denn meinen Büchern keine ISBN verpassen könnte. Erstens haben viele meiner Bücher eine, und zweitens: was nutzt sie mir, diese Nummer? Die Frage allein zeigt aber, worum es geht: möchte ich dazu gehören, muss ich euer Lied singen und: man hat mich nicht recherchiert. (Ich tue das übrigens, wenn mich jemand interessiert.)

 

Ich möchte aber integriert werden. Und zwar so, wie ich bin. Ich möchte nicht "nur" als Verlagsautor mitmachen dürfen und ich möchte, dass über die speziellen Bedürfnisse von Selfpublishern gesprochen wird.

Und wenn das nicht geht, dann möchte ich sagen dürfen, dass ich das doof finde. So wie ich es doof finde, wenn Integration auch anderswo nicht klappt. Weil es zu kompliziert ist und sich "keiner damit auskennt." 

 

Und wenn ihr mich dann doof findet, dann entfreundet mich bitte. Mit allen anderen bleibe ich gerne in Diskussion.

 

 

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Wo steh ich eigentlich?

Ich bin ja eher so eine Lokomotive. Ich fahr und fahr und ab und zu halt ich an, lad was ein und aus und dann fahr ich wieder. Meist klappt das ganz gut, weil ich viel Energie habe.

Im Moment habe ich weniger davon und halte daher inne. Das tut mir nicht gut. Das fahren auch nicht. Nichts tut mir grad gut. So ist das Leben manchmal.

So steh ich also hier und denk: wo steh ich denn? Ist das, was ich tu, gut und richtig? Soll ich, wenn meine Speicher wieder geladen sind, also weiterfahren, oder sollte ich das überdenken? Soll ich Autorin bleiben?

Das Foto hierzu habe ich gewählt, weil man ja nur einen Teil der Welt sieht. Man hat einen Fokus und die ganzen blinden Flecken. Man redet sich trotzdem ein, man könne das große Ganze sehen. Ist doch Unsinn.

 

Während ich selbst fahre, beobachte ich die anderen natürlich auch. Ich hab's hier schon oft erwähnt: ich finde vieles befremdlich.

- ich finde befremdlich, dass Autoren sofort, nachdem sie ein Buch rausgebracht haben, Schreibratgeber sind. Für mich ist der Prozess des Schreibens so individuell, dass ich allerhöchstens erzählen kann, wie ich es gemacht habe.

- ich finde es befremdlich, dass manche Autoren wie Popstars behandelt werden

- ich finde es sehr befremdlich, wie um die Gunst der Leser gerungen wird. Teebeutel, Kugelschreiber, Kindles und Kleinwagen (jaja, Übertreibung, ich weiß) werden da als Gewinne für den Kauf von Romanen versprochen

- ich finde es befremdlich, dass dauernd neue Gruppen gegründet werden, in denen Autoren für andere Autoren Werbelinks abwerfen.

 

Dann gibt es Dinge, die sind ganz schlimm. Die sind aber überall so: es gibt sie in allen Sparten: die Klugscheißer und Ewig-Besserwisser. Die, die das Abendland bewahren wollen und jeglichen Fortschritt mit Unkenrufen bewerfen. Die, die niemals etwas Neues ausprobieren und für die das gestern immer noch das Maß aller Dinge ist.

Im Buchuniversum sind das die, die am liebsten noch an Bleilettern lecken. Die reden dann von Dingen wie Schusterjungen in ebooks. Und sie würden nie ein Buch kaufen, welches nicht von einem Lektor(TM) bearbeitet wurde, der am besten noch in Reichsmark bezahlt wurde. Sie glauben, von Verlagen multipel zurückgewiesen zu werden sei die Hohe Schule der Autorenwerdung. Und dass Selfpublisher ihre Bücher in Copyshops drucken lassen. Oder von amazon, noch schlimmer.

 

Warum erwähne ich das alles? Weil es mir Kraft raubt. Weil ich eigentlich lieber nur schreiben würde. Aber ich muss meine Bücher ja auch an den Mann bringen. Also bin ich auf Facebook und auf Veranstaltungen. Und während Facebook mir Energie raubt, bringen Veranstaltungen die oft wieder. Wenn wir mit dem Amt unterwegs sind und den Leuten Lachen und Neugier abringen, dann ist das toll. Leider sind Veranstaltungen körperlich anstrengend. Das ist dann wieder schlecht. Und sie kosten Zeit. Zeit, die ich manchmal auch gerne mit meiner Familie verbringen würde.

 

Soll das hier ein Jammerpost werden? Jein. Ich denke aber, dass das Resumee vielleicht einigen helfen kann, die auch Autoren sind oder werden wollen.

Wie überall im Leben, muss man drauf achten wo man steht. Und je nachdem, wie man sich positioniert, wird es hart. Ich hab's mir schwer gemacht. Ich bin dickköpfig und gleichzeitig unfassbar naiv. Ich will immer alles und zwar sofort. Ich schreib Fäntäsy (igitt) und noch schlimmer: Steampunk. Was'n das? Steampunk ist doch Science Fiction. Geht ja gar nicht. Und schon gar nicht als Frau. Verlage fassen Steampunk nicht mit der Kneifzange an. Das läuft doch nicht.

Stimmt. Das läuft wie ein Zentner Lebkuchen. Nur zu bestimmten Zeiten, nur in bestimmten Zielgruppen. Wer es probiert findet es meistens ganz lecker. Aber dann reicht's auch. Nur wenige legen sich einen Vorrat an und essen immer und am liebsten Lebkuchen.

Also schaue ich zu, wie zwar Steampunk als Veranstaltung das Mittelalter ablöst und verkaufe auf solchen Veranstaltungen auch gut, bin aber ansonsten froh um jeden einzelnen Verkauf der sich auf amazon abspielt. Wo andere mit hübschen Trivialromänchen abräumen und 5-stellige Beträge im Monat verdienen. Wo sie dafür dann noch belohnt werden (warum eigentlich, amazon? Die verdienen doch genug, warum müssen sie noch einen Bonus bekommen? ach ja, damit sie bei dir bleiben, verstehe).

Ich versuche es natürlich auch noch anders, wildere in anderen Genres. Da ich aber nicht für alles eine Blogtour mache, keine kindles verlosen kann und kein erkleckliches Werbebudget habe, bleibt auch das ... marginal. Ich arbeite mit Verlagen und Herausgebern zusammen. Das ist auch anstrengend. Manchmal gut, manchmal nicht so.

 

Was mach ich denn jetzt? Na klar, weiter. Ich mach weiter. Ich wollt's nur mal gesagt haben. ich wollte es mal, für alle, die bis hierhin lesen, gesagt haben, dass ich es sauschwer finde. Und für alle, die etwas anderes denken: es lohnt sich nicht. Trotz einiger Bücher, einem Kartenspiel und anderem Zeug, welches ich verkaufe, lohnt es sich nicht. Ich schwimme nicht im Geld, würde ich es in ein Becken werfen und reinhüpfen, würde ich mir das Genick brechen. 

 

Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Ist das, was ich tu, gut und richtig? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich gedacht habe, es wäre leichter. Ich weiß, dass ich denke, dass ich weitermachen sollte. Ich hoffe, dass irgendwann ein Punkt erreicht ist, wo Leute, die Geld haben (und die soll es geben), mir welches davon abgeben und die Aetherwelt endlich durchstarten kann. Verdammt: ich will mein Brettspiel, ich will meinen Film und die Serie und die App .. den Comic, die Graphic Novel, den Themenpark ...

 

Wo steh ich eigentlich? Ach Scheiß drauf, ich bleib nicht stehen. Ich fahr lieber. Bis bald. Ach, und wenn ihr mich anschubsen wollt, gerne! Denkt mal drüber nach. Wer meine Bücher gelesen hat, kann die aber immer noch verschenken. Oder ein Aetherdeck kaufen. Oder zwei. Geht hier über die Homepage ganz leicht. 

Danke.

 

 

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epubli und kein Ende

Vor langer langer Zeit, als ich noch jung und dumm war, habe ich einen Vertrag unterschrieben. Das macht man in Deutschland so, und das ist ja auch oft gut so. Ein Vertrag regelt für beide Seiten die Modalitäten der Zusammenarbeit.

Ich wollte meine Bücher auch außerhalb von amazon anbieten. Aber wie es nun mal läuft, es lief nicht. Wenn es nicht läuft, dann muss man schauen, ob man das Hindernis wegbewegen kann, oder eben einen anderen Weg suchen.

Ich bin dann exklusiv zu amazon gegangen, weil das select Programm mir einige Vorteile brachte. Ich habe per mail (9.09.2013) meinen Vertrag gekündigt und die Antwort bekommen, dass voraussichtlich innerhalb von einer Woche alle Shops meine Bücher aus dem Verkauf gezogen hätten.

Wie groß also meine Überraschung, als eine mail von amazon am 29.1.2016 mir sagte, dass ich entweder sofort dafür sorge, dass mein Buch aus dem Regal von KOBO verschwindet, oder sie würden alle meine Bücher sperren.

Ich habe dann epubli mails im Stundentakt geschrieben. Es hat einen Tag gedauert, bis endlich alles weg war. Keine Entschuldigung, keine Transparenz. Nichts. 

Weil das so nicht geht, habe ich einen Anwalt kontaktiert. Schließlich ist das für mich klar ein Fall von Urheberrechtsverletzung und von: wenn man es nicht kann, dann soll man es halt lassen.

epubli erklärt nämlich dauernd, dass das alles sehr aufwendig sei. Es sei nicht möglich, den Prozess der Löschung zu überwachen. Es sei ihnen keine Schuld bewusst, wenn überhaupt haben ja die anderen schuld (also KOBO).

Aber: ich habe einen Vertrag mit epubli. Und ich habe damit Rechte. Ich habe das recht, darauf zu pochen, dass der Vertrag eingehalten wird. So wie ich meine Seite des Vertrages einhalten musste.

Wenn epubli es nicht schafft, seinen Teil zufriedenstellend zu lösen, dann müssen sie aufhören! Dann ist die Dienstleistung nichts wert! Jeder Dienstleister weiß das! Man kann sich nicht aussuchen, welchen Teil des Vertrages man erfüllt und welcher "zu schwierig" ist.

 

Bis jetzt bietet epubli mir an, meinen Anwalt zu bezahlen und einen 100 Euro Gutschein. Aber ich will keine Bücher bei denen kaufen. Ich möchte, dass die aufhören, das Urheberrecht mit Füssen zu treten. Ich möchte, dass sie ihre Kunden gut behandeln. Ich bin sicher nicht die Einzige, der so etwas passiert ist.

Ich werde leider nicht viel erreichen, weil der wirtschaftliche Schaden nicht hoch ist. Aber es könnte bei jemand anderem einer entstehen. Als bitte: wer auch bei epubli ist oder jemanden kennt: lasst euch nichts gefallen und achtet darauf, dass die ihre Arbeit richtig machen.

In diesem Sinne: frohes Schaffen.

 

 

 

 

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Respekt

In den 80ern gabs mal so eine Sache, so eine Psycho-Sache: Thomas Harris schrieb Die Familienkonferenz. Sein Geschreibsel bezog sich auf eine neue Art der Psychoanalyse, die Transaktionsanalyse. Die Grundlagen dazu hat Eric Berne geschrieben. Wer sich ein wenig mit Psychoanalyse auskennt (und ein solides Halbwissen hat da ja jeder), der findet Parallelen.

Bei Berne gibt es aber nicht nur Es, Ich und Über-Ich, sondern einige andere spannende Dinge (bitte dort nachzulesen).

Das Spannendste an sich ist (für mich), dass es nicht nur um eine Einzelperson geht. Es geht immer um mindestens zwei, denn nur so kann ja eine Transaktion zustande kommen. Der Herr Harris nahm zur Grundlage, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, mit seinem Gegenüber umzugehen, abhängig davon, wie man ihn empfindet.

Ich bin ok, du bist ok -oder- Ich bin ok, du bist nicht ok. (Es gibt natürlich auch Ich bin nicht ok, du bist ok, etc, aber da will ich jetzt nicht drauf eingehen).

Ich bin ok, du bist ok. Wir sind beide ok, wir versuchen miteinander umzugehen. Wir versuchen und zu verstehen und zu respektieren. Wir versuchen uns zu helfen und uns auch zu lieben. Wir versuchen es miteinander, weil wir und gegenseitig (im besten Falle) gut finden.

Ich bin ok, du bis NICHT ok. Ich hab Ahnung, du nicht. Ich weiß, wo es langgeht, du nicht. Ich mache nichts für dich, ohne dass du etwas für mich tust. Du bist eine Zumutung für mich. Wenn ich etwas für dich tue, dann musst du mir dankbar sein.

 

Die erste Einstellung ist Respekt. Die zweite ist Arroganz.

Als Mensch und Autorin versuche ich, respektvoll zu sein. Das ist schwierig, denn viele Menschen sind das nicht. Das Internet macht es noch leichter, es nicht zu sein. Unsere Vorbilder in Politik und Sport machen es uns leicht, die arrogante Haltung anzunehmen, denn sie tun es ja auch. Millionen hinterziehen, sich zuviel Geld bezahlen zu lassen, mit dem Geld anderer Menschen zu spekulieren ... zu lügen und zu betrügen, das alles ist: Ich bin ok und es ist mir scheißegal ob ihr Blödis ok seid oder nicht.

Manche Leute meinen ja, es wäre ok zu sagen: Wir sind ok (Gruppe/Ethnie/Familie/Fussballverein) aber alle anderen nicht. 

Manche Autoren meinen: Ich bin so ok, dass ich sogar abschreiben kann, meine Leser (die nicht ok sind, weil ich die für dumm verkaufe) kaufen alles von mir.

 

Ich versuche ok zu sein. Und ich versuche, andere Menschen als ok zu nehmen. Natürlich habe auch ich Grenzen, und die muss ich setzen. Aber meine Grundhaltung werde ich nicht aufgeben, nur weil die Welt voll von laut schreienden Arschlöchern ist.

Ich werde weiterhin jeden Menschen mit dem Respekt behandeln, den er verdient. Und ich werde jedem einen Kredit geben, wenn ich ihn kennenlerne. Ist dieser Kredit aufgebraucht, und ich sehe keine weiteren "Einnahmen" in dem Geben und Nehmen, dann ist es allerdings vorbei mit der Transaktion.

 

Im Internet ist das leicht. Ich entfreunde solche Leute. Sind ja auch oft keine Freunde. Im echten Leben ist das schwerer. Nicht alles ist so leicht zu durchschauen, man erkennt nicht sofort wenn man manipuliert und ausgenutzt wird. Ich hinterfrage mich ständig und wundere mich immer, wenn andere Menschen mit einem festgelegten Handlungskatalog durch die Welt spazieren. Sie sind frei von Skrupeln, das kann auch positiv sein. Für sie. Ich beneide sie manchmal. 

Ich selbst bin unsicher, da ich immer glaube, irgendetwas verpasst zu haben. Ich glaube immer, alle denken erstmal so wie ich. Vertrauensselig. Naiv. Macht aber nichts. Ich leb damit schon ne ganze Weile.

 

Warum ich das erzähle? Weil man aus eigener Kraft ne ganze Weile laufen kann auf dieser Welt. Man kann rennen und springen und immer vorwärts gehen. Aber es gibt Momente, da strauchelt man. Da ist mal leer und verliert den Mut. Und dann kommt der Moment, wo man Hilfe bekommt, von Menschen, die Freunde sind. Die mich ok finden, so wie ich sie ok finde. Und die mir aufhelfen und mich weiterschieben. Sanft und liebevoll, bis ich wieder allein gehen kann. Und solche Leute behält man nur, wenn man sie gut behandelt. Und da wir Menschen und ich ganz besonders, andere Menschen brauchen, sind Freunde etwas ganz ganz essentielles zum Leben. Ich bin dankbar, dass ich welche habe und hoffe, dass ihr auch welche habt.

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Gefäße.

In mir drin ist ein Gefäß. Es ist nicht jeden Tag das Gleiche. Und es ist nicht jeden Tag voll. Das wäre schön. Es ist das Gefäß meiner Energie, meiner Lebenskraft, meines Chi, oder was auch immer man dazu sagen will.

 

Über den Tag wird das Gefäß oft leerer. Es passiert so viel, was Kraft kostet. Man gibt Mitleid aus. Man schenkt jemand anderem Aufmerksamkeit. Man ist auf einem beschwerlichen Weg. Man wird verletzt und muss heilen. Man ist entsetzt und muss Dinge verarbeiten.

 

Manche Tage wird es auch voller. Dann schäumt man über und egal was passiert, man hat immer noch mehr und mehr zu geben. Man bekommt auch etwas. Andere schenken einem Freude und Lob.

 

Ich versuche mir dessen bewusst zu sein. Das ist mir meine Gesundheit wert, denn ich merke, wenn ich mit dem Inhalt meines Gefäßes nicht haushalte, dann werde ich krank. Im psychischen wie im physischen Sinn.

 

Ich versuche mir auch dessen bewusst zu sein, mit was ich das Gefäß fülle. Ich will all die leckeren Dinge, manchmal süß, manchmal sauer, fruchtig, gehaltvoll, spritzig und auch schon mal bitter. Bei mir macht es die Mischung. Andere wollen nur Wasser. Oder sie glauben, ihre Gefäße mit Drogen und Alkohol gut füllen zu können. Aber das ist ein Irrtum.

 

Die Wasserleute sind anstrengend. Sie versuchen Reinheit zu erreichen. Sie sind oft dogmatisch und glauben, der Weisheit letzter Schluss zu sein. Dabei ist es glaube ich sehr anstrengend, das Wasser rein zu halten: ein winziges bisschen Fremdes und ... schwupps .. .ist die Reinheit dahin.

 

Es ist möglich, dass Menschen sich gegenseitig ihre Gefäße befüllen: das ist gut und das sind gesunde Beziehungen. Wenn man spürt, dass einem etwas unnötig viel Füllung raubt, dann sollte man aufpassen. Natürlich kann man auch schlechte unausbalancierte Beziehungen retten, aber es kostet Arbeit. Die muss man investieren, wenn man denkt, dass es die Beziehung wert ist.

Letztlich ist es immer eine Entscheidung, wie man mit seiner Kraft haushaltet. Was will ich erreichen, wo will ich hin, welchen Einsatz bin ich dafür bereit zu leisten.

 

Manche Tage kommt mir mein selbstgewählter Weg unverschämt schwer vor. Blöde Steine und keine tolle Aussicht. Aber ... es ist mein Weg, und wenn ich zurückschaue, dann bin ich schon so weit gekommen. Umdrehen ist nicht. Wer mich begleitet ist gerne eingeladen, von meinem Gefäß etwas zu bekommen. Ich hab ne bunte Mischung zu bieten.

Was bietest du?

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Kröten.

Ich mag ja Facebook. Eigentlich. Und ich mag ja Menschen. Eigentlich. Aber heute und gestern und manchmal finde ich beides echt blöd.

Besonders blöd finde ich, dass ich meist selbst schuld bin. Denn facebook ist nur ein Werkzeug und Menschen ...? Was wundere ich mich eigentlich noch.

Ich mag sie aber, die Menschen. Ich brauche auch einige davon. Es gibt welche, die ich sogar ganz ganz toll finde. Und ich merke mit zunehmendem Alter, dass das die sind, die niemandem etwas beweisen müssen.

 

Ich hab als Heilpraktikerin viel über Homöopathie gelernt, und ich selbst bin keine glühende Verfechterin davon, fand aber die Analysen des menschlichen Verhaltens und die Archetypen der großen Mittel immer spannend. Und es gibt da so einige pathologische Zustände.

Es gibt zB Phosphorus: das sind Menschen, die haben eine Mission. Die ruhen und rasten nicht, sie haben etwas zu sagen, zu tun, sie müssen die Welt verändern und verbessern. Sie können nicht anders. Da gibt es sicher sehr wertvolle darunter, die die Welt wirklich zu einem besseren Ort gemacht haben. Aber es gibt auch einen Menge, die ihre Energie einem falschen Ziel unterordnen oder über das Ziel hinausschiessen.

Und dann gibt es Lycopodium: der Wolf im Schafspelz. Menschen, die sich angeblich einer Sache widmen, nur um sie eigentlich zu sabotieren oder sich selbst zu profilieren.

Hepar Sulf: Leute, die wütend, unhöflich, grausam, überempfindlich und immer angriffsbereit sind.

Chamomilla vulgaris ist ein bockiges, schnell eingeschnapptes und leicht reizbares Kind. Wenn es nicht bekommt, was es will, droht Ungemach.

Und und und.

Wir erkennen schnell welche wieder, denn: wir denken in Schubladen. Das macht das Leben leicht. Schwer wird es erst, wenn die betroffenen Menschen in keine Schublade gedrängt werden wollen oder wenn es nicht passt. Wenn sie nicht passen oder wenn es einem nicht passt, was sie sagen.

Dann wird einfach wild umformuliert. Dann wird verallgemeinert und draufgeballert, denn: es passt nicht, und was nicht passt muss passend gemacht werden.

 

Ich habe vorgestern die Nase in den Wind gehalten und gesagt: "Bah, es stinkt! Wer auch immer diesen Geruch verursacht hat: ich mag es nicht! Ich finde den Gestank eklig!"

Ich hab's ein bissl provokant formuliert, so á la: "Holla, wer hat denn hier einen großen Haufen Scheiße produziert, das stinkt ja bis hier! War bestimmt ein hässliches fettes Biest!"

 

Und was ich meinte war: es stinkt.

Was ich nicht sagte: der, der den Haufen gemacht hat, ist blöd. 

Ich sagte auch nicht: xy hat einen stinkenden Haufen gemacht.

Und ich sagte nicht: es dürfen keine Haufen mehr gemacht werden.

 

Was passierte? Welche, die sich schon lange anhören müssen, dass sie stinkende Haufen machen, kamen aus Löchern gekrochen und summten und brummten wie wütende Wespen um mich herum. Sie warfen mich mit Leuten in einen Topf, die ich weder kenne, noch deren Verhalten ich gutheisse.

Was taten sie? Sie stachen zu. (mich)

Was noch? Sie nannten mich beim Namen. Sie machten es persönlich.

Was noch: sie meinten, mich mundtod machen zu müssen. Mich und meine Freunde.

 

Leute: ihr schafft es nicht, zuzuhören. Ihr seid so mit eurer Rechtschaffenheit beschäftigt, dass ihr nicht mehr klar denken könnt. Jetzt bin ich ja zum Glück robust. Und ich hab auch viele, die mir beigestanden haben. Obwohl ich immer noch nicht nachvollziehen kann, wie man so wenig zuhören kann.

Aber ... naja. Eigentlich mag ich Menschen. Und ich hab mich daher entschlossen, nicht alle blöd zu finden, weil ein paar davon blöd sind.

Also hab ich ein paar Leute gelöscht von meiner "Freundesliste" und werde versuchen, wieder meiner Arbeit nachzugehen.

 

Warum ich den Blogeintrag geschrieben habe? Weil die Kröte in meinem Hals saß und mich am Atmen gehindert hat. Ja, die Wespen haben es geschafft, mich zu verletzen. Aber jetzt spuck ich aus und mach mich ans gesunden.

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Keine Entschuldigung

Heute habe ich kein Bild. Nur Text. Und keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.

 

Ich hab lang überlegt, ob ich überhaupt was dazu schreiben muss. Nein, muss ich nicht. Will ich aber. Ich will etwas dazu schreiben, was es mit mir tut.

 

Ich hab meine Meinung in die Welt geblökt. Das mach ich schon ganz lang, machen viele andere Leute auch, nennt sich bloggen. Und normalerweise lesen das ein paar 10 Leute. Völlig ok. Stört mich nicht. Ich bin kein Blogger von Beruf oder Berufung. Ich hab was zu sagen, und ich bilde mir ein, dass jemand anderer von meinen Aussagen profitieren kann.

