Was wir uns antun

Ich habe in den letzten Tagen die 9 stündige Doku über die Beatles angesehen. Und heute morgen über Britney Spears gelesen. Und von meinen Autorenkollegen auf facebook und instagram lese ich täglich.

Ich lese Begeisterung und Verzweiflung. Ich lese Elan und Müdigkeit. Ich lese Trauer und Liebe.

Und ich lese sie nicht nur, ich fühle sie.

Gestern kam mir ein Spruch unter, der mich ebenfalls beschäftigt: Ein Buch ist erstmal nur ein Text. Nur mit dem Leser zusammen wird es lebendig.

Wir Künstler sind einsam und dennoch immer im Dialog. Und die meisten von uns sind es genauso viel mit sich selbst, wie mit dem Publikum. Manche können nicht ohne, manche dagegen scheuen die Augen und Ohren.

Worauf will ich hinaus?

Künstler*in sein ist anders als Brötchen verkaufen. Oder Busfahren. Oder viele andere Dinge. Manche Berufe sind irgendwie ein bisschen künstlerisch (Lehrer*in sein zb), aber viele sind es nicht.

Und genau in diesem Unterschied liegt die Schwierigkeit.

Warum ist Busfahren keine Kunst? Aber ein Lied komponieren und singen schon?

Weil Künstler*innen, die machen was mit sich und dem Publikum. Wie die Pflanze auf meinem Vorschaubild zum Blog werfen sie Teile ihres Selbst in den Raum, wie eine Angel, in der Hoffnung, dass irgendwo Halt zu finden ist.

Während des Schauens des Beatles-Filmes (Get Back von Peter Jackson, im Moment noch auf Disney+) durchlebte ich viele Emotionen, während ich den Beatles zusah, wie sie ihrerseits viele Emotionen durchlebten. Und eines war klar. Jeder von ihnen hatte viel zu verlieren. Sie wollten nicht aufgeben. Sie waren die Beatles. Das musste doch etwas wert sein? Aber was? Man sieht sie, wie sie das ausloten. Man sieht sie mutlos, angestrengt, auch frustriert. Und dennoch kommt jeder jeden Tag wieder, bis auf einen Bruch ... aber dann ging es weiter. Bis zum Ende, bis zu diesem Konzert, welches keines war, sondern nur der Beweis, dass man es kann. Das man es wollte und konnte.

Und aus dem Schmutz wurde ein Diamant.

Ich lass das mal so stehen, obwohl ich noch vieles dazu sagen könnte.

Aber ... der Titel hier heißt: Was wir uns antun. Ich hab es an anderer Stelle mal genannt: Das Herz aufreißen. Wobei man sich weniger das Herz an sich aufreißt, man entblößt es eher. Ist wie Schorf, den man täglich abknibbelt, damit die Wunde nicht zugeht, damit diese Empfindlichkeit bleibt, denn Schmerz ist dann auch ein Gefühl.

Wir brauchen sie, diese Gefühle. Sänger*innen müssen sie herausrufen, Schreiberlinge erleben sie an Tasten, Tänzer*innen springen und drehen sich. Wir brauchen den Tanz auf dem Seil, die Gefahr, abzustürzen. 

"Was ich schreibe ist Mist. Was ich singe, ist Mist. Niemand will mich sehen/hören/lesen. Wer braucht das alles schon?" Minütlich arbeiten wir gegen das Dunkel an. Nicht aufgeben. Immer weiter. Bis zur Erfüllung. Und dann das nächste Projekt. Wir sind fast immer wund.

Warum ich Britney genannt habe? Das ist, was man den Künstlern zum Teil antut. Man wringt sie aus und benutzt sie. Ich bin gespannt, was sie nun aus sich macht.

Nach "Let it be" haben die Beatles sich getrennt. Und jeder von ihnen hat weiter erfolgreich Musik gemacht. Weil sie nicht zu reduzieren waren auf die Schubladen. Weil sie wollten, konnten und mussten. 

Britney wird vermutlich auch weiter machen.

Ich auch. Und meine Autorenkolleg*innen hoffentlich auch.

Und wer jetzt hier Busfahrer ist, und beleidigt, der möge sich bei mir melden. Ich habe große Hochachtung vor dem Busfahren. Sorry. Ich schenke dir was, zur Kompensation.

Jetzt muss ich weiter schreiben. Dinge, die vielleicht keiner liest. Aber ich tue es dennoch. Haltet bitte auch eure Herzen offen für die Angelhaken, die wir Künstler auswerfen, damit wir euch erreichen und bereichern können.

Das ist es, was wir uns gerne antun.

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Wie erfolgreich will ich sein?

Wie erfolgreich will ich sein?

 

Ich bin ein Stein im Fluss. Wieviel Wasser kann ich aufhalten? Wie groß muss ich werden, um es zu verlangsamen? Wie viele muss ich werden, um es aufzuhalten? Oder will ich einfach nur drin liegen und ein wenig Spaß mit den Vorüberziehenden haben?

Jede Entscheidung, die man als selbstständiger Autor trifft, hat etwas mit der Anstrengung zu tun, die man aufwenden muss, die nicht die des Schreibens ist.

 

Schreiben, Kreieren, Schöpfen, das allein kostet schon viel Energie. Dazu kommen die ganzen Gedanken darüber, wie man den Kram ans Volk bringt. Für welches Volk schreibt man, wen will man erreichen, wie macht man das? Jede einzelne Entscheidung will gemacht sein. Jede hat Auswirkungen auf den Stein und das Wasser.

Ich habe entschieden. Ich habe nur eine gewisse Menge an Energie und Ressourcen. Ich werde sie nutzen, aber nicht mehr. Ich arbeite nur selten mit anderen zusammen, denn oft muss man dann auch noch für diese die Entscheidungen mit treffen. Oder man ist am Ende enttäuscht über die Leistung.

 

Aber ich arbeite gerne für andere. Ich gehe einen Schritt weiter, ohne die anderen darüber zu unterrichten und auch ohne sie es bezahlen zu lassen. Ich hoffe zwar, dass sie es wahrnehmen, aber es ist nicht mein Lebenszweck, darauf zu warten. Ich wachse durch Geben.

Das Einzige, was ich wirklich hoffe, ist, dass ich meinen Platz im Fluss halten kann und nicht überspült oder gar weggespült werde. Ich bin nämlich sehr zufrieden mit meinem Platz.

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Kurz vor knapp, Spieleblog Teil 10

Ich hab im Kurztext angeteasert, dass ich Sorgen oder gar Angst hätte. Hab ich aber nicht. Warum? Es könnte noch einiges schief laufen. Das Maximum wäre: Die Leute langweilen sich.

Das glaube ich nicht. Ich habe jetzt unzählige Testspiele hinter mir und eines war ich nie: gelangweilt.

Aber warum hab ich keine Angst?

Naja, ganz richtig ist das nicht, ein itsy-bisschen Sorgen habe ich schon, aber Angst ist ja ein Gefühl, welches seine Berechtigung hat, wenn etwas Gefährliches passieren kann. Ich glaube, diese Hürde hab ich schon genommen. Das Gefährlichste war, sich aufzuraffen und dann zu scheitern. Aber das kam nicht in Frage.

Und wenn die Leute das Spiel blöd finden? Hm ... Ich war die ganze Zeit hier transparent. Die Leute, die das Spiel bisher gekauft haben, sind meistens keine Fremden. Sie kennen meine Produkte und haben unbesehen gekauft, weil sie mögen, was und wie ich etwas mache. Ich habe jeden Schritt dokumentiert und wer es wissen will und wollte, kann sehen, was er bekommt.

Wovor also Angst haben? Ich habe keinerlei falsche Versprechen gemacht, im Gegenteil. Ich habe 12 Figurenkarten versprochen und liefere 31. Ich habe den Keller direkt mit eingebaut, obwohl es natürlich deutlich mehr Arbeit war. Ich werde in allen möglichen Bereichen noch zusätzliche Gimmicks und Dinge einbauen, die meinen Kunden Freude machen.

Warum? Weil ich es kann und will.

Dafür verzichtete ich auf das Massenpublikum. Was nur deswegen schade ist, weil sich dann die Möglichkeit von Add-ons irgendwie nicht so lohnt. Die Erfahrung ist ja: Zusatz/Nachfolgerdinge verkaufen sich deutlich schlechter. Wenn also nur ein Drittel der Leute zb später einen Zusatz haben wollen würde, wäre das ein Aufwand für wenige, der vermutlich nicht bezahlbar ist.

Aber mal schauen. Wer weiß, was passiert? Ich nicht.

Die Grafiken sind nun fast alle auf dem Weg zur Druckerei oder schon wieder da in Form von Spielmaterial. Bald bauen wir die Schachteln auf und dann werden sie befüllt. Ein bisschen wie Weihnachten.

Ich werde keine Zeit zum Verschnaufen haben, denn die nächsten Aufträge warten schon und scharren mit den Hufen.

Darum: Auf gehts, immer weiter, immer vorwärts!

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Der Sumpf, Spieleblog 9

Am Anfang ist die Idee. Dann gilt es, Momentum aufzubauen. Und dann gilt es, dieses Momentum zu halten, auch und vor allem, wenn es einmal bergauf geht.

Als Metapher ist bergauf ja mies. Eigentlich meint es oft: Jetzt geht es gut, es wird ... aber in diesem Falle ist es halt so: Bergauf heißt gegen die Erdanziehung, gegen diese Kraft, die einen unten halten will. Gegen. Nicht leicht, nicht fast von allein, sondern stete harte Arbeit.

Das trennt dann meist auch die Spreu vom Weizen. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls bin ich grad am Berg. Und es macht nicht viel Spaß. Im Kopf rotieren noch die Zweifel mit den Erfolgsmeldungen um die Wette. Eine ausgelassene Saloon-Prügelei ist ein Kaffeekränzchen dagegen. 

Der eine Testspieler fand das gut, die anderen nicht so. Der eine war über dieses begeistert, die anderen schlagen Änderungen vor. Man selbst wäre gerne mit einigem schon fertig, weil man hat ja so viele neue Ideen und jetzt diese langweiligen Feinarbeiten ... müssen die sein?

Ja, und das weiß auch jeder, die müssen sein.

Ich frage mich, wann man jemand das erste Blättchen Petersilie auf einen Teller gelegt hat. Irgendein Koch tat das, und dachte, so wäre sein Gericht dann perfekt. Und weg zum Esser. Die letzte Feinarbeit. 

Ich bin ein bisschen doof und mache sowas auch zwischendurch. Das hält mich bei der Stange. Ich denke über Kleinigkeiten nach, die alles noch besser machen, bestelle schonmal dieses oder das. Das motiviert mich, auch wenn ich noch nicht weiß, ob das sinnvoll ist.

Fakt ist, ich werde allen Bestellern ein tolles Spiel liefern. Es wird keine Schallmauer in punkto Innovation durchbrechen, aber es wird solide sein. So, wie ein gutes Essen sorgfältig zubereitet solide ist. Ich kannte mal einen Koch der sagte: Es muss auch die geben, die die besten Bratkartoffeln machen. So sehe ich das auch. Haute Cuisine ist zwar mal gut, aber Bratkartoffeln auch. Und die Petersilie find ich auch super. Was gibt`s zum Nachtisch?

 

Was ich mir wünschen würde, wäre vor allem, dass die Menschen Spaß mit dem Spiel haben, dass sie all die Details finden, die wir hineingetan haben, dass sie die gleiche Liebe spüren, die wir auch für die Figuren und das Erlebnis haben.

Aber erst muss ich alles fertig machen. Es ist noch viel zu tun.

 

Zum Bild: Das ist ein Ætherkristall, denn natürlich wird das Spiel Æther beinhalten, was dachtet ihr denn???? Mal schauen, ob ich das Geheimnis des Æthers bis zum Ende bewahren kann.

 

Wer das Spiel schon vorbestellen will: Hier entlang

 

 

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Wann gehe ich live und dann? Spieleblog Teil 8

Ich hab ja nun dieses Ding mit den Anleihen gemacht. Und es ist wunderbar gelaufen. Das hatte zwei Konsequenzen: ich weiß nun, dass es eine Menge Leute gibt, die sich für ein Spiel interessieren, welches noch nicht fertig ist und ich habe "Spielgeld". Ich kann noch ausprobieren und testen.

Dass das so gut gelaufen ist, macht mich auch innerlich etwas weniger unruhig.

Ich spreche mal ganz kurz über Unruhe. Als Selfpublisher ist man stets unruhig, denn man balanciert auf einem Schwebebalken. Wer guckt das, ich hab das früher gerne geguckt. Kunstturnen. Dieser schmale Balken, auf dem die Mädels so wahnsinnige Dinge vollbringen. So fühle ich mich oft. Auf der einen Seite des Balkens ist das Meer meiner Wünsche und Freuden. Meine Fantasie, mein Spaß, alles, was mich glücklich macht und mich anregt. Auf der anderen Seite sind alle diese Dinge, die mich beschäftigen und mir dennoch nicht gut tun. Die Vergleiche mit anderen, die Ansprüche, die andere haben. Die Art, wie andere etwas tun. Die Anderen.

Ja, so krass ist das. Ich war mal jemand, dem es extrem wichtig war, was andere denken. Inzwischen ist es so, dass mich das oft arg zurückwirft, eingrenzt und blockiert. Das Problem dabei ist: ich will offen bleiben, denn es gibt durchaus Ratschläge und Freunde, die mir helfen und wenn ich ganz zumachte, wären diese ja auch weg.

Ich mach das mal an einem Beispiel: Ich will ein Spiel machen. Ach Gott, noch ein Spiel? Braucht die Welt das? Also müssen Gründe her. Es müssen Rechtfertigungen her, vor all den Stimmen, die sofort in meinem Kopf aufspringen und rufen: Lass es! Schreib endlich mal einen Bestseller! Niemand braucht ein Wichtelspiel! Wen soll das interessieren? Eltern? Du hast keine Eltern Zielgruppe, deine Leute sind Steampunks (sind sie nicht). Erwachsene? Was sollen die mit knuffigen Wichteln? Die wollen Ballerspiele oder komplizierte Worker-Placements oder- na jedenfalls keine Wichtel. Und was Besseres, komplexeres kriegst du nicht hin, das weißt du.

Ich so: Aber ... Wichtel? Spaß? Einfach so spielen? Lachen, lustig-sein?

 

In punkto Bücher schreiben habe ich diese Diskussionen innerlich alle schon durch. Das hindert die Stimmen nicht, dennoch jeden Tag aufzulaufen.

 

Kommen wir zum Spiel zurück. Braucht das also jemand?

Da ist der Balken. Geh ich also vorwärts? Mach ich weiter, in der Hoffnung, dass meine Fantasie ausreicht, andere mitzuziehen? Dass Evas Bilder ausreichen? Oder haben die Stimmen recht und es wäre besser, zu stoppen, bevor man sich verrennt? Nun kann man auf einem Balken nicht rennen, aber andere lustige Dinge tun, ihr versteht schon.

Es ist also immer ein "Reality-check" nötig. Und den habe ich mit dem Anleihenverkauf bestanden. Es gibt genug Leute, die das Spiel wollen, dass es sich für mich lohnt.

Win-Win. Ich hab Spaß, Eva macht tolle Erfahrungen und der Rest ....

 

Also bin ich jetzt live. das Ding wird stattfinden. Mein Ziel sind 200 Spiele. Mein weiteres Ziel ist: Noch mehr, aber später. Weil: Wer es gespielt hat, wird merken, dass es so viele Möglichkeiten bietet. Und diese möchte ich ausloten. Aber erst mal das eine und dann nochmal ein Reality-Check. Immer checken, weil: das ist der schmale Grat, das ist der Balken. Meine Realität. Danke, dass du - Leserin- hier vermutlich dabei bist. Danke für die Unterstützung, denn ohne dich wäre es eben nichts geworden.

 

Zu Vorbestellung also bitte hier entlang: HIER 

 

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Spiel neu erfinden, Teil 7

Wir waren an einem Punkt, wo wir dachten, es wäre fertig. Wir hatten alles kalkuliert, die Regeln waren schick, alles passte.