 

Ich bin mit einem sehr dominanten Vater aufgewachsen. Mein Vater hat mich irre geliebt, aber er konnte mir das nie sagen. Er konnte mich auch nicht wirklich kennen lernen, das war ihm nicht möglich. In seinem Universum hat sich alles um ihn gedreht. Ich hatte da zu sein, für ihn und sonst nichts.

Gleichzeitig war ich nie gut genug. Einerseits in meinen Leistungen, obwohl ich immer ohne Lernen im oberen Durchschnitt war. Andererseits als Partner für ihn und sein verdrehtes Leben. Als Alkoholiker konnte es bei uns von gemütlich lustig zu brüllend zornig laut sehr schnell gehen. Man lernt als Kind: Aufpassen. Pass auf, was er sagt, wie er handelt. Duck dich, wenn er ausflippt und lach, wenn er lacht. Mach, was er will. Und achte drauf, immer da zu sein, wenn er das will.

Was das mit mir gemacht hat? Ich wusste lange nicht, was es bedeutet, eigene Ziele zu haben. Ich wusste nicht, wer ich wirklich bin und was ich will. Ich wusste nur, ich war nicht gut genug. 

 

Ich bin dann mit 18 abgehauen. Das sehe ich heute bittersüß. Einerseits hat es mich stark gemacht, andererseits habe ich ihm nie widerstanden. Und dann hab ich dies und jenes gemacht. Und dies und das. Aber nichts richtig. Vielleicht, weil ich nicht wusste, was richtig für mich ist.

 

Und dann hab ich das Schreiben begonnen. Und es fühlte (und fühlt) sich richtig an. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas tue, was ganz ICH bin. Ich liebe es und ich tue es so, wie ich es kann. Ich lerne täglich dazu, arbeite mit vielen Menschen zusammen. 

 

Ich habe es nicht nötig, instrumentalisiert zu werden. Ich bin keine Marionette mehr. Diverse Leute haben mich in dieser letzten Diskussion benutzt. Ist ok, können sie, ist ja alles öffentlich. Ich hab's öffentlich gemacht. Aber ich will sagen: es schert mich nicht. Ob ich zu viele oder zu wenige Ausrufezeichen benutze oder was auch immer: lasst stecken. 

 

Verwechselt nicht mich als Person mit dem, was die anderen daraus gemacht haben. Ich jedenfalls stehe zu dem, was ich gesagt habe, weil nur so kann ich mich spüren. Ich brauchte sehr sehr lange, um mich zu finden. Und ich lasse mich von Kleingeistigkeit nicht mehr unterdrücken. Ich werde weiter schreibend kreativ sein, weil ich das bin.

Ich bin aber niemand, der zu einer Revolution aufgerufen hat. Ich habe nie gesagt, alle sollen es so machen wie ich. Jeder kann das für sich selbst entscheiden und das soll er bitte auch. Aber worum ich alle bitte: Leben und leben lassen. 

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Ich weigere mich.

Ich weiß nicht, wie oft ich mich darüber schon aufgeregt habe. Und jetzt ist es auch mal wieder soweit. Mir ist vor ein paar Tagen förmlich der Kopf geplatzt und das hört nicht auf.

 

Worum gehts?

Es geht mal wieder um das unsägliche Ding mit dem Lektorat. Und als Clickbait: es geht auch um Bücherklau und meinen Status als Autorin.

 

Ich weigere mich.

Ich bin dagegen, dass ein vorhandenes Lektorat (und am Besten noch ein bezahltes), ein Qualitätskriterium für Bücher ist.

Wikipedia: Als Bearbeitungsform umfasst das Lektorat für gewöhnlich die rechtschreibliche, stilistische,grammatikalische und inhaltliche Verbesserung von Texten. Das Aufgabenfeld eines Lektors umfasst über die Tätigkeit des Lektorierens hinaus aber auch die Prüfung der eingehenden Manuskripte oder Typoskripte, die Zusammenstellung eines Verlagsprogramms, das Publikationsmarketing und die Begleitung von Skripten bis zur Veröffentlichung. Durch einen Korrektor werden Texte rechtschreiblich und grammatikalisch überprüft. Die stilistische Bearbeitung wird als stilistisches Lektorat bezeichnet, das zwar zumeist ein Korrektorat einschließt, jedoch stets darüber hinausgeht.

Ein unlektoriertes Buch kann trotzdem ein Korrektorat genossen haben! Denn die schlichte Rechtschreibprüfung ist etwas gänzlich anderes, als eine umfassende Bearbeitung des Textes, die auch den Inhalt einschließt.

Jetzt ist ein Lektorat aber teuer. Und als Selfpublisher hat man es sowieso schwer und verzichtet aus verschiedensten Gründen vielleicht darauf. 

 

Ich habe das getan. Weil ich schlicht und ergreifend kein Geld dafür übrig hatte. Und da mag es sein, dass da stilistische Fehler drin sind. Also ... Augen, die wandern (der Klassiker), oder eine Dialogzeile, die nicht gesagt, sondern gezwinkert wird. Anfängerfehler.

 

Das alles bedeutet aber erstens nicht, dass mein Buch schlecht ist. Es hat einige Schwachstellen, aber es scheint doch viele derart zu überzeugen, dass ich immer wieder positive Rückmeldungen bekomme. Seltsamerweise sind es oft die Kollegen, die sich an den Fehlern stoßen und reiben.

Das sind manchmal Leute, die selbst irre lang an ihren Texten rumfeilen und Geld ausgeben, um den und den noch drüberschauen zu lassen. Die sich dann völlig verlieren, weil sie den Überblick nicht mehr haben, die wievielte Version ihres Textes sie nun schon vor sich haben. Und sie sind so tief innerlich verunsichert, dass es doch nur ein Lektor retten kann, das Häufchen Unglück. Und die mich anfeinden und förmlich von sich stoßen, weil sie es nicht begreifen können, wie man einfach so ... (Wenn ich so viel Geld ausgegeben hätte und dann keiner mein Buch kauft, oder einfach einer daherkommt und 'nichts' ausgegeben hat, dann wäre ich auch bitter.)

 

Aber man kann! Man kann die Fähigkeit haben, ein Buch einfach so zu schreiben. Man kann Talent haben.

 

Man kann es auch tun, wenn man keins hat. Ja. Und man kann auch kein Talent, aber ein riesiges Selbstbewusstsein haben. Man kann ein Grund für absolutes Fremdschämen sein, mit einem grottigen Cover und einer peinlichen autobiografischen Beichte. Oder einer Masturbationsvorlage. Das ist alles erlaubt! Weil ... weil es die Freiheit gibt, zu publizieren! Und das ist gut so! Es muss nicht immer die Verlagsdiktatur sein, denn wer sagt denn, dass die Verlage der Hüter eines allwissenden Gerätes sind, welches ihnen sagt, was gut und was schlecht ist?

Nee, sie haben kein so ein Gerät, sie haben Lektoren. Sie haben Leute, die sich um das Verlagsprogramm kümmern und schauen, wie der Verlag Geld einnimmt. Da geht es nicht nur um Qualität, sondern um Kommerz. Natürlich haben die auch Ansprüche! Aber weder Lektoren noch Verlage sind Götter, die angebetet werden müssen.

 

 

Ich will diesen Dünkel nicht mehr. Dieses Gelaber, dass die Verlage die Hüter der Buchkultur sind, und dass Selfpublisher Dilettanten sind. Ich will, dass sich die Hetzer an ihren Ansprüchen verschlucken und endlich den Mund halten. Denn für jede Perle, die ein Verlag publiziert hat, gibt es hunderte, die abgelehnt wurden. Und es ist oft nur der Dickköpfigkeit mancher Autoren zu verdanken, dass Bücher trotzdem erschienen sind. 

Und wer sich die Verlagslandschaft anschaut weiß auch, dass es welche gibt, die mit Freude Schund produzieren, weil der auch Geld bringt. Mein Lieblingsschundverlag Egmont Lyx erfreut mich regelmäßig mit Leseproben die so furchtbar sind, dass mir neben den Lachtränen auch welche der Trauer über die Wangen laufen. Und die Sachen von denen laufen wie geschnitten Brot. Lektorierter Schund.

 

Ich will nicht bestreiten, dass Texte besser werden können! Nein, das tue ich nicht! 

Ich will nur bestreiten, dass kein Text unlektoriert gut sein kann!

Oder anders gesagt: Ein Text wird nicht durch ein Lektorat gut! Er wird vielleicht besser, aber ... wie sagte es eine in einer Diskussion: Man macht aus einem ausreichenden Text einen befriedigenden. Und aus einem guten Text vielleicht einen sehr guten. Aber aus einem ausreichenden Text kaum einen sehr guten. Es kommt auf das Ausgangsmaterial an. Und das bezweifel ich auch nicht!

Aber noch einmal: Zu sagen, dass kein Text unlektoriert sein soll, ist schlicht und einfach falsch. 

 

Was aber unbestreitbar ist: kein Text sollte unkorrigiert sein. Dafür gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Und kein Text sollte gestohlen werden. 

 

Ich finde es schlimm, dass die jüngsten Abschreib-Affairen wieder auf die Selfpublisher zurück fallen. So etwas gab es auch schon immer. Ist kein neues Phänomen.

 

Ich bin froh, dass die meisten Selfpublisher den Kopf hoch halten. Es ist ein sauschweres Geschäft. Auch ohne Bashing. Die meisten von uns geben alles und ein bisschen mehr, um ihr Buch gut zu machen und haben es nicht nötig, dass man die Nase über sie rümpft.

Daher: Lasst euch nichts erzählen. Es braucht keinen Bücher TÜV oder eine andere Zensur. Was schlecht ist, wird einfach nicht gelesen werden. Und die, die ewig zischen und motzen ... die können mich mal.

Ich weigere mich, mich schlecht deswegen zu fühlen. Ich bin Autorin und glaub auch, dass ich eine ganz gute bin. Und falls ich meinen eigenen Ansprüchen mal nicht mehr genüge, dann höre ich auf. Aber nicht, weil ich nicht genug Geld für eine optionale Dienstleistung hatte. 

 

Foto: Impressed Arts.

 

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5 Mal Zweifel. Vom Auf und Ab.

Warum ich meinen Job als Autorin manchmal ein schlimmes Auf und Ab finde?

 

1. Am Aller-aller-aller-Schlimmsten ist die Zackenkurve von amazon. Welcher Autor kennt es nicht, das böse Dashboard, auf das man so oft starrt und jedesmal ist es eher wie eine Geißel, statt ein überraschtes Augenaufreissen. Für alle Nicht-Autoren: Die Zackenkurve zählt auf einem Graphen Verkäufe pro Tag. Und auf dem linken Zahlenstrahl sollten gefühlt immer so 100 oder so sein, oder 1000 oder ... aber in Wirklichkeit ist da eher ne 1 und an super-duper Tagen eine 10. Jedesmal kommt man dann auf dumme Ideen: Eines der Bücher mal wieder kostenlos machen? Dann bekommt man eine Riesenzacke in grün. Tolles Gefühl. Wie Absinth: grün, süß und dann bitter, später halluziniert man von Rankings und Weltherrschaft. Bis das Buch wieder was kostet und die grüne Zacke verschwindet.

 

2. Das nächste Auf und Ab ist das Schreiben selbst: Man hat ne Idee und die ist Gold! Bonanza! Los gehts, das wird ein Mega-Seller! Ja, klar, die ersten Worte und dann noch ein paar und dann ... stop, brems dich: du hast ja noch keine Ahnung über die Chars, welche Haarfarbe, welche Augenfarbe und wo spielt das? Gibts in Hintertupfingen auch so eine Location, oder wird der Leser aus Hintertupfingen merken, dass du da was erfunden hast? Recherche!!! Ich schreibe ja auch chronologisch, da kann schonmal eine Szene nerven und man hat überhaupt keine Lust, die zu schreiben. Aber da muss man durch.

 

3. Bin ich gut genug? Jajajaja, die Rezis sind gut. Die Leute haben es gekauft (nicht genug Leute, nicht genug). Hab ich genug Werbung gemacht, oder zu viel? Mach ich genug auf den Social Media, oder zu wenig. Gewinnspiel oder nicht? Ist mein Buch gut? Ach, das hab ich schon gefragt. Ist es nicht besser, mal was anderes zu schreiben? Könnte ich das? Soll ich nicht doch einen Agenten und dann einen großen Verlag ... so richtig mit allem Zipp und Zapp. Mensch, oder soll ich mal rumjammern, so richtig laut und allen, die denken, dass mir die Sonne aus dem Arsch scheint, mit der Realität konfrontieren? Nein, nein, mach das nicht, das will keiner wissen. Lass sie alle denken, du sparst auf dein Ferienhaus auf den Malediven. Nee, meine Bücher sind scheiße. Die paar, die die gut finden, reißen es nicht raus. Ich sollte es lassen, Brötchen im Baumarkt verkaufen und den Rest der Zeit abhängen.

 

4. Wenn der Tag rum ist und meine Augen kaum noch den Abendfilm sehen; wenn ich meine echte Familie nicht erkenne, weil meine Buchfiguren mein Denken kontrollieren. Wenn ich beim Einschlafen, während des Schlafens und beim Aufwachen nur an die Story denke. Wenn ich es hasse, dass jemand während dem Hundespaziergang sprechen will, weil ich will nicht sprechen, ich will denken!!!! - dann zweifelt ein kleines Stimmchen und nagt: Es kostet dich viel zu viel Zeit und Energie.

 

5. Wenn ich lese, was die Leute so lesen. Wenn ich diesen Kram, dieses hirnerweichende Scheißzeug lese und denke: Herrgottsakra! Mit so einem seichten Mist macht man also Geld? Warum warum warum kann ich das nicht? Warum kann ich keinen solchen Herzschmerzbestseller schreiben? So wie Nicolas Sparks oder sogar wie die, die über Ereketionsstörungen bei einem Vampir schreibt? Bestseller! Ja, genau, ist so. Ich drück mir bald die Augen raus, schneid mir die Finger ab. Dann ist Schluss und ich muss was anderes machen. Ach, nee, doof, ohne Augen und Finger. Mach ich nicht. Aber Zweifeln tu ich schon, an dem, was manchmal Bestseller ist. Seufz.

 

Punkt 1-5 habe ich täglich und zwar mehrmals, in wechselnder Reihenfolge. Nur mal so gesagt. Ich mach trotzdem weiter. Ist wie mit einer Droge: die Höhenflüge vergisst man nicht, und man schafft und schafft, um noch einmal und noch einmal welche erleben zu dürfen.

 

Meine Freundinnen, die ich unten aufgeführt habe, kämpfen auch täglich. Womit? Lest hier: (links folgen)

Hope Cavendish

Melissa David

Gloria Manderfeld

Thomas Knip

Kay Noa

 

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Vom Wundern und Staunen

Es wird so viel geredet. So viel. Aber das kommt uns, glaube ich, nur so vor. Der Mensch hat die Sprache entwickelt, um zu reden. Um sich auszutauschen und um von Wundern zu erzählen.

 

Tiere müssen immer wieder von vorne anfangen und was nicht genetisch veranlagt ist, muss abgeschaut werden. Daher können sie in der geringen Zeitspanne, in der sie leben, nicht wirklich weit kommen.

Menschen können Wissen weitergeben und daher vom Erfahrungsschatz der Ahnen massiv profitieren.

Wir verwechseln aber gerade Bildung mit Wissen. Nicht die Menge an Wissen, die ein Mensch hat, macht ihn gebildet. Sondern die Art, wie er sich 

 

erstens Wissen aneignet

und zweitens damit umgeht.

 

Wir werden heutzutage erschlagen mit Wissen. Neue Erkenntnisse, Informationen und Nachrichten. Und da muss eine neue Dimension her. Eine neue Art, damit umzugehen.

 

Man sieht das gut auf Facebook: meine Generation ist gerade überfordert. Wir sind die, die es noch mitbekommen haben, wie die Computer angefangen haben, wie es nur drei Programme gab und die Tagesschau das Maß aller Dinge war. Meinung wurde gemacht von dpa und Reuters. Man musste für Recherche noch in Bibliotheken und das Internet war zunächst die Heimat von Bekloppten Informatikern.

Wir sind aber auch die, die technikaffin geworden sind. Wir sind langsam reingewachsen und haben jeden Sprung mitgemacht. Wir sind erst nicht und dann doch auf Facebook und anderen sozialen Medien gelandet und sehen mit Besorgnis, wie damit umgegangen wird. Wir bekommen Angst.

 

Weil: wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass das, was wir lesen, stimmt. Wir haben nicht mehr die begrenzte Auswahl, die es uns leicht macht, zu entscheiden, wem wir glauben wollen. Jeder Hinz und Kunz darf jetzt was sagen, und es kann endlos verbreitet werden. Nicht mehr nur Strauß oder Schmidt, Kohl oder Möllemann.

Nee, die Geissens, die Madonnas, die Kardashians ... alte Idole werden auch gestürzt, weil jedes kleinste Stück Dreck hervorgekramt wird, um eine Clickbaitnachricht zu machen. Und dann sterben Leute und dann doch nicht, weil es Falschmeldungen waren.

David Bowie ist tot. Oder ist er es nicht? Oder doch? Schlimm. Noch schlimmer war alles, was rund um die Flüchtlinge und Köln die Tage abging.

 

Was mich ärgert ist eigentlich, dass dann immer gleich der Untergang des Abendlandes ausgerufen wird und alles schlimm und ich bin mal weg von Facebook ist ja furchtbar und alle sind doof und ... 

Ich glaube, die nächste Generation wird es da einfacher haben. Die leben mit diesem ewigen Chatter. Die werden sich anders bilden, und das ist auch gut so.

Aber was ich mir wirklich wünschte, wäre, dass sie das auch schon in der Schule könnten: sich anders bilden. Sich selbst bilden, mithilfe von Lehrern. Weil es nicht mehr möglich ist, alles zu wissen, und schon gar nicht nötig ist. Vieles Wissen, was die da eingetrichtert bekommen, ist eher hinderlich. Was sie aber nicht gut gelehrt bekommen, ist wie man lernt. Und wie man das Wissen wirklich nutzt, vernetzt und etwas weiterdenkt. Schon überhaupt nicht, wie man kritisch denkt. Naja, sicher gibt es Ausnahmen, aber ... seufz.

 

Warum heißt die Überschrift eigentlich: vom Wundern und Staunen?

Ich habe darüber nachgedacht, welche meine tollsten ersten Male waren, und habe festgestellt, dass es oft Dinge waren, die mich überrascht haben. Und Überraschungen definieren sich dadurch, dass man vorher nichts oder wenig weiß. Also ist es wirklich mein Kritikpunkt an dieser Informationsflut: sie entzaubert oft. Manchen gelingt es dennoch, Wunder zu schaffen und diese so auch unters Volk zu bringen. Und da ist der Tod Bowies wieder: er wusste wohl, dass er stirbt. Macht aber ne Platte und alle freuen sich. Kein Ton vom Sterben vorher. Kein: kauft mein Ding, weil ich bin todkrank. Da geht ein Großer groß. Wunderbar, zauberhaft, tragisch und verwunschen. Ganz der Koboldkönig. Ich verneige mich und gehe jetzt wieder Wunder schaffen.

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Alles bunt und granatenstark

Ich bebildere meinen Beitrag zum Jahresende mit meinem Lieblingsbild. Das ist ...

1. tatsächlich von mir fotografiert ist (also die Tasche mit den Samen)

2. eines meiner Lieblingszitate aus Rheingold ist

3. ein Beispiel dafür ist, wie ich arbeite, nämlich immer mit ein bisschen Schwund (ja, Rheingold ist 2015 rausgekommen, nicht 2014)

4. zuletzt ein Sinnbild, welches einen Abschluss der Aetherwelt darstellt.

 

Nein nein nein, keine Sorge! Die Aetherwelt stirbt deswegen nicht, ganz im Gegenteil! 

Aber: die sechs Bücher haben eine Welt geschaffen, die erst am Ende des letzten Buches so ist, wie ich sie mir vorstelle. Also ist Rheingold ein Abschluss und ein Neubeginn.

Ich plane diverse Dinge in dieser Welt. Sicher noch ein paar Bücher -auch ein Kinderbuch- und wenn sich genug Beiträge finden dann auch eine Anthologie.

Aber... viel toller: ich plane (mit anderen zusammen) ein Spiel. Wir beginnen klein mit einem Kartenspiel, aber das ist nur die Basis für ein echtes eigenes Spiel. Mit allem Zipp und Zapp: Beamten und Fräuleins, Luftschiffen und Soldaten und Verdorbenen - ach nee, Veränderten! Mit Spielplan und Regeln und Geld und ...

Das wird toll. Glaubt mir. (by the way: wer uns da unterstützen will, sei es Geld- oder Arbeitsmäßig, ist herzlich willkommen).

Das Rollenspiel ist auch noch nicht tot, aber ... das dauert.

Und es wird Illustrationen geben, Sonderauflagen und solche Dinge. Dinge, die einen niederkauern und 'my precioussss' zischen lassen. Spart schonmal.

 

Abgesehen davon schreibe ich mit anderen Autorinnen etwas, was bald die Welt erschüttern wird. Ja, da bin ich sicher. Ist aber geheim.

 

Und ich hab noch etwas, was ich machen will, das ist dann was ganz anderes. So eine Art ... SciFi ... mal schauen. Das wird auch großartig. 

 

Anfang des Jahres kommt "Ruhelos", ein Aetherwelt-Büchlein, welches in Köln spielt. Ich hab dafür extra einen Kölsch-Übersetzer eingestellt und werde vermutlich das Hochdeutsche im Anhang reintun, weil Kölsch, himmelherrje, das kann man ja nicht lesen!

 

Und was ich nicht mehr machen will ...

- ich will weniger Angst haben. Wovor? Vor Krieg und noch schlimmer, vor Mitmenschen. Ich mag meine Freundesliste nicht nach braunen Ärschen durchforsten.

- ich will mich nicht unter Wert verkaufen. Ich schenke gerne, aber ich werde mich nicht verramschen

 

Was will ich noch? Bunt sein und granatenstark. Kindlich freudig bleiben. Gelegenheiten wahrnehmen und Leute umarmen. Machen und schaffen. Ich freu mich auf jeden, der was mit mir zu tun haben will, über jede Einladung und jeden, der mich anquatscht.

 

Leute, ich freu mich auf das nächste Jahr! Bis bald! Machts gut und bleibt mir treu!

 

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Auf was ich als Autor nicht verzichten kann.

Also ... ich könnte auf Kaffee verzichten.

Ja, das geht. Ich könnte auf meinen Rechner verzichten. Das wäre schon schlimmer. Damit würde ich natürlich auch auf mein Lieblingsschreibprogramm verzichten (scrivener). 

Ich könnte auf Buchgruppen verzichten, auf Agenten und Verlage.

Aber ich könnte nicht auf meine Leser verzichten.

Ich mag es drehen wie ich will. Ich schreibe nicht primär FÜR meine Leser. Ich habe auch keinen in meinem Kopf, der da bohrt und nagt. Aber was soll die Geschichte, wenn sie keiner liest?

 

Jetzt bläst sich der Leser auf und fühlt sich wichtig. Zu Recht und trotzdem: ganz ganz lange ist die Geschichte allein meine. Es ist wie eine Schwangerschaft: das Glück, zu wissen, dass es so ist, ist eine winzige Blüte im Kopf der Mutter.

So ist es mit Geschichten. Sie sprießen im Inneren. Sie strecken dann ihr Köpfchen raus und werden entweder als Unkraut ausgezupft oder bestaunt und gehegt und gepflegt. 

Ich teste diesen Keimling, ich laufe um ihn herum und suche nach seinem Namen. Ich sehe mir die Blätter an, die sich entfalten und zu jeder Minute kann es trotzdem passieren, dass er als Unkraut endet.

Falls aber nicht, dann fange ich irgendwann an, ihn zu düngen und vielleicht eine Haltestange und ...

Naja, ihr versteht sicher.

Und immer noch ist es total MEINE Geschichte. Ich entscheide alles. Ich feile herum und setze jedes Wort mit Bedacht. Und erst, wenn sie zur Blüte gekommen ist, und alles daran stimmt, dann gebe ich sie frei.

Und erst, wenn die Leser sie gelesen haben, dann ist sie perfekt. Wenn sie nicht nur in meinem Kopf funktioniert, sondern auch in deren Köpfen. Wenn der Leser in meine Welt eingetreten ist, und meinen Pfaden gefolgt ist.

Daher: ich könnte auf meine Leser nicht verzichten.


Einige andere Autoren haben sich auch noch Gedanken gemacht, auf was sie nicht verzichten könnten: 


Kari Lessir

Hope Cavendish

Melissa David


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Dystopien, Superhelden und Solarpunk.

Es gibt was Neues: Solarpunk. Und ich hab heute morgen drüber nachgedacht, warum sich da jetzt alle drauf stürzen.

Wir haben jetzt Panem hinter uns. Wir leben mit dem x-ten Batman und sogar Wolverine soll sterben. Wir haben 1984 schon längst eingeholt und Star-Wars erfindet sich auch nicht neu, nur ohne Jar-Jar Binks dafür mit alten Helden (wirklich alt, nicht jung-alt. Alt-Alt).

Jetzt lese ich gerade, wir haben Panem noch vor uns, weil die Prequels drehen wollen. Ja, klar, der geneigte Leser will ja wissen, wie es zu den 13 Staaten kam und alles. Alles alles wissen. Alles bis ins kleinste ...

Nein, wir brauchen was Neues. Ich persönlich denke ja, meine Aetherwelt ... aber so neu ist das auch nicht. Grimm, 'Once upon a time' und andere Formate haben ja auch schon die Märchen wieder hervorgekramt.

Aber: warum schwappen solche Sachen hoch, warum sind sie Zeitgeist und dann nicht mehr?

Weil wir sie brauchen. Die Zeit braucht sie, die Menschen, die in der zeit leben, braucht sie. Wir brauchen immer Superhelden, das erklärt den ewigen Zyklus dieser Figuren. Egal, wer sie sind und mit welchen Desastern wir sie bekämpfen, ob wie sie sterben lassen oder ob wir sie neu erfinden. Sie sind Phoenixe aus der Asche, sie sind das Götterpantheon, zu welchem wir aufschauen.

Und manchmal brauchen wir auch Hoffnungshelden. So wie Harry Potter oder Katniss Everdeen, die keine Helden sein wollen, aber in diese Rollen hineinwachsen. Die eine dystopische Welt durchleben, so wie wir unsere Welt durchleben. Also die Welt, die wir befürchten: unsere Angst-Welt.

Die Zukunft ... sie wird nicht sein wie Gotham City und niemand will einen Super-oder Batman. Die machen alles kaputt und scheren sich einen Dreck um die Normalos (wie wir sie sind). Wir wollen sie verehren, aber wir wollen sie nicht wirklich um uns haben. Batman wäre ein mieser Boyfriend und die anderen ... alles Egomanen.

Wir wollen schon eher Harry oder Katniss und sie wollen bitte auch ein gutes Ende nehmen! Ich gönne es Harry, dass er heiratet und Kinder bekommt und bete, dass es dabei bleibt! Bitte kein Prequel oder Sequel! Solche Helden sind rund und müssen so bleiben? Solche Helden sind nämlich sterblich und sollen das auch dürfen!

In Solarpunk dürfen Menschen auch Helden sein, und ich würde gerne einen schreiben. Einen, oder viele, die sich den Aufgaben stellen, die wir alle jetzt schon sehen: der Rettung der Welt, und zwar nicht vor Krieg oder Superschurken. Nein, vor der Zerstörung unserer Umwelt, vor der Bedrohung durch Großkonzerne und andere Katastrophen. Und solche Gefahren brauchen Helden. Wie die aussehen? Nun, ich möchte welche, die anpacken. ich möchte welche, die nicht aus Zufall oder Bestimmung Held werden, sondern die sich bewusst entscheiden. Menschen wie du und ich, nur dass sie nicht jammern sondern handeln.

Yeah, ich freu mich drauf.

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Warum Autoren manchmal einsam sind.

Im letzten Blogeintrag habe ich vom Pilgern gesprochen und davon, dass man doch ein Zentaur ist, und kein Reiter auf einem bockigen Pferd.

Dennoch ist man als Autor oft genau so. Denn man ist immer ein Mensch, getrennt von seiner Geschichte, und dann doch wieder nicht.

Wie entstehen Geschichten? Woher kommt das? Das fragen die Leuten einen immer wieder, aber ... ich finde die Beantwortung der Frage zunehmend schwierig. Ich bemerke auch, dass ich mich manchmal entfremde und auch schon Schwierigkeiten mit diesem "echten" Leben hatte.


Ich finde es überhaupt nicht mysteriös, mehrere Leben zu führen. Und es ist ja nicht nur ICH und das Buch. Ich lebe ja alle Leute in diesem Buch (nicht alle Alle, aber die wichtigsten). Ich gehe also ein Stück in ihren Schuhen. Auch wenn sie mir nicht passen.

Ich bin zB eine Weile in Falks Schuhen gegangen. Ich habe seine Figur nach einem Schauspieler geformt und habe mir diesen Mann genau angeschaut. Wie steht er, wie geht er? Und ich bin versuchsweise auch so gegangen. Ich habe mit die Welt zu eigen gemacht, wie er das tut. Das war sehr erhellend und hat mir sehr geholfen.


Aber wenn man dann als Autor interviewt wird, dann heißt es immer: wo kommen die Geschichten her? Und ich muss antworten: Weiß ich nicht! Ich weiß, woher mache Sätze dann kommen, die einzelnen Beschreibungen, aber woher die Story an sich kommt? Keinen blassen Schimmer.


Was mich als Autor dann noch sehr einsam macht, ist die Tatsache, dass ich meine Lieblingsstellen nicht lesen kann. Also laut, bei Lesungen. Weil: die spoilern total. Oder sie sind so eigen, dass sie nur im weiten Kontext zu verstehen sind. Oder: man würde als Autorin voll anfangen zu heulen, wenn man sie vorliest.


Ganz besonders einsam machen einen die allerwichtigsten Entscheidungen: wie enden die Geschichten? Was wird aus den Charakteren? Wird aus einer Tri- doch eine Tetralogie? Oder noch mehr?

Aber genau diese Entscheidungen machen den Unterschied. Im echten Leben hat man oft das Gefühl, die Geschichten sind nicht rund und man habe keine Kontrolle. Viele Menschen fühlen sich unvollständig, wenn Teile ihrer Geschichte für sie keinen Sinn machen. Manche sind in Endlosschleifen gefangen und müssen immer wieder das Gleiche Elend wiederholen, weil sie keine Möglichkeit zum Ausbruch finden.


Also Autor macht man das aber: man reitet die Figuren und die Geschichte. Mancher Autor plant jedes Detail voraus, andere (wie ich) lassen sich überraschen. Aber wir wollen alle ein schlüssiges Ende. Wir wollen Auswege, wir wollen Chancen und wir wollen Charaktere, die über sich selbst hinauswachsen. Darum entscheiden wir Autoren, ganz ganz einsam, auch schon mal über schlimme Dinge, die unseren Protagonisten geschehen. Um an deren Beispielen zu beweisen, dass man auch diese überleben kann.


Das Erzählen von Geschichten ist wie alle anderen kreativen Beschäftigungen etwas, was uns einsam machen kann. Denn als Künstler horche ich tief in etwas hinein, tauche auf trübe Grunde und wühle im Schlamm. Ich besteige hohe Berge und fahre endlose Straßen. Aber ich tue es allein und entscheide einsam, was ich dann teile. Mit dem Leser, dem Zuhörer, dem anderen.


Falls du als Leser also manchmal keinen Zugang zu mir findest, liegt es daran, dass ich tatsächlich woanders bin. Ich bin im nächsten Buch. Oder ich bin auf der Seite von Falk, wenn er wütend ist, während dir Minerva wichtiger ist. Das passiert. Aber: als Autor freut man sich über Leser, die mit einem tauchen, reiten, fahren und laufen. Daher freue ich mich über jeden, der mit mir spricht und seine Erfahrungen mit mir teilt. 


Denn ein Pilger ist zwar oft allein, aber man kann Teile des Weges zusammen gehen.


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Pilger

Wir alle sind Pilger. Wir allen gehen unseren Weg und wir alle sind auf der Suche. Es gibt Bücher, die einen auf dem Weg begleiten. So ein Buch ist für mich: "Triffst du Buddha unterwegs..." von Sheldon Kopp. Ich habs mir wohl damals gekauft, weil ich mal Psychologie studiert habe. Es ist kein Roman und auch kein Ratgeber, kein Lehrbuch und doch hat es mich viel gelehrt. Und ich hab viele Bücher verliehen, verloren und verkauft, aber das habe ich jedesmal vom Stapel wieder heruntergenommen. Warum? Weiß nicht genau. Es ist nicht überall toll, aber es hat tolle Stellen. (Nein, nicht solche Stellen ...)


Eine dieser Stellen ist ganz am Anfang. Ich zitiere:


Der Pilger, ob nun Psychotherapiepatient oder der Wanderer früherer Zeiten, liegt mit sich selbst im Streit, kämpft mit seiner eigenen Natur. Alle wirklich bedeutenden Schlachten trägt er mit sich selbst aus. Wir scheinen uns alle als Reiter auf Pferden zu betrachten. Das Pferd verkörpert das kraftvolle, animalische Leben, das kein Verstand behindert und kein Zweck leitet; der Reiter ist das selbständige, unvoreingenommene Denken, eine Art reine, kühle Intelligenz. Zu oft lebt der Pilger wie ein Reiter, der den Willen seines Pferdes brechen will, um es ganz in seine Gewalt zu bekommen, so dass er sicher und bequem reiten kann, wohin er will. Mancher glaubt auch, dass er die Wahl hat zwischen dem ungezügelten Leben des reiterlosen Pferdes und dem eintönigen Weg des isolierten, pferdelosen Reiters und versucht gar nicht erst, sich Gehorsam zu erzwingen. Wer sich mit keinem von beiden abfinden mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als ein Reiter zu sein, der um Gewalt über sein störrisches Pferd kämpft. Könnte er doch sehen, dass es keinen Kampf mehr gibt, sobald er begreift, dass er ein Zentaur ist!


Es ist eine scheinbar schlichte Erkenntnis und doch ist es die schwerste überhaupt. In mir streiten sich oft so viele verschiedene Personen - da sind zu einen meine vielen Ichs und auch die Hologramme von Menschen, auf deren Meinung ich wert lege - dass es mir schier unmöglich erscheint, zu entscheiden, wer Recht hat. Und das ist die Kunst des Lebens und des Pilgerns: sich diesem inneren Streit immer zu stellen. Ihm nicht auszuweichen sondern ihn auszufechten, denn nur so kann man zur Erkenntnis gelangen. 

Denn so zitiere ich weiter: 


Was gelernt werden soll, ist so unbegreiflich einfach, dass man es nicht zu fassen bekommt, ohne es vorher durch Kampf, Aufgabe und Erfahrung kennengelernt zu haben. Wie ein Zen-Meister seinem Schüler sagte, als er erleuchtet war: Hätte ich dich nicht dazu gebracht, auf jede erdenkliche Art zu kämpfen, um den Sinn (des Zen) zu finden, hätte ich dich nicht endlich zum Nicht-Kämpfen und Nicht-Streben geführt, von wo aus du mit deinen eigenen Augen sehen kannst, du hättest jede Aussicht, dich selbst zu entdecken, verloren.


In diesem Sinne kämpfe ich jeden Tag, um dann zum Nicht-Kämpfen überzugehen. Zum Loslassen, um auf wundersame Art geheilt zu werden und zu erkennen, dass ich ein Zentaur bin.


Ich wünsche euch allen eine schöne Pilgerzeit!

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Home. 

Ich tue gerade etwas, was meiner Wesenheit völlig widerspricht: ich treibe so etwas ähnliches wie Sport. Brrr. Ich hasse Sport. Ich liebte Reiten, weil das indirekter Sport ist, aber letztlich hasse ich alles was mit Schweiß und Muskelkater zu tun hat. Und ich hasse es noch nicht einmal glühend, es ist eher so eine unterkühlte Verachtung ... die ist weniger anstrengend.

Anyway, ich laufe schneller als sonst mit meinem Hund, weil ich vor Zombies davon laufe. ZombieRun, das ist eine App, die mir per Kopfhörer ein Hörspiel zur Verfügung stellt, das in einer postapokalytischen Welt spielt. Man ist ein Runner, der für eine kleine Enklave an Menschen Aufträge erledigt. Es ist unglaublich gut gemacht; man hört zwischendurch Musik aus einer eigenen Playliste, und dann wieder die Stimmen der Überlebenden oder auch das Stöhnen der Zombies, wenn sie mal wieder ganz nahe sind. Beides hat einen unglaublich motivierenden Effekt und man läuft und läuft und gibt echt alles.

Heute haben einige erzählt, wofür sie dankbar sind, also fiktive Überlebende in dieser fiktiven Welt. Und es waren die unterschiedlichsten Dinge. Aber eine sagte: Home. Sie sei dankbar für die anderen, die mit ihr zusammen hier leben und eine Art Heimat bilden.

Ich musste über Heimat nachdenken und darüber, dass Heimat sowohl äußerlich als auch innerlich ist.

Es gibt die, die überall zuhause sind, die haben ihre Heimat in sich. Und es gibt die, die müssen an bestimmten Plätzen sein, die haben Dinge, die für sie Heimat sind.

Dann habe ich überlegt, dass ich ein Mischwesen bin. Ich bin so oft umgezogen, dass Heimat für mich da ist, wo ich bin. Ja, ich empfinde etwas Besonderes, wenn ich in der Oberrheinischen Tiefebene bin, die Landschaftsstruktur und so ... aber letztlich bin ich da zuhause, wo ich meine Leute habe. 

Ich kann aber auch ohne Leute. Ich bin gerne alleine. Ich bin außen und innen zuhause. Großartig, das ist ein tolles Gefühl. Und daraus entstehen Strömungen, die mich kreativ machen. 

Ich kann mit vielen Leuten sein, an tollen Orten und den Input aufnehmen und dann zuhause ganz allein wieder ausstoßen. Das ist mein Benzin, mein Motor, mein Antrieb (hört sich fast an, wie ein Grönemeyer Song).

Und so ein Buch kann auch Heimat sein. Für mich als Autor: ich lebe während des Schreibens in dieser Welt, ich sehe, rieche und fühle die Figuren. Und im besten Falle kann auch der Leser  sich so hineinlesen, dass das Buch für ihn zur temporären Heimat wird. Unzählige Leben wurden durch Hogwarts/Rivendell oder Narnia verschönert. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen durch Geschichten Trost und Erfüllung finden, auch wenn ihr eigenes Leben keine Magie enthält.

Das ist die Kraft der Geschichten: Heimat. Etwas, wo man sich wohlfühlt. Und warum auch immer man sich in den 50 Schatten oder den Feuchtgebieten heimisch fühlt, ist doch egal. Der Mensch hat die Sprache glaube ich nicht erfunden, um Gebrauchsanweisungen zu kommunizieren. Sondern um Geschichten zu erzählen. Um in einer Höhle, um ein Feuer herum gekauert, der Welt den Rücken zu kehren und einzutauchen in eine andere, die einem die Seele flickt und sich wie ein Mantel um einen legt, wenn das Leben kalt ist.


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Festival der Liebe im Second Life: noch 5 Tage!

Das second life ist für mich immer eine großartige Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen, welches, genau wie ich, am liebsten in Puschen und bequemen Klamotten im heimischen Gefilde bleibt.

Ich bin gerne dort, in diesem zweiten Leben und habe einige meiner schönsten Lesungen erlebt - als Vorleser und als Lauscher.

Alljährlich organisieren der Küperpunk Korhonen alsia Thorsten Küper und seine Frau Zauselina Rieko alias Kirsten Riehl das Festival der Liebe. Dort gibt es eine riesige Anzahl an Lesungen innerhalb von zwei Tagen. Als Besucher wird man wunderbar durch fantastische, den Texten entsprechende Bühnenbilder geleitet, erfährt viel über die Autoren und die Bücher. Es ist großartig, weil man zuhause derweil sein Lieblingsgetränk, sein Lieblingsessen und den bequemen Sessel nutzen kann. Es merkt auch keiner, wenn man schnell mal wohin muss oder hustet. Und trotzdem kann man in Interaktion gehen, wenn man will. Mit jedem Besucher und den Autoren.

Dieses Jahr lese ich zusammen mit dem Küper aus Rheingold. Das Buch ist der Abschluss meiner zweiten Trilogie aus der Aetherwelt. Es ist grandios und für einige werden überraschende Dinge geschehen. Ich hoffe, dass es polarisiert und kein Ende, sondern ein Anfang ist. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Wie schon oft, hat Barlok Barbosa das Bühnenbild gemacht, und ich bin immer wieder begeistert, weiß er ein wahrer Künstler ist. Die Szenen sind nicht nur großartig anzuschauen, man kann auch oft Kleinigkeiten entdecken, die einen zum Lachen bringen, oder einfach das innere Spielkind erfreuen.

Er sich also entführen lassen möchte, an den Rhein, wo der Aether einige wirklich unerwartete Gestalten wieder an die Oberfläche der Zeiten zaubert, der ist bei mir richtig. Und, bitte, alles andere ist auch erste Sahne und es ist üüüüberhaupt nicht schwer, sich in diesem Computersimulation einen Avatar zu machen (der muss ja nichts besonderes sein, man kann ja auch einfach nur einen 08/15 machen zum Zuhören). Es gibt einfache Anleitungen und nette Leute, die einem helfen. Wendet euch an mich oder gleich an den Küper.

Also bis dann! Samstag 18 Uhr!

 

Den nächsten Blogeintrag schreibt Bernar LeSton

 

Das Programm: http://www.sublevel12.de/FdL2015.html

 

Die Blogparade:


Möwenglanz: Das FDL 2015 - nur noch 6 Tage!


Joey TwoShoes (Sabine Schäfers): Countdown FdL – Noch 7 Tage!


ClaireDiLuna Chevalier: Das FdL 2015 - Noch 8 Tage!


Hydorgol (Markus Gersting): Das FDL 2015 – noch 9 Tage!

 

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Parrrrtttyyyyyy!!!

Nach drei Jahren hab ich es geschafft: mein sechstes Buch in der Aetherwelt ist fertig. Zwei Trilogien. Etwa 2300 Seiten. Viele viele Personen und ein ausbaufähiges Grundkonzept.

Dazu kommen drei kleine Geschichten, die Western und jetzt auch ein Spin-off: die "Aetheragenten", geschrieben von Tanja Schierding.

Das Amt für Aetherangelegenheiten hat sich auch selbstständig gemacht und turnt auf Conventions herum.

Täglich posten mir Leser Bilder oder Gedanken, die sie rund um meine Welt haben. Das ist wunderbar und zeigt mir, dass mein Imaginarium funktioniert: die Leser sehen das Gleiche, wie ich, wenn ich schreibe.


Und weil das alles wunderbar ist, muss das gefeiert werden. Ich lade alle ein, das mit mir und vielen Freunden zu tun. Die Gästeliste ist wunderbar, es wird Musik geben und ich bin mir sicher, die Stimmung wird bombig. Es ist mehr als eine Lesung: es soll ein Fest werden, wo Autoren mit Lesern und Freunden feiern, wo man sich über Kreativität freut und Künstler unterstützen kann. Nochmals: jeder, der kommen mag, ist eingeladen. Es wird sicher nicht öde, das Haus ist offen, man kann andere Künstler sehen, man kann in den nahen Wald verschwinden oder an der Ruhr spazieren gehen, wenn man nicht mehr sitzen kann. Und später nochmal wiederkommen. Oder so. Alles möglich.

Es wird schon allein deshalb nicht öde, weil das Programm so vielfältig sein wird, dass da sicher für jeden was dabei ist. Ich schließe auch spontane Änderungen und Erweiterungen nicht aus, falls also jemand was zu sagen hat, kein Problem ... Achso, das Ganze geht bis mindestens 20 Uhr, eher länger.


Save the date! Ich freu mich auf dich!


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Ich wurde für den „Liebster Award“ nominiert!

Die Blogger Initiative „Liebster Award“ will tollen Blogs/Autoren zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Elf Fragen beantwortet der Nominierte, dann stellt er (oder sie) elf neue Fragen an seine empfohlenen Blogs/Autoren. Eine spannende Aktion, bei der wir die Menschen, die uns online begleiten, besser kennen lernen können.

Ich danke Sandra Baumgärtner für die Nominierung. Das sind ihre Fragen an mich:



1. Welches war das erste Buch, das du jemals gelesen hast, bzw. das du vorgelesen bekommen hast?

Das war wohl Wilhelm Busch. Also die Max und Moritz Moritaten. Ich konnte das auswendig und habe Gästen dann immer vorgespielt, ich würde schon lesen ...


2. Welches Buch müsste deiner Meinung nach unbedingt verfilmt werden?

Meine. Alle. Da bin ich jetzt mal ganz unbescheiden.


3. Bei welchem Buch hast du laut lachen müssen?

Ich muss oft bei Büchern von Terry Pratchett lachen. Zuletzt habe ich "Teslas Attic" von Neal Shusterman gelesen und auch Tränen gelacht.


4. Aus welcher Motivation heraus schreibst/bloggst du?

Es begann mit Zufällen. Leider macht es süchtig. Ich mache es ja erst seit drei Jahren und kann mir ein Leben nicht mehr ohne vorstellen.


5. Du hast sechs Stunden Zeit für dich und deine Hobbys. Keiner stört dich. Was tust du?

Lesen, schreiben, was backen.


6. Du reist zwei Monate nach Australien. Bloggst/Schreibst du auch weiterhin an deinen Projekten weiter oder konzentrierst du dich auf die Reise?

Zwei Monate???? Was mach ich denn dort so lange? ich bin ein Einsiedlerkrebs. ich bin sehr gerne zuhause. Also würde ich mir dort auch ein Heim schaffen. Und dann sicher auch schreiben.


7. Wie erreichst du deine Leser? Über Facebook, Twitter, Newsletter …?

Ja. All das. Grins.


8. Wo siehst du dich als Blogger/Autor in 10 Jahren?

ui, dann bin ich fast 60. Dann will ich einen Bestseller gehabt haben. Ich will, dass mindestens eins meiner Bücher echt fett verkauft wird. ich will weiterhin die Freiheiten des Selfpublishings genießen. Und ich will ne Menge lustiger Projekte am Laufen haben.


9. Jemand bietet dir einen Vertrag, wenn du über eine Sache schreibst, die dich so gar nicht interessiert. Die Bezahlung ist verdammt gut! Sagst du ab oder nimmst du an?

Im Moment würde ich es annehmen. Es ist deprimierend, sich den Poppes abzuschaffen und weniger zu verdienen als eine Brötchenaushilfsverkäuferin.


10. Wieviel Zeit verbringst du vorm Fernseher?

2 Stunden. Manchmal 3.


11. Beschreibe dich mit nur fünf Charakterzügen.

Neugierig. Humorvoll. Aufgeschlossen. Pünktlich. Selbstkritisch.


12. TKKG oder `Die drei ???´ und warum?

Äh ... hm ... also ??? weil ich nur das eigentlich ein bisschen kenne.


ok, jetzt muss ich nominieren. 

1. Alex Jahnke

2. Anke Udelhoven

3. Sabine Osman

4. Brida Anderson

5. George P. Schnyder


Das sind die Regeln:

1) Danke der Person, die dich für den *Liebster Award* nominiert hat und verlinke ihren Blog/ihre Seite in Deinem Beitrag.

2) Beantworte die elf Fragen, die Dir gestellt wurden.

3) Nominiere bis zu elf weitere Blogger/Autoren für den *Liebster Award*. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogs/Autoren zusammen.

4) Schreibe diese Regeln in Deinen *Liebster Award* Artikel, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen.