Dann begannen die ersten Fremdkontakte. Testspiele und Menschen, die noch mehr Ideen haben, neue Ideen, gute!

An erster Stelle stand zum Glück die Erkenntnis: Das Spiel macht Spaß. Aber man kennt das: Wo Spaß ist, da kann doch noch mehr Spaß hin, oder?

Ich habe genau beobachtet und natürlich ist dieser Prozess auch noch nicht zu Ende, aber einige Dinge sind nun klarer.

Erstens: Was zunächst nur ein Ding war, weil wir Tiere so lieben, ist eigentlich eines der besten Features des Spieles. Jede spielt ja einerseits einen Wichtel, andererseits wird sie aber auch von einem Tier begleitet. Und die Reaktionen der Spieler auf die Tiere war teilweise sehr süß. Ein zufällig gezogenes Rotkehlchen stellte sich als das Lieblingstier heraus, und natürlich ist so einer wie Sir Flauschibert immer für Entzückensrufe gut.

Zweitens kam die Erkenntnis, dass die schlimmsten Desaster die meiste Heiterkeit hervorrufen können. Wenn die Hose kaputt ist, dann muss man schnell nach Hause, egal, was man vor hatte, oder?

Am Ende war aber auch klar: Wir müssen am Ende feilen. Die Siegbedingungen sind ja: Ein passendes Geschenk finden und dann gemeinsam ein Fest feiern. Wir haben das bisher in jedem Spiel eigentlich problemlos geschafft. ZU problemlos. Das muss ein bisschen härter werden. Nein: herausfordernder. Man sollte ja immer das Gefühl haben, etwas geleistet zu haben, manchmal trotz widriger Umstände, oder?

Es gilt also noch ein wenig da zu drehen und dann woanders auch noch.

 

Wichtig ist, zu erkennen: Was ist gut, was muss bleiben, und was ist nicht so gut, das muss geändert werden? Sehr hilfreich war dafür dieser sogenannte "TED-Talk", also ein Vortrag eines Menschen, der sich mit der Materie auskennt. Guckst du hier. Leider nur auf Englisch, aber sehr unterhaltsam.

Einer der Punkte dort ist: mach viele Detail rein. Details, die vielleicht auf den ersten Blick nicht wichtig erscheinen, aber ein seltsames Eigenleben annehmen. Denn es sind manchmal die seltsamsten Kleinigkeiten, die die Menschen dazu bringt, dein Spiel zu lieben.

Für mich ist es so etwas wie der Türklopfer an dem Grufthaus. Im Spiel wird es keinen Nacht-Hintergrund haben, aber ich finde die Stimmung großartig. Wer erwartet einen, wenn man an diese Tür klopft?

Alle Änderungen wollen aber wohlbedacht sein, denn ein bisschen mehr davon kann teuer werden, aber vielleicht dann weniger davon oder ...

Es bleibt spannend.

Eines ist aber sicher: Es ist kein reines Kinderspiel. Und uns wird noch einiges einfallen, um es für die verschiedensten Gruppen spannend und witzig zu machen.

Ihr könnt immer noch Anleihen erwerben. Postkarten und Blöckchen gibt es auch ohne Anleihe. 

Blogger und andere Interessierte können hier Bilder mitnehmen, wenn sie welche brauchen.

Ich bin für alle Anfragen und Anregungen dankbar! Fragt einfach!

Bis bald!

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Spiel erfinden Teil 6

Es gibt Spiele, die haben einen ausgefeilten innovativen Spielmechanismus. Davon habe ich mich schnell verabschiedet. Ich bin kein Tüftler, ich bin Geschichtenerzählerin. Also sollte auch in meinem Spiel eine Geschichte erzählt werden. Die Figuren sollten nicht nur etwas erledigen, sondern am Ende eine Geschichte erzählen können.

Darum gibt es neben dem schlichten Zugmechanismus (also würfeln und gehen) noch Ereigniskarten. Diese sind mal gut, mal weniger gut. Wie im echten Leben. Einiges geschieht einfach, bei anderen Karten kann man sich entscheiden, ob sie sofort geschehen sollen, oder eben, wenn es passt.

In den ersten Testspielen hat sich gezeigt, dass es da großartig komische Situationen geben kann. Eine sehr lustige Karte ist zb "Hose kaputt". Egal, was man eigentlich vorhatte, man muss dann schnell nach Hause, um die Hose zu wechseln. Das wirft schonmal alle Pläne über den Haufen und wenn man dann nur niedrige Zahlen würfelt ...

Ein anderer Mechanismus, der das Spiel schwerer macht, sind die Tiere. Einerseits hat jeder ein Tier zur Seite, welches einem hilft. Aber in dem Dörflein treiben sich noch andere Tiere herum, die einem durchaus nicht immer grün sind.

Das hier ist zb die Gans, die einem durchaus sehr auf die Nerven gehen kann. Ihr ist langweilig und sie hat nichts Besseres zu tun, als auf den Wegen herumzulaufen und keinen Wichtel an sich vorbei zu lassen. Man muss dann entweder einen Umweg machen, oder warten, bis sie das Interesse verliert und umdreht. Zum Glück gibt es viele Wege zum Ziel.

Man kann über eine Brücke gehen, mit dem Boot und sogar mit einem Zeppelin fahren!

Aber man ist ja nicht nur auf Wegen unterwegs, sondern auch in den Gärten, um nach Obst, Blumen und schönen Steinen zu suchen. In den großen Gärten wird aber manchmal ein Bock angebunden, der das Gras unter den Bäumen kurz halten soll. Leider duldet der Gehörnte niemanden außer sich im Garten und und schmeißt eindringende Wichtel hochkant raus. Außer ... man hat ein Kräuterbündel dabei. Wer vorgesorgt hat, kann ihm das zur Ablenkung hinwerfen und in Ruhe nach dem suchen, was man braucht.

In den kleineren Gärten lauern Elstern und stehlen einem schonmal das mühsam gesammelte Gut. Es ist nicht leicht, ein passendes Geschenk auch nach Hause zu bringen, damit man es später präsentieren kann!

 

Es gibt also nicht nur allerlei tolle Möglichkeiten, sondern eben auch Hindernisse. Diese Mechanismen spielen alle zusammen. Wir merken jetzt in den Testspielen erst, wie spaßig das werden kann, wenn gewisse Dinge zufällig aufeinander erfolgen. Aber es gibt auch noch einiges, was nicht ausgreift ist. Wir tüfteln und testen also weiter.

 

Wer aber jetzt schon weiß, dass sie dieses Spiel ausprobieren möchte, kann sogenannte Anleihen erwerben. Schau einfach hier.

Danke fürs Lesen und ich hoffe, dass es erstens neugierig macht und zweitens nützlich ist. 

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Spieleblog Teil 5

Dass meine Tochter Eva die Wichtel malen wird, war von Anfang an klar. Sie hat einen tollen Stil, das hat sie ja schon beim Wichtelweihnachtsbuch bewiesen. Damals habe ich noch fast alle Tiere gemalt, aber diesmal sollte alles aus einem Guss sein. Eva ist im Moment 17. Ist es vermessen, die künstlerische Leitung einer Jugendlichen zu überlassen?

Nein. Auch wenn ich das mal wieder lernen musste.

Für manche ist es selbstverständlich, für andere eine Binsenweisheit, aber vieles im Leben geschieht erst, wenn man loslässt. Seien das Bedenken oder Kinder. Eva hatte schnell ein paar Wichtel gemalt und ich war erst so: Was????

Da waren alte und junge, dicke und dünne und einige, wo man nicht recht wusste, ob sie Männlein oder Weiblein sind. 

Sartori ist ein gutes Beispiel.

Ich hab eine Weile gebraucht, ein bisschen gegrübelt und dann gedacht: Ok, ich wag es. Ich hol die Wichtel in die Gegenwart. Denn nichts anderes ist es: Raus aus dem Mittelalter, oder dieser generell seltsamen Blase, in der die Wichtel leben. Schließlich wollen wir doch eigentlich, dass es auch heute noch welche gibt, oder? Irgendwo, in den Nischen, den kleinen Taschen dieser manchmal allzugrauen Welt. Da soll es Türen und Hecken geben, wenn man durch die hindurchgeht, dann soll da Wichtelland sein!

Und weil sie ja nun komplett alles malt, sollten die Tiere ebenfalls nicht die üblichen Hunde und Katzen sein. Auch, aber auch ...

Graureiher? Ja, auch!

Und das macht Sinn! Denn die Wichtel arbeiten mit den Tieren zusammen. Mit eigentlich allen Tieren. Manche sind nicht sehr kooperativ, aber andere schon.

Die Tiere bringen den Spielern ihre Fähigkeiten mit. So ist es nicht nur wichtig, welchen Wichtel man sich wählt, sondern auch, welches Tier einen begleiten soll.

Durch die Paarungen gibt es immer wieder neue Dynamiken, die das Spiel abwechslungsreich machen. 

 

Ja, so kam es also, dass "Wenn Wichtel wichteln" keine verstaubten Zipfelhutträger zeigt, sondern moderne und selbstbewusste Wichtel, die bunt und divers sind.

Das ist für ein Kinderspiel eine gewagte Wahl, aber dann wieder denke ich: Ich will ja kein HABA Spiel für alle machen, sondern eines für Menschen, denen Diversität genauso wichtig ist, wie uns. Denn es ist einfach die Lebensrealität! Und ich mag es sehr, dass wir es nicht mit einer Keule machen, sondern ganz charmant. 

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Für wen ist das Spiel? Teil 4

Man kann ja viel machen, aber die Frage ist doch eigentlich: Wer braucht das? Wer wird das später kaufen? Wie weckt man bei der richtigen Zielgruppe Begehrlichkeiten?

Marketing. Ich bin darin nicht gut, aber ausreichend. Ich habe für meine Bücher viel Zeit damit verbracht, Zielgruppen zu analysieren. Das lag vor allem daran, dass Steampunks eine so überschaubare Zielgruppe sind, die man ziemlich gut analysieren kann.

Dann kam das Wichtelbuch. Ich wollte schon immer etwas für Kinder machen, und auch für Jugendliche (siehe Clara&Co). Aber dann kam vieles anders. Die Hauptsächliche Zielgruppe beim Wichtelbuch waren Erwachsene. Das ist nicht überraschend, denn Kinder kaufen ja die Bücher nicht. Dennoch finden viele Erwachsene die Wichtel gut, weil ... nunja, weil sie heile Welt sind? Irgendwie so. Ich will da gar nicht tiefer gehen. Denn warum wir Bullerbü und Tomte Tummetott brauchen ist herzzerreißend: Wir suchen darin unsere Unschuld. Etwas von dem Gefühl der Zeitlosigkeit, der Verbundenheit mit Natur und dem kleinen Mystischen. Es muss nicht das Große sein, was wir retten wollen oder dem wir bedürfen. Es reicht uns das Kleine. Darum auch die Hobbits und das Auenland.

Also ist klar. das Wichtelspiel muss für Erwachsene gut sein. Es muss die Leute ansprechen, die auch das Wichtelbuch gekauft haben. Aber es muss eben auch für Kinder sein.

Schwer, schwer. Von den sechsjährigen habe ich mich schnell verabschiedet, weil man doch recht viel lesen muss. Ich kann mir zwar vorstellen, dass clevere Sechsjährige die Karten schnell intus haben und anhand der Bilder wissen, was sie tun müssen, aber das sollte nicht die Voraussetzung sein.

Aber damit Erwachsene das Spiel gut finden, muss es ein bisschen mehr sein, als nur "ein Geschenk machen". Und da kam die Idee meines Bruders ins Spiel: Was, wenn ein zweites, gemeinsames Ziel ist, ein tolles Fest zu feiern?

Das war ein Durchbruch, denn es macht das Spiel viel kooperativer, als es zuvor war. Nun hat man tatsächlich nicht nur ein alleiniges Ziel, sondern ein gemeinsames! Und wer will kein Fest feiern?

So war der Festplatz geboren. Wie er am Ende im Spiel auftaucht, ob nun schon fertig geschmückt, wie im Bild, oder noch langweilig alltäglich ... mal schauen. Aber hier sieht man zwei weitere Elemente: Es gibt einen Keller .... oh, Geheimnisse! Und eine Zeppelinhaltestelle! Ich brauchte ein bisschen Steampunk. Ich kann nicht ohne.

Nun sind wir also wieder beim Spielplan. Hier einmal einer der allerersten ....

Hihi, das ist weit davon entfernt, wie der Plan jetzt aussieht. Aber mit einem Zeichenprogramm und ein paar sogenannten Brushes (also Pinsel, die wir eine Art Stempel funktionieren, damit kann man schnell Pflanzen und so Sachen malen) geht eben schnell was. Die grünen Kreise sind 2 cm durchmessend, und simulieren so die Felder, auf denen man sich mit einem Würfel dann fortbewegt. Und ja, das komische Gebilde in der Mitte soll eine Brücke sein. Mit Maus malen ist wirklich nicht leicht. Grins.

ok, das war es für diesmal. Fragen und Anregungen bitte immer her!

Auf der Seite hier auf der Homepage kann man auch noch ein bissl was lesen.

Bis dann!

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Ein Spiel machen, Teil 3

Ich hab ja schon erzählt, dass ich Spiele liebe, die hübsch aussehen. Schlechte Artwork und langweiliges Zubehör ist doof. Zuviel Zubehör ist doof, und ganz doof ist, wenn das Spiel sehr liebt, es aber doll empfindlich ist.

Mein Spiel soll ja für jeden so ein bisschen was sein. Ganz kleine Kinder waren schnell raus, denn lesen sollte man können. Ich denke, unsere Zielgruppe sollte mindestens acht Jahre alt sein.

Warum?

Nun, das ergab sich halt. Ich muss sagen, der Prozess des Spielerfindens war nicht wirklich linear. Wir haben ein bisschen nachgedacht, Ideen gesammelt, dann hab ich was entworfen und dann haben wir getestet und dann habe ich was Neues entworfen und und ... so wuchs es und wurde geschliffen.

Ein Durchbruch war ein Testspiel mit meinem Bruder ... aber ich greife voraus.

Was sollte denn das Thema des Spieles sein? Schnell war ich bei der Idee, dass ja eine der bekanntesten Dinge über Wichtel ist, dass sie wichteln. Oder wer wichtelt? Wichteln Wichtel auch?

Ja. Das war meine Idee: Was, wenn Wichtel wichteln? Ich mag das. Es ist so ein bisschen heile Welt. Geschenke mag doch jeder. Wenn man wichtelt, dann weiß man oft nicht wirklich viel über seine Zielperson. Und das war dann mein Aufhänger. Was, wenn du eine Zielperson hast und erst einmal herausfinden musst, was die mag?

Dann kam die Überlegung: was gibt es denn zu mögen? Das muss ja irgendwie begrenzt sein. Wir haben uns auf Blumen, Obst und schöne Steine geeinigt. Das Spiel geht also etwa so: Man muss erst einmal jemanden fragen, was die Zielperson wohl mag. Wenn man das weiß, macht man sich auf und sucht danach. Also zb mag Zussa die Farbe Rot (in dieser Partie, das nächste Mal mag sie vielleicht Grün, das wird zufällig durch eine Karte ermittelt) und Obst. Nun kann man also rotes Obst suchen, oder einen roten Stein und eine Mirabelle ... 

Aber wo ist das?

Es gibt drei verschiedene Obstbäume zu finden, aber welcher davon der mit den leckeren roten Äpfeln ist, erfährt man erst, wenn man dort ist.

Links ist der Baum mit Blüte.

Und wenn man den umdreht, dann sieht man erst, welches Obst er trägt.

Rechts also der begehrte Apfelbaum.

Ein grundlegender Mechanismus des Spieles ist also, dass man diese Bäume (und Beete und Steine) umdrehen kann. Aus welchem Material sollten dann diese Scheiben sein? Da kommt dann wieder Rechnerei und mein Musterkoffer zum Einsatz.