5) Informiere Deine nominierten Blogger/Autoren über die Nominierung und Deinen Beitrag.


Meine Fragen:

1. Bloggst du lieber über dein Privatleben oder Politik, oder Kunst oder was?

2. Was zwingt dich an den Rechner? Also was ist für dich das Gegenteil von Prokrastination?

3. Liest du gerne andere Blogs und wie viele? Nenne mir einen und sag mir warum. 

4. Was wünschst du dir für die Zukunft in punkto Social Media?

5. Wieviele Bücher liegen auf deinem SUB?

6. Muss es zum Schreiben ganz still sein, oder kannst du auch unter Leuten und mit Trubel?

7. Gibt es ein Genre/Thema, welches du nie schreiben würdest?

8. Gibt es ein Genre/Thema, über das du gerne schreiben würdest, es dir aber nicht zutraust?

9. Womit kann man dich locken: lecker Essen, oder Trinken oder Aktivität? 

10. Lego oder Playmobil?

11. Welches Tier würde nicht an Bord deiner Arche kommen?


Also los, ihr lieben Nominierten, das schafft ihr!

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Flüchtling.

Ich hab ja nichts gegen Flüchtlinge, aber ... 

Furchtbarer Satz. Und alle regen sich auf und es wird gehetzt hin und her.

Manche vergessen, wie es ist, ein Flüchtling zu sein. Ich rede jetzt nicht nur von dem, der aus einem anderen Land kommt, oder in ein anderes Land flieht. Ich rede von dir und von ... MIR.

Ich war ein Flüchtling und wer weiß, ich kann jederzeit wieder einer werden.

Ich war 18 und bin von Zuhause geflüchtet. Aus einen Zuhause, welches für mich unerträglich war. Welches keines mehr war. Es gab für mich keine Alternative, ich musste weg.

Nach einigen Wochen die ich bei meinem Freund unterkriechen konnte, fand ich tatsächlich eine Wohnung. Ich war in der 11. Klasse des Gymnasiums und hatte nichts. Außer einem Auto voll Kram, den ich mitnehmen konnte und Freunden.

Ich hatte kein Geld, weil mein Vater nicht einsehen wollte, dass ich nicht mehr bei ihm wohnen konnte. Ich ging dann zum Sozialamt. Dort bekam ich auch erst einmal kein Geld. Ich musste gegen meinen Vater Klage erheben. Das hieß Prozesskostenhilfe und warten warten warten.

Es war Winter, es war kalt. Ich hatte kein Geld. Mein Vater schlug mir allen Ernstes vor, ich könne jeden Tag bei ihm vorbei kommen und mir ein Essenspaket abholen. Jede Woche kam ein Brief seines Anwalts, in dem mir erklärt wurde, warum ich zurück müsste. Ich hatte Hunger und es wurde kälter.

Ich bin irgendwann mit einem Leiterwägelchen in den Wald und habe Holz gesammelt, da meine Wohnung nur ein Öfchen hatte. Holz, welches auf dem Boden rumliegt ist aber schlechtes Holz. Es brennt nur kurz. Morgens blühten die Eisblumen innen an meinen Fenstern. Meine kleine Katze, die mir zugelaufen war, kroch unter meine Decke weil es so kalt war. Es war kalt, bis ich das Holz zum brennen bekam. Dann musste ich in die Schule und es war kalt, wenn ich zurückkam, weil keine Glut mehr da war. Ich ging wieder zum Sozialamt und schilderte jemandem meine Situation. Der Mensch konnte das nicht glauben. Ich bekam Geld und kaufte Briketts. Das war irre. Wärme ... 

Ich hatte oft nicht viel zu essen, wog aufgrund der Situation nur noch 45 Kilo und musste ein Jahr wiederholen, da es mir so nicht möglich war, das Abitur zu machen. Irgendwann bezahlte mein Vater mir doch etwas, aber ...

Ich hätte das nie geschafft ohne die Hilfe meiner Freunde. Ohne Leute, die mir Essen gebracht haben. Ohne meine Mutter, die zwar weit weg wohnte, mir aber immer geschickt hat, was sie konnte. Ohne Menschen, die mir gutes Holz geschenkt haben und mich mietfrei wohnen ließen.

Ich werde das alles nie vergessen und daher ... weiß ich ein bisschen wie man sich als Flüchtling fühlt. Viele haben sicher damals gedacht: ist die blöd? Warum ist die von Zuhause weg? Ihr Vater ist reich. Wat macht die da? Was soll das? Egotrip oder was? Aber viele haben auch verstanden, dass es für mich um Leib und Leben ging. Ich musste weg. (Nein, mein Vater war nicht gewalttätig im physischen Sinn. Es war eher psychisch. Aber das gehört nicht hierher.)

Und welche Gründe auch immer: ich habe ein Zuhause verlassen und alles mögliche auf mich genommen und ... ich hab es überlebt weil ich Hilfe hatte. Und seitdem helfe ich selbst wo ich kann. Und weiß, wie man sich fühlt.

Ja, die Flüchtlinge sind vielleicht seltsam, aber ... sie brauchen Hilfe.

Und wenn ich heute meine Gastherme aufdrehe und die warme Luft aus der Heizung strömt, dann bin ich immer noch dankbar. Sie sind das sicher auch. Und ich bin mir auch sicher, dass sie alles zurückzahlen, irgendwie. Sie meisten, die ich kenne sind harte Arbeiter, die wollen nicht rumsitzen und daddeln. Und die kommen auch nicht freiwillig. So wie ich damals nicht freiwillig und aus Spaß an der Freud geflohen bin.

Ich leide gerade unter dem Fremdenhass. Ich kann es nicht nachvollziehen und ich will es auch nicht. Wir sind alle mal Flüchtlinge. Es kann jedem passieren. Aber wem sag ich das? Ich glaube eigentlich, dass niemand, den ich hier so kenne und der diesen Blog liest, fremdenfeindlich ist. Falls doch ... bitte ... bitte ... hör auf. Denk daran, wie du einmal Hilfe nötig gehabt hast und wie dankbar du warst.

Ich bin es immer noch.

Und ich werde jedem helfen, denn ich weiß nicht, wann ich mal wieder Hilfe brauche.


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Meinung oder Handlung?

Ich holte heute morgen die Zeitung ... ja sowas hab ich noch. Fragt mich nicht, warum. Und da war dann die Schlagzeile dass dieser Sigmar Gabriel den Till Schweiger angerufen hat.

What the fuck? (das war mein erster Gedanke)

Wer ist hier blöder? Der Gabriel, der Schweiger oder die Zeitung? (Zweiter Gedanke)

Ist das Satire, nee die Waz. 

Der blöde Schweiger, mit seiner nervenden Stimme. Der ist dumm wie Brot und seine Filme sind unterirdisch.

Der blöde Gabriel.

Wat? der Schweiger hat mehr als eine Million Klicks für seinen Rant bekommen?

Der blöde Schweiger.

Ich habs nicht gelesen.

Hätte ich es lesen sollen?

Ich mag nicht mehr lesen was xy über die Flüchtlinge denkt.

Mich regt diese ganze Flüchtlingssache saumässig auf.

Mich regt auf, dass der Schweiger sich nun damit profiliert.

Mich regt auf, dass der Gabriel jetzt den Schweiger um Meinung fragte. Ist der zu blöd dazu, eine eigene zu haben? Muss der den blöden Schweiger fragen?

Ich muss da was auf facebook drüber schreiben.


Ich hab angefangen und gemerkt ... halt! das geht ganz in die falsche Richtung. Wenn du sagst, was du gerade denkst, dann denken alle, du hast was gegen Flüchtlinge. Und das hab ich nicht.

Und das will ich eigentlich auch nicht erklären müssen.

Und ich will mir auch nicht sagen lassen müssen, dass der Schweiger garnicht so blöd ist, wie ich den finde. Und dass der Herr Gabriel noch blöder ist, was mir rechtschaffen egal ist.


Ich bin mega-unpolitisch.

Und ich hab jetzt darüber nachgedacht, warum. Warum ich mich gegen das Posting entscheiden habe. Obwohl eine die etwas dazu geschrieben hat, recht hat: wenn die Klugen nix sagen, regieren die Dummen.

Ich bin aber nicht klug. Ich bin nur ... basic.


Also: ich bin gerne voller Vorurteile, Ich mach mich gerne lustig über Dinge und ich hab gerne Meinungen. Aber: Das ist alles heiße Luft. Das ist nichts, was wirklich ICH bin. Denn:


WAS ZÄHLT SIND HANDLUNGEN!


Was zählt ist doch, wie ich mich verhalte, wenn das echte Leben ruft. Wenn ich wirklich mit armen Leuten und Flüchtlingen und Randgruppen und Schweigers zu tun habe.


Was ich über den Schweiger weiß, ist doch alles Humbug. Ich hab die meisten seiner Filme nicht gesehen und meine "Meinung" über ihn basiert auf Frauenzeitschriftenberichten.

Ich kenn den Herrn Gabriel nicht und bin leider auch total unpolitisch.


Aber ich weiß, wie ich mich im echten Leben verhalte. Wenn es darum geht, dass in einem Nachbarhaus Flüchtlinge einquartiert werden, dann freu ich mich.

Wenn ich höre, dass Leute wieder braunes Gedankengut rauskramen, dann ärger ich mich. Und ich werde jeden entfreunden, der das tut. Auch im echten Leben.


In meinen Büchern geht es ja ständig um Ausgrenzung. Um Fremdenfeindlichkeit.

Und in meinem Leben ist es auch oft nah, ob Flüchtlingskinder in der Schule meines Kindes oder das Heim umme Ecke. 

Ich liebe die Vielfältigkeit. Ich liebe es, gastfreundlich zu sein. Ich liebe die Idee einer Welt in der man nicht BEURTEILT wird nach dem, wie man aussieht, wieviel Geld man hat oder wo man herkommt und wen man liebt beurteilt wird. Aber wir Menschen sind noch nicht so weit.

Ich persönlich, auf meiner ganz ureigensten Ebene, kann von mir behaupten, dass es mir wirklich egal ist, wer da vor mir steht.

Wer nett zu mir ist, zu dem bin ich auch nett.

Und wer mich scheiße behandelt, den find ich scheiße. Egal wer oder was er ist.


Facebook ist nur Meinungen. Die einzige Handlung, die man dort wirklich tun kann, ist Leute entfreunden und auch das ist passiv. Man kann dort niemanden erziehen. Man kann selbst ein Vorbild sein, und andere zum Nachdenken bringen, sie erleuchten. Das geht.

Aber echte (politische) Diskussionen? Ich bezweifel es.


Naja, und weil das alles so ist. Und ich mich nicht stundenlang rechtfertigen wollte, warum ich den Schweiger (immer noch) doof finde, und den Gabriel und die ganze Sache, sie aber trotzdem falsch finde ... weil ich es falsch finde, was da gerade passiert, hab ich keinen Facebookeintrag geschrieben, sondern diesen Blogeintrag.


Es ist falsch, was gerade geschieht. Weltweit. Es werden zuviele Kriege aus den falschen Gründen geführt, was zu zuvielen Flüchtlingen führt. Der Fokus des Lebens ist falsch: es ist nicht die Menge an Geld, die einen reich macht, aber wenn man keines besitzt und nie Chancen bekommt, dann ist das auch falsch.

Wir haben es verlernt, basic zu sein. Dem anderen zu begegnen und von ihm eine Zusammenarbeit erwarten zu können. Denn das ist es doch, was uns eigentlich zu einer Gruppe macht. Als Einzelkämpfer ist der Mensch jämmerlich, er hätte es nie so weit gebracht. Es ist die Gruppe, die Masse, die ihn stark macht. Und anstatt dass wir die Masse nutzen, um die Verhältnisse zu regeln, nutzen wir sie, um Katzenbilder und Unfallvideos zu posten. Warum? Weil ich leider glaube, dass auch Avaaz und wie sie alle heissen wieder unterwandert sind. Petitionen gegen dies und das. Globale Aufregereien, Kräfte werden verschleudert um Wale zu retten und dann ...

... dann ist nichts mehr übrig für den Nebenmann, für den Flüchtling im eigenen Land, weil man ausgebrannt ist, nicht mehr weiß, was richtig und falsch ist, weil man sich verraten und verkauft fühlt.


Und nochmal muss ich mich erklären: ich habe nichts dagegen, Meinungen zu sagen. Jeder soll Meinungen haben und sie sagen. Das ist wichtig und ein Grundrecht. Aber jeder sollte sich klar sein, dass seine Meinung eigentlich nur ein Vorurteil ist. Dass es immer viele Seiten gibt, dass die Dinge oft komplexer sind, als man das erahnt.

Aber Meinungen zu haben und der Diskurs darüber sind ein Luxus, den wir uns erlauben dürfen und müssen. Wenn wir allein wären, und uns selbst versorgen müssten, also für alles, jedes bisschen ... dann hätten wir keine zeit für Meinungen zur Walschlachtung. Weil dann würden wir nur an Essen, trinken und Kleidung denken würden. Ans Überleben.


Und damit sind wir wieder bei den Flüchtlingen. Die haben nur noch so einen Horizont: Überleben. Und wir ... wir begegnen ihnen mit unseren Luxusbedenken. Wir lassen zu, dass die Schlechtesten unter uns ein Bild prägen, bei welchem man sich beschämt abwenden muss.


Ich kann das alles nicht so sagen, wie ich das gerne möchte. Ich kann nur meine eigenen Handlungen wirklich kontrollieren. Und ich kann nur meine direkte Umwelt beeinflussen. Ich kann nur tun, was ich tun kann. Und das hieß heute morgen: nichts über den Herrn Schweiger und den Gabriel schreiben. Hat die Welt zwar nicht besser gemacht, aber auch nicht schlechter.



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Selfpublisher vs. Selfpublisher

Es wird ja immer blöder. Kaum zu glauben, und ... kann man sich nicht ausdenken. Ist aber so.


Seit ich Autorin bin, besteht die Welt scheinbar nur aus anderen Autoren. Ist halt so. Hätte ich das Fliegenfischen angefangen, wäre es ebenso. Ich hab da mal drüber nachgedacht, aber ... nein.


Jetzt denke ich gerade mal wieder darüber nach, aber: nein, ich mach es wie ein Baum, der sich auch nicht drum schert, wie die anderen Bäume wachsen: er wächst so, wie es ihm möglich ist. Aber ich schau trotzdem immer mal rein in das bunte Treiben, und heute ist es wirklich kunterbunt.

Da macht dieser Selfpublisherverband eine Umfrage. ich sag jetzt kurz schonmal, dass ich den Verband so unnötig finde wie einen Kropf, damit das geklärt ist.

Wer das Ganze tutto kompletti selbst nachlesen will, der kann das hier tun: zur Umfrage

Ich wollte mich auf ausgewählte Blödsinnigkeiten stürzen. Aber ganz ehrlich? Ich hab keine Zeit. Ich hab echt viel zu tun. Und daher ... mach dir selbst ein Bild. Oder lass es. 




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Den Schlamm aufrühren ...



Ich hab gerade was gelesen:

"They muddy the water to make it seem deep." Soll Nietzsche gesagt haben. Jetzt wüsste ich natürlich gerne, was er auf Deutsch gesagt hat, denn das war ja seine Sprache, aber ich bin zu faul zu suchen. Es reicht mir auch so, um eine Einsicht in den Prozess zu haben, der mich die letzten Tage wieder umtreibt.


Alles kann so schrecklich kompliziert gemacht werden. Immer gibts was zu bedenken und zu hinterfragen, zu analysieren und zu verbessern.


Aber ich will das nicht.

Und was mich dabei beruhigt: die Vergangenheit zeigt, dass andere vor mir sich auch schon einen Dreck drum geschert haben, was andere taten und dachten. Sie haben einfach gemacht. 

Und das Verblüffende: Sie waren erfolgreich. 


Obwohl sie alles falsch gemacht haben.

Obwohl sie nicht auf die Wirtschaftsweisen gehört haben.

Obwohl sie nicht tagelang anvisiert und dann erst geschossen haben.


Und vielleicht gerade deswegen.


Ich hab jetzt auch mal wieder die Nase voll davon, darüber nachzudenken, ob das, was ich tue, richtig oder falsch ist. Ob es nicht optimiert werden muss. Ob es unprofessionell ist oder gar falsch.


Ich mach einfach. Weil: wenn man einfach mal so eintaucht, in das Wasser, dann hat man die Chance, ganz ganz weit zu sehen. Bevor die anderen Gelegenheit hatten, mit ihren "Aber Aber"-Stöckchen darin herumzurühren.


Das Ganze hat natürlich noch eine weitere Bedeutung: sie verschlammen das Wasser, damit es tief aussieht. Es ist bei manchen nämlich nicht tief. Es ist nur ein flacher Tümpel, aber sie machen so ein Gewese darum, als wäre es ein tiefer See. Sie behaupten, sie haben die Einsichten. Aber sie verschleiern nur, dass sie nicht viel haben. Nur ein bisschen schlammiges Wasser und ein Stöckchen.


Liebe Autoren da draußen: es gibt keinen Königsweg. Nur den einen. Den deinen. Und die Hauptsache ist, dass du etwas machst. Mach es so, wie es für dich gut und passend ist. Mach es so, dass dein Herz pocht und dass du Tränen in den Augen vor Glück hast. Mach, dass es WERT hat.


Sonst ist es nur schlammiges Wasser.



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Sie lebe hoch und so ...

Ich red heute mal über etwas, was mir schon länger sauer aufstösst. Manche Autoren nehmen sich zu wichtig. Echt. Das nervt.

Klar, super, du hast ein Buch geschrieben.

Heissa Juhu Applaus und so. Ist schon toll, hast du fein gemacht.

Und ja supi, du hast ein tolles Cover. 

Und toll, du hast Geld investiert und es brav lektorieren und korrigieren lassen. Nochmal Applaus.

Und fein: Leute finden es gut. Klasse für dich.

Ach noch einer findet es gut? Toll.

Noch einer? Jaaa, toll.

Noch einer? Jaaa.

Und du hast schon dein nächstes Cover und möchtest es mit uns teilen? Ja, mach. Ach nur in kleinen Schritten wegen der Spannung und so? Gähn.

Du schreibst den nächsten Teil und willst uns dran teilhaben lassen? Textschnipsel mit denen niemand außer dir was anfangen kann? Danke.


Hey, warum schimpfst du mit mir? Ich hab bei deinem Spiel nicht mitgemacht? Keiner meldet sich auf deine Leserunde? Facebook ist mal wieder doof? Keiner reagiert auf deine Rufe?

ICH KANN NICHTS DAFÜR! 


Bitte, versteht mich nicht falsch. Ich hab das auch alles schon gemacht, man hat als Autor ja sonst nichts. Man will doch die anderen teilhaben lassen, man ist doch ganz für die lieben Leser da und denkt nur dran, sie glücklich zu machen ...


Was mich aber nervt, ist die Anspruchshaltung dabei. Der Autor schreit ständig: Schau mich an!


Ich denke an die Leute zurück, die mir in meinem Leben viel gegeben haben, Autoren die mich beeinflusst und inspiriert haben. Und vor Facebook Zeiten ... wie haben die das eigentlich gemacht? Sind die kaputt gegangen im stillen Kämmerchen? Weil sie keinen täglichen Applaus bekommen haben?


Manche sind so betrunken von sich selbst, dass sie nicht merken, wie sie anderen auf den Geist gehen. Und dann passiert das, was sie eigentlich nicht wollen: die Leute blockieren sie. Und dann nutzt alles rufen nichts, kein Gewinnspiel zieht mehr likes, keine Preisaktion. Weil es niemand mehr hört.


Der Autor soll auf dem Teppich bleiben. Saubere Arbeit und wohldosierte Werbung. Ja, gebt den Leuten Textschnipsel und Coverreveals, aber macht es so, dass die Leute das selbst entscheiden können, ob sie das lesen wollen. Macht es auf eurer Seite, die man besuchen kann, wenn man das möchte. Jammert nicht rum, wenn keiner mitmacht. Schiebt nicht die Schuld auf andere Autoren, die schlimmer sind als ihr. Nehmt euch einfach nicht so wichtig. 


Denn wichtig ist letztlich nur eines: schreib das nächste Buch. Schreib ein gutes Buch. Mach es nicht so teuer, dass es keiner kauft und nicht so billig, dass es wie Ramsch erscheint. Sei dir deines Wertes bewusst, ohne dass man dir das täglich bestätigen müsste.


Du willst trotzdem ein Rockstar sein? Ja, mach. Viel Spaß dabei. Wo ist dieser Blockierbutton?


Bleib bei deinen Leisten. Dann klappts auch mit den Lesern.



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RPC die zweite

Letztes Jahr waren wir das erste Mal auf der RPC. Alles war damals nagelneu und wir bibberten, ob es so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt hatten. Und dieses Jahr waren wir wieder. Trotz widriger Umstände ... über die ich aber hier nicht mehr reden will, denn was zählt, ist das Ergebnis.


Wir haben gerockt! Meine lieben lieben Freunde von Evil Kraken haben hochprofessionell in Rekordzeit mal wieder ein Amt errichtet und meine Bücher verkauft wie die Wilden ... es war herrlich. Sauanstrengend aber jede Minute wert. Bis auf meinen Aetherunfall vielleicht ...


Ich zähle hier nicht auf, wen ich alles getroffen habe, das schaff ich nicht.

Ich möchte nur sagen, ich fühle mich zum Platzen gut, weil ich durch solche Veranstaltungen das Gefühl bekomme, etwas richtig zu machen. Der Kontakt zu den Leuten, die Interaktionen, die Gespräche und die dadurch ausgelösten spontanen Käufe ... aber auch die Rückmeldungen ... all das ist einfach schön. Schöner als jeder Verkaufsrang bei amazon.


Aber: nochmal möchte ich sagen: das wäre alles nicht möglich ohne meine lieben Freunde. Mein Mann, der die Kulisse so wundervoll gebaut hat; Mathias Heilmann, der die Kasse bewacht wie ein Schießhund und sich überraschenderweise als Naturverkaufstalent entpuppte; Stefan Holzhauer, der immer fleißig fotografiert und mit seinem Riesenzylinder und der Haarpracht ein Hingucker ist; Sylvia Kretzschmar, die gute Deko-Fee, die Kaffee kocht und einfach für Harmonie sorgt und Stefan Pfannmüller, der es schafft, sich in Blitzeseile umzuziehen und immer da ist, wenn es gilt, etwas Witziges zu machen. Ohne euch wäre das Amt öde und leer, spassbefreit und wahrscheinlich würde es nicht existieren.


Danke Danke Danke. 


Und jetzt muss ich aufräumen.

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See me!

Wir Autoren haben es schwer!

*dramatisch seufz*

Wir schreiben uns im stillen Kämmerlein die Seele aus dem Leib und den Hintern platt und dann ... dann präsentieren wir unser durch etliche Korrekturdurchgänge verbesserte und möglicherweise zig mal umgeschriebene Werk endlich zitternd der Öffentlichkeit und dann???

*wart* *nägelkau* *wo bleibt der amazon Rang* *wo bleiben die ersten Rezis* 

Die Zweifel kommen: ich hätte doch nicht auf Betaleser x hören sollen ... das Ende hätte anders sein müssen ... 

Man fängt an, es noch einmal zu lesen, findet einen Tippfehler, den keiner bisher gefunden hat und hat Albträume.

Dann überwindet man sich und wendet sich etwas anderem zu ... aber es nagt und nagt ...


Ich habe gerade Amanda Palmers Buch "The Art of Asking" zuende gelesen und es hat mich sehr berührt. Es hat mir etwas klar gemacht, was ich bis jetzt nicht bewusst wusste und was in Zukunft die Art, wie ich mit meinen Lesern umgehen werde, verändern wird.


Das Schöne: ich hab schon einiges richtig gemacht: für mich war es immer wichtig, dass meine Bücher nicht nur gekauft werden, sondern dass ich mit meinen Lesern (also denen, die das wollen) einen Diskurs habe. Ein Geben und Nehmen.


Wie gebe ich also? Und wie sollen die Leser nehmen?


Es geht ja um die KUNST des Fragens. Wobei "asking" auch Bitten bedeutet. 


Die meisten Autoren fragen: Möchtest du mein Buch kaufen? 

Berechtigte Frage, schließlich bekommt man dann Geld, und das bedeutet doch einerseits Brötchen im Haus, andererseits Wertschätzung, oder?

Falsch. 

Der Austausch ist von Anfang an schlecht: ich als Autor lege fest, wie viel dem anderen mein Werk wert sein soll. Und die Menge der gekauften Bücher sagt dann was über meinen "Wert" aus. Unsinn.


Hier sind wir auch wieder bei den Piratenseiten. Aber das ist ein anderes Thema. Trotzdem kurz: es entwertet den Autor nicht, wenn sein Werk auf Piratenseiten ist (meiner Meinung nach).


Was will ich aber sagen? Ich komm auf Amanda Palmer zurück. Sie beschreibt in ihrem Buch ihr Leben als Künstlerin, von der lebenden Statue, der Musikerin bis hin zur Autorin. Und was sie unterscheidet von anderen und womit sie sich viele Freunde, aber auch Feinde gemacht hat.

Frau Palmer ist ein Mensch der unglaublich viel Sichtbarkeit braucht: sie möchte gesehen werden. Sie ist ein Exhibitionist; aber so viel sie auch nimmt (die Blicke und die Aufmerksamkeit sind wie Nahrung für sie) so viel gibt sie auch. Sie gibt sich selbst vollkommen hin, so sehr, dass sie sich zwischendurch immer mal ganz zurückziehen muss, um sich zu finden und so sehr, dass es auf viele schon abstossend wirkt. Ich muss gestehen, ich komme damit auch nicht klar, und das wäre auch nicht mein Weg. Obwohl ich gerne ganz nah dran bin, an meinen Fans, auf Conventions und so.

Seit Beginn ihrer Künstlertätigkeit ihrer Karriere hat sie aber eines getan: sie war immer ganz nah bei ihren Fans: sei es eine Mailingliste oder später Twitter und facebook. Sie war immer transparent und öffentlich. Sie sagte wo sie ist, was sie macht und lud Leute ein, ihr zu folgen oder mit ihr zu machen.

Sie hat auch viel Musik kostenlos als downloads zur Verfügung gestellt. Und sie hat crowdsourcing zu ihrem Instrument gemacht.

Was das ist? Sie stellt damit sich fast wie einen Gegenstand in den Raum, und fordert die Fans auf, sie zu "buchen"; das kann dann bedeuten: sie ist in Island und sagt: wenn ihr mich wollt, dann brauch ich ein Piano, einen Raum, was zu Essen und Wein, jemand der mich hier abholt, etc.


Jetzt ist das nicht jedem sein Ding und man kann da einen Musiker auch nicht mit einem Autor vergleichen. Wobei ich gerne lese, also man könnte mich mit Kaffee und Kuchen schon locken ... oder Weinchen und Quiche ...


Zurück zum Thema: Die einen brauchen die Wertschätzung ganz nah, die anderen etwas mehr aus der Ferne. Die einen sind gerne im direkten Dialog, die anderen machen es am amazon-Rang fest.

Aber ... wo ist mein Weg?

Ich möchte näher an meinen Lesern sein. Ich möchte eigentlich, dass sie mir nur bezahlen, was ihnen mein Buch wert ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich unfassbar viele Bücher verschenke. Ich verschicke Bücher, bevor ich die Überweisungen habe. Und ich liebe meine Goodies und möchte sie säckeweise um mich werfen.

Ich kann aber nicht so, wie ich möchte. Ich kann meine Bücher nicht zum variablen Preis verkaufen, weil es in Deutschland die Buchpreisbindung gibt. Und ich kann nicht mehr Geld ausgeben, als ich einnehme. (Also ich kann schon, aber das wäre nicht zielführend)


Was ich sagen will ... (endlich komm ich zum Punkt): ich werde demnächst ein Experiment starten. Nicht morgen, aber demnächst. Ich werde vielleicht mein übernächstes Buch (das nächste ist Rheingold, das gehört dem Verlag schon) anders herausbringen. Also so ... frei. So ... bezahlt was ihr wollt ... 


Warum? Weil ich damit sagen will: Das hab ich für dich gemacht. Und du (als Leser) kannst mir die Wertschätzung geben, so wie du es möchtest. Im Sinne von Amanda Palmer wäre das Buch dann meine Kunst und ich frage dich: was ist es dir wert? Was gibst du mir dafür?

Aber ich muss mir noch Mut dafür ansparen. Das ist nicht leicht. Die Angst, auf die Nase zu fallen ist riesig.


Aber ich hab jetzt schon eine Bitte: wenn du mir auf meinem Weg folgen möchtest, dann kannst du mir helfen: trag dich auf der Startseite meiner Homepage für den Newsletter ein (da gibts den Button für); verbinde dich mit mir auf den sozialen Medien (ich bin auf facebook, google+, twitter und instagram und Pinterest). Gib mir Feedback, schreib Rezensionen, verschenke eines meiner Bücher, buch mich für eine Lesung (ich koste nix außer Spritgeld, wenn es zu weit ist), schick mir Fanfiction oder oder oder ... 


See me! Weil ... das macht mich real, das ist mein Lohn als Künstlerin. Und ... ich würde gerne dich sehen, dich als Leser/in, als Mensch, oder vielleicht auch als Künstler? Ich freu mich auf dich.

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Mann, Mann, Mann .... Frau?

Es treibt mich um und um. Nicht das erste Mal, aber diesmal so, dass ich etwas dazu sagen will:

Es geht um Gender, Frauen und Männer, Gleichberechtigung und ... Herrgott, worum geht es eigentlich?

Ich hab immer ein Riesenproblem mit der Sache. Ich weiß, dass Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sind. Ich weiß das so, wie jeder intelligente Mensch das tut. JEDER, ob Mann oder Frau.

Ich will hier nicht darüber sprechen, was und wie. Das wissen wir alle, wir können zig Beispiele dafür nennen, ob wir sie nun selbst erlebt haben, oder nur vom Hörensagen.

Ich will darüber sprechen, warum mich das manchmal massiv ärgert und manchmal nicht.

 

Männer sind nicht gleich Frauen. Daher finde ich das Konzept von Gleichberechtigung dämlich. Warum soll man zwanghaft etwas gleich behandeln, was nicht gleich ist? Warum nutzen wir nicht stattdessen die Stärken des jeweiligen Geschlechts? Nein, das wäre ja clever, das können wir von Menschen nicht erwarten.


Aber: die Leistungen von Männern und Frauen sollten auf die gleiche Art und Weise gewürdigt werden. Und zwar unabhängig vom Geschlecht. Damit meine ich: wenn ein Mann und eine Frau das gleiche Ding machen, dann soll der "Bessere" die Anerkennung bekommen. Und zwar echt wurscht, ob er ein Mann oder eine Frau ist.

Wie man das misst? Na, das hängt ja von dem ab, was man tut. Das kann man doch nicht über einen Kamm scheren! Es ist doch etwas anderes, ob es um Sport geht oder um Kunst.

Und ganz neutral betrachtet, ist es doch wirklich egal, dass es höchst wahrscheinlich ein Mann ist, der der beste Gewichtheber der Welt sein wird (mir zumindest). Prima, denk ich, dann sollen Männer bitte die Gewichte heben, das können sie offenbar gut (schaut übrigens mal Paar an, die vom Einkaufen kommen. Die Frauen tragen meist mehr).

Also, Männer, Glückwunsch zum Preis im Gewichtheben.

Jetzt ärgern sich sicher schon einige und denken: worauf läuft das hier hinaus?

Es geht mir darum, dass es immer eine Frage des Maßstabes ist. Und dessen, was man damit beweisen will. Und dass "Besser" sein manchmal echt ... witzlos ist.

 

Ich hab heute einen Artikel gelesen (klicke hier um ihn auch zu lesen). Und ich hab mich echt geärgert. Eine Frau schreibt etwas über die Unterrepräsentation von von Frauen geschriebenen Büchern beim Buchpreis und wird dafür übel beschimpft. Männer behaupten, dass Frauen da total gleichbehandelt werden. Werden sie nicht. 

Wieder frage ich mich aber: müssen sie das? Sollen sie das? Wollen sie das?

Ich will das nicht.

Jetzt wirds hier haltlos, weil ich nur über mich rede. Ich werde nicht über Zahlen sprechen, und darüber, dass ich glaube, dass alles stimmt, was die Autorin dort schreibt, sondern darüber, wie ich das sehe.

Ich will gar nicht mit Männern verglichen werden. Ich will weibliche Bücher schreiben und zeigen, dass man damit beide Geschlechter gut unterhalten kann. Wenn man auf Menschen trifft, die beides unterhaltsam finden können: die weibliche und die männliche Sicht auf die Dinge.

Und genauso will ich das gewertet sehen. Ja, ich will keine genderneutrale Bewertung, weil ich stolz darauf bin, als Frau zu schreiben. Ich will mit meiner vollen Identität bewertet werden. Weil ich stolz darauf bin.

Ich bin mir bewusst, dass das schwierig für viele ist, und dass die Welt noch nicht so weit ist. Es ist so, dass Texte und Arbeiten von Frauen kritischer und schlechter bewertet werden: von Männern und Frauen (blöd, was?)(ja, Frauen sind gegenüber Frauen auch sehr gnadenlos). Es ist so, dass die Maßstäbe noch nicht stimmen. Es ist so, dass Frauen damit leben täglich entwürdigt, entmündigt und für blöd verkauft zu werden. Und das ist noch harmlos ausgedrückt (weil eine ganze Menge schlimmere Dinge mit Frauen geschehen). 

Es ist so, weil Frauen als das schwache Geschlecht bezeichnet und behandelt werden, weil in dieser Welt die männlichen Eigenschaften besser bewertet werden und Männer diese Überlegenheit ausnutzen. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern.

Klar gibt es viele Männer, die das nicht tun, und viele Frauen, die wiederum ihr Geschlecht zur Manipulation ausnutzen. Ja ja ja. Wir sind noch nicht so weit. Wir glauben, dass es wichtig ist BESSER zu sein. Wir sind nicht kooperativ. Statt gemeinsam an der Verbesserung der Welt zu arbeiten, arbeiten wir hart daran, uns ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Und da sind sie sich alle gleich.


ICH bin eine Frau, Ich vergesse das oft, und habe meist das Glück, dass die Männer um mich herum mich ernst nehmen. Vielleicht, weil ich sie ernst nehme, mich aber als Frau wie eine verhalte, ohne mich unterzuordnen. Weil ich es toll finde, wenn Kerle die schweren Arbeiten machen, weil ich mir keinen Zacken aus der Krone breche, wenn ich Frauendinge mache. Weil ich manchmal Frauenklamotten anziehe und es toll finde, und manchmal lauf ich wie ein Kerl rum (obwohl die Kerlssachen nicht gut passen ... da haben wir es wieder, wir sind eben nicht gleich ....). 

Ich kann beides: Country und Western. Und eine Gitarre ist kein Banjo. Mann, mann ... Frau.

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1,65 m oder nur 18 cm?

Vor drei Jahren drängte "Aetherhertz" mächtig auf Veröffentlichung. Damals ... unglaublich. Damals wusste ich noch nicht, was draus wird. Alles, was ich wusste war, dass ich dieses Selfpublishing ausprobieren wollte. Ich hatte mehrere - heute streng unter Verschluß gehaltene - Ausgaben von Aetherhertz bei diversen Anbietern erstellen lassen und wollte aber Create space und kdp auf jeden Fall testen.

Ich hatte keinen Marketing-Plan, keine langfristige Strategie, keine Ahnung (und davon ganz viel). Ich habs einfach mal gemacht.


Und heute hab ich mal gemessen: wenn man sie allen übereinander legt, sind es 1,65 m. Oder nebeneinander 18 cm. Es sind ne Menge Seiten ... und noch mehr Buchstaben.

Aber was es auch ist: es ist ein Traum, den ich lebe.

Heute weiß ich mehr über dieses Business, und vieles davon macht mich unglücklich. Wenn ich tagtäglich auf meine Zahlen schaue, werde ich unglücklich. Wenn ich mit anderen Autoren spreche, werde ich unglücklich. Viele kämpfen so sehr. Ich auch.

Es ist so, wie wenn man einen Weg geht und am Wegesrand Angler stehen, die einen mit Angelhaken bewerfen. An den Haken hängen dann diese Ansprüche:


- du musst mehr twittern

- du musst keine Blogeinträge Sonntags raushauen, das liest keiner

- du musst endlich mehr Leserunden machen

- du darfst nicht so viel verschenken/du darfst dich nicht unter Wert verkaufen

- du solltest mal über einen Genrewechsel nachdenken

- du könntest mal Erotik schreiben, das bringt Geld

- du kannst doch nicht einfach ...

- mach doch erst mal ...

- niemals darfst du ...


Pfff. Echt. Nee. Lasst mal. Ich mach das alles trotzdem. Ich mach Fehler und ich lerne draus. Und solang ich mach, und mein Bestes gebe, wird das schon.

Mit "Rheingold" kratz ich dann bald an den zwei Metern ... spätestens mit "Ruhelos" ... und wer weiß, was dazwischen noch alles kommt ... 

Ich hab immer noch keinen Plan. Aber so langsam ein Gefühl dafür, was geht und was nicht. Ohne diese ganzen Bedenken kann ich viel freier laufen/leben/schreiben. Also lasst mich in Ruhe, mit euren Bedenken. Ich hab die 2 Meter vollzumachen.

Einen schönen Sonntag noch.

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Vom Schreiben und Weitergeben

Heute haben ich das hier an meinem Spazierweg gefunden. Ich gehe fast jeden Morgen den gleichen Weg und finde trotzdem täglich anderes. Liegt es nur daran, dass sich natürlich die Natur verändert oder liegt es nicht auch an mir? Daran, wie ich die Welt sehe?

Meine Augen sind immer die Gleichen (gut, sie werden alt, wie der Rest von mir). Es muss also etwas mit meiner Wahrnehmung zu tun haben. Und die verändert sich, je nachdem, worauf ich den Fokus setze.

Ahh, sie labert, denkst du? Jaja, ich komm schon zum Punkt. Ich will ja hier meine Erfahrungen in punkto Schreiben und den ganzen Rattenschwanz weitergeben. Nicht als Ratgeber und nicht für Geld. Sondern einfach so. Als Bericht, eben als Blog, so wie es heutzutage so schön möglich ist.


Und dann denke ich zwischendurch: warum eigentlich? Was bringt das jemandem? Ich mach doch so viele Fehler, ich bin doch nicht erfolgreich, ich hangel mich doch nur von Tag zu Tag. Aber genau das passiert tausenden Autoren täglich. Und sie sitzen auf ihrem Hintern und grübeln. Was unterscheidet aber die, die weitermachen, und nicht in der Grübelfalle gefangen bleiben?

Was lässt die einen stolpern aber nicht fallen, und was lässt manche, die fallen dennoch immer weider und wieder aufstehen?

Genau das will ich wissen. Deshalb lese ich gerne Erfahrungsberichte, und nicht nur die von erfolgreichen Menschen, sondern auch die von jenen, die zwischendurch scheiterten. Von denen, die sich nicht wohl fühlten, die nicht als Sieger geboren wurden.


Und weil ich nicht nur aus mir selbst heraus lerne, weil man sich gerne Lehrmeister sucht oder einfach nur heimlich davon profitieren möchte ... genau darum schreibe ich hier weiter. Und möchte die Autoren, die das lesen nochmal aufrufen: Schickt mir eure Tipps (ich hab da diese 5Tipps-Aktion, schaut mal oben in die Leiste, da ist ein Link). Schreibt auf, wie ihr eure Blockaden löst, was ihr gegen schmerzende Hände oder Hintern tut, und wie ihr eure Werke ans Tageslicht bringt. Egal was. Alles ist hilfreich.

Jeder Tipp ist eine Möglichkeit, einen Moment in den schuhen des anderen zu laufen und etwas zu lernen. Und daher ... kommt mir nicht mit: was hab ich schon zu sagen? Da gibts ne Menge. Und was für dich trivial erscheinen mag, ist für den anderen der Rettungsring, der ihm endlich hilft, sich wieder aufs Boot zu hieven und weiterzusegeln.


Daher: Stein für Stein aufeinanderzusetzen scheint erst einmal trivial und sinnfrei: aber am Ende kommt sowas Wunderbares dabei heraus. Mach mit!


(Hinweis: meine Aufforderung gilt nicht nur für Autoren. Es können auch andere Künstler mitmachen.)

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Von Würmern und anderen Getieren

Während im Garten die Altlasten des Herbstes nett aussehen und trotzdem entsorgt werden, blüht mir auf Facebook täglich ein Unsinn, den ich nur sehr widerstrebend mitmache. 

Es geht um meine Mitgliedschaft in diversen Gruppen. Natürlich könnte ich jetzt weit ausholen und gegen Facebook im allgemeinen und speziellen ... aber das will ich nicht. Ich geniesse es viel zu sehr. Ich mag Facebook, google+ und alles, was dazu gehört. Weil ich mir normalerweise aussuchen kann, was und wie ich es wahrnehme. Ich kann mir aussuchen mit wem ich spreche und wer mich hören kann.

Aber ich muss in einigen Gruppen sein. Warum? Beruflich. Wegen weil. Deshalb. Weil MAN mir sagte, das brächte etwas.


So lausche ich also seit Wochen dem Geplapper einer Gruppe, die ich nur deshalb betreten habe, weil ich da mal Werbung loswerden will. Irgendwann mal. Da gibts feste Termine. Und ich halte mich dran. 

Jetzt würde ich gerne die Benachrichtigungen loswerden, das geht aber irgendwie nicht. Die verflixte Gruppe spuckt alles, was ihre 12.000 Mitgliederinnen so posten, ungefiltert in meinen Stream.


Was mich daran am meisten stört: es macht mir täglich mehrfach klar, dass ich keine massentaugliche Autorin bin. Wie nannte es eine befreundete Autorin? Ich habe "Bildungsballast". Und meine Bücher haben unverständliche Titel. Und Bilder drauf. Ach ....

Nee, ich will das nicht als jammern verstanden wissen. Es geht mir nicht um Nörgeln, sondern darum, dass ich eigentlich echt gerne weiß, wo ich hingehöre. Und da gehöre ich nicht hin. Jetzt muss ich aber noch warten, bis ich dran war ... oder? Oder cancel ich meine Termine, weil meine Bücher da nichts zu suchen haben?

Es ist ein ewiges Suchen nach der Zielgruppe. Aber ich mach das jetzt, wie es mein Orakel mir befielt. ich gehe meinen Weg stur weiter. Irgendwann werden schonmal noch genug Leute neugierig auf diese Aetherwelt, um meine Bücher zu kaufen. Also zumindest so oft zu kaufen, dass ich mich nicht mehr täglich fragen muss, warum ich mir die Arbeit mache. 

Nicht das Schreiben. Das ist keine Arbeit. Aber das promoten. Das ist Arbeit. Und sie macht keinen Spaß. Gehört aber dazu. Und daher lausche ich weiter dem Gemurmel um After irgendwas. Es wird auch irgendwann leiser werden und vergehen, so wie die Pracht des letzten Herbstes.

(Die Autorin ist total stolz in diesem Blogpost einen Bogen geschlagen zu haben. Eine schöne Metapher zu einem schönen Bild, ein wenig Gelaber und ... ach ... ein Blogpost. Auch nur Werbung? Wer weiß.)

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Mission Hoffnung, Glasberg und andere Gedanken ....

Am letzten Samstag kam mein Ausflug in die Science Fiction heraus. "Mission Hoffnung" hatte so gute Chartsplatzierungen, wie noch keins meiner Bücher. Ok, es war ein Schnäppchen, aber trotzdem: dass so viele Leute Interesse haben, hätte ich nicht gedacht. 

Mir ist auch klar, dass es einige Stimmen geben wird, die es nicht gut finden werden (Fakt: die erste Rezi war schonmal nicht toll). Das wusste ich aber vorher. Warum? Ich schreibe den zweiten Teil der Story aus der Sicht einer Frau. Einer schwangeren Frau. Einer Frau, die unglaubliche Dinge entscheiden muss und durchmachen muss. Sie hat schlimme Stimmungsschwankungen und das ist sicher für einige nicht leicht zu lesen.


Ich habe mal Medienwissenschaft studiert, vor langer Zeit (ja, das hat was mit dem Thema zu tun, abwarten). Es gab da ein Seminar: Mittelalter im Film. Abgehalten von einem echten Prinzen übrigens, einem der Solms von Hohensolms, der an der Marburger Uni Professor war (ist?). Sehr unspektakulärer Prinz in scheußlichen Strickjacken. Egal, jedenfalls sahen wir allerlei Filmchen, unter anderem einen französischen (ich glaube von Rohmer/Rhomer oder so), in dem die bösen Ritter nur Rüstungen waren. Nie sah man an ihnen etwas menschliches, sie waren Blecheimer und am Ende gibt es einen Haufen totes Blech aus dem Blut läuft. Das war natürlich Kunst und echt öde (Parzifal? Ich weiß es echt nicht mehr).

Aber so kommen mir viele Science Fiction heute vor. ich lese nicht mehr wirklich viel Sci-Fi, ich habe das zu meiner Schulzeit ausgiebig getan, die ganzen Klassiker und es reizt mich heute nicht mehr. Aber wenn ich etwas lese, dann ist es oft das Gleiche: es geht nur um Stereotype, um leere Rüstungen. Die Figuren erleben zwar Dinge (oft haarstäubende Dinge, schlimme, böse Dinge im kalten, haarstäubenden bösen Weltalle, dass so haarstäubend groß ist und so böse ...), aber sie leben nicht. Es geht mehr um die Story, als um die Charaktere. Es ist männliche Sci-Fi.

So kann ich aber nicht schreiben. Hab ich dann auch nicht getan. Und deshalb ist Maria eine echte Frau. Und die haben eben Stimmungen und Stimmungsschwankungen. Egal, ich verteidige meine Story nicht, ich habe sie genau so geschrieben, wie ich sie haben wollte und muss da jetzt durch.


Ich freue mich weiterhin sehr auf "Glasberg". Die Fortsetzung von "Waldesruh" ist .... seufz ... ich hab gekämpft. Ich hab es mir und den Figuren nicht leicht gemacht. Und so soll es sein. Ich hab mich auch überwunden, es stirbt endlich mal jemand. Ja, echt, Und obwohl einige der Toten nicht tot ... stopp ... nicht zu viel verraten. Nein, "Glasberg" ist toll, und jetzt geht es weiter mit dem Schreiben von "Rheingold". Ich hab ein bisschen Angst, aber das ist gut.


Zuletzt noch etwas: ich lese gerade ein Buch, welches mich überrascht: Ich habe mir aus einer Laune heraus Carla Berlings: "Vom Schreiben und Kämpfen" heruntergeladen und ... es haut mich um. Es macht mir klar, wie unendlich priviligiert ich bin. Wie eingebildet und borniert ich war (und bin), aber auch und wie viel Glück ich hatte. Das, was Frau Berling dort beschreibt, ist so schonungslos und so unglaublich aufwühlend, dass ich da durchrase und tausend Kreuze schlage, dass mir das alles erspart geblieben ist.

Nur kurz, denn ihr solltet es selbst lesen: Frau Berling beschreibt ihren persönlichen Werdegang als Schriftstellerin, in allen Irrungen und Wirrungen. Druckkostenzuschussverlage und neidische Autoren, falsche Freundschaften und den Kampf um die geistige Gesundheit, wenn an sich ständig fragt: warum musste es denn unbedingt Schreiben sein?

Ich habe vieles von dem mitbekommen, so wie ich Alpen am Horizont gesehen habe und mit einem Auto drübergerast bin. Aber Frau Berling hat sie zu Fuß bestiegen. Ich habe zum Glück ganz andere Grundvoraussetzungen, aber ... es stockt mir der Atem. Ich hätte viele der Fehler auch machen können, und ich bin froh, dass ich oft gute Ratgeber hatte. 