Ich habe mir von einer günstigen Onlinedruckerei einen Musterkoffer schicken lassen. Weil: Alles, was normalerweise in solchen Spielen ist, wird in einer 1000er Auflage gedruckt, also mindestens tausend Spiele ... So viele will ich aber nicht ... 

Und mit Alles mein ich auch Alles. Karten, Spielpläne, Schachtel, jede Komponente. Ich brauchte also günstigen Ersatz.

Ein Problem war schnell: der Spielplan ist zu groß. Wir wollten mindestens 50x50 cm. Und mein Traum wäre Lastwagenplane gewesen ... aber: in welche Schachtel soll das passen? Durchschneiden? Ja, das geht, aber das war nicht elegant. Die Plane ist immer noch meine Lieblingsoption, aber wir haben etwas anderes gefunden. Dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Warum eigentlich durchschneiden? Weil man so einfach keinen 50 cm langen Karton findet. Den man mag, bezahlen kann und der gut in ein Regal passt.

Glaubt mir, ich habe einige Produktmuster hier. Die sind blöd.

Und die Karten, die man braucht ... sauteuer.

Aber der Produktkatalog der Onlinedruckerei (wir machen druck) hat Lösungen. Die Bäume zum Beispiel habe ich auf 10cm durchmessende 2mm Displaykartons drucken lassen, rund gefräst, vorne und hinten bedruckt und beidseitig UV-Lack behandelt. Und dennoch bezahlbar. Denn wir brauchen pro Spiel 12 Stück!

Es galt eben, günstig aber dennoch tauglich zu bleiben. Schön wären auch runde Acrylplatten gewesen, die teilweise durchsichtig sind, aber die sind deutlich teurer. Und schwer. Worauf man alles achten muss!

Die Spielkarten sind als Deluxe Visitenkarten auch deutlich günstiger, als sie tatsächlich als Karten drucken zu lassen. So haben sie keine abgerundeten Ecken ... aber ... man kann nicht alles haben. Doppelseitig folienkaschiert sind die schick unempfindlich und ... ihr ahnt es: bezahlbar!

Jetzt soll das Spiel so sein, dass die Wichtel also das entsprechende Geschenk suchen und sammeln müssen. Da gibt es allerlei Hindernisse und Ereignisse, aber dann kann man zb einen Apfel ernten.

Aus was soll der Appel denn sein? Ich dachte, diese Dinger, die man in normalen Spielen hat (die man erst aus einem Gitter rausdrückt, so runde Pappscheiben) wären zu teuer. Darum habe ich Einkaufswagenchips gekauft, Etiketten machen lassen ...

 

Schick oder? Ah, pro Baum/Beet und Stein also 10, es gibt 4 Farben, also 40 mal die drei Arten: 120 pro Spiel. Mal 100 (so viele Spiele will ich mindestens machen): 12.000. Übrigens klebe ich den Aufkleber von Hand drauf. (Ich mach das fast gerne. Es ist eine Beschäftigung während Netflixglotzerei und eine gute Entschuldigung eine Serie zu bingen ...)

Ja, inzwischen habe ich tatsächlich ein bezahlbares Angebot für diese Pappdinger. Drückt mir mal die Daumen, dass das klappt, denn irgendwie ist die Kommunikation stotternd.

 

So, das war jetzt ein langer Beitrag, es wird nicht der letzte sein. Aber ich will euch zeigen, was mein Spiel so besonders macht. Danke fürs Lesen und bleibt gesund!

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Wow. Überwältigung

Ich hab mich gestern nackig gemacht.

In Deutschland spricht man ja nicht über Geld. Aber ich habs getan. Ich hab mal meine Zahlen offengelegt und meine Entscheidungsprozesse. Ich habs hier geschrieben, auf Patreon, im Newsletter ...

Und ich bin überwältigt worden. Bisher haben 19 Leute mir 680 Euro gegeben! Und das Wahnsinnige daran ist: ich hab doch noch nicht mal das echte, wirkliche, fertige Spiel gezeigt! Ich hab bisher nur ein paar Grafiken geteilt!

Statt einem Crowdfunding habe ich nun also diese Anleihen gemacht und es dauerte wirklich nur ein paar Minuten, da haben die ersten reagiert.

Obwohl es der 31. war? Obwohl keiner weiß, ob ich nicht Müll produziere?

 

Ich lese gerade das Buch eines erfolgreichen Crowdfunders. Jamey Stegmaier hat viel viel Geld mit diesem Instrument gemacht und er hat damals einen Blog geschrieben, der für mich bisher auch sehr hilfreich war. Nicht nur die Erkenntnis, dass es letztlich nichts für mich ist, sondern in vielerlei Hinsicht für den Weg, den ich gehen muss, um es auch ohne zu schaffen.

Denn eines zeigte mir der Blog sehr schnell und wurde auch im Buch vertieft: Egal, was man tut, es muss um die anderen gehen, nicht um mich. Jetzt steht hier in dem Beitrag schon oft Ich Ich ich und meine Lieblingslektorin würde tief durchatmen und daneben schreiben: Änder das mal!

 

Aber indem ich meine Erfahrungen und Gedanken mit euch teile, ohne dass ich euch irgendwelche Werbungs-Wischiwaschis erzähle (Bestes Spiel jemals! Stundenlange Unterhaltung! Völlig neues Spielkonzept!), passiert etwas zwischen uns. Wir können Partner werden. Ihr könnt entscheiden, ob ihr diesen Ritt mitmacht, oder eben denken: soll die mal, ich schau später nochmal rein. Bleibt ja jedem überlassen!

Um das Vorschaubild zu verwenden: ich hab euch mit ins Boot geholt. Statt mit meinem Schiff zu landen und dort erst mit euch zu feiern, könnt ihr mit einsteigen und wir zockeln gemeinsam zum Ziel.

 

Mein Herz ist groß und weit, weil ihr mir so sehr vertraut. Das bedeutet auch, dass ich euch in der Vergangenheit offenbar nicht allzu oft enttäuscht habe. Ich habe nicht vor, das zu ändern.

 

So, also: allen, die schon haben: Dank! Und allen, die noch wollen: Hier entlang.

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Abwägungen.

Ich werde keinen Kickstarter machen.

 

Warum? Nun, wir (mein Mann und ich) haben das mal durchgerechnet und visualisiert. Ich sag euch mal Zahlen: Bisher rechne ich für den Druck des Spieles für 100 Exemplare mit knapp 2500 Euro. Alle sagen, man soll mehr bei Kickstarter nehmen. Nun, die haben da so einen Rechner, der einem sowieso aufgedrängt wird. Also hab ich mal auf 3500 Euro aufgeschlagen, denn, in den 2500 waren die Portokosten nicht drin. Die wären zwar nur 500, aber zusätzliche 500 so als "Risikofonts" fand ich nicht schlecht. Nun schlägt der Rechner vor, soll man direkt die Steuer mit einberechnen. Schiebt man die auf 19% und kommen dann noch die 500 Euro Kickstarter Gebühren dazu, ist man bei einer Summe von 5000 Euro, die man erfragen soll.

 

500 Euro ... nur für die Gebühren? Da frag ich mich umgekehrt: was erwartet mich auf Kickstarter, bzw, was sind die Vorteile? Die sind doch: eine größere Zielgruppe erreichen. Viele viele Leute, damit man mehr Spiele machen kann, damit die Kosten billiger werden.

 

Jetzt hol ich nochmal aus: 100 Spiele sind in der Branche ... Fliegenschiss. Die meisten Spielemachklitschen fangen unter 1000 Exemplaren nicht mal an, einen Bleistift zu spitzen oder so. Das bedeutet: entweder krieg ich 1000 Leute zusammen, damit ich das Spiel machen kann, wie man halt ein Spiel macht, oder ich mach es, wie ich es bisher geplant habe.

 

Wie plane ich es denn? Das beginnt mit den Entscheidungen: Welcher Karton? Ihr wisst, wie so ein normaler Spielekarton aussieht. Stülpdeckelkarton, nennt man das. Rundum eben mit der entsprechenden Grafik bedruckt. Das ist aber kein Druck auf dem Karton selbst, sondern auf eine Art Folie, die dann auf den Karton aufgezogen wird ... ich weiß, so genau wollt ihr das vermutlich nicht wissen. Jedenfalls ist eins klar: Unter 1000 ist das zu teuer. Also musste ich andere Lösungen finden und habe eine sehr schicke gefunden, mit einer Zusatzfunktion, die ich bald erkläre ... Naja, dann kommen die Sachen, die man braucht: Spielplan, Pöppel, Karten etc. Überall musste ich preiswerte Alternativen finden. Und ich hab sie gefunden. Und sie sind geil. Sie sind ungewöhnlich, aber toll und ich liebe sie. Aber eins ist klar: Wir werden am Ende da stehen und die bestellte Anzahl Spiele einzeln zusammenstellen müssen. Mein Mann und ich. 

 

Da sind wir wieder bei: Wollen wir dann 100, 200 oder gar 800 machen? Weil, wie gesagt. Erst ab 1000 kommt dann so ein Spiel voll durchgestyled auf der Palette zu uns. Huch ... 1000 Spiele? Wohin denn? Wo sollten wir das lagern? Unmöglich, das geht nicht. Wir haben schlicht keinen Platz dafür.

 

Das alles führt dazu, dass wir gesagt haben: kein Kickstarter.

 

Aber so ein bissl Geld vorher wäre schön ... denn 2500 Euro haben wir nicht rumliegen. Vorbestellungsliste? Ich bin mir noch nicht sicher über den Endpreis ... (er wird irgendwo zwischen 35 und 45 Euro liegen), da kann ich noch kein verbindliches Angebot machen.

 

Aber ich kann folgendes tun: Ich kann Gutscheine - ich nenne sie Anleihen - verkaufen. Gutscheine sind immer gut, man kann sie auch anders verwenden. Also wenn man zb einen 40 Euro Gutschein kauft, und das Spiel nur 35 kosten wird, dann nimmt man noch das Zusatzpaket Karten, oder das Büchlein, was ich dazu schreiben werde, oder irgendwas anderes aus meinem Shop. Oder man kauft nur den 20 Euro Gutschein, und zahlt den Rest dann später dazu. Aber ich hab dann schon mal Spielgeld, das wäre super.

 

Ich plane übrigens, das Spiel entweder Anfang August oder Anfang September herauszubringen. Falls sich bis dahin nicht noch etwas ändert. Möglicherweise mache ich vor Weihnachten noch einmal eine zweite Auflage, wenn die Nachfrage da sein sollte. Vielleicht lege ich auch nur das Wichtelbuch nochmal auf. Keine Ahnung. Kommt drauf an, wie das alles läuft.

 

Mein Angebot ist also: Ihr kauft bei Interesse jetzt Anleihen. Nach dem Kauf bekommt ihr Post: Darin wird ein exklusiver Block sein und vielleicht mehr, aber auf jeden Fall noch der/die Gutscheincodes.

 

Das war jetzt lang, aber vielleicht versteht ihr besser, warum ich manche Entscheidungen treffe.

 

Wer jetzt schon eine Anleihe kaufen möchte: geht auf meine Homepage. Dort ist eine neue Unterseite: Wichtelanleihe. Die ist bisher noch passwortgeschützt. Das Passwort ist Wurzelsepp. Dann könnt ihr die Anleihen je nach Gusto kaufen. 

 

Übrigens kann ich ohne Kickstarter auch viel besser auf euch und eure Wünsche eingehen. Denn ihr seid mir wichtig. Nicht die unbekannten Anderen.

 

Alles Liebe, bleibt gesund!

 

Hier noch der Link zur Anleihenseite. Oder einfach oben auf den Menübalken.

 

 

 

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Ein Spiel erfinden. Teil 2: Die ersten Schritte

Ich habe in meinem Leben unzählige Spiele gespielt. Und einige sind mir im Gedächtnis geblieben. Manche gut, und manche, weil ich sie nie wieder spielen möchte.

Zu der zweiten Kategorie zählen bei mir Monopoly und Kniffel. Letzteres, da ich es absolut hasse, rein auf einen Zufall angewiesen zu sein. Kniffel bieten mir keine Möglichkeit, das Ergebnis zu beeinflussen oder das des anderen. Und Monopoly ist ähnlich. Irgendwann langweilen sich alle, außer der, der das meiste Geld hat.

Eines der Spiele, welches ich mochte, war Malefiz, obwohl es ein furchtbares Spielprinzip hat. Dennoch haben wir Stunden damit verbracht, den anderen daran zu hindern, zu gewinnen.

Was ist mir also an einem Spiel wichtig, was möchte ich in meinem eigenen Spiel haben? Ich habe manch ein Spiel gekauft, weil es so hübsch aussah. Aber hübsch allein reicht nicht. Manche Spiele, die ich lange behalten habe, waren absolut nicht hübsch, hatten aber ein lustiges Spielprinzip.

Hübsch und toll war eine Deluxe Ausgabe von "Kill Dr Lucky", die ich auf der Spielemesse einfach mitnehmen musste. Der Spielplan entzückt mich jedesmal wieder und das Spielprinzip ist absolut genial. Wenn auch nicht für jeden was.

Sehr minimalistisch ist zb ein kleines Spiel, bei dem man Plastikstühle stapeln muss. Das ist einfach ein sogenannter No-Brainer. Man muss nicht viel rumdenken, ähnlich wie bei Jenga geht es um Geschicklichkeit.

Als ich jung war gab es Schach, Dame und Halma. Ich hab die Spielesammlung eher für andere Dinge benutzt, als diese Spiele zu spielen. Obwohl Halma ganz nett ist.

Und dann kam "Karriere". Man musste am Anfang des Spieles geheim entscheiden, welche Siegbedingung man erfüllen wollte. Man musste dazu Punkte auf Ruhm, Geld oder Liebe verteilen und gewann, wenn man die entsprechende Zahl erreicht hatte. Dazu wanderte man über einen Plan und schlug Berufslaufbahnen ein, die erfolgversprechend schienen. hatte mein fast alles auf Geld gesetzt, sollte man die Banker-Laufbahn machen, Ruhm gab es als Astronaut oder Politiker (haha). Ich habs mit meinem Vater oft gespielt, er hat meistens gewonnen. Warum, versteh ich nicht, denn eigentlich war auch viel Zufall im Spiel. Wenn man beim Würfeln nicht auf das entsprechende Feld kam, war man halt aufgeschmissen.

Das brachte mich dazu, dass ich kein Spiel machen wollte, welches schlicht auf Würfelglück basiert. Ich wollte etwas, wo man zwar schon würfelt, aber nicht allein darauf angewiesen ist.

Aber ein Strategiespiel sollte es auch nicht werden. Eher etwas, wo man Bock hat, weil ... naja, weil man es schaffen will!

Während des Studiums begegnete mir "Talisman". Ein Spiel, welches mich schon vom Spielplan her entzückte, dann hatte man kleine Figuren, wanderte über eine Gegend und sammelte Gegenstände, erschlug Monster, und versuchte am Ende irgendwie eine Krone der Herrschaft oder so zu gewinnen. Mir war der Spiel wurscht, ich mochte aber das Spiel, weil es meine Fantasie anregte.

Am Anfang suchte man sich aus einem Stapel an Figuren welche aus. Jede hatte ihre Stärken und Schwächen. Manche spielten dann immer die gleiche, anderen probierten aus. Das war schon halb der Spaß. Ähnlich wie bei Zombiecide, wo man auch unzählige Figuren hat. Großartig.

 

Hier kommen wir also zum ersten Schritt: Ich wollte tolle Figuren. Die Konzeptionierung habe ich meiner Tochter überlassen. Und ihr ist es wichtig, dass die Wichtel divers sind. Nicht nur Männlein und Weiblein, alle hübsch und jung, dünn und ... Nein. Divers.

Im Vorschaubild kann man Prunus sehen, der ist Obstgärtner. Und hier im Beitrag ist Acrylla, sie ist Künstlerin. Ich werde euch bald noch mehr vorstellen und dann wird klarer, was wir mit divers meinen. 