Aber Chapeau, Frau Berling, echt ... Großartig.

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AAAAnd another one.

Heute habe ich Glasberg abgeschickt. Endlich. Ich weiß nicht, ob ich bei einem anderen Buch so lang gebraucht habe.

Ich mag es sehr, es ist ein guter zweiter Teil. Es hat viel von Waldesruh und trotzdem eine eigene Stimmung. Ich mag Minerva immer noch sehr und Falk ... nein, da sage ich jetzt nichts ohne meinen Anwalt.

Ich habe ein wenig Angst vor dem nächsten Teil, Rheingold, obwohl ich prinzipiell schon weiß, was geschehen wird. Was geschehen muss. Ein Teil davon ist ja auch schon geschrieben.


Ich entlasse Glasberg mit vielen Gedanken. Ich habe die Buchmesse hinter mir -


ich hab Pat getroffen, habe ich das schon erwähnt?


- und Terry Pratchett ist gestorben. Das ist schlimm, obwohl es seine Bücher noch gibt und ich damit die Welt meiner Tochter noch reicher machen kann. Natürlich werde ich selbst die Bücher auch wieder und wieder lesen, aber für mein Kind ist es das erste Mal. Welcher Segen.


In Glasberg stirbt das erste Mal ein Charakter, der es eigentlich nicht verdient hat. Und das bringt mich auf etwas, was alle gerade mehr oder weniger beschäftigt: den Flugzeugabsturz. Auch die 150 Menschen haben es sicher nicht verdient zu sterben, was auch immer da passiert ist. Der Tod ... nun, da hat Terry Pratchett ja auch einiges dazu gesagt. Sein Motto war: Fürchte den Schnitter nicht.

In Glasberg werden die Charaktere mit dem Tod in vielfacher Weise konfrontiert. Die Aetherwelt wird mit den Auswirkungen noch lange zu tun haben und meine Helden müssen sich positionieren.


Hier im echten Leben zeigen wir Menschen gerade einige Gesichter, die mir überhaupt nicht gefallen. Es ist ganz natürlich, dass man erst einmal wissen will, was geschehen ist. Die einen wollen das mehr, die anderen weniger. Die Berichterstattung re-agiert. Einige Sender bieten mehr, andere weniger Informationen. Und das ist zunächst ja ganz wertfrei. Wir können wählen, wie viel wir sehen/wissen wollen. Wir können Knöpfe drücken, oder noch mehr Fragen stellen. Wir können wählen, wie wir mit unserem Entsetzen umgehen wollen. 

Jeder für sich.

Und dann fangen die einen schon an zu schimpfen auf die anderen, die zuviel oder zuwenig wissen wollen. Über den Sinn und Unsinn von Spekulationen und vorschnellen Verurteilungen. 


Was soll das? Sind wir so dysfunktional, dass wir vergessen haben, dass es die Natur des Menschen ist, das zu tun? Wir wollen verstehen und wissen. Wir müssen unsere Lebenswahrheiten täglich neu basteln, und jeder tut das auf seine Art. 


Was ich wirklich schlimm finde, ist, dass die Möglichkeiten, die uns die modernen Medien bieten, oft verteufelt werden. Und zwar von Leuten, die sie selbst nutzen um ihre unflätigen Hassreden weit zu verbreiten. Wie ich die Medien nutze, ist vollkommen mir überlassen, das ist meine Freiheit. Und wenn ich Tote sehen will, dann tue ich das, und wenn ich es nicht sehen oder hören will, dann schalte ich eben ab.


Und wenn ich still trauern will, dann tue ich das, und wenn ich laut jammern will ... ihr versteht. Lasst uns doch alle unsere Freiheiten. Hört auf, aufeinander rumzuhacken, verdammt.


Ob wir jemals herausfinden, was geschehen ist? Und wird es uns Frieden bringen?


Ich mache mich jetzt an "Rheingold". Das Jahr 1014 dräut und jeder weiß, was in der echten Welt damals geschehen ist. Seufz. Warum schreib ich eigentlich immer noch keinen Nackenbeisser ... vielleicht sollte ich mir das noch einmal überlegen. Bis dahin schreib ich aber lieber, was mir schon fast die Schädeldecke sprengt. Ich kann wohl nicht anders.


Wat mutt, dat mutt. Oder so.





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Ich war auf der Messe. Ich hab Pat gesehen (und gehört)!!!

So, ich möchte ein paar Worte über meine Messe verlieren.

Sie war großartig. Sie war anstrengend, laut und teuer. Aber sie war jeden Euro wert, die schmerzenden Füße und die klingelnden Ohren.

Warum?

Also Autor sitze ich ja meist vor einem Bildschirm. Ich hab ein wenig Welt da drin, ja. Facebook und youtube, aber ansonsten nichts außer mich und meine Worte.

Auf so einer Messe habe ich meine Worte gedruckt dabei, aber in erster Linie bin ich dort, als Mensch. Lebend, atmend, transpirierend.

Und manchmal auch inspirierend und inspiriert.

 

Ich möchte von meinem wichtigsten Erlebnis erzählen: ich habe Pat getroffen? Ja, Patrick Rothfuss. Warum ist mir das so wichtig und warum möchte ich davon erzählen? Warum nicht von all den schönen Momenten mit Bloggern und Freunden, mit Autoren und Verlegern und von meinem Hotelzimmer und ....

Weil das alles mich nicht bis ins Tiefste berührt hat. Pat hat mir gezeigt, warum ich Autor bin. Warum ich das auch weiter sein möchte. Warum es mir dabei auch wichtig ist, als Mensch hinter den Büchern wahrgenommen zu werden.

Pat (ich finde es schon seltsam, dass ich ihn so nenne, als kenne ich ihn, aber ich saß nur auf dem Boden, 4 Meter von ihm entfernt und er hat mich sicher nicht wahrgenommen) kam in Jeans und schlabberig-grauem TShirt auf die Bühne. Und er hatte sein Buch vergessen. Er hatte kein Buch, aus dem er vorlesen konnte. Es war aber ja nun eine Lesung angesagt ... zum Glück haben einige eine englische Ausgabe dabei gehabt und er ließ sich eines reichen. Er war begeistert, weil die Person Anmerkungen und Post-its darin gemacht hatte ... dann las er.

Ich muss dazu sagen, dass das Buch, aus welchem er las, leider nicht mein Fall ist. Ich liebe seine anderen beiden, aber die Auri-Geschichte ... nein, ich mag sie nicht. Das ist wichtig zu wissen, für das, was später kommt.

Er las im Stehen und nur 10 Minuten. Dann gab er das Buch mit Dank zurück und stellte sich den Fragen. Bevor ich einiges, von dem, was er gesagt habe, wiedergebe, möchte ich versuchen auszudrücken, wie sehr mich seine Art zu sprechen berührt hat. Er war lustig und authentisch. Er war ehrlich und leidenschaftlich. Er war völlig bei uns. Er mochte uns, mochte sich in dieser Situation. Er war völlig anwesend.

Auf die Frage, warum er das Auri-Buch geschrieben hat, antwortete er ausführlich und es brach mir fast das Herz. Er sprach davon, wie es ist, ein Buch (das andere, Name of the wind) 7 Jahre lang verkaufen zu wollen, keinen Verlag zu finden, mit einer Hauptfigur (Kvothe) fast 17 Jahre täglich zusammenzusein. Und dann über das Bedürfnis über Auri zu schreiben, die nicht die Hauptperson ist. Sondern nur eine winzige Nebenfigur, aber für Pat so etwas wie seine erste Liebe.

Oh, ich wünschte, ihr hättet ihn hören können, wie er über diese erste Liebe gesprochen hat, darüber, dass die geliebte Person einen oft nicht kannte, und nichts von dieser Liebe wusste und doch ist diese erste Liebe die schönste von allen (ich hatte so etwas, ja ... ). Und er hat sich das Privileg gegönnt, dieser ersten Liebe nachzugehen und die Geschichte über Auri zu schreiben, obwohl 4 Millionen Menschen darauf warten, dass er über Kvothe weiterschreibt.

Er erzählte dann über die Schwierigkeit zu schreiben, wenn besagte 4 Mio Menschen zuschauen, wenn man ihren Atem im Nacken spürt, als würden sie einem beim Pinkeln oder beim Küssen zusehen, mit dem Finger auf die Uhr ticken und sagen: make it worthwile, dude, make it good. So gut, dass ich es 80 mal lesen will ... 

Ja, der Druck. Natürlich warten auf mich keine 4 Mio Leser, aber schon die wenigen, die auf meine Fortsetzungen warten, reichen mir.

Er sprach darüber, dass offenbar die Filmrechte schon verkauft sind, und dass er sich wünscht, dass es nie nie nie passiert. Weil es schlecht würde. Er sagte nicht genau warm, aber er deutete an, dass es am besten wäre, es gäbe 6 Folgen, dann würde es abgesetzt und dann würden die Rechte neu vergeben.

Das ist auch ein Leid, welches ich nachvollziehen kann.

 

Jetzt gehe ich weg von Pat, weil es mir hier darum geht, was es für mich bedeutet: ich will besser werden, ich will so sein, wie er. Also so wie ich sein kann, wenn ich er wäre. Äh, ja, also ich will meinen Weg finden. In den Nachwehen der Messe fiel öfter das Wort Rampensau im Zusammenhang mit mir. 

Ja, ich nehm das mal so hin.

Ich kann damit klarkommen, wenn ich sagen darf: alles was ich will ist spielen: ich will zusammen mit anderen unglaubliche Dinge schaffen. Ich möchte das Rampenlicht nicht nur auf mir, sondern auf all denen, die Kunst schaffen, die die Herzen der Menschen bewegen, die zuhause in ihrem Kämmerlein ihr Innerstes aufs Papier oder die Tastatur kotzen und nicht schlafen können, wenn die Kommas nicht richtig sitzen.

Ich möchte nicht allein dort stehen, aber ich möchte dort stehen. Ich möchte mich verneigen und freuen. Weil dann habe ich das Gefühl habe, mein Leben hat einen Sinn, weil ich die Welt etwas besser gemacht habe. Und ich weiß, dass es vielen anderen Autoren ähnlich geht. Nicht jeder möchte wirklich im Licht stehen, aber alle wollen ein Streichholz, eine Fackel oder eine Taschenlampe sein, in deren Licht andere die Schönheiten der Welt sehen.

Pat ist für mich ein Suchscheinwerfer. Und ich geh dann auch mal wieder schreiben, weil ein Buch auf Vollendung wartet. Ich bilde mir ein, es gibt Leute, die warten auch darauf. 

 

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Yeah, yeah, yeah!

Morgen ist es so weit. Morgen wird etwas veröffentlicht, was über ein Jahr gedauert hat, um zu entstehen. Ja, ich weiß, alles braucht seine Zeit. Aber wenn man die Entstehungsgeschichte auf einem Graphen auftragen würde, dann wäre das ein Riesenhöhepunkt Weihnachten 2013 und dann nur noch kleine minimale Zacken bis es jetzt wieder einen Höhepunkt hat.

Aber dass es überhaupt passiert ist, ist schon ein kleines Wunder. Und ich bin sehr glücklich darüber. "Heute ist noch kein Amt" ist ein Beweis dafür, dass Träume wahr werden können und dass viele Dinge besser werden "with a little help from my friends".

Für alle, die es nicht wissen, der Herr auf dem Bild, der den Beamten Horst Dürer so unglaublich gut spielt, als wäre er dafür geboren worden, ist mein Bruder Udo Lutz. Ein wunderbarer Schauspieler, der im echten Leben humorvoll und ganz und gar nicht wie der preußische Beamte ist, den er darstellt. Aber das ist ja die Kunst, oder?

Von der Idee zum Dreh hat es quasi nur Mikrosekunden gedauert, alles passte damals. Und alle Dinge, die man an dem Produkt kritisieren könnte, sind dem geschuldet, dass es eben alles schnell gehen musste. Es ist ein Anfang, und in jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: die Erwartung, dass es weitergeht und besser wird, vorwärts, weil: man hat ja was gelernt und weiß jetzt, was man beim nächsten Mal ... Visionen und Wünsche schießen wie Unkraut!

Morgen ist es soweit und wem es nicht gefällt, der hat einen Stock im Allerwertesten! Ich persönlich bin saustolz. 

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Werbung

Vom Sinn und Unsinn der Werbung. Naja, ich bin mit Schauma Shampoo aufgewachsen und kenne noch das Anstandsstück. Ich kannte Twix, als es noch Raider war und weiß, warum Hanuta so heißt.

Und was sagt mir das alles? Nichts, denn: ich mag Raider nicht. Und ich würde es mir auch nicht kaufen, wenn Johnny Depp dafür Werbung machen würde.

Werbung kann sooo unterhaltsam sein, und gleichzeitig ist es furchtbar nervig. Vor allem, wenn man selbst für sich welche machen soll. Ja, gut ich bin für den Preis nominiert, deshalb muss ich also wohl die SAu durchs Dorf treiben. Warum? Weil ich die Kohle brauche.

Darüber redet man nicht gerne. Über Geld und Verkaufszahlen. In Amerika schon, und auch, wenn man mit beidem zufrieden ist. Aber zugeben, dass man wenig Geld und schlechte Verkaufszahlen hat? Nein, das sagt man nicht.

Ich sag es aber. Weil ich das ändern will. Ich mach das Autorendings nur so lange, wie ich mir das leisten kann. Und wenn das nicht bald besser wird, dann könnte das bald zu Ende sein, Preisnominierungen hin oder her. Ich will gar nicht in die Topcharts und ich verkauf auch nicht meine Seele für irgendwas; alles, was ich will, ist, genug Geld zu bekommen, um rechtfertigen zu können, keine Brötchen verkaufen zu müssen (aufmerksame Leser wissen, dass das meine Alternative sein könnte. Ja, ich hab auch was anderes gelernt, aber da sind Kind und Hund und ...). Naja, und deshalb treib ich die Sau mal durchs Dorf. 

Am liebsten würde ich auch allen meine Bücher schenken und wir machen Party ... aber stattdessen müsst ihr jetzt eine Weile ertragen, dass ich wie alle anderen schreie: KAUFT MEINE BÜCHER. Verschenkt sie, empfehlt sie weiter, rezensiert sie. Und ertragt eine Weile, dass ich verstärkt werbe. Sorry.

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Eine Liste, eine Liste ...

Sowas Blödes aber auch ... da wettert die klugscheißerische Autorin über alle Listen- und Preisehetzer und steht kurz danach selbst auf einer. Und freut sich auch noch. Dumm gelaufen. Ja, so kann es gehen, wenn man sein Maul aufreißt. Aber echt, ich freu mich. Warum? Weil ich eigentlich damit überhaupt nichts zu tun hatte. Mein Verlag (der Beste der Welt) hat mein Buch dort eingereicht. Und mir das irgendwann gesagt hat, was ich aber sofort wieder vergessen habe. Weil ... warum? Ich hab genug um die Ohren.


Ich versuch seit Jahren irgendwie orientalische Gelassenheit zu üben. Ich schaff das manchmal sogar 30 Sekunden am Stück. Dann sind die Affen in meinem Kopf still und ich denk weder an gestern, noch an morgen, sondern bin ganz im Jetzt und wie der Bambus und so ... und dann macht Facebook "ping" und ich bin wieder da. In der: was poste ich als nächstes, habe ich nicht heute schon genug gepostet, aber nein, das Filmchen muss ich noch teilen .... 

Facebook ist aber auch irgendwie Zen: man ist ausschließlich im hier und jetzt, denn wenn man mal nachdenkt, ist nichts langweiliger als die brandheiße Nachricht von gestern. Was zählt ist der Augenblick, und der wird gefeiert.


Naja, jetzt bin ich aber auf der Liste und ich finde, ich darf mich freuen. Ich liebe mein Buch Waldesruh. Ich liebe es sehr, weil es ... witzig ist und mich trotzdem zum Weinen bringt. Ich liebe es, weil ich atemlos werde, wenn mir jemand sagt, er habe angefangen zu lesen und er sei bei der Stelle wo ... und ich dann weiß, oha .... er ist noch nicht in der Silvesternacht ... ich liebe diese Szene und das einzige, was ich an ihr schlimm finde, ist, dass ich sie nie vorlesen kann. Sie spoilert einfach alles. Niemand darf eigentlich so gespoilert werden, und daher ... seufz. Aber es gibt eine Menge anderer Szenen, die ich vorlesen kann und will.

So, und jetzt gehe ich meine Affen mal wieder auf Diät setzen, denn das ist hoffentlich alles, was ich bis Februar zu diesem Preis sagen werde.

Jetzt folgt die Liste, damit ich die immer nachschauen kann, wenn ich will. Wenn die Affen in meinem Kopf zetern und ich ihnen Futter geben will, indem ich stolz flüstere: schau mal, da steht mein Name neben ....

SERAPH 2015 Titel der Longlist "Bestes Debüt":

Alexander, Martin: Meister der Türme (Bastei-Lübbe)
Böhm, Nicole: Seelenwächter (Greenlight Press)
Daut, Tom: Die Sinistra (Oldigor Verlag)
El-Bahay, Akram: Flammenwüste (Bastei-Lübbe)
Gwisdek, Robert: Der unsichtbare Apfel (KiWi-Taschenbuch)
Jahnke, Alex: Neuschwabenland (Edition Roter Drache)
Reschke, Jan: Die Ummauerte Stadt (Papierverzierer Verlag)

SERAPH 2015 Titel der Longlist "Bestes Buch":

Bagus, Anja: Waldesruh (Edition Roter Drache)
Brandhorst, Andreas: Das Kosmotop (Heyne)
Corvus, Robert: Schattenkult (Piper Taschenbuch)
Damerow, Christian: Des Schrecklichen Anfang (AAVAA Verlag)
Ecker, Christopher: Die letzte Kränkung (Mitteldeutscher Verlag)
Finn, Thomas: Aquarius (Piper Taschenbuch)
Hohlbein, Wolfgang: Der Ruf der Tiefen (Piper Taschenbuch)
lo Cascio, Priska: Die Herrscher von Dhaleth (Thienemann Verlag)
Meyer, Kai: Die Seiten der Welt (FISCHER FJB)
Mützlitz, Henning: Wächter der letzten Pforte (Papierverzierer Verlag)
Oldenburg, Jan: Kampf des Jahrhunderts (Piper Taschenbuch)
Peinkofer, Michael: Kampf der Könige (Piper Taschenbuch)
Perplies, Bernd: Imperium der Drachen 1 (Egmont INK)
Schenkel, Daniel: Die Mürenberg-Chroniken (Sarturia Verlag)
Stein, Maike: Du oder sie oder beide (MagellanVerlag)


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Do your shit.

Ich geh auf die Leipziger Buchmesse. Leute, die mich aufmerksam verfolgen (ich glaub ja nicht, dass es die gibt - das macht mich frei, ein Narr zu sein), denken jetzt: Was? Hat sie nicht letztlich noch über Buchmessen gelästert?


Ja, und? Was kümmert mich der Scheiß, den ich gestern gesagt habe? Was für mich zählt ist das heute. Und das gestern nur insofern, als dass ich daraus lernen will, es besser zu machen in diesem mythischen Land namens Zukunft.


Also, ich geh auf die LBM, und zwar mit einer Gruppe entzückender Autorinnen. Wir sind ein bunter Haufen und versuchen noch, uns zu organisieren, damit wir den bestmöglichen Auftritt machen.


Im Zuge dessen habe ich öfter mit meinem Verlag gesprochen und gehört, wie es anderen mit ihrem Verlag geht. Ich musste mal wieder feststellen, dass ich echt Glück gehabt habe. Ich bin sehr zufrieden, wie mein Verleger mit mir umgeht. Und damit stehe ich nicht allein, auch seine anderen Autoren sind das. Warum ist das so?


Weil er etwas macht, was jeder tun sollte: Er kümmert sich, und zwar um seinen Scheiß. Do your shit. Was ist daran Besonderes? Nun, viele Menschen kümmern sich um viele Dinge, und viel zu oft um Dinge um die sie sich

a) nicht kümmern müssten, weil es sie nichts angeht

b) nicht kümmern müssten, weil sie nichts tun könnten.

Das kostet Zeit und Energie und dann fehlt beides, um das zu tun, was man eigentlich tun sollte.


"Do your shit" heißt aber auch: kümmer dich um das, was deine Aufgabe ist. Bist du also Autor, schreib Bücher und helfe anderen Autoren. Bist du Verleger, dann helfe deinen Autoren, mach schöne Bücher und verkauf die. Jeder hat einen Teil an der Abmachung und den hat er einzuhalten.


Es gibt zu viele Verlage die Autoren wir Käfighühner behandeln. Schreib ein Buch nach dem anderen, möglichst gleich (die Zielgruppe will das so, der Markt will das so), und wenn der Markt (völlig unvorhersehbarerweise) plötzlich braune statt weißer Eier will, dann bist du immer noch für die Suppe gut.


Die Welt funktioniert besser, wenn jeder seinen Scheiß macht, und weniger in der der anderen herumschnüffelt.

Ich geh jetzt mal meinen Scheiß machen. Ach, und mein Verlag ist Edition Roter Drache.



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Ebook-Piraten Teil 2 oder: Was Anja sagt.

Ui, da hatte ich nicht mit gerechnet. Ich schiebs mal auf die Feiertage. Aber ich sag jetzt doch noch mehr, da es mich drückt.

Be-drückt.

Mich bedrückt vor allem immer wieder, dass manche Menschen nur lesen, was sie lesen wollen. Hat was mit der Gehirnchemie und so zu tun, glaub ich. Keine Ahnung. Aber immer wieder der Klassiker: ich les nur ein bisschen, hau aber direkt meine Meinung drauf. Oder: ich les bei Facebook nur den Originalpost und geh direkt davon aus, dass die 375 Kommentare dazu völlig laaangweilig sind und steig in ein Gespräch ein, welches zu dem Zeitpunkt möglicherweise schon beendet ist.


Fakt 1: ich billige keinen Diebstahl! Egal welchen. Ich billige ebook Diebstahl auch nicht. 

Alles, was ich gesagt habe ist, dass ich mich nicht wundere, dass er geschieht! Ich halte unsere Gesellschaft für eine raffgierige. Ich bin aber weder Philosophin noch Soziologin, und auch wenn ich manchmal so tue, ich hab die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Ich sag nur, wie ich manche Dinge sehe. Das bringt mich zu

Fakt 2: Ich will keinem von den anderen Autoren was vorschreiben. Es ist mir völlig schnuppe, wie jeder seine Bücher verkauft. (So, wie es anderen auch schnuppe ist, wie ich das mache.)

Alles, was ich gesagt habe ist, dass ich einige Strategien des Vermarktens für sinnvoll halte und andere nicht. FÜR MICH!

Fakt 3: alles was ich über den Umgang von Autoren untereinander gesagt habe ist natürlich satirisch erhöht, entspricht aber der Realität.

Aber ich kenne es auch anders. Ich habe eine wundervolle Gruppe, in der ausschließlich Autoren sind, die mit dem gleichen Schreibprogramm arbeiten, welches ich besitze (scrivener). Und ich habe eine Gruppe Autorinnen, die sich gegenseitig unterstützen und das auf wirklich positive und konstruktive Art.


Die Galle, die manchen zu meinem Artikel ausspucken (es ist allerdings wesentlich weniger, als ich befürchtet hatte) kommt mir vor, wie das Gekrächze des bellenden Kettenhundes, der mich auf jeden Fall falsch verstehen möchte, denn er ist ja schließlich festgebunden, während ich einfach so herumlaufe und schwadroniere.


Ich Böse ich.


Wir befinden uns in einer geilen Zeit. Echt. Es ist ein Umbruch, ein melting-pot der Möglichkeiten, ein Tsunami der Altes wegspült und endlich Platz für Neues schafft. Es sterben viele und ja, es ist nicht mehr wie früher (TM). Aber wäre es wie früher, dann wäre ich keine Autorin. Ich hätte nie publiziert, so wie das heutzutage jeder Depp kann.