Das Aussehen und einiges andere ist nicht typisch Wichtel. Ich habe da eine Weile dran geknabbert, aber dann wurde mir klar, dass es tatsächlich Zeit ist, die Wichtel aus dem Mittelalter zu holen. Denn schließlich muss es ja jetzt auch noch welche geben, oder????

Keine Sorge, sie werden keine Smartphones haben, aber dennoch ...

 

ok: Nun haben wir Figuren, aber was machen die denn? Das erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

 

Bis dahin erneut der Hinweis: Wer mehr wissen will und meine Arbeit unterstützen will, ist auf Patreon richtig.

Wer nur zum Spiel mehr wissen will, sollte den Newsletter lesen.

 

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Spiel erfinden, Teil 1: Idee und Vorbereitung

Es begann alles mit einem Buch über Wichtel. Ich hatte das Machen dieses Buches in einem Moment entschieden und im anderen - so schien es - war es schon ausverkauft. Noch nie hatte sich so eine Welle, das war für mich ein großer Erfolg.

 

Für die, die die Story nicht kennen (alle anderen können ein bisschen vorspulen ...): Ich habe eine sehr zeichnerisch begabte Tochter, Eva Bagus. Und da das Künstlerdasein schwer ist, möchte sich sie darauf vorbereiten. Ich habe schon einige Bücher selbst publiziert, ich kenne den Drill. Ich habe auch schon mit Künstlern zusammen gearbeitet. Und kenne auch den Drill. Ich weiß, was man auf beiden Seiten fühlt und erlebt, was man für Fähigkeiten besitzen muss, um erfolgreich zu sein. Gut zeichnen oder schreiben allein reicht da nicht. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist die Fähigkeit zum Teamwork und Durchhaltevermögen. Nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, dranbleiben, aus Fehlern lernen, weitermachen. Projekte beginnen, sich durchbeißen und sie beenden. Nicht jedes Projekt wird ein Erfolg, aber auch das ist eine Lernerfahrung. Zu schauen, wie etwas beginnt, mit dem Spross, dranzubleiben, ihn zu düngen und auch die Trockenheitsphasen zu überleben, das ist es, was den erfolgreichen vom ambitionierten Künstler unterscheidet. Darum habe ich mit Eva schon mehrere Projekte gemacht, aber keines war so erfolgreich, wie das Wichtelbuch.

Ich liebe Wichtel. Wie der Herr von Aster im Vorwort sagte, sind sie die Spießer der Feenwelt. Ich selbst mag das lichte, das heitere, die Hobbits und die anderen lustigen Wesen, deren Bestreben nicht die Zerstörung und das Chaos ist, sondern die sich durch Freundlichkeit, Zusammenhalt und Fleiß auszeichnen. Ich bin da offenbar nicht allein und das war ein Teil des Erfolges des Wichtelbuches. 

Aber auch Evas Zeichnungen und vieles andere hat dazu beigetragen. Wir haben da einiges richtig gemacht. Was läge also näher, als diesen Erfolg wiederholen zu wollen? Nun bin ich jemand, der gerne weitersegelt. Wiederholungen sind nicht mein Ding. Und ich wollte schon lange ein Spiel machen. Die Wichtel boten sich an.

 

Aber was für ein Spiel? Worum soll es gehen?

Ich dachte zuerst an die Spiele, die ich selbst gerne spiele. Allen voran so etwas wie Talisman: ein Spiel, in dem man herumreist, Karten zieht, Gegenstände sammelt, stärker wird und schließlich die Krone der Herrschaft gewinnt. Wie viele herrliche Stunden hatten wir damit verbracht? Man spielt zwar gegeneinander, aber dennoch hat man viel Spaß. Dann Zombicide. Gemeinsam als Gruppe von Helden Horden von Zombies zu schnetzeln macht stundenlangen Spaß. Ich mag das kooperative Spiel. Es macht das Spiel weniger langweilig, wenn man gerade nicht dran ist.

Auch Spiele, die ganz besondere Mechanismen haben, sind spannend, vor allem, wenn sie cineastisch sind, wie zB Tsukuyumi von King Racoon Games. Das ist so abgefahren, da jede Spielfraktion anders ist und dadurch verschiedene Spielstile zum Sieg führen können. 

Ich mag keine Spiele, in denen man strategisch vorausdenken muss. Ich mag keine Spiele, in denen man allein denkt und gegen die anderen arbeitet - mit gähnend langen Phasen des Nichtstuns, während man vielleicht verzweifelt beobachtet, wie die anderen die mühsam erarbeiteten Pläne zunichte machen. 

 

Gut, das gab mir also schon Möglichkeiten: Ich möchte ein kooperatives Spiel, mit einem schönen Spielbrett, mit einem kurzweiligen Spielverlauf, keinen komplizierten Mechanismen, aber der Möglichkeit, immer mehr auszubauen.

 

Danach kamen die anderen Überlegungen: Wie ... also wie wird dieses Spiel real?

Ein normaler Spieleverlag hat dann Druckereien, die die Materialien machen. Aber ... das Wichtelbuch hatte eine Auflage von 250. Nehmen wir mal an, ich kann nicht alle mitnehmen. Rechnen wir vielleicht mal klein: vielleicht wollen 100 Leute dieses Spiel. Ein "richtiges" Spiel hat meist eine Mindestauflage von 1000. Vorher lohnt sich der Aufwand einfach nicht.

Also musste ich mich mental verabschieden von einem Spiel in einem typischen Spielekarton, mit herausdrückbaren Tokens, mit einem typischen Pappspielplan ... etc.

Warum? Weil ich folgenden Gedankengang hatte. Was, wenn ich das Spiel erst einmal bezahlbar für 100 Spiele plane und dann schaue, wieviel Bedarf da ist? Was, wenn ich ein ... bibber ... Crowdfunding wage? Und wenn ich mehr Geld bekomme, nach und nach alles "besser" mache?

Also begann ich, zu recherchieren. Und ich habe Wege gefunden. Ich kalkulierte und rechnete. Ich bestellte mir einen Musterkoffer bei einer Online Druckerei und verglich und dachte nach.

 

Was dabei herausgekommen ist, erzähle im im nächsten Beitrag.

 

Ich bitte sehr darum, alle Kommentare sofort rauszulassen! Erzählt mir, was ihr denkt. Welche Spiel ihr gerne spielt und warum? 

 

Wer mehr erfahren möchte kann den Newsletter abonnieren oder mich gar auf Patreon unterstützen.

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Geheimnisse. Warum?

Ich war immer voll öffentlich. Ich hasste (und tue es eigentlich noch immer) diese Posts von Leuten: Geheimprojekt xy. Oder Coverreveals oder so einen Kram. Finde ich mega öde. Zeig doch, was du machst, dachte ich immer.

Und das denke ich auch jetzt noch. Aber ... ich mache es jetzt, und zwar schlicht, weil ich zwei Gründe habe. Der erste ist: ich habe ein solch besonderes Projekt, dass ich noch warten muss, bis ich damit herausrücke. Aber ich will ganz ganz viele Leute dafür begeistern. 

Und zweitens: Dieses öffentlich sein ist arg anstrengend. Die meisten Autoren, die ich kenne, mich eingeschlossen, verwenden irre viel Zeit auf etwas, was die meisten Leute überhaupt nicht sehen. Werbung. Sie machen Posts, die lustig, spannend oder einfach nur schön anzuschauen sein sollen. Sie machen Gewinnspiele und Blogtouren und Interviews und was ihnen noch so einfällt. Jeden Tag was posten, immerzu um Aufmerksamkeit betteln.

Aber seit ich auf Patreon bin, muss ich das eigentlich nicht mehr. Es hat ne Weile gedauert, aber mir ist jetzt klar geworden, dass ich anders vorgehen muss. Sicher werde ich weiter auf facebook meinen Kram machen. Eigentlich fällt es mir auch leicht. Ich interagiere gerne mit Menschen. Darum ist Instagram auch nicht wirklich was für mich.

Aber je mehr man macht, umso mehr Zeit vertrödelt man dort auch. Gewinnspiele sind ja immer die Hoffnung, dass die, die nicht gewinnen, sich das Ding dann kaufen. Tun sie nie. Es generiert nur sogenannten Traffic. Den facebook am Ende abstraft.

Nein. Ich werde mich mehr auf Patreon zurückziehen. Auch auf Discord und weiterhin auf Newsletter.

Darum: wenn du die Erste sein willst, die etwas erfährt, dann schau dort mal vorbei. Ab einem Einsatz von einem Euro im Monat. Ohne Scherz. Mehr ist natürlich super, aber dennoch: auch für einen Euro bist du voll informiert.

Ich bin total glücklich und stolz über meine kleine Gruppe dort. Und ich werde mit ihnen geiles Zeug machen. Sicher!

Und jetzt nur noch:

Bleib gesund! Man liest sich.

achso: zu Patreon gehts es hier entlang: 

https://www.patreon.com/AnjaBagus

 

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Nochmal Patreon

Dieser Artikel richtet sich vor allem an Künstlerinnen, die schonmal von diesem Patreon gehört haben, aber meinen, das wäre alles zu kompliziert und sie wären zu klein und wer sollte denn schon und das setzt eine ja nur unter Druck.

Wo fang ich an?

Jede Künstlerin hat genau die Gefolgschaft, die sie sich verdient. Ist sie ne Rockröhre, dann kommen da Rockfans. Singt sie Opern, dann werden die sicher fernbleiben.

Wer sich auf Patreon präsentiert, wird genau die Leute bekommen, die sie verdient. Und falls sich mal jemand verirren sollte, wird die schnell weg sein. Das geht, alles ist jederzeit kündbar.

Das bedeutet: wenn du meinst, du kannst nicht jeden Tag/Woche/Monat was raushauen für die hungrigen Vogelkinder, die da mit aufgesperrten Schnäbelchen auf deine Würmchen warten, dann wirst du feststellen, dass im Gegenteil du das Vogelkind bist und deine Patreonettis (so nenne ich meine Lieben) dich füttern.

Die meisten dort erwarten gar nichts! Und sie freuen sich über alles, was sie bekommen!

Es ist so viel besser, diesem Kreis an Menschen seine Gedanken mitzuteilen, als irgendwelchen Freunden auf Facebook. Und dieses seltsame Gefühl, dass man Geld dafür bekommt, quasi NICHTS zu tun, ist ja falsch. Man tut ja was. Man macht weiter. Nichts anderes wollen diese Menschen.

Mir ging es vor einigen Wochen schlecht. Aber aufgeben war keine Option, denn da sind die Patreonettis: Eine inzwischen erkleckliche Gruppe an Menschen, die sich daran erfreuen, dass ich weiter mache. Die greifbar, erreichbar sind.

Und das alles ist nicht kompliziert. Du musst dir nur klarwerden, was du geben kannst. Wenn die reine Existenz und das Weitermachen schon die Basis ist, dann wird es ja leicht sein, da was draufzulegen, oder? Denn das ist es doch, was du eigentlich willst: Schaffen und die Schaffensprodukte stolz präsentieren.

Und du meinst aber, du bist zu klein? Wir kannst du denn größer werden, wenn nicht mit der Hilfe von Leuten, die wirklich bereit sind, dir etwas zu geben? Und wenn es erst mal nur ein paar Euro sind. Aber du wirst merken, dass dieses bisschen Geld so viel bedeutet. Wie auch immer du es ausgibst, es wird etwas besonderes sein.

Ja, es gibt noch andere Möglichkeiten außer Patreon. Ich glaube, dort ist es aber im Grunde ähnlich.

Trau dich. Wirklich. Denn nur wer wagt, der kann unterstützt werden.

Nur wer fragt, wird etwas bekommen. 

 

 

Alles paletti, oder?

Manchmal scheint mir die Sonne aus dem Arsch. Und manchmal nicht. Manche Tage sind zäh und mies und dann hab ich zu viel Zeit zum Zweifeln.

Ich bin ein Mensch, der sehr radikal sein kann. Ich bin in meinem Leben schon zig mal umgezogen und habe Leute aus meinem Leben gestrichen, die andere noch Jahre mit sich getragen hätten.

Ich betrachte das als Vorteil. Ich kann schnell reagieren, bin flexibel und meistens willig.

In letzter Zeit erwische ich mich aber immer häufiger dabei, unwillig zu werden. Ich habe einen sehr sensiblen Radar für Dinge, die mich versuchen, in meinem Denken einzuschränken. Auch in meinem Handeln, aber das macht mir nicht so viel aus.

Darum durchstehe ich diese Pandemie gerade ziemlich gut. Ich hab meine Nische, da handel ich drin und mein Denken ... nunja ... was ist los?

Ich bin, wie viele, ein Herdentier. Ich bin nicht unbedingt radikal harmoniesüchtig, zumindest nicht außerhalb meiner engeren Beziehungen. Aber ich ziehe Kraft aus Dingen, die ich FÜR andere tun kann.

Jetzt gibt es nur eine begrenzte Menge Geld, die ich spenden kann. Aber ich kann meine Freude teilen, meine Sicht des Lebens und meine Werke.

Als die Pandemie anfing, war ich gut aufgestellt. Ich habe schon lange eine funktionierende Homepage mit Shop und verdiene darüber ganz gut. Patreon gibt mir monatliche Sicherheit.

Aber die Abhängigkeit von Social media macht mir langsam zu schaffen. Ich bin lange Zeit ausschließlich über facebook unterwegs gewesen und darum hat es mich hart getroffen, dass ich meine Seite mit vielen Followern aufgeben musste. Aber manche Dinge funktionieren nicht mehr. (Wer es nicht mitbekommen hat, der glaube es einfach: Ich wurde schlicht ohne Grund ausgesperrt aus meiner eigenen Seite.)

Während ich mich aber dennoch weiter dort herumtreibe, merke ich, dass die zunehmende Radikalisierung der Menschen dort mir sehr zu schaffen macht. Ich kann das eigentlich abschütteln, normalerweise. Aber wenn es mir nicht gut geht, dann kann ich wohl nicht schnell genug rennen. Oder ich bin dünnhäutig.

Was ich sagen will: Die Forderungen allerseits, Stellung zu beziehen, und zwar die RICHTIGE. Und im Versuch, eine Stellung einzunehmen, reibe ich mich auf und verliere dauernd Kraft.

Mein Denken, welches auf Offenheit, Neugier und Diskurs ausgelegt ist, wird stetig mit Parolen weichgeklopft. Und natürlich könnte man nun einfach sagen: Ich muss ja nicht überall ne Meinung dazu haben, oder? Aber alle anderen haben ne Meinung. Und da sind dann Leute, die ich lieb oder weniger lieb habe, die ich schätze oder weniger gut finde und alle haben ne Meinung. Weil ich so funktioniere, dass mich zwar vieles kaltlassen kann, aber nicht die Meinung von Leuten in meinem Dunstkreis, versuche ich also wenigstens diejenigen zu prüfen.

Mein Kessel läuft heiß. Ich mag nicht mehr - ich werde unwillig. Person a reibt sich an Thema a. Person b meint, Thema a wäre nicht so schlimm, aber Thema b. Und Person c meint, das wäre alles nur Teil von Thema c und dann kommen die anderen Buchstaben des Alphabets.

Am Wochenende haben wir den Film von Richard Attenborough geschaut. Und ich hab viel geweint. Alles erscheint so klein uns sinnlos, wenn man es global betrachtet. Mein Gefühl, dass ich noch erleben werde, dass meiner Tochter das Leben schwerer wird, weil ... ich habe das Gefühl, Atlas zu sein und den Globus auf meinen Schultern zu spüren, und ich möchte das nicht.

Mir wird klar, dass der ganze Kleinscheiß der Menschen aufhören muss. Ich muss noch unwilliger werden. Noch weniger der seltsamen Zerwürfnisse an mich heranlassen. Ich darf nur den Dingen Macht über mich geben, die wichtig sind, an denen ich etwas tun kann, die ich ändern kann.

Ich kann nicht dauernd Kraft an jedem winzigen Schlachtfeld verlieren.

Ich muss also ein wenig herunterfahren.

Das tu ich auch, keine Sorge. Ich habe zu tun. Ich habe Pläne. Wilde Pläne. Grandiositäten und Gewagtes. Und dafür brauche ich Kraft. Lustigerweise ist der Teil von mir, der Kraft verliert, weil die Welt - speziell die Menschen - um mich herum ein bisschen spinnen, nicht der Teil, der Kraft für meine Kreativität hat. Ich bin offenbar ein Hybrid :) Und ist das Benzin leer, dann hab ich immer noch meine Solarzellen.

Ihr Lieben ... Ich möchte immer ein Licht in der Dunkelheit sein.

Bleibt gesund, damit wir noch viel Spaß zusammen haben können.

 

Ist das Kunst oder sollte die lieber arbeiten?

Ich habe fertig. Ein Projekt, welches mich jetzt zwei Monate lang in Atem gehalten hat, ist durch.

Zwei Monate? Lächerlich, oder? Das ist ja Pipikram. Ich hab also ein bisschen gemalt, ein bisschen Text geschrieben, ein bisschen Cover gestaltet, ein bisschen gelayoutet, und schwupps, landet dann ein bisschen Buch auf dem Gabentisch.

Und dafür geht ein bisschen Geld hin und her und ich zahl am Ende natürlich brav Steuern dafür.

Wohlgemerkt, es geht um EIN Buch. Pipikram. Verlage kichern darüber. Sie machen sowas viel professioneller. Da haben die Jemanden, der malt (externer Soloselbstständiger), dann einen der das Cover macht (eventuell der gleiche Soloselbstständige, vielleicht muss das Cover aber anders sein, und der Maler hat keine selbstverständlich Ahnung von Schriften, also muss da noch jemand ran, ein zweiter Soloselbstständiger), dann einen für das Layout (Solo..), einen für Lektorat und Korrektorat (meist Verlagsangestellte, aber vielleicht auch Solo ...). Dann haben wir die Vertriebler für die Werbung, die Vertreter, die in Buchhandlungen gehen, einer der den Katalog macht, und die alle müssen koordiniert werden! Chefs und Unterchefs müssen bezahlt werden. Wir brauchen Buchhalter und Versand (Versandleiter und Unterhoschis). Druckerei ist extern, das ist ja klar.

Also mindestens wenn nicht noch mehr Leute braucht so ein Verlag. Außer er ist klein.

Achso, und meist brauchen die für sowas deutlich länger. Große Verlage planen halbjährlich, und so ein Projekt dauert mindestens so lang, wenn nicht noch länger, weil ein Glied der Kette in Mutterschaftsurlaub geht. Und niemand neues dafür eingestellt wird. Werden kann.

Warum ich das schreibe? Weil: Ein Verlagsangestellter ist was. Er ist ein Angestellter. Oder der Chef. Jedenfalls arbeitet er RICHTIG. So mit Vertrag und Zeiten und Urlaubsgeld und so.

Ich dagegen arbeite nicht. (Jetzt folgen einige Lügen.) Also außer ca 3 Stunden am Tag. Den Rest der Zeit guck ich Netflix oder dreh Däumchen.

Ich mach auf keinen Fall Buchhaltung, ne Webseite, bestell Verpackungsmaterial, geh zur Post, oder kümmer mich um Rechnungen. NEIN!

Ich sammel nicht jeden Beleg und hab natürlich nicht trotzdem immer Angst, was falsch zu machen.

Immer Angst. Immer Demütigung. Immer Kleinhalten. Nutzt allerdings nichts. Ab dem ersten Euro zahlst du Steuern und bist zu allem verpflichtet.

Naja, ich machs trotzdem, weil ... weil ich lieber so lebe, als mein Hirn atrophieren zu lassen. Ich weiß, wovon ich rede, ich hatte genug Jobs. Einmal habe ich vier Wochen lang bandgewebte Etiketten kontrolliert. Die kommen als Endlosband, und man zieht sie von links nach rechts und schnibbelt die fehlerhaften raus. Acht Stunden am Tag. Das kann man nur mit Valium ein Leben lang ertragen. Oder Schnaps. Oder Miesigkeit.

Und die, die solches ertragen müssen, lassen ihre Miesigkeit dann an mir aus. Weil ich ja nicht RICHTIG arbeite.

Grüße ans Großhirn! Womit wird das eigentlich nach der Arbeit beschäftigt? Ah, Lesen oder Fernsehen gucken? Ach ... witzig, eigentlich.

 

 

Patreon - oder: was kostet das alles?

Schon lange keinen Blog Artikel mehr geschrieben. Gründe? Vielfältig, vielleicht Corona? Nein, aber die Zeit hat einiges in den Fokus gerückt, was ich gerne vergesse.

Vor Corona bin ich oft fast jedes Wochenende unterwegs gewesen. Bücher und Krams verkaufen, ihr wisst das. Das hat schlagartig aufgehört und nun bin ich zurückgeworfen auf die einzigen Einnahmequellen: Meinen Onlineshop und Patreon.

Und heute wurde mir mal wieder klar, warum das alles so wichtig und so ärgerlich ist. Vom Autor wird viel gefordert: Erstens soll natürlich das Manuskript originell sein, unterhaltsam, ohne Logiklöcher und Fehler. Danach soll das Cover ansprechend sein, der Klappentext Lust auf mehr machen und dann soll der Kunde es, wenn er es denn endlich will, auch kaufen können. Und bitte nicht beim bösen amazon! Sondern am allerbesten in der inhabergeführten Buchhandlung, die der Kunde seit Jahren besucht und so liebt.

Bis dahin muss ich als Autor:

1. Das Buch geschrieben haben. Je nach Buch ist das ne Leistung von Monaten bis Jahren. Um bis dahin bei Laune und Mut zu bleiben, Unterstützung in Rechtsfragen und anderen Bedürfnissen zu bekommen, ist man in einem Verband/Verein, kostet Monatsbeitrag.

2. Das Buch einwandfrei gemacht haben. Im besten Falle mit Lektorat und Korrektorat. Die ich nicht selbst machen SOLLTE, dann kostet es aber. Außerdem kostet das Textverarbeitungsprogramm etwas.

3. Cover kostet. Oder Grafikprogramm und Ressourcen kosten

4. Homepage kostet.

5. Onlineshop kostet. Rechtssicherheit für Onlineshop kostet.

6. Beim Buchhändler nachzufragen, ob der das Buch auslegt kostet Würde. 90% sagen NEIN. Darauf hoffen, dass es trotz kostenpflichtiger ISBN im Verzeichnis lieferbarer Bücher gefunden wird, kostet nichts, ist aber sinnlos.

7. Es bei amazon einzustellen ist gratis.

8. Werbung: kostet. Entweder tatsächlich Geld oder Würde.

9. Versand: Versandtaschen und Zeit werden nicht mitberechnet.

 

Bestimmt gibt es noch einiges, was ich nicht erwähnte.

Darum: wenn ich sage, dass es doch toll ist, mir auf Patreon pro Monat mindestens einen Dollar zu geben, und dafür regelmäßig etwas zu bekommen, dann ist das real für mich existenzsichernd. Das sind keine Almosen, oder irgendwie Geld, von welchem ich in der Hängematte liege und mir n Ast freu, weil ich euch ausnehme!

Zuletzt bekam jeder ein Groschenheft, welches in der Herstellung drei Euro kostet. Plus Karte, die pro Stück 2 Euro kostet. Plus Umschlag und Versand kostenlos. Das sind die reinen Produktionskosten! Da ist nicht mitberechnet, was ich an Geld für den Rest hätte ausgeben müssen, wenn ich es nicht fast alles selbst gemacht hätte!

Die Patreons haben das alles bekommen, ohne einen Cent dafür noch einmal zu bezahlen!

Zusätzlich zu dem Heft gab es einen "Zeitung" die die meisten Leute kostenlos bekommen haben. Und Gewinnspiele!

Und ich liebe es! DAS ist die Arbeit, die mir Spaß macht!

 

Ja, ich mach auch Bücher mit meinem Verlag. Davon wird keiner von uns reich. Aber glücklich.

 

Bitte: Überleg dir, was du forderst. Möchtest du ganz real einen Autor fördern, dann mach das über Patreon. Viele andere sind auch dort und freuen sich über jeden, der ihnen die Angst ein wenig kleiner macht, den Arsch ab.

Dann verdient nämlich der Autor/Künstler und nicht amazon. Oder sonst jemand.

 

Zu Patreon geht es hier entlang:

https://www.patreon.com/AnjaBagus

 

 

Irrungen und Wirrungen

Die aufmerksamen Leser hier wissen, dass ich mit meiner Schreiberei von Anfang an nicht den Weg gegangen bin, den viele andere gehen. Das bedeutet oft, dass ich sehr allein bin.

Sicher, ich hab heute viel erreicht. Nicht nur die Menge an Seiten, die gedruckt von mir irgendwo rumstehen, sondern auch einen spürbaren Bekanntheitsgrad. Oft frage ich mich dennoch: wo wäre ich, wenn ich alles so machen würde, wie die Bedächtigen?

Also zb, wenn ich einen Agenten hätte. Und dann Verlagsverträge. Achso, Verträge hab ich viele, stimmt. Auch ohne Agent. Gut, vielleicht hätte ich BESSERE Verträge.

Aber was ist denn BESSER?

Wenn man nass ist, weil es plötzlich geregnet hat, wäre es besser, trocken zu sein. Wenn man aber im Meer baden will, dann ...

Wenn man, wie ich, gerne selbstbestimmt lebt, dann sind manche Dinge einfach anders BESSER: Verleger, die Freunde sind, zb.

Manchmal bin ich sehr allein, wenn ich meine Meinung unbedächtig äußere. Plötzlich stehen aber Menschen da und sagen: Danke, dass du das gesagt hast, ich hab mich nicht getraut. Schon bin ich nicht mehr allein. Die Bedächtigen schlucken alles runter und hören so vielleicht niemals, wie recht sie eigentlich mit ihren Bedenken haben. Wichtig ist doch, dass man eine Meinung hat, aber immer bereit ist, sie auch zu ändern, falls sie sich als fehlerhaft herausstellt.

Naja, und wenn man unkonventionelle Wege geht, sich aus der Komfort-Pupsmulde rauswagt, dann kann es passieren, dass einem ein derartiger Wind um die Ohren bläst, dass er schon fast ein Sturm ist. (Ich werde jetzt nicht Sturm der Liebe sagen, das wäre zu kitschig :) )

So geschehen die letzten Tage. Erst dieser fulminante Kickstarter, dann eine herrliche Spielemesse mit liebenswertesten Menschen verbracht. 

Zusätzlich noch eine großartige Veranstaltung in Dortmund gehabt, in einem herrlichen Haus, mit vielen interessierten Menschen und Aussichten auf zukünftige großartige Dinge!

Ich kann also mein Glück kaum fassen und kann nur jedem raten: verlass dich auf deinen Bauch. Suche Menschen, die dich wertschätzen. Sei selbst wertschätzend. Dann wird das, was andere meinen, unwichtig! Dann werden die Wege gemeinsam gegangen und dadurch leichter, auch wenn sie manchmal nicht weniger steinig sind.

Onward!

 

Die dunkle Seite der Macht.

Ich hab einen Hund. Sie ist ein schwarzer Labbi. Das ist ihr ziemlich wurscht. Überhaupt sind Hunde da sehr problemlos. Die Kleinen halten sich für die Größten und manche Großen sind kleiner als die Zwerge.

Aber manchmal ist das wichtig: Es war uns zum Beispiel wichtig, als wir generell über einen Hund nachgedacht haben. Wir wollen einen belastbaren Familienhund, am Besten auch schussfest und kindersicher. Er sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein, keine langen Locken haben und und und.

Voll rassistisch, oder? Ach und noch schlimmer, es sollte ein Mädchen sein.

 

Das darf man jetzt alles nicht mehr. Zumindest, wenn es um Menschen geht. Man darf nicht mehr darüber reden, welches Geschlecht jemand hat. Welche Hautfarbe. Welche Herkunft, welche RASSE. Ok, das mit der Rasse ist tatsächlich Blödsinn. Denn sowas gibt es nur bei Tieren, um sie gezielt zu züchten. Menschen werden nicht in Rassen eingeteilt, und wenn, dann nur, um sie zu diskriminieren. Isso.

Laut dem amerikanischen Biochemiker und Unternehmer Craig Venter z. B., dessen Fa. Celera Corporation erstmals ein gesamtes menschliches Genom (DNAsequenzierte und das Ergebnis im September 2007 veröffentlichte,[21]

„… bestimmt der [menschliche] genetische Code keine Rasse, die ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt … Es gibt mehr Unterschiede zwischen Menschen schwarzer Hautfarbe [selbst] als zwischen Menschen schwarzer und heller Hautfarbe und es gibt mehr Unterschiede zwischen den sogenannten Kaukasiern als zwischen Kaukasiern und Nicht-Kaukasiern.“[22]

Entsprechende Unterschiede der Erscheinung von Menschen haben ihre Ursache vor allem in MigrationSelektion infolge Evolution, Umwelteinflüssen sowie soziokulturell unterschiedlichen Entwicklungen.

Gut. Keine Rassen. Kein Problem.

Aber rassistisch sein ist ein Problem. Und so genannt zu werden, obwohl man es nicht ist, ist auch eins.

Wie kommt man denn bitte auf die Idee, es wäre rassistisch, wenn man jemanden nach seiner Herkunft fragt?

Es ist schon ein Unterschied, ob jemand in Nord- oder Süddeutschland aufwächst. Ob er christlich oder muslimisch aufgezogen wird. Oder gar scientologisch oder was auch immer.

Um jemanden zu verstehen, um jemanden richtig zu behandeln, manche Verhaltenweisen einordnen zu können oder schlicht, um ihm passende Wertschätzung entgegenbringen zu können, finde ich Informationen über die ethnische Herkunft spannend und wichtig.

Ich soll aber die Augen zumachen? Ich soll Hautfarbe, und andere Unterschiede einfach ignorieren, weil ich sonst urteile und vielleicht ver-urteile? Weil ich aus meiner privilegierten Situation heraus nicht handeln darf, da es "von oben herab" wäre.

Ja, was sollen denn Ärzte machen, denn es gibt durchaus Krankheiten, die einige Ethnien nicht haben und andere schon. Anfälligkeiten, Prädispositionen.

Es ist ja noch wichtiger, keine Unterschiede mehr zwischen Männer und Frauen zu machen. Nee? Falsch? Was denn nun? Ach ich soll genauer einteilen? Cis und Trans? Ah. Und wie erfahre ich das, wenn ich nicht fragen darf? Wie behandelt ein Arzt die richtig? Gleich? Nee, das wäre blöd. Lang genug hat man Frauen die gleichen Medis gegeben und so langsam kommt man zur Besinnung, dass das Zeug, was Brüste wachsen lässt, wohl auch andere Dinge anders macht, und man besser andere Medis gibt, anders dosiert.

Ich halte absolute Gleichbehandlung für Bullshit. Ich finde Unterschiede wichtig und spannend. Ich gehe ins Ausland um andere Dinge zu sehen und freue mich über Menschen die woanders her kommen und mir tolle Dinge zeigen und beibringen. Ich freue mich über Diversität.

Ich werde weiterhin Dingen Namen geben. Jemand der eine schwarze Haut hat, kann ein Schwarzer sein, so wie ich eine Weiße bin. Ein Mann ist ein Mann und eine Frau eine Frau. Ich bin da stolz drauf, ich will das nicht verstecken. Darum werde ich Dinge, die alles gleichmachen wollen, nicht unterstützen. Wir sind nicht gleich. 

 

Wir sollten nur gleich behandelt werden. Mit Respekt, Toleranz und Empathie. Und zu ignorieren, dass jemand zum Beispiel aus einem Volk kommt, wo es nicht selbstverständlich ist, als Frau bestimmte Dinge zu tun,  die sie aber getan hat, wäre wenig respektvoll. Zu ignorieren, dass jemand anders erzogen wurde und daher manches völlig anders macht oder sieht, wäre wenig empathisch. Verhaltensweisen, die mir völlig normal vorkommen, können jemand anderem zuwider sein: Toleranz hilft beiden Seiten.