Wir schwimmen nun alle in einer Suppe aus Deppen, japsen und treten nach unten, und die oben atmen uns die ganze Luft weg, die Gemeinen, die ...

(ja, ich weiß, dass ich mich damit auch als Depp bezeichne) (Hier, für die Erkenntnis einen Teebeutel. Grüner Tee, weil du so eine wache Person bist).

... die Handvoll Autoren in Deutschland, die echt gutes Geld damit machen. Die paar, die die "RICHTIGEN" Preise gewinnen (kurzer Gedanke: hat nicht die unsägliche Lewitscharoff so was gewonnen, so einen von den richtigen Preisen ...?).


Unsinn.

Anstatt aufs Gestern zu schauen, und alles Neue schlecht zu finden, sollte man sich darauf konzentrieren, wie man das Heute und das Morgen nutzt. 

Und da ist meine Kritik: wir nutzen die Möglichkeiten falsch. Wir wissen, der Markt ist umkämpft und wir wollen unser Scheibchen abhaben. Wir umgarnen also hektisch alle, die uns nützlich sein können. Wir versuchen uns künstlich die Anerkennung zu holen, die wir direkt nicht spüren, weil wir unser Buch ja oft nicht mehr von Angesicht zu Angesicht verkaufen, sondern über Großhändler. Diese Anerkennung in Form von Rezis und Listen und (digitalen) Herzchen und Blümchen. All diese Anerkennung ist die Kohle nicht wert, die den Strom produziert um die Bits und Bytes am Leben zu halten.


Wir wollen aber unbedingt wissen, dass wir keine Deppen sind! Dass es nicht falsch war, all die Mühen auf sich zu nehmen, die Kosten und die Bücklinge! Wir wollen wissen, wo wir in der Literatenwelt stehen, und wie könnten wir das besser, als über Listenplätze, Likes und Fanpost (in Form von Rezis, die die Bezeichnung nicht wert sind, weil etwas, was nicht mehr als ein paar Sätze lang ist und aussagt: "Ich habs gelesen und fand es super" ist eine Lesermeinung und keine Rezension)?


Der vorliegende Fall von ebook-Piraterie ist deshalb zum Thema geworden, weil eben eine der bekannteren Autorinnen betroffen ist. Eine, die noch aus den goldenen Anfangszeiten ist, wo es so wenige Selfpublisher gab, dass sie sich vielleicht noch nicht einmal selbst so nannten. Die zig-tausende von Followern hat.  Ich ahne nur, wie schön das gewesen sein muss. Und wie nett, für die Leser, dass die Autoren endlich so zum greifen nah sind ... auf facebook, auf twitter, auf was auch immer ... manche posten ununterbrochen vom ersten Morgenkaffee bis zum letzten Wort abends und beglücken uns zwischendurch mit allen Perlen der Erkenntnis, die ihnen so aus dem Hirn purzeln.


Ich auch!!! Jaa, ich find das toll! (also selbstverständlich nur, was ich sage, nicht das von den anderen ... )


Wir sind Huren und zeigen halt, was wir haben. Aber nicht nur das Buch. Ja, das Buch ist das Wichtigste. Aber ich stehe als Autorenperson dahinter, und nun kommt das, was man draus macht: 

der eine legt sich ein Pseudonym, oder zwei oder drei zu ... (die Frau geht dann als Mann, weil sie homoerotische Stories schreibt, der Mann geht als Frau weil er Chick-Lit schreibt ... (muss ich eigentlich als Ausserirdischer gehen, wenn ich Sci-Fi schreib? Verdammt, ist ja wie beim Karneval)(ich geh einfach als Einhorn)).

Ich selbst bin  (tatatataaaa) authentisch. Manche übersetzen das mit: naiv/blöd. Ich bin ich und verstell mich nicht. Und ich mag im echten Leben keine Fremden umarmen, und verschenk auch im echten Leben keinen Tee (außer ich hab ihn gekauft und mag ihn nicht). Aber ich mag gerne was geben, und bekomm gerne was. Wenn das ausgeglichen ist, dann bin ich ein super Partner.


Und deshalb kann ich Frau Anderson verstehen, dass sie sauer und enttäuscht ist, weil sie verraten wurde. Wäre ich auch. Das habe ich auch nie bestritten.


Aber ich bezweifle sehr, dass das Anzeigen dieser Leute die Ursachen des Übels beseitigt. (Wie schon einmal gesagt: ich billige den Diebstahl nicht und unterstütze eine rechtsstaatliche Vorgehensweise.) Die Ursachen sind vielfältig und haben nicht alle Platz hier. Um ebook Datenklau zu verhindern (wenn man es denn will) muss sicher einiges verändert werden. Vielleicht wäre es besser, ihn nicht verhindern zu wollen, sondern andere Formen der Entlohnung zu finden, oder ...


 ... ach, wisst ihr was ... da machen sich sicher cleverere Leute als ich schon Gedanken drum. Ich versuch jetzt mal wieder, zu schreiben.





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Ebook Piraten!!! oder: Was Doctorow sagt

Die folgenden Ausführungen beziehen sich zum Teil auf einen Artikel von Cory Doctorow, in der Übersetzung von Stefan Holzhauer. Der Artikel ist so in der Phantanews erschienen und steht unter der Creative Commons Licence

 

Ich hatte mit dem Jahr schon abgeschlossen. Ja, ich wollte keinen Blog-Eintrag mehr schreiben. Aber jetzt tue ich es doch, weil manchmal was raus muss, sonst blockiert es einen.

Gestern gab es einen Vorfall, der mir auf Facebook begegnete. Ja, Facebook ... das ernstzunehmende Nachrichtenportal, wo reflektierte Menschen sich über objektive Fakten austauschen. Und das auf erwachsene und vernünftige Art.

 

hahahahaaaaaa

 

Egal: was ist passiert? Eine ehemalige Selfpublisherin hat entdeckt, dass ihre Bücher (und noch andere) in einer geheimen Facebookgruppe runtergeladen werden können. Und ganz brisant: in der Gruppe waren nicht irgendwelche bösen Piraten, sondern Menschen, die diese Autorin kannte, gut kannte. Der Verrat, der Verlust!

 

Ich möchte nicht urteilen über die Enttäuschung der Person, oder über einen möglichen wirtschaftlichen Schaden, den sie und andere erlitten haben. Aber ich möchte was sagen über diese Gesellschaft und wie es dazu kommen kann.

 

Ist man Selfpublisher und treibt sich auf Facebook um, dann gerät man schnell in diverse Gruppen. Da wehen je nach Intensität verschiedenste Gerüche: vom Duft der ewigen Kaffeetasse bis hin zu brüllend heißen Wüstenwinden. Ich war am Anfang auch ganz neugierig, bis die Alteeingesessenen, gerade noch schwatzend und Cookies mampfend, Bärchen und Herzchen hin und her schickend, nach einer naiven Frage meinerseits zu giftspuckenden Harphyen mutierten. Hui, war ich schnell wieder weg. Was ich in solchen Gruppen an Missachtung und Gemeinheiten erfahren habe, stellt jegliche Schul- oder Ferienlagererfahrung als Mädchen in den Schatten. 

Aus den Gruppen weg zu sein, hieß aber nicht, dass ich es nicht doch mitbekommen habe.

 

Was?

Na, die Blogger werden angegangen: Ich schicke dir mein Buch und einen Teebeutel und du bist mir bitte für den Rest deines Lebens verpflichtet (hier, bitte mit Blut unterschreiben). Du musst jetzt hier, hier und hier für mich voten und wehe du gibst mir nicht alle Sterne, die ich gefälligst verdient habe!

Die anderen Schreiberlinge werden angegangen: Du, ich drücke mal für dich bei diesen und jenen Rezis auf hilfreich, und du machst das auch für mich, ist das klar?

Und dann die Leser: Ich hab hier ein tolles Buch! Kauf es und ich schenke dir Lesezeichen und Tasse (ach und klar, einen Teebeutel)- oder besser noch, ich mach ein Gewinnspiel und dann gewinnst du es (mit Lesezeichen und Tasse)(und ihr wisst schon). Oder ich verschenke es, setze den Preis runter, und und ... ABER: bitte vote für mich hier und hier und dann schicke ich dir weiterhin Leseproben oder sag dir, wer bald mit wem ins Bett geht (das willst du doch wissen, weil du nur an mein Buch denkst, Tag und Nacht, oder?)(achso, und denk an den Teebeutel, den ich dir schicke. Wenn du nicht lieb bist, aber nicht mehr.)

Und die Leser so: Echt? Die schenkt mir Lesezeichen und Tassen (und ...) und ich muss nur ...? Grins. Ach, macht ja nichts, ich like immer brav, was sie macht, und schick ihr Herzchen zurück, dann denkt sie, sie ist die Einzige und Beste und wirklich gut.

 

Übrigens ist das ein Frauenphänomen, diese Herzchen und Teebeutel und so. Männer sagen eher: pass auf, kauf mein Buch, da drin gehts zur Sache. Und männliche Autoren verschicken auch selten Tee. 

 

Was will ich damit sagen: es gibt hier nur einen Gewinner: den Leser. Der (eigentlich die, sind auch hier vorwiegend Frauen) bekommt so viel geschenkt, wie noch nie. Es ist so einfach, es wird ihm hinterhergeworfen, er ist der KÖNIG DER WELT!!! (und der Teebeutel).

 

Und wer ist der Verlierer? Der Autor. (Eigentlich auch hier wieder die Autorin, Männer verkaufen sich seltener unter Wert) Er lebt in einer Scheinwelt aus gekauften erlogenen Hitlistenrängen und muss dann auch noch lernen, dass die TeebeutelempfängerInnen die vertrauens- und liebevoll abgegebenen Dateien zu gemeinen Zwecken benutzen.

 

Und hier bin ich tatataaaa wieder beim Thema: nachdem man das also alles erduldet, wundert man sich noch über diesen Missbrauch? Den man so leicht gemacht hat? Nein, ich will jetzt auch nicht über Strafbarkeit reden, sondern nur über die Tatsache, dass man nicht enttäuscht sein muss, wenn man immerzu und ewig tausenden von wildfremden Menschen vertraut. Das kann nur in die Hose gehen.

Ich gebe meine Sachen auch kostenlos ab, aber ich mache mir nicht die geringste Illusion.

 

Und jetzt komme ich zu Cory Doctorow. Der zitiert in dem unglaublich lesenswerten Artikel, den ich oben verlinkt habe (wenn man auf das blaue Phantanews drückt) Neil Gaiman: »Jeder soll mal die Hand heben, der sei­nen Lieb­lings­au­tor kos­ten­los ent­deckt hat – ent­we­der weil Dir je­mand ein Buch ge­lie­hen hat oder oder weil ir­gend je­mand Dir das Buch ge­schenkt hat? Und jetzt heben die­je­ni­gen die Hand, die ihren Lieb­lings­au­to­ren ent­deckt haben, weil sie in einem Laden Geld auf die Theke ge­wor­fen haben.« 

Doctorov sagt dann: Bei mir ist das so: wenn es um meine Lieb­lings­au­to­ren geht, kenne ich keine Gren­zen: Ich kaufe jedes Buch, dass sie je­mals ver­öf­fent­licht haben (manch­mal kaufe ich sogar zwei oder drei um sie an Freun­de wei­ter­zu­ge­ben, die das un­be­dingt lesen müs­sen). Ich be­zah­le, um sie am Leben zu hal­ten. Ich kaufe T-Shirts mit ihren Buch­co­vern dar­auf. Ich bin für mein gan­zes Leben ein zah­len­der Kunde.

 

So ist das nämlich, wenn man Qualität produziert: die Leute kriechen aus den Löchern und kaufen das und man wird sein Geld bekommen. Ohne diesen ganzen Teebeutelschmonzes. Aber ... das wird noch eine Weile so weiter gehen. Warum? Weil es geht. Weil Facebook und andere Netzwerke so etwas erlauben. Weil wir uns gerne auf Listen sehen und weil wir denken, die anderen würden nicht denken: wie ist das denn passiert. Nein, wir denken: oh die ist auf der Liste so weit oben, weil alle die da gevotet haben, sie auch wirklich gut finden.

 

Nein.

 

Es wird noch eine Weile dauern, dann wird sich vielleicht auch das erledigt haben. Ansonsten haben diese Listen ja auch eine Haltbarkeit die kürzer ist als von einem Thunfischsandwich. 

 

Doctorow schreibt: Das Ver­schen­ken von eBooks gibt mir künst­le­ri­sche, mo­ra­li­sche und fi­nan­zi­el­le Be­frie­di­gung. Die Frage nach dem Kom­merz ist die­je­ni­ge, die am häu­figs­ten auf­taucht: wie kannst Du kos­ten­lo­se eBooks ver­schen­ken und trotz­dem Geld ver­die­nen? ...

Die gute Nach­richt (für den Schrift­stel­ler) ist, dass eBooks auf Com­pu­tern sehr viel wahr­schein­li­cher eine Wer­be­maß­nah­me für ein ge­druck­tes Buch sind (denn das ist schließ­lich bil­lig, ein­fach zu be­kom­men und ein­fach zu be­nut­zen) als ein Er­satz. Man kann wahr­schein­lich genau so viel von dem Buch auf einem Bild­schirm lesen, um zu rea­li­sie­ren, dass man es auf Pa­pier lesen möch­te.

 

Und darauf setze ich. Liebe Selfpublisher: das Geschäft ist sauhart. Schreibt lieber weiter, als Teebeutel zu verschicken. Schreibt das nächste Buch, damit das eben illegal kopierte einen neuen Fan macht, der das nächste Buch dann kauft ... aber lasst das Herzchen/Küsschen/Umarmungsgedöns und schreibt.

 

Und nutzt die Mechanismen lieber clever, als euch von Kaffeetassen/Teddybärchen und Küsschenschickerinnen verarschen zu lassen. In diesem Sinne: ein erfolgreiches neues Jahr euch allen an der Front.

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And now, the end is near ...

"Alles was du dir wünschst, ist auf der anderen Seite der Angst."

Den Spruch habe ich gerade gelesen und spontan beschlossen, ihn zu meinem Thema zu machen. Also dem Thema dieses Jahresendblogs. Warum? Aus zwei Gründen.

Erstens ist das genau mein Ding. Augen auf und durch. Angst ist etwas, was ich als Stier auf die Hörner nehme. Ich geh vorwärts, weil ich dabei die besten Schubkraft aufbauen kann. Ich schau nicht zurück, außer, um aus Fehlern zu lernen. Aber da gibt es noch einen anderen Spruch: "Wenn dir deine Ziele keine Angst machen, dann sind sie nicht groß genug." Wenn man nur macht, was man bequem erreichen kann, dann baut man keine Muskeln auf. Nicht nur im physischen Sinn. In beiden Sprüchen kommt Angst vor. Wovor müsste man Angst haben?

Da komm ich zum zweiten Grund. Dieses: "Ich würd ja gerne, aber ..." macht mich wahnsinnig. Die meisten Ängste sind so unsinnig, so weit hergeholt. Ich kann vieles nicht nachvollziehen. Vielleicht liegt es bei mir auch an einer gewissen Grunddummheit, die mich naiv und betriebsblind in manche Dinge reinrutschen lässt. Aber oft ist es erst hinterher, wenn ich mich mit anderen unterhalte, die das Gleiche tun, dass ich merke: oha, das und das HÄTTE passieren können. IST ES ABER NICHT.

Ängste hemmen mehr, als sie gut tun. Natürlich muss man auch unterscheiden zwischen echter Angst und Sorge. Eine echte Angst ist ein Warnsignal, welches man nicht außer acht lassen sollte. Aber diese ewigen Sorgen ....

Ich jedenfalls habe gelernt, auf meinen Bauch zu hören. Und auf gute Freunde. (Es hilft übrigens, den Bauch als guten Freund zu betrachten, und ihn auch so zu behandeln.) Und weil ich das getan habe, ist mein Jahr ein tolles und erfolgreiches gewesen. Ich habe viele Dinge erreicht, und noch mehr vor. Ich baue auf und gehe weiter. Meine Bugwelle wird höher und ich blicke mit der schon angesprochenen "Ängstlichkeit" auf das nächste Jahr, wenn alles noch eine Schlagzahl höher sein soll.

Ist das jetzt ein Widerspruch? Nein! Nur für die, die sich an Worthülsen festhalten.

Angst: lähmt, blockiert, paralysiert.

Sorge: hemmt, kostet Energie.

Ängstlichkeit: lässt einen respektvoll tief durchatmen; gibt einem das weiche Gefühl in den Knien, kurz bevor man rausgeht auf die Bühne; holt ALLES aus einem raus, weil man weiß, dass es wichtig ist.


Ich gehe das nächste Jahr wie jedes vorherige an. Meine Maxime lautet: wenn am Ende Frank Sinatras "My Way" voll auf mich zutrifft, dann hab ich alles richtig gemacht.


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Warum mach ich das?

Ich verschenk gerade mein Buch. Ein Buch, welches ich vor einem Jahr geschrieben habe. Im Nanowrimo 2013. Ein Buch, welches für mich ein wenig eine Befreiung war, und das ich ganz wunderbar finde.

Warum tue ich das? Warum gebe ich so viel Arbeit kostenlos her? Weil ....

Ich muss ausholen. Sorry.

Ich hab Aetherhertz im Nanowrimo 2012 geschrieben. Danach ganz schnell die beiden anderen. Es musste raus, es war wie eine Geburt. Und als ich fertig war, war es ... befreiend (ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich erkläre es gleich).

Ich hatte nie, nie, nie darüber nachgedacht, so viele Bücher zu schreiben. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeutet, seine Bücher zu vermarkten. Ich hätte nie mit der Resonanz gerechnet. Und ich hätte nie damit gerechnet, dass Bücher zu schreiben, abhängig macht.

Die Geschichte der Aetherwelt und die Erklärung des Aethers bekam einen ersten Abschluss mit Aethersymphonie. Und dann ... dann war ich frei.

Die Geschichte um Annabelle und Paul war "fertig" und ich konnte endlich in meiner eigenen Welt stöbern und neue Charaktere suchen, die die Story weitertragen. Und exakt ein Jahr nach dem ersten Buch schrieb ich Waldesruh. Ich tauchte so unglaublich tief ein und spürte langsam eine Ahnung davon, was es bedeutet, wirklich zu schreiben. Wenn man dabei weint, wenn man zittert und wenn man sich nicht lösen kann ... wenn man nicht an die Beantwortung von Fragen oder an das Auflösen von lang angelegten Konflikten denkt, sondern ganz in dem Buch drin ist, so sehr, dass man Frostbeulen an den Fingern bekommt, wenn die Lieblingsfigur friert.

Waldesruh ist gut, so gut, wie ich ein Buch haben will. Ich liebe es. Und ich weiß, dass auch viele andere es lieben werden, wenn sie es denn einmal gelesen haben.

Und da kommt die andere Seite: die Realität. Denn vier Bücher geschrieben zu haben bedeutet erstmal unglaublich viel Zeit am Rechner verbracht zu haben. Nicht nur mit Schreiben, sondern auch mit der Vermarktung. Und das gelang mir gut: leider vermarkte ich mich als Person besser, als meine Bücher. Es gibt gefühlt viel mehr Menschen, die mich kennen, als Menschen, die meine Bücher kaufen.

Das ist natürlich Unsinn, aber hey, die Realität ist: ich verdiene nicht halb so viel, wie die meisten denken.

Und dann verschenk ich mein Buch? Was für ein Widersinn?

Nein: es müssen mehr Leute meine Bücher kennenlernen. Nicht mich und meine täglichen Späße, nicht meine Facebookgruppen, meine Auftritte auf Conventions und so ... nein: meine Schreibe! Denn nur wenn es ihnen gefällt, kaufen sie auch die anderen. Und das ist wichtig, damit ich weitermachen kann. Denn irgendwann will ich mal echt Geld damit verdienen ... Sonst schreib ich lieber für mich und geh fürs Cash Brötchen verkaufen.

Also: alle, die mein tolles, tolles Buch gelesen haben, sollten sich überlegen, auch die anderen zu kaufen. Sind nicht so teuer. Und dann gehts weiter.


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Noch mehr Fragen ...

Kay Noa, die Autorin des absolut vergnüglichen "Vampire Beginners Guide" hat ein paar Fragen an ihre Autorenkolleginnen. Und ich beantworte die, weil sie es geschafft hat, mich a) dazu zu bekommen, ein Buch über Vampire und Werwölfe zu lesen und b) weil sie mich gut unterhalten hat und c) weil sie echt eine nette Person ist.


1. Was ist für Dich das Schönste am Schreiben?

Wenn ich etwas lese, was ich selbst geschrieben habe und völlig versinke. Eigentlich sollte man ja meinen, es wäre langweilig, seinen eigenen text noch einmal und noch einmal zu lesen. Aber das ist es nicht, wenn man es richtig gemacht hat. Denn die Mechanismen greifen immer wieder, wenn sie denn gut eingesetzt sind. Ich jedenfalls ertappe mich immer wieder dabei, wie ich statt  zu editieren im Text versinke und lese und lese ...


2. Was am Lesen?

Das man für eine kurze kostbare Zeit woanders ist. Ob man sich nun gruseln will, oder etwas entdecken, ob man lachen oder weinen will, Bücher transportieren einen. Das ist Urlaub.


3. Was macht für Dich ein gutes Buch aus?
Schwierig. Ich habe einen so breiten geschmack. Aber wenn mich ein Buch nicht fesselt ... dann ist es schlecht. Wenn ich niemanden finde, mit dem ich mitfiebern kann. Ich brauche Identifikationsfiguren, durch deren Augen ich sehen kann.

4. Welche Szenen schreibst Du am Liebsten?
Ich hätte es nie gedacht, aber die romantischen Szenen sind mir die liebsten. Und danach die Action Szenen. Aber beide haben ihre Tücken. Ein Kuss ist ein Kuss, genau wie ein Schuss ein Schuss ist, das kann man nur auf begrenzte Art und Weise neu ausdrücken.
Ach, und so richtig abartige Böse ... das geht auch super ... so Fanatiker mit seltsamen Gedankengängen ... beängstigend.

5. Was fällt Dir als Autor am Schwersten?
Mich von meinen Figuren zu distanzieren. Ich möchte ihnen keine Schmerzen zufügen. Ich suche immer zu schnell nach Lösungen. Einen Konflikt über ein ganzen Buch hin zu ziehen, das bring ich nicht. Noch nicht. ich arbeite dran.

6. Autoren sind ganz große Drückeberger. Womit hältst Du Dich vom Schreiben ab?
Kaffee machen und Facebook.

7. Hast Du reale Vorbilder für Deine Figuren?
Für manche schon. Frau Barbara in meinem Erstling heisst zwar wie meine Mutter, ist aber kanz klar meine Oma. Die war genau so, das hab ich immer vor mir gesehen. Für die Hauptpersonen such ich mir Schauspieler für die Gesichter. Vieles ist aber Wunschdenken. Also teilweise reale Menschen, aber die verbesserten Versionen.

8. Was ist Deine Lieblingsspeise?
Ich bin eine Süße: Kuchen und so, damit kann man mich immer bekommen. Ansonsten alles mit Sahne: Rahmgeschnetzeltes ... hmmmm.

9. Wer ist Dein größtes Vorbild?
Ich bewundere Menschen, die sich nicht korrumpieren lassen und ihren Weg gehen. Vorbild ... das kann ich so nicht sagen, da sind ein paar, die ich sehr sehr toll finde. Ganz blöd, aber da gehört echt der Dalai Lama dazu, aber auch so Leute wie Hugh Jackman, der trotz all dem Rummel um ihn für mich sehr bodenständig rüberkommt und alles möglich kann und dann noch so sympathisch und gutaussehend ist ... und seit Jahren die gleiche Frau ... auch George Clooney, der viel Gutes tut und dabei echt bleibt .. obwohl die Geschichte mit der Heirat sehr merkwürdig ist, ich glaub, der ist eigentlich schwul. Naja, Einstein war toll, auch so ein Dickkopf.