 

Worte haben Macht. Namen haben Macht. Macht will wohldosiert benutzt werden. Wenn uns also Menschen glauben machen, dass es richtig wäre, gewisse Worte zu streichen, dann ist das auch eine Machtausübung. Vor allem, wenn sie selbst der weißen gebildeten Mittelklasse angehören. Die dann der restlichen weißen gebildeten Mittelklasse erklären will, wie sie zu denken und zu reden haben.

Jaja, ich versteh den ganzen Drizz um "Sichtbarkeit" und "Privileg". Und genau weil ich privilegiert bin, ist es meine Verantwortung, zu lernen, die Augen aufzumachen, noch mehr wissen zu wollen. Und nicht, die Welt kleiner zu machen. Andere Kulturen zu feiern, indem wir sie erlernen wollen, beginnt eben manchmal mit dem Indianerkostüm.

Ich habe meinen 21 Geburtstag mit einer rauschenden Party gefeiert, auf der alle Männer als Frauen verkleidet waren und die Frauen als Männer. Es war eine großartige Erfahrung für beide Seiten. Wie verletzlich man in so einem Kleid sein kann, wie schnell man als Frau auch mal an einen Männerarsch greift, wie lustig es sein kann, Lippenstift mehrmals aufzutragen und Ausschnitte mit Brusthaaren und sockenausgestopften BHs. Nur so lernt man. Nicht verkopft, sondern direkt, durch Erfahrung, Neugier, Spielfreude.

Bleibt mir also weg mit den Verboten.

Wenn es die dunkle Seite der Macht sein soll, dann ist das so. Oder darf ich die auch nicht mehr so nennen? Ist es die "nicht so helle" Seite?

Ach, geht doch wohin ihr wollt. Die hier haben Kekse und Kuchen, sagen sie.

Findet mein Labbi auch toll.

 

Wenn man sich immer falsch vorkommt

Manchmal dauert es 52 Jahre, bis man ankommt. Isso. Und selbst dann ist es vermutlich nur ein kurzer Halt. Aber das muss nicht so lange dauern. Es kann leichter gemacht werden.

Ich glaube allerdings, dass Erziehung und Umwelt nur ein Teil sind. Es muss auch in einem drin sein.

Wovon ich rede? Nun, diese Sache mit der inneren Zufriedenheit. Mit dem Wissen, dass man ein paar richtige Entscheidungen getroffen hat und so. 

Das Problem mit solchen Entscheidungen ist ja immer: man trifft sie und weiß manchmal erst hinterher, ob sie richtig waren.

Bei mir ist das so: ich find mich selbst erst mal grundsätzlich gut. Das ist ein Glücksfall, den offenbar nicht viele Leute haben. Das ist furchtbar. Es macht es mir manchmal schwer, Menschen zu verstehen, die sich erstmal scheiße finden, aber ich bin ja empathisch. Meistens.

Wenn mich also jemand scheiße findet, dann hinterfrage ich mich aber auch. Alles andere wäre mega arrogant. Aber meine Welt bricht nicht sofort zusammen oder so.

Dennoch habe ich, verschiedensten Umständen geschuldet, es erst jetzt geschafft, angekommen zu sein. Da, wo ich mich wohlfühle. Da, wo ich Kraft finde und Kraft ausüben kann. Wo ich wichtig und wertig bin.

Warum ich das weiß? Weil ich es nicht nur in mir selbst fühle, sondern auch von außen bestätigt bekomme. Das ist nicht leicht, mit sowas umzugehen. Für mich. Ich bin ... ich bin selten bestätigt worden.

Ich bin unerzogen. Die Gründe dafür wären zu lang, um sie hier aufzuzählen, aber es ist so. Ich habe nie gelernt, die Klappe zu halten. Ich denke und ich fühle und dann handle ich.

Viele andere denken vor dem Handeln nach, also sie denken über den Punkt hinaus, wo die Handlung beginnt. Ich beginne zu handeln und denke dann erst wieder nach, wenn es notwendig wird.

Ein Beispiel: Ich hätte meine Erstlinge für 1000 Euro verkaufen können. An einen Verlag. Oh oh oh wie geil, dachte ich erst. Dann wurde mir klar: die wollen mich kaufen. Das bedeutet, ich tanz nach deren Pfeife. Und das von Leuten, die aus Uhren Chronometer machen. Lappalie? Nein. Für mich nicht. Ich hab Nein gesagt. Es wurde unschön. Der Verlag wurde dann verkauft und ist heute pleite.

Ich hab damals nachgedacht, und gehandelt, ich habe eine Reissleine gezogen, obwohl viele gemeint haben: mach das mach das! Ich haderte und dachte, ich wäre dumm und blöd, aber mein Bauch sagte: lass das.

Ich hatte kein Lektorat. Lektorgate folgte, weil ich das laut sagte. Ich dachte: es kann gut sein, das zu sagen, so, wie es gut ist, sich zu outen und anderen Kraft zu geben. War es auch. Ich hab viele viele Menschen damit angesprochen, die ebenfalls keine 2000 Euro in ein Erstlingswerk stecken wollen, ohne zu wissen, ob sich das überhaupt verkauft.

Hätte ich über meine Aussage nachgedacht, hätte ich es vielleicht nicht gemacht. Aber es drängte mich innerlich dazu und es war gut so.

Ich hab damals einfach angefangen, Bücher zu drucken. Erst 10, dann 20, dann ... und nach und nach wurde ein Imperium daraus. Alles so, wie es eben lief. Manch anderer druckt sich ne Auflage (1000 Stück) und spuckt auf die Kleinen. Ja, ich hab meine Häme abbekommen. Aber manchmal frag ich mich, wieviele Bücher in irgendwelchen Kellern herumschimmeln, weil .. so ne Auflage will auch verkauft werden.

Aber ich hab es einfach klein begonnen und groß gemacht! Und heute ... heute könnte ich einen Katalog nur mit meinen Sachen füllen.

Ich sag meine Meinung: dass ich nicht in einen Verein will. Dass ich denke, dass man Diversität in Büchern nicht erzwingen kann - und es auch nicht wollte. Dass ich nie Schreibseminare oder Ratgeber machen will. Weder als Lehrer noch als Teilnehmer. Dass ich Geld damit verdienen möchte (pöh, wie pöbelig, man hat das für die Kunst zu tun).

Immer wieder habe ich mich nach dem Kontakt mit anderen Autoren (oft wenn sie im Rudel auftraten) zurückgezogen. Oft trotzig, später müde. Müde, weil ... weil sie alles so schwer machen. Zerrissen: man will dazugehören, aber es geht einfach nicht. Verloren, weil allein.

Aber letztlich fand ich mich immer wieder, da ich innerlich stark bin.

Ich will aufhören, mich zu vergleichen. Ich will aufhören, nach den Veröffentlichungsraten der anderen zu schauen. Zu denken: ich werde nie einen All Star bei amazon haben. Ich werde nie einen Bestseller haben, auf einer Liste stehen und einen Preis gewinnen. 

Warum? Weil ich alles falsch mache. Ich bekomme keinen All Star, weil ich keine Buchbloggeraktionen und Buchlaunches mache.  Bestseller? Nun, ich bin in einem großen Kleinverlag. Ein Bestseller wird mit Geld gemacht (bitte keinerlei Illusionen, das hat wenig mit Können zu tun). Wir sind froh, wenn wir Geld haben, um die nächsten Bücher drucken zu können. Werbung auf Litfassäulen oder so? Vergiss es. Ich müsste aber einen Agenten haben und bei Großverlagen anklopfen. Wozu? ich hab einen Freund, und das reicht mir.

Zu Preisen sag ich nichts mehr, ich will einfach nicht.

Und dennoch bin ich genau richtig. Das ist es, was ich zu geben habe. Das ist mein Flussbett, ich bin der Fluss.

Darum kann ich nicht mitreden, wenn es um Mainstream und the next big thing geht. Ich mach mein thing ... und dass ich das ganz gut mache, sagt mir gerade Patreon. Das ist prima. Und die Rückmeldungen von manchen ebenfalls unangepassten Geistern tut auch gut. Und die vielen Anrufe von Menschen, die mich um sich haben wollen. 

Wenn man sich also immer falsch vorkommt, dann vielleicht, weil man kein reißender Fluss, sondern eher ein gemütlicher Bach ist. Es reicht eben nicht zum Fluss, aber wenn man sich in dessen Bett versucht, wird man dünn und flach. Lieber munter gurgelnd, über Steine hüpfend, im passenden Bett, umwuchert von saftigem Grün.

Und wenn sich dann Leute zu einem setzen, sich freuen und sagen, dass man gut so ist, wie man ist, dann ist die Welt schön.

Ja. Ich bin ein Bach. 

Kleinfamilie

"Der Kleine braucht einen neuen Ranzen."

"Wat? Warum das denn?"

"Die Schulbücher sind zu schwer."

"Scheiß Schule. Und immer wollen die was. Kopiergeld, zum Beispiel. Dabei haben die doch Bücher."

"Aber bezahlen müssen wir das."

"Lass uns Tante Gerda fragen. Wozu haben wir die zur Patin gemacht?"

"Dann müssen wir aber zu ihrem Geburtstag."

"Da gibts immer gutes Essen. Müssen ja nicht mit ihr reden."

"Dein Sohn hat einen blauen Brief bekommen."

"Der faule Hund."

"Er sagt, er kann sich nicht konzentrieren. Die Lehrerin meint, wir sollten ihm mal Frühstück machen."

"Ist die bescheuert? Wieso mischt die sich ein? Soll die ihm doch Frühstück machen."

"Warum haben wir eigentlich kein Geld mehr? Es ist doch erst Monatsmitte."

"Hack nicht immer auf mir rum! Du weißt, dass ich die neue Playstation brauchte! Und dann die Konzerttickets, das läppert sich!"

"Und ich?"

"Ja, gönn dir was! Geh auf Wellness oder so."

"Aber wovon?"

"Ich geh nachher mal bei Onkel Bruno vorbei. Wenn ich mit dem ne Zigarre rauch, dann wird der spendabel."

"Ach ja und das Kommunionsgeld von den Verwandten müsste auch eintrudeln."

"Davon müssen wir die Reise bezahlen. Diesmal buch ich all inclusive. Die Blagen gehen mir sonst nur auf den Geist. Die sollen in den Kids Club."

"Das Baby ist krank. Die Ärztin sagt, du sollst nicht rauchen, wenn es dabei ist."

"Du glaubst auch jeden Scheiß, den die Ärzte sagen, oder? Geh zu einem anderen Arzt."

"Die Nachbarn reden darüber, dass wir Schulden haben, die anderen Kinder hänseln unseres, und letztens standen welche vor der Tür und meinten, wir sollten unseren Müll reduzieren."

"Die sollen sich mal alle an die eigene Nase fassen! Ich kauf einen höheren blickdichten Zaun, dann ist der Spaß vorbei. Und jetzt bring mir ein Bier, es ist Sportschau."

 

Bildung und Gesundheit stehen Lobbyismus und Eigeninteressen gegenüber. Wenn die Eltern zu faul und zu gierig sind, müssen die Kinder es ausbaden. 

Und darum werde ich in keine der großen etablierten Parteien gehen. Denn aus diesem System kommen die Eltern nicht raus, warum auch? Sie sind die Gewinner, warum sollte sie aufhören?

Nein, es muss aber aufhören. 

 

 

 

Patreon

Was ist denn das und warum mach ich das?

Patreon ist eine Möglichkeit, Künstler zu unterstützen. In unserem kommerziellen System macht der Kunde/Fan das durch einen Kauf. Aber was bleibt von der Summe eigentlich beim Künstler? Was ist in den Monaten, wo er nichts Neues am Start hat?

Es gab und gibt schon immer so etwas wie Mäzene - Menschen, die andere unterstützen. Mit Geld, oder mit anderen Dingen. Jetzt gibt es eine Plattform, über die das jeder mit seinen Lieblingskünstlern tun kann.

Patreon bietet mir die Möglichkeit, eine Art Grundeinnahme zu haben. Aus dem, was ihr mir gebt. Das gibt mir Sicherheit und Handlungsspielraum.

Warum habe ich es dennoch lange nicht gemacht? Weil ich stur bin. Ich dachte so: was habe ich zu bieten, außer dem, was ich sowieso schon mache? Aber dann wurde mir klar: es gibt Dinge, die ich gerne machen würde, die sich aber finanziell nicht lohnen.

Ich habe mich in den letzten Jahren damit finanziert, dass ich Dinge verkauft habe. Zunächst natürlich Bücher. Das ist aber der kleinste Posten, denn ich bin kein Bestseller. Also habe ich anderen Kram gemacht und irgendwann auch Schmuck. Krimskrams aus China. Das belastete mich ein bisschen. Nicht, weil die Sachen nicht schön sind. Nein, und der Gewinn war schon aberwitzig. An einem Buch schreib ich Monate, so ein Schmuckding kommt per Post und ... naja, am Ende hab ich nichts gemacht, außer es ausgesucht und bezahlt.

Mit Patreon könnte ich aber wieder Projekte mit anderen Künstlern machen und die vielleicht sogar bezahlen!!! Möglichkeiten über Möglichkeiten. 

Und ich verspreche, dass es sich für jeden meiner Patrons lohnen wird ... 

Ich freue mich auf eine neue Art der Zusammenarbeit. Es ist eine Art, die für mich einen Schritt aus dem Kommerz in eine bessere Welt darstellt.

Danke schon mal an alle, die mir ihr Vertrauen schenken!

Falls du dich jetzt entscheidest: Hier kannst du zu meinem Patron werden!

 

Gastartikel: Theo Reinemacher

Der Autor Theo Reinemacher, den ich nur flüchtig kenne, hat mich gebeten, diesen Artikel auf meinem Blog zu bringen. Es war ihm wichtig, warum, kann ich absolut nicht ergründen. Ich distanziere mich ausdrücklich nicht von dem Inhalt, denn das wäre peinlich und bigott. Schließlich will doch jeder Preise, oder?

 

 

Hier bin ich, wo steht das Klavier?

Theo Reinemacher

 

Hurra, ich habe es geschafft. Ich bin auf der Longlist! Jawohl, auf der Longlist des ultimativen Lyrikpreises Glucksi, der alle zwei Jahre in Bad Holtensen verliehen wird. Das Preisgeld ist nicht erwähnenswert, aber man wird in mindestens zwei Blogs erwähnt, die sich ausschließlich mit Lyrik beschäftigen.

Wie ich das geschafft habe? Na, durch meine überragende Leistung im Bereich des dramatischen fünfhebigen Jambus. Nein, ich werde das Gedicht hier nicht vorstellen, denn es soll ja dem geneigten Publikum präsentiert werden.

Nicht, dass ich Sie für ungebildete Barbaren halte, liebe Leser, da sei Gott vor, aber verstehen Sie, der Rahmen muss einfach stimmen. Und das ist hier nicht gegeben.

Na ja, vielleicht, also, ganz eventuell, ist es nicht allein meiner lyrischen Leistung zu verdanken, dass ich auf jener Longlist gelandet bin. Ich kenne natürlich alle anderen wichtigen Lyriker, man trifft sich, redet über wichtige Dinge, die misanthropischen unter uns über die schreckliche Welt, die Optimisten denken laut über Veränderungen nach, wir alle verarbeiten unsere Gedanken in Lyrik.

Die Jury des Preises besteht aus Basti, Eva, Sören und Wolke, oh, sorry, Wolke ist jetzt Varg. Seit ihrer/seiner Transition.

Blogger empfehlen erstmal die ihrer Meinung nach besten Lyrikwerke aus dem letzten Jahr, und die Jury liest die dann quer. Die Bücher, die mehr als ein gutes Gedicht enthalten, kommen auf die Longlist. So wie meins.

Ach ja, alle SP und alle DKZV Bücher sind natürlich raus. Die will ja niemand lesen, und SPler sind … na ja. Nichts gegen SPler, aber man weiß ja, die Qualität und so. Sie wissen schon. Und ich rechne mir super Chancen aus. Denn wissen Sie, ich bin ja nicht nur fast in der Jury gewesen, sondern bin, seitdem ich mein Buch bei einem kleinen Verlag herausgebracht habe, auch politisch aktiv. Also richtig. Ich setze mich für den Umweltschutz ein, sammle in meiner Gegend Müll ein, bringe alten Menschen Kultur nahe, indem ich meine Gedichte vorlese, in Altenresidenzen und so weiter.

Zu Anfang dachte ich, es wäre vielleicht wichtig, sich für die Gleichbehandlung der Frauen einzusetzen, aber komischerweise fanden das weder Eva noch Wolke besonders toll. »Theo, das glaubt dir keine Sau!« Das waren Evas Worte. »Ein Macho wie du, der sich von seinem Frauchen bekochen lässt, tritt für Feminismus und equal payment ein? Echt jetzt?«

Ich will ja nur mal sagen, Helga liebt kochen. Und seitdem ich als Autor selbstständig bin, geht sie total gern arbeiten. Natürlich bin ich da für gleiche Bezahlung von Mann und Frau. Sie malocht ja auch wie ein Kerl. Vierzig Stunden Woche, körperliche Arbeit und so.

Also hab ich mir was anderes überlegt. Müll einsammeln ist aber echt anstrengend. Ich hab dann meistens meinen Hund dabei, unseren kleinen Shi Tzu. Ping heißt sie. Und sie hat ganz kurze Beine, kann also nicht weit laufen. Aber den Müll im Umkreis von vierzig Metern um unser Haus einzusammeln ist ja auch schon mal was. Besser als nichts. Die ekeligen Sachen lass ich natürlich liegen, mag mir ja keine Krankheiten einfangen. Aber wenn die freiwillige Feuerwehr hier aus der Gegend einmal im Jahr Müll sammelt, bin ich immer dabei. Mit Handschuhen, Stiefeln, ganz zünftig, und lasse mich dann vor den dreißig Müllsäcken Werbewirksam fotografieren. Klar, das kommt immer gut.

„Selbst der bekannte Autor Theo Reinemacher hilft bei der Müllsammelaktion!“, steht dann im Holtenser Tageblatt. Dann gehen auch direkt die Buchverkäufe nach oben.

Bevor die Jury zusammentritt, um über alles zu beraten, bringe ich mich natürlich diskret in Erinnerung, lade sie zum Essen ein, das ist dann natürlich ein Messevorbereitungsessen, schließlich gehören wir ja alle zur Crowd, und „spread the love“ und die „good vibes“ sind ja so wichtig! Gerade zu einer anstrengenden Buchmesse.

Die große Buchmesse in Bad Holtensen kennen Sie, oder? Klar, wer nicht? Tausende von Besuchern an zwei Tagen, sechzig Aussteller. Gut, am Ambiente könnte man vielleicht was machen, aber es ist halt ein Wochenmarkt mit Flohmarkt.

 

Was mache ich noch? Ach ja, die alten Leutchen. Ich will mich nicht selbst loben, aber sie mögen mich. Auch die Pflegerinnen finden es ganz toll, wenn ich da war. »Die Herrschaften schlafen dann immer wie Babys, Herr Reinemacher«, sagen sie. »Wir brauchen gar keine Sedativa mehr!«

Was soll ich sagen, liebe Leser? Das ist die Zauberkraft von Lyrik. Fünfhebiger Jambus, sag ich nur. Manchmal, das gebe ich zu, schmuggle ich in die Vorlesestunde auch mal das ein oder andere Fremdgedicht hinein, das merkt keiner. Und wenn dann Herr Jannsen mit seinen senilen 72 Jahren meint, mir erzählen zu müssen, John Maynard sei von Fontane und nicht von mir, dann schiebe ich ihn eben ins Herrenklo. Da darf er schimpfen.

Morgen gehe ich mit der Jury dann noch ins Theater, sie geben „Warten auf Godot“. Ich glaube, dieser Hinweis ist so subtil, dass ihn nur Basti begreifen wird. Ich glaube, ihn muss ich mehr überzeugen als die anderen, denn Varg, Eva und Sören finden mich irgendwie süß. Na gut. Süß. Mit 70 ist man also süß. Ich würde ja sagen, alles andere als süß, aber hey, mir egal, Hauptsache, ich bekomme diesen supertollen Preis!

Queen. Oder was?

Die ganze Schreiberei- und Veröffentlichungssache geht jetzt langsam ins 7. Jahr. Manchmal behaupten Leute, ich sei berühmt. Und andere schreiben über mich. Wenn sie nett sein wollen, schreiben sie sowas wie: Steampunk-Queen. Keine Ahnung, warum. Denn wäre ich eine Queen ...

Dann wäre doch alles ganz anders.

Dann hätte ich nicht am Anfang meine Bücher selbst gedruckt. Meine Cover selbst gemacht. Meine Werbung selbst. Meine Facebookseiten, meine Homepage. Und damals noch meine Klamotten.

Ich hätte Lakaien gehabt, ich hätte mir alles und sogar ein Lektorat kaufen können.

Ich hätte Diener gehabt, die mir Bücherkisten in den vierten Stock zu einem "Steampunk Festival" tragen, und alle auch wieder runter, weil ich nur eins verkauft habe. Weil sich nur ca 50 Besucher in den vierten Stock verirrten. Obwohl ich dafür vier Stunden gefahren bin. Und vier zurück.

Ich hätte zusammen mit Freunden nicht nur einen 15 Minüter gedreht, sondern einen abendfüllenden Spielfilm, oder gleich eine ganze Serie. Wir wären auf Festivals gefahren, zu denen man uns eingeladen hätte, statt noch mehr Geld auszugeben, um auf der RPC zu stehen.

Wir hätten uns ein Amt gekauft, statt es zu bauen, und immer wieder auf und abzubauen, bis es fast auseinandergefallen wäre. Wir hätten uns kutschieren lassen, statt Tage im Auto zu verbringen, um irgendwo zwei Bücher verkaufen zu können.

Wir hätten Goldorden statt Buttons gemacht, ich hätte ein Amtsspiel statt nur ein Pokerkartendeck mit den Bildern meiner Figuren.

Aber: Ich hab das alles gemacht. Ich hab mir die Hände wundgeschrieben, die Arme schmerzend getragen, die Beine in den Bauch gestanden. Ich habe Stunden um Stunden mit Menschen geredet, gepostet, mir weitere Möglichkeiten ausgedacht, wie sie mit mir zusammen Spaß in der Aetherwelt haben können.

Wer mit mir geht, und das sind viele (vielen Dank ihr Lieben), weiß, dass ich nicht nach vorne springe, wenn die Kameras laufen. Ich versteck mich aber auch nicht. Ich bin gerne da, wo tolle Dinge passieren, ich mach gerne was zusammen mit anderen. Ich lese gerne vor, ich rede gerne und ich hab gerne Spaß.

Und heute ist das so: Ich werde eingeladen. Ich habe eine funktionierende Homepage, einen Shop, ich verdiene Geld, man kennt mich.

Wenn dann jemand meckert, weil jemand anders mich Queen nennt, dann geht mir das am Arsch vorbei, den ich mir aufgerissen habe, damit ich nicht in der nörgelnden Menge der Kleinstautoren versinke, die keiner kennt, weil sie denken, so ein Buch verkaufe sich ja allein, da habe die Welt nur drauf gewartet.

Tut sie nicht. Die Welt wartet auf niemanden.

Aber wer gibt, wird auch bekommen.

Wenn man dann einen unpassenden Titel bekommt, seufz, dann ist das so. Kann ja keiner ahnen, sowas. Amtsleitung, das wäre passend. Ist aber weniger Glitzer dabei.

Ich geh dann mal wieder arbeiten.

Rumgekommen!

2018: Holla, sind wir rumgekommen! Ich hab mal Bilder gesammelt. Ich glaub, ich hab nicht von allen Events Bilder. Schade, aber ... irgendwo wird uns irgendwer abgelichtet haben. Ich will die Sachen nicht alle aufzählen und schon gar kein Ranking machen, welches das Tollste oder beste war. Diejenigen, zu denen wir nächstes Jahr wieder gehen, haben gewonnen. Manche waren einmalig, die waren dann trotzdem wahrscheinlich toll. Es gab nur zwei fette Reinfälle,  einer saukalt, der andere sauheiß.

Ich bin demütig, weil so viele wunderbare Leute wahnsinnig tolle Dinge mit mir und meinem Amt veranstaltet haben. Alle, die geholfen haben, alle, die uns eingeladen haben, alle, die gekauft haben oder die das Amt mit irgendeiner Aktion legendär gemacht haben, verdienen meinen endlosen Dank.

2019 machen wir weiter! (Nein, das ist nicht selbstverständlich. Nicht alles sollte man dauernd wiederholen.) Ich freu mich auf euch!

Piep Piep

Huch, ich hab schon lang nicht mehr gebloggt. Hab ich nichts mehr zu sagen? Unsinn, das stimmt ja nicht. Aber es scheint so, als hätte ich Besseres zu tun. Ist vielleicht auch so, oder es ist pures Arbeiten um ... dieses böse Geld zu verdienen. 

Manche Autoren betrachten das ja fast als ehrenrührig, wenn man nicht um der Kunst willen schreibt. Also nicht darbt oder einem Brotjob nachgeht und sich dann zünftig über alle Autoren lustig macht, die das anders sehen, weil die machen ja keine "echte" Kunst. 

Was echte Kunst ist, fragt sich sicher jeder, der mal mit moderner Kunst zu tun hatte. Leute, die mal gehungert haben haben sicher kein Verständnis für Fettecken à la Beuys. Oder so Dinge wie: Opus 17 in weiß und grau - weißgrau bemalte Leinwand für 1700 Euro.

Aber Kunst ist ein Spiegelbild der Zeit. Wenn es Menschen gibt, die dafür zahlen, dann ist das Kunst. Nein, damit will ich nicht sagen, dass der reine Akt des Verkaufens daraus Kunst macht, sondern das Begehren des anderen erhebt das Objekt. Aus Fett wird Kunst, wenn einer das so sieht und bereit ist, dafür etwas zu tun. Es auszustellen oder eben zu kaufen.

(Und mir ist durchaus klar, dass Kunst noch viel mehr ist. Im besten Falle ist sie eine Bereicherung, eine Bewusstseinserweiterung. Aber ... manches ist es eben nicht, bzw ist es nur, weil der Zeitgeist es dazu macht.)

Die Entfernung zwischen Kunst und Kommerz ist so klein. Gerade in meinem Genre, dem Steampunk, welches zwar als literarisches angefangen hat, aber eigentlich eher ein gelebtes ist, wird das gerade sehr deutlich. Angefangen hat es mit Menschen, die aus Krimskrams eine Welt bastelten, heute bekommst du die Welt bei Wish und Deiters oder gar Real im Super-Schnäppchen Angebot. Und da kommen wir wieder zur Frage: ist es dann weniger wert? 

Lustigerweise fühlen sich die Leute entwertet, dabei sind sie doch immer noch die Gleichen. Nur weil welche in Polyester rumlaufen und alles kaufen, was Zahnrädchen drauf hat, heißt das aber doch nicht, dass der, der alles selbst gemacht hat, weniger wert ist.

Um den Bogen zu schlagen: nur, weil ich versuche, mit meinem Kram Geld zu verdienen, bin ich auch nicht weniger wert als die anderen, die das verwerflich finden.

Ich bin inzwischen so weit, dass mich das echt nicht mehr kratzt. Ich hab vorhin ein paar meiner alten Blog Beiträge gelesen und dachte: ja, das stimmt alles heute noch, ich stehe hinter jeder Aussage. Aber es ist mir nicht mehr so wichtig, das kundzutun. Denn während andere immer noch den goldenen Kälbern hinterherrennen, kauf ich mir Goldfarbe und mal meine Kälber selber an. Oder Kraken oder Otter oder ...

In diesem Sinne freue ich mich über jeden, der egal was bei mir kauft und verspreche, vielleicht mal wieder öfter zu bloggen. Facebook ist ja soooo out. (mir doch egal)

 

Woman in the mirror

Ich hab die Tage eine Collage auf Facebook gesehen. GRRM und Stephen King saßen sich gegenüber. Und GRRM fragte King, wie er es schaffe, jeden Tag 6 Seiten zu schreiben. Ob er denn nie Facebook aufmache und mal über seine Person nachlese, was andere so denken, auch über die Bücher und so. Und King sagt: NO.

Ich dachte so: ich will wie King sein. Mal abgesehen von den anderen tollen Eigenschaften, klingt das total weise und vernünftig, sich nicht dauernd darum andere zu kümmern, was andere von einem denken. Viele Persönlichkeiten, die später als Wegweiser bekannt werden, kümmerten sich nicht darum, was andere dachten. Sie handelten einfach.

Ich selbst fühle mich oft eher wie eine Marionette, denn wie ein selbstständiger Mensch. So viele Fäden, an denen Menschen und Dringlichkeiten an mir zerren.

Aber manchmal weiß ich genau, was ich nicht will. Und das ist schon viel wert.

Gerade geht das Jahr los und das Gerenne um die Preise beginnt wieder. Der Seraph, der dpp, der Vincent, der KLP ... was auch immer sich da anbietet. Und wieder weiß ich: nicht für mich. Denn was auch immer man von so einem Preis hat, wenn es nicht ein direkter monetärer Segen ist, es ist flüchtig. Und bei den meisten Preisen, wie auch bei Rankings und Listen ... ist es gelogen. Es ist ein Blitzlicht einer Welt, in der genauso geschummelt wird, wie in allen anderen.

Was letztlich bleibt, ist nur, dass ich mir selbst in die Augen gucke. Und entweder schäme ich mich, oder ich bin zufrieden. Ich will lieber zufrieden sein. Denn nur ich weiß auch, warum ich manche Dinge so tue, wie ich sie tue. Nur ich gehe in meinen Schuhen.

Das bedeutet nicht, dass ich mir Kritik nicht zu Herzen nehme, denn auch das wäre dumm. Aber Kritik ist nur wichtig von Menschen, die deine Umstände kennen. Dieses ewige Bla bla und Klugscheißern auf facebook von Menschen, die keine Ahnung von der wahren Lebenssituation von anderen haben und wenig empathisch und manchmal sogar schädliche Tipps geben ... nein, danke.

Vielleicht besteht Stärke eben darin, sich den richtigen Menschen schwach zu zeigen.

Und noch etwas: selbstverständlich habe ich dennoch auch Vorbilder und versuche stetig, von ihnen zu lernen. Sich vorwiegend auf sich selbst zu verlassen bedeutet nicht, hochnäsig zu werden und guten - wertvollen - Rat aus kundigem Mund abzuwehren.

Aber letztlich entscheide ich.

Und vergleichen lass ich mich nur, wenn die Bedingungen fair sind. 

 

 

 

1 Kommentare

2017 - alive and kicking.

2017. Großartig. In vieler Hinsicht. Und dennoch bin ich überrascht, wo es mich hingebracht hat. Und neugierig, wo es mich noch hinbringt.

 

Es ist viel Süßes in dem Körbchen. Die ganzen Veranstaltungen! Egal, ob es um das Amt oder um Bücher ging, alle waren wertvoll - bis auf eine, aber da sag ich nichts zu.

 

Generell hab ich weniger gesagt. Dennoch wird mein Artikel: "Ich weigere mich!" nahezu täglich von irgendwem gelesen und ich frag mich oft, ob das das Bild ist, was ich abgeben will. Aber dann denk ich: man hat es doch kaum in der Hand, oder? Die Leute lesen, was sie lesen wollen, und sie denken, was sie denken wollen. Da kann man nur gelassen bleiben. Und dennoch seine Meinung sagen. 