10. Und die Moral von der Geschicht... Was sollen Deine Leser durch Deine Geschichten erkennen?

Oha ... erstmal will ich unterhalten. Dann kommt mal lange nix. Und dann ... ach es sind kleine Dinge, so Passagen und Sätze, die ich da drin habe, wenn die anderen auch auffallen ... das können kleine Herzensnährer sein, Dünger für die Seele. 

Meine Heldinnen lassen sich nie unterkriegen. Sie sind anders, und das ist gut so. Und die Gesellschaft soll das verdammt noch mal tolerieren. Und trotz der Unterhaltsamkeit sollen die Bücher auch noch eine Weltanschauung transportieren: Toleranz ist das Wichtigste. Egal ob verändert oder normal, ob adelig oder bürgerlich, ob Mann oder Frau. Sei tolerant. Sonst funktioniert das nicht.

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Blogstöckchen: von ChapTerKronfeld erhalten



1) LACHEN: Kannst du aus voller Kehle, herzhaft in jeder Öffentlichkeit lachen?

Ja. Und ich lache nicht gerade wenig ....

2) KUNST: Wie siehst du folgende Möglichkeiten. Künstlerisch tätig sein um zu Leben, oder Leben um dich in der Kunst zu verlieren?

Trifft beides nicht auf mich zu. Ich möchte mich nicht verlieren. Das wichtigste im Leben sind die Mitmenschen und müsste ich entscheiden, dann wären das Ergebnis klar. Ich muss auch von der Kunst nicht leben, obwohl es nett wäre, es zu tun. Ich schreibe, weil es wie eine Droge ist, die nicht nur mir gute Gefühle verschafft, sondern auch offenbar anderen.

3) TRAUM: Träumst du Szenen mit den gewohnten realen Farben, oder ist es dir bisher nie aufgefallen, ob deine Traumwelten farbig sind?
Ein Fakt ist: ich träme sehr selten. Also ich erinnere mich sehr selten daran. Ich bin eher verstört über meine Träume. Und ob sie in Farbe sind, oder nicht .... ist mir dann egal. Aber ich weiß es nicht.


4) SATZKONSTRUKT: Bilde einen (1) kurzen Satz mit den drei Substantiven: STURM, ZAHNRAD und WÜRDE.

Würde ich dieses Zahnrad jetzt einrasten lassen, dann könnte ich einen Sturm entfachen, der die ganze Welt zerstört.


5) SPONTANITÄT: Was bevorzugst du spontan (bitte ersten Gedanken nutzen)?
 a) Einen Stift zum Schreiben, b) Smartphone o.ä., c) Knetmasse, d) einen Computer oder e) einen Pinsel.

Computer.

6) LESEN: Was ist dir zum Lesen angenehmer (Begründung)? Ein Buch oder eine elektronische Vorlage.

E-Book.

7) GEFÜHL: Kann man im Zustand der Trauer gleich kreativ arbeiten wie im Gefühlskarussell einer Liebe?

Trauer ist sooo viel produktiver.

8) THEMA: Welches Thema machst du nie zum Gegenstand deiner Künste?

Das weiß ich noch nicht. Aber es gibt persönliche Erfahrungen die zu nahe sind, zu intim, um sie mit anderen zu teilen, ja.


9) ZUKUNFT: Trägst du unerfüllte Projekte mit dir, die du noch verwirklichen möchtest?

Sicher! Ich will ein Rollenspiel, eine App, einen Film, ein Kochbuch, ein Bilderbuch ... ich will meine innere Welt nach aussen stülpen und zeigen können ....

10) DAS LETZTE: Die letzte Frage. Was soll, wo?, von dir übrigbleiben, wenn du nicht mehr bist?

Es reicht mir ein Lächeln. Wenn jemand lächelt, wenn er an mich denkt. Das reicht. Alles andere ist so vergänglich.


Hier stehen meine Fragen an Euch, die ihr bitte beantwortet auf eurem Blog (copy & past) ... gebt mir bitte Links eurer Antworten, dann werden die hier drunter veröffentlicht  ... Dann sucht ihr euch selbst zehn weitere Blogger und stellt denen eure neuen zehn Fragen usw. ... ... ... ...


1. Umarmst du andere Menschen gerne?


2. Welche Tätigkeit macht dir am meisten Spass?


3. Glaubst du an Gott?


4. Schreib ein dreizeiliges Gedicht.


5. Was isst du, wenn du traurig bist?


6. Wo liest du am liebsten?


7. Glaubst du, dass man sich sein Leben lang verlieben kann?


8. Arbeitest du besser frei oder unter Zeitdruck?


9. Würde sich an deiner Kunst etwas ändern, wenn du richtig reich würdest?


10. Hast du ein Motto?



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Bucon 2014

Ich wollte da eigentlich schon letztes Jahr gewesen sein. Aber ... es gab ein 'Aber', irgendwas, was mich abgehalten hat. Wahrscheinlich der Gedanke: was sollst du da? Du hast da so zwei (in Zahlen 2) Bücher geschrieben und ... Minderwertigkeitskomplexe. Ha, vielleicht war das stalken der Veranstaltung, das Anschauen aller Bilder, das heimliche Weinen und Sehnen die Antriebsfeder für mein Schaffen. Denn als ich jetzt endlich dort war, hatte ich mehr zu bieten.

Aber erst mal: was wurde mir geboten? Nachdem ich zu spät kan (die unheilige Schranke zur Hölle ist schuld) und mich massiv darüber geärgert habe, dann schnell aufgebaut hatte und das erste Mal Zeit hatte, hochzusehen, bot sich mir eine Vielfalt, wie ich sie mir erhofft hatte. Es war großartig. Ich muss dazu sagen, mein Standardsatz wenn mich jemand fragt, warum ich nicht auf die Buchmesse gehe ist: "Was soll ich da?" Als Autorin von Phantastik werde ich dort belächelt, meine Sexszenen reichen nicht, um es in die Erotikbranche zu schaffen, und die "echten" Autoren schreiben über die Ex-DDR; die kenn ich nicht, kann ich nix zu sagen. Und Lügen, mauscheln und Schleimscheissen brauch ich nicht.

Aber die Bucon war der Himmel. Nicht nur, dass ich viele Menschen getroffen habe, die ich bis jetzt nur virtuell kannte, nein, ich traf eine Menge neuer Menschen und alle waren gut gelaunt und neugierig auf das Schaffen der anderen. Auf dem Foto seht ihr Martin Ulmer, der auch aus dem Pott kommt und dessen Buch eins von zweien war, die ich dort gekauft habe. Es gab eine hohe Promi-Dichte, die aber für mich dadurch getrübt war, dass ich manchen zu spät erkannt habe. Die Preisverleihung am Ende war unterhaltsam (wenn man mal von ein paar Flachwitzen zur späten Stunde absah) und diesmal nicht durch Technikversagen künstlich in die Länge gezogen. Ich freue mich für alle Preisträger.

Jetzt kommt mein einziger wirklicher Kritikpunkt: nach der Preisverleihung war es ratz-fatz zuende. Ich hätte gerne den Preisträgern ein wenig mehr Zeit gegönnt - man hätte sie interviewen können oder noch mehr Fotos machen ...  Auch, dass einige schon vorher abbauten, hat mich ein wenig irritiert. Ich fand das unhöflich. Aber ... es muss immer Luft nach oben geben.

Und ich bin nächstes Jahr wieder dort. Mit noch mehr als vier Büchern, einem Western-Groschenroman, Flyern vom Gruppen-Webserienprojekt und einem tollen Begleiter. Danke Stefan Holzhauer, dass du mich unterstützt hast. Ich musste (und konnte) mich nicht verstecken und habe noch mehr Ziele bis zum nächsten Jahr. Danke BuCon-Team! Bis dann.

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Zwischen den Welten

Ich war das ganze lange Wochenende auf dem Spaceritter-Festival in Oberhausen. Es war wunderbar, das Amt ist so eine tolle Kulisse, meine Mitstreiter sind großartige Menschen und ich habe wiederum viele neue tolle Leute kennengelernt. Und nächstes Wochenende reite ich Richtung Frankfurt: nein, nicht zur Buchmesse (warum auch?). Ich geh zur BuCon. Und dazwischen? Sitzt man und versucht, sich zu sortieren. Die Eindrücke zu verarbeiten, die mails zu beantworten, die Bücher zu zählen, die man verkauft hat und die, die man noch hat ... und Wäsche zu waschen und ... ach, das will doch keiner wissen.

Aber das ist für mich eine der Schwierigkeiten ... diese Diskrepanz zwischen dem Auftreten auf so einer Veranstaltung und der harten Realität. Ist das der Grund, warum Stars so abdrehen? Ja, das Auftreten in der Öffentlichkeit ist eine Droge, und der plötzliche Entzug an Aufmerksamkeit ist mit der Ersatzdroge Facebook nicht aufzufangen. Und dann holt einen der Alltag ein ... Aber wisst ihr was? Ich finds trotzdem toll. Ich finds toll mich zu spüren und zu empfinden, die Stimmungen, die Spannungen, die Erwartungen und die Realitäten. Nur aus diesem Spannungsunterschied kann die Dynamik entstehen, die mein Leben und Schaffen vorwärtstreiben. Ich freu mich über jeden den ich treffe, und auch über die seltsamsten Wesen (und damit meine ich nicht unbedingt die, die sich in ein Alien-Kostüm zwängen).

Wie ich schon dem Tom Daut sagte, der auch dort war: obwohl so viele von den Anwesenden Ausstellern mit Waffen herumliefen und pseudo-militärische Irrealitäten nachstellten, waren es alles Menschen, die das aus Leidenschaft taten. Aus Freude am Sein, am Darstellen, und daran, andere mit ihrer Lust am Leben anzustecken. Und dass sind keine Leute, die Böses planen, die verletzen oder zerstören wollen. Die (und ich) wollen einfach nur Spass haben. Und damit schaffen wir in dieser kleinen Blase zwischen den Welten eine bessere - eine friedliche.

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Twilight Zone

Wer kennt die Serie noch? Und nein: sie hat nichts mit glitzernden Vampiren zu tun. Letztlich bezeichnet der Begriff einen Bereich des Zwielichts, in dem alles seltsam verzerrt scheint, wo Schemen sich abzeichnen und einen in die Irre leiten, aber auch überraschen können.


Nach dem Buch ist vor dem Buch. Ich habe zwar gerade "Waldesruh" ans Licht gezerrt und bin da sehr stolz darauf, aber eigentlich bin ich schon viel weiter. Da ich keine Geheimnisse zu haben brauche, verrate ich hier schon einiges: Der zweite Teil der Geschichte um den "Glasberg" (so wird der Teil heissen) ist schon geschrieben und wartet auf ein Lektorat. Der dritte Teil ("Rheingold") wird im November geschrieben werden, wenn wieder das Halali zum NaNoWriMo bläst.

Ich habe gerade etwas für den neuen Verlag O`Connell Press geschrieben, was im Frühjahr 2015 herauskommt. Dann darf ich bei einem Projekt mit dem schönen Namen "Agnosia" mitschreiben, zusammen mit Lucas Edel und Chris Schlicht. Das ist mir eine besondere Ehre und ich bin gespannt, wie ich mich schlage.

Weil ich aber nie untätig sein kann, habe ich mal eben mit einem Buch angefangen, welches erst nach all dem erscheinen wird, also wahrscheinlich in ziemlich genau einem Jahr. Der Arbeitstitel ist "Ruhelos". Es spielt in Köln, wo die grausigen Geschehnisse rund um den Dom, die ich in der Novelle "Fortuna" beschreibe, eine genauere Betrachtung erfahren. Die Figur der Helena ist mir in den Schoß gesprungen und hat sich wie meine kleine Katze dort festgekrallt ... sie musste einfach raus.

Naja, und so befinde ich mich in einer Zone des Zwielichts ... wo alle diese Dinge lauern, schemenhaft und undeutlich, aber ich habe keine Angst. Denn: es bleibt spannend!


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Liebes Börsenblatt: langweil mich doch bitte nicht so.

Liebes Börsenblatt: Ich bin wirklich enttäuscht, dass wieder einmal so ein langweiliger Artikel über eine (mir) nichtssagende junge Dame veröffentlicht wird. Gibt es niemanden, der wirklich mal intelligent etwas zu dem Thema sagen könnte? Aber das interessiert ja wohl keinen, nein, man lässt allerlei abstruse Gestalten unterirdisches Zeug reden.
Ich will jetzt hier mal nicht über amazon als bösem Drachen sprechen, über den Raubfisch im Forellenteich, über den Sauron des Buchhandels. Ich möchte, dass man aufhört, diese Verdummungsphrasen wieder und wieder von "Schriftstellern" wiederholen zu lassen. Die ja offenbar tatsächlich auch noch in das Nest scheissen, in dem sie leben.
Bevor ich selbst Schreiberling wurde, habe ich, trotzdem ich in einer Großstadt lebe und Anbindung an große und kleine Buchläden habe, sehr früh begonnen, bei amazon zu bestellen. Und warum? Weil es toll war. Und ist. Weil ich die Zeit, die ich mit Parkplatzsuche und dem Drängeln durch Massen und dem Suchen nach dem Richtigen besser verbringen kann.
Wer zuletzt in einem Buchladen war, weiß, wovon ich rede. Wenn man mal jemanden ansprechen kann (um so etwas Einfaches zu fragen wie: Darf ich diese Plastikhülle entfernen um in das Buch zu schauen?), dann ist es jemand, der sehr gestresst ist. Jaja, ich weiß, der Buchhandel leidet, und kann nicht so viele Leute einstellen, wegen amazon ... Unsinn. Ich habe selbst jahrelang als Aushilfe im Buchhandel gearbeitet (lange bevor amazon geboren war). Da stehen genauso dumme Chefs dahinter, wie überall, und es ist auch dort nur ein Geschäft. Mein Gott, es wird über den örltichen kleinen Buchhändler geredet, als wäre er ein Weihnachtsmann, jemand, der nachts nicht schlafen kann, wenn er uns nicht das richtige Buch, welches unser Leben verändert, verkauft. Nochmal: Unsinn. Er verdient wesentlich mehr an dem Schnickschnack, der sonst so rumliegt, so, wie Ärzte jetzt mehr an IGEL-Leistungen verdienen und uns diese aufschwatzen.
Typisches Gespräch in einer Buchhandlung: Kunde: "Ich suche ein Buch." Buchhändler (denkt: "seufz" und verkneift sich zu sagen: "gut, dass wir welche haben und keine Burger") lächelt und fragt: "Für wen?" Kunde: "Für meine Oma/meinen Neffen/meine Freundin/zu Weihnachten/zum Geburtstag/zu jedem anderen erdenklichen Feiertag." Buchhändler: "Die Oma ist aus Ostpreußen? Prima, hier "Jauche und Levkojen." Der Neffe? Wie alt? Ach, Harry Potter geht immer. Hat er schon? Dann nehmen sie das, das ist so ähnlich. Der liest garnicht? Egal, das ist gebunden und macht auf dem Geburtstagstisch was her. Die Freundin? Ach, schauen Sie, hier unsere Chick-Lit Abteilung, nehmen Sie doch das, das wird gerne genommen. Ja, es ist sehr lustig."
Ich selbst hatte selten eines der Bücher gelesen. So läuft Verkaufen in 99% aller Fälle.
Und jetzt? Macht amazon das auch. Sagt mir: Leute, die das gekauft haben, haben auch das gekauft und ich denk: fein, danke! Und dann lese ich in Ruhe in die Leseprobe und entscheide, wann ich will.
Jetzt bin ich selbst auch noch Schreiberling. Natürlich Selbstverlegerin bei amazon. Warum? Weil ich es kann. Weil es super ist. Weil amazon ein toller Dienstleister ist. Und weil so die Zukunft geht. Ich will es mal Kunst nennen, was da verbreitet wird, denn Bücher sind eine Kunstform. Und wenn man nur noch die Grass oder Süßkinds verbreiten dürfte, dann wäre was faul in der Gesellschaft. amazon hat jetzt sogar ein Portal, wo man innovative Kinderbücher gestalten kann. Großartig (ja, brüllt nur, dass nun auch die armen Kinderlein ...)! Die Zukunft wird es sein, dass man etwas tut und es verbreiten kann. Hemmungslos. Und genauso hemmungslos wird das Publikum JAAA oder NÖ brüllen. Es werden sich Dinge verkaufen, die niemand vermutet, und es werden sich Dinge nicht verkaufen, die selbsternannte Literaturpäpste hoch loben. So wird das sein, weil es auch schon so ist. Der Kunde wird selbst aussuchen können, was und wie er es haben will (abseits von schlecht sortierten Regalen). Und der Schaffende wird sich anstrengen müssen, dem Kunden das zu verkaufen, er wird neue, spannende und innovative Wege finden müssen. Und die, die jetzt immer noch kreischen und schreien und den Teufel amazon anprangern, werden nur die Lachnummern von Gestern sein.
Es tut mir echt leid, für dieses Mädel, dass sie so blind ist. Aber ich lach mir einen, weil ich mir nicht vor Angst in die Hose mache, sondern fröhlich alles nutzen werde, was ich zu Verfügung gestellt bekomme. So, das waren meine 5 Cent. Echt, Börsenblatt: bitte sucht euch doch anspruchsvollere Interviewpartner!


P.S. Genau so habe ich das als Kommentar auf folgenden Artikel hinterlassen:

Facebook-Appell von Vea Kaiser

"Amazon ist unnötig"

Wen interessierts?

Als winziger Selfpublisher ist man in einer seltamen Community (wenn man denn überhaupt in einer ist). Es ist alles vertreten, vom hyperaktiven Profi, der schon eine Verlagshistorie hat und nun alles besser macht und es lückenlos dokumentiert (und mit einem Ratgeber dann auch nochmal Knete macht), bis zum absoluten Nichts-Könner, bei dem man sich fragt, wie der es überhaupt schaffen konnte, genug Worte sinnvoll aneinanderzureihen (einem der Glaube daran aber abgeht).

Ich schau mir das Treiben meist distanziert an und versuche zu lernen. Ich lerne vor allem, wie ich es NICHT machen will. Und dann mach ich was anderes. Jetzt schaue ich mir an, wie es die Autorenschaft mit amazon hält. Und denk mir, so ganz distanziert: habt ihr den Schuss nicht gehört?

Nein, haben sie nicht. Sie sind schon einen Weile getroffen und verenden langsam, aber sie wollen es nicht wahrhaben und mit Blut aus dem Mund spritzend geifern sie nun los. Sie singen sich ein lächerliches Totenlied.

Ich rede hier von den Verlags-Autoren, die sich von ihren Brötchengebern vor die Karren spannen lassen. Ihre Konzerne, jahrelang satt und träge gefressen, aufgebläht wie Jabba-the-Hut, sind nicht fähig, ihre Interessen zu vertreten und nun müssen die Autoren selbst auf die Strasse. Und Briefe schreiben, obwohl sie doch Romane ... und man möchte sagen: bleibt doch lieber dabei!

Ich beobachte sie, fröhlich vor mich hinschreibend und publizierend, fröhlich unkompliziert Geld verdienend, alle Möglichkeiten der schönen neuen Welt nutzend ... und lache. Und das macht sie wütend und sie geifern noch ein bisschen mehr.

Ja, sie sind wütend, die Autoren und die Verlage. Das geht doch nicht, dass jeder einfach so ...! Aber wisst ihr was? Ich pfeif drauf. Das geht schon lang. Eigentlich doch schon immer. Denn so wie Verlage das Hohelied des Pulitzer- und Nobelpreises singen, so liest der Kunde doch schon immer noch seine Groschenheftchen und billigen Paperbacks. Und so manch ein Arztroman hat mehr Gemüter bewegt als die Ergüsse aus dem Hause von hochgelobten Belletristik-Autoren.

Und ich finds gut. Denn jeder bekommt, was er möchte und verdient. Es will sich heute, in einer Welt, wo man alles kaufen kann, wo nichts mehr unmöglich zu erreichen scheint, nicht vorschreiben lassen, was man zu lesen hat. Und wie.

Ich möchte im Cafe schnell die neue Kurzgeschichte meines Lieblingsautors lesen? Die haben WiFi und es kostet weniger als der Latte, der einen komplizierteren Aufbau und Titel hat, als das kleine Werk, welches ich sofort auf meinem eReader geniessen kann.

Und DAS ist die neue Welt. Das geht so, und das muss so. Schnell reagieren und gut verfügbar machen. Und keine Diktatur der Verlage, die immer mehr als autobahnbreit am Zeitgeist vorbei veröffentlichen.


Liebe Autoren: haltet die Klappe und schreibt lieber. Und versucht mal diese nette Sache Selfpublishing. Und dann sprechen wir mal darüber, wer hier der Feind ist. Der, der euch sofort sagt, wieviel ihr heute verdient habst, oder der, der euch vierteljährlich bezahlt und keine zweite Auflage machen will, aber die Rechte trotzdem nicht hergibt. Echt, versuchts!


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Was ich noch zu sagen hätte ...

Die meisten Blogs die ich so lese, hauen Meinungen raus oder Tipps. Ja, klar, so eine fremde Meinung ist was Feines, und auch so ein Tipp, wenn er denn gut und passend ist. Aber ich will nicht auch noch in die Kerbe hauen. Ich erzähl einfach ein bisschen was, für alle die es interessiert.

Ich bringe jetzt mein viertes Buch an den Start und schreib mein fünftes fertig. Das ist harte Arbeit und ich bin immer wieder traurig, wenn die Leute mich fragen: wieviele Bücher hast du denn inzwischen verkauft?

ICH WEISS ES NICHT!

Ehrlich. Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Ich lese immer wieder von Panikattacken einzelner Autoren, wenn Author central nicht erreichbar ist oder kdp nicht stündlich aktualisiert, obwohl sie doch verbürgt wissen, dass sie wieder ein Buch gekauft haben, weil Tante Erna .... Sorry, das war gemein, aber ich gehöre da nicht zu.

Ich schätze sehr, wie manche sich Mühe geben das Geschäft in Zahlen zu fassen und transparent zu machen, und lese das auch gerne, aber ansonsten schau ich alle paar Tage mal bei meinen Statistiken vorbei.

Warum? Weil sie meist eigentlich deprimierend sind. Auf Platz 386.000 zu sein ist nicht toll. Fühlt sich schlecht an. Auch auf Platz 3.000 zu sein fühlt sich noch schlecht an. Und das brauch ich nicht. Weil es mich immer wieder ne Menge Arbeit kostet, mir klarzumachen, was es wirklich bedeutet.

1. Es bedeutet zunächst mal schlicht und einfach: ich habe 3 Bücher und eine Novelle am Start. Ich habe drei andere Bücher, in denen ich mitgewirkt habe am Start. JAY!!!!

2. Es bedeutet, dass ich Bücher verkaufe! YAY!!!

3. Es bedeutet, dass es sich lohnt, sich den A*** aufzureissen, um das alles möglich zu machen.

4. Es bedeutet nicht, dass ich schlecht bin. Es bedeutet nur, dass andere Bücher mehr gekauft werden.

Nein, die komischen Statistiken können mich mal. Es gibt so viele Dinge, die mir sagen, dass ich erfolgreich bin, die aussagekräftiger sind, als Statistiken.

Achso: und wen interessiert, wie viele Bücher ich verschenkt habe? Denn das hab ich: in den Leserunden, meiner Zielgruppe und jedem der nicht bei drei auf den Bäumen war.


Warum mach ich das? Weil ich fest daran glaube, dass man erst geben muss, um etwas zu bekommen. (Ich hatte ausserdem das zweite Buch ja schon fertig, und war zuversichtlich, dass die Leute das auch kaufen würden.)

 

Also, was will ich eigentlich? Achso: Waldesruh geht heute zum Verlag. Mein erstes professionelles Lektorat. Oben das Cover. Wieder von mir. Ich geh jetzt mal weiterschreiben.

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