 

Lesen ... tun die Leute meine Bücher. Zum Glück, denn das ist es ja, was ich eigentlich will. Dass ich auf machen Veranstaltungen mehr mit meinem hinzugekommenen Schnickschnack verdiene, ist symptomatisch für die Zeit. Lesen ist etwas, was nicht an erster Stelle steht. Und die Leseratten lesen lieber leichte Kost. Zu Ostern werden Osterhasen geküsst, im Sommer schmecken die Küsse nach Brombeeren und im Winter nach Zimt. Oder sie wollen es spannend und blutig. Wie viele Bücher kann man nacheinander lesen, wo perverse Serienmörder auf noch perfidere Arten Frauen abschlachten? Oder wo Frauen-Kommissarinnen/Pathologinnen/Agentinnen Serienmördern auf die Spur kommen, um irgendwann selbst in seinen Klauen ... Ja, ich hab sowas auch mal ganz gerne gelesen, aber das ging vorbei.

 

Ich hab zuletzt einige Kurzgeschichten geschrieben: ein Genre, was ich auch als Leser inzwischen sehr sehr liebe. Kurzgeschichten sind wie Pralinen und im besten Falle ist eine Anthologie eine sinnliche Erfahrung. Dennoch sind die Bücher oft eine Innenschau der Szene. Der Literaturszene. Wobei der mich nicht kennende Leser nicht denken sollte, ich triebe mich in erlesenen Kreisen rum .. .nein, nein, ich hab´s weiterhin mit Kleinverlagen. Allerdings ... tatsächlich mit Verlagen. Und da hab ich einige tolle kennengelernt. Die Szene ist großartig, lebendig und wertschätzend.

Größtenteils. Auch hier durfte ich mal wieder eine Erfahrung machen, die einen zweifeln lässt. Gaslighting, nennt man es, wenn einem erklärt wird, dass das, was man zweifelsfrei sieht, nicht wahr sein soll. Wenn man dann aber Mitstreiter kontaktiert, und endlich merkt, dass man einem großen Betrug aufgesessen ist, dann ist es bitter. Bitter, weil man es nicht ändern kann: die Rechte der Verleger sind derer viele, die Autoren haben das Nachsehen. Sie haben ja unterschrieben und nun sind sie die Dummen. Und wer hat als chronisch unterbezahlter Schreiberling schon die Kohle, einen Rechtsstreit durchzufechten über etwas, was im Vertrag sowieso schwammig formuliert war und man ist doch mit den besten Vorsätzen und Freude an das Projekt gegangen! Man hat Stunden, Tage, Wochen und Monate geschrieben und dann abgegeben und es verschimmelt irgendwo, weil der Verleger keine Anstrengung macht, es wirklich unter die Leute zu bringen. Muss er ja auch nicht. Also schon, aber wie viel nun genug ist. und ab wann er sagen kann: es lief halt nicht ... das ist schwammig. Und Geld bekommt man auch keins, weil ... es ist ja nicht gelaufen.

Schwarze Schafe gibt es überall. Ich hab Glück gehabt, dass bei all denen, mit denen ich zusammen arbeiten durfte, bisher nur einer war. Also nochmal die Bitte an alle Autoren, die hier mitlesen: prüft eure Verträge. Lasst euch nichts gefallen. Verleger sind nur ganz ganz selten eure Freunde. 

Aber wenn man so einen gefunden hat, dann geht viel. Also so einen Verleger Freund. Dann geht ne geile Buchmesse, dann geht Verlags-Familie. Ein Für- und Miteinander. Wertschätzung. Unkompliziertheit, eben an einem Strang ziehen. Da werden dann auch schon mal Bücher an ferne Orte nachgeschickt, da ist kein Weg zu viel. Ich glaub, ohne meinen Verlag Edition Roter Drache und seinen tollen Chef hätte ich es wahrscheinlich aufgegeben.

 

Denn es bleibt hart. Es wird immer besser, aber ... ich hatte noch nie einen Amazon Bestseller. Ich müsste mal nachzählen, ob Aetherhertz im strengen Sinne inzwischen einer ist (also die Gesamtverkaufszahlen), aber wisst ihr was: ist mir wurscht. Da ist ja so viel mehr. Die Anthologie "Steampunk Chroniken Aetherwelt", die zeigt, was noch geht. Und dann der WeltCon! Mein eigener Con, ein Treffen von mehr als 100 Aetherweltverrückten. Das war gigantisch und davon zehre ich sicher noch lang.

Das Amt ... das Amt ist toll. Das Amt verbindet. Zeitreisepässe und Temporalmarken beglücken die Menschen über sie Szene hinaus. Und wenn es so sein soll, dass die Menschen sich danach auch für meine Bücher interessieren? Go with the flow.

 

Für mich ist der Weg immer das Ziel. Und meine Wege waren nur selten einsam. Sicher, schreiben tu ich allein, aber der Rest wird begleitet von entzückenden Menschen. Leute, die eigene Ideen mit reinbringen und mein Leben so bereichern. Ich bin nicht allein. Und daher -

 

- kann ich die paar Bitterkeiten, die das Jahr hatte, gut verkraften. Den schlimmen Verleger ... nun - er wird sein Fett wegbekommen, so oder so. Wir Autoren haben uns zusammengetan und zeigen Kante.

Die ewig schmerzenden Füße, die vielen Kilometer, die vielen Kisten, die geschleppt wurden. Die vielen Tage, an denen ich kaum zum Essen und Trinken kam und meine Wohnung, die mehr und mehr zum Warenlager verkommt.

 

Denn anderntags kommt eine Anfrage: möchtest du hier und hier mitmachen? Und ich bin atemlos und denke: jajajajajaja! Das nächste Jahr wird fulminant. Auch wenn ich immer älter werde und mein Körper mir gerade ständig signalisiert, dass er zu alt für manche Scheiße ist.

Aber ich bin ja nicht allein!

 

Zuletzt möchte ich also allen danken, die Teile des Jahresweges mit mir gegangen sind. Und alle aufmuntern, auch eigene Wege zu gehen, mutig zu sein, und Dinge zu wagen. Die Balance des Miteinanders ist es, die das Zusammenleben wertvoll macht. Macht Dinge! Seid großartig!

Vergesst aber nicht, und das hab ich ja nicht verschwiegen: es ist harte Arbeit. 10 Likes hat man schnell. 1000 Likes dauern.

Sucht euch eure Wegpartner aber aus. Man muss nicht überall mitmachen. Und nur, weil für die eine Gruppe ein Weg gut ist, muss das nicht einer sein. Verbieg dich nicht zu sehr, sonst brichst du nachher. Und manchmal ist dann keiner da, der dich zusammenklebt.

Ich werde weiterhin auf meinen Bauch hören, auch wenn er ständig "Käsesahnetorte" ruft. Meistens hat er recht.

In diesem Sinne bin ich gespannt auf das nächste Jahr. Es zeichnen sich ja schon einige tolle Dinge ab. Ich freu mich auf jede Nachricht von euch und jede Idee, die ihr habt. Ich wünsche jedem Autor den Erfolg, den er verdient. Lasst es langsam angehen, damit ihr Reserven habt, wenn es nicht so gut läuft.

Ich räum jetzt auf. Muss man am Ende des Tages ... äh Jahres ... ja auch mal.

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Nur Schreiben.

Ist nicht genug.

 

 

Hier fünf Dinge, die ich in fünf Jahren gelernt habe.

 

1. Schreib.

Andauernd, jeden Tag, viel. Ansonsten ist alles was du denkst und willst Unsinn. Denn: kein Pullover ohne Wolle, kein Haus ohne Steine, kein Buch ohne Worte.

Während du schreibst, denke nicht. Wenn du nicht schreibst, denke. Denk darüber nach, was du willst. Willst du nur schreiben? Dann tu das. Willst du schreiben und Geld verdienen? Dann denk darüber nach, wie du das hinbekommst. Schau, wie es die anderen machen. 

Geh in Gruppen und lerne. Und dann: geh wieder raus aus den Gruppen. Und mach dein Ding. Niemand macht es für dich. Niemand wird dich aus dem Nichts heraus entdecken. Du musst machen. 

Kläre deine Ansprüche. Folge ihnen. 

Hör auf dich und deine Stimme. Denn das ist es, was die Leute wollen. Leser wollen eine Stimme hören. Sie wollen nicht hören, was du von jemandem gelernt hast, sondern sie wollen dich hören. Wenn sie Tolkien lesen wollten, würden sie Tolkien lesen. Also schreib nicht wie irgendwer, schreib, wie du möchtest.

 

2. Löse dich von dem Literaturbetrieb.

Andere Autoren sind nett. Sie haben die gleichen Probleme wie du. Sie leiden wie du. Sie helfen dir. Falsch. Wähle deine Freunde weise.

Verlage sind nett. Falsch. Nur manche. Wähle weise.

Autorengruppen sind toll. Falsch. Sie sagen dir nur, was du zu tun hast. Autoren, die in Autorengruppen rumhängen, schreiben nicht. Sie labern da rum. Die, die schreiben, labern nicht in Autorengruppen rum. Wähle auch deine Gruppen weise.

 

3. Biete mehr als nur ein Buch. Biete eine Welt.

Wir müssen mit so vielen Dingen konkurrieren. Es ist viel leichter, sich bei Netflix ne neue Serie runterzuladen und 8 Stunden am Stück zu schauen. Es ist nicht  wie früher, wo man Mittags vielleicht mal "FalconCrest" geschaut hat und abends den Film um 20.15 Uhr. Fernsehen wann man will, wie lange man will.

Bücher lesen ist anstrengender. Gib den Lesern einen Grund, deine Bücher zu lesen.

 

4. Hör auf deinen Bauch.

15 Jahre Rechte abgeben mach Bauchaua? Frag nach. 7 Jahre .. ok - nicht super, aber ok.

Das Probelektorat macht Bauchaua? Denk dran, das ist zur Probe, eine Probearbeit soll glänzen, und ist oft besser, als später. Ist es also jetzt schon schlecht, wird es noch schlechter. Lass es.

Du wirst nicht ernst genommen, hast aber einen Vertrag? Mach Dienst nach Vorschrift. Irgendwann sind die 7 Jahre vorbei.

Du wirst erst genommen, aber es ist nicht der renommierte Publikumsverlag? Du kannst dich aber wunderbar mit dem Verleger unterhalten, ihr seid euch einig, er kommt dir entgegen? Hau rein! Sag ja!

Alles, was wenig Arbeit macht: sag ja!

Alles was viel Arbeit macht: sag: wie viel? Und zwar nicht: wie viel Arbeit wird das machen, sondern: Wie viel bekomme ich dafür?

Arbeite nur mit Menschen, bei denen das Geben und Nehmen stimmt. Stimmt es nicht: trenne dich. Du schleppst ja auch kein Kilo Lehm endlos an den Schuhen mit rum. Du machst sie sauber.

 

5. Genieß es.

Genieß Anerkennung. Genieß Aufmerksamkeit.

Aber gewöhn dich nicht dran. Denn morgen schon bist du vergessen. Ist so. Ist auch nicht schlimm, denn du machst weiter, oder?

Es aber nicht zu genießen, das ist wie ... einen Kaffee zu bekommen und dazu Käsesahnetorte und beides nicht zu essen (oder zu trinken, jaja). Denn: hast du deine Leser berührt, und sie wollen dir das sagen. Es wäre unhöflich, das nicht anzunehmen.

Dennoch ist das Leben nicht jeden Tag Käsesahnetorte. Die musst du dir täglich neu verdienen. Bleib auf dem Teppich.

Großer Fehler: Fordere nie Aufmerksamkeit! Beschimpfe deine Leser nicht, sei nicht einmal enttäuscht von ihnen, wenn sie dein neuestes Werk nicht lesen oder nicht so gut finden. Du bist kein echter Teil ihres Lebens. Du bist nur der Schatten hinter einem Buch, welches in ihrem Regal steht. Du hast keine Sofarechte und weißt nicht, was in ihrem Leben sonst geschieht. Sei dankbar, wenn sie zurückkommen und ansonsten ... siehe Punkt 1.

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WeltCon - und Wertschätzung

Der WeltCon ist rum. Für alle, die das hier lesen und keine Ahnung hatten ... ihr Armen ... ja, es war ein Treffen von Menschen, die in Parallelwelten leben. Es war ein Aetherwelt - und ZwergschlammelfenWeltCon. Nee, kleiner ging es nicht. Sowas haben wir nicht. Der Peter und ich. Wir mögen es groß und bunt. Und scheinbar viele andere auch noch.

Es gibt so viele, denen ich danken muss, dass diese Veranstaltung so großartig wurde. Und ich hoffe, dass alle das lesen und wissen, wie sehr ich sie wertschätze. Ich habe versucht, das durch Geschenke auszudrücken und die meisten mit irgendetwas Spitzem durchbohrt oder mit etwas überflüssigem Bling-Bling "verschönert". Aber eigentlich gibt`s nichts, was wertvoll genug ist. 

Nee, echt nicht. Weil ... wenn man am Ende irgendwo sitzt (vorzugsweise mit Blick auf das Meer), dann ist es egal, wie viel Bling-Bling man hat, dann zählen Erinnerungen. Und am schönsten sind doch die, die man mit anderen gemeinsam erlebt hat.

Es gibt viele Bilder, wenn man sie gucken will. In meinem Inneren sind auch Bilder: von lauter lächelnden Gesichtern. Ich hab in der letzten Woche dann darüber nachgedacht, warum mich das alles so erfüllt. Im Gegensatz zu normalen Veranstaltungen hat hier jeder etwas beigetragen. Im wahrsten Sinne: die Leute haben rangeschafft, seien es mobile Ämter oder Eisenbahnen oder sich selbst in ausgefallenen Kostümen ... Wahnsinn. Und dann die Vorträge ... ich hab einfach drauf vertraut, dass die alle schon gut sein werden, denn ich hab das vorher nicht überprüft ... und es war so. Es war genau so, wie ich es mir gewünscht hatte.

Und ich möchte mehr als Danke sagen: ich möchte mich verneigen. Denn ja, ich hab geschuftet und geschleppt. Aber was wäre das alles wert, wenn keiner gekommen wäre? Daher ... ohne euch wäre ich nichts. 

Auf dem Bild bin ich mit dem Peter von Heim, der die Idee zu dem ganzen Spuk hatte. Nächstes Jahr wieder, oder? Bis wir umfallen.

 

Und an alle, die jetzt immer noch denken: HÄ? ... Sorry. Ihr habt was verpasst!

 

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Von Conventions, Lesungen und Wert-schätzung.

Das Bild hier ist von meinem allerersten Auftritt. DER ERSTE! Auf einer unsäglichen Veranstaltung namens UNKNOWN, aber ich wusste es damals nicht besser. Es war toll - nicht, weil so viele Leute da waren, sondern weil mir dort klar wurde, dass ich einiges anders mache, als andere und das mache ich richtig.

Ich gehe auf Veranstaltungen mit meinem Stand und meinen Büchern und mehr. Ich gehe als Gesamteindruck. Kurz danach kam dann das Amt hinzu und Leute, die mit mir dieses Konzept beleben und auf Veranstaltungen präsentieren. Aus Spaß und mit dem Wunsch, Spaß zu verbreiten und Bücher zu verkaufen.

Unsere erste RPC. Trotz Fandom war das sehr teuer. Startgeld. Man muss ja bekannt werden. Wie jedes Jahr verpasste ich auch damals, mich zu Lesungen anzumelden. Einmal bin ich aus Zufall reingerutscht, aber das war wie viele Lesungen:

Man bereitet sich vor, fährt zu Orten, ist aufgeregt und erregt und dann sind da mehr oder weniger Leute und man liest und parliert und am Ende fährt man heim und hat mehr ausgegeben, als man eingenommen hat. Warum? Weil es ja nicht so ist, dass man NUR mal eben da ne Stunde gelesen hat, nein, es ist meist der ganze Tag futsch.

Und die Enttäuschung, wenn nur ein paar Lauscher da sind. Ich persönlich find das nicht schlimm, verkaufstechnisch ist eine kleine Menge besser als eine Große und man kann sich besser unterhalten. Aber es ist immer ein bisschen ein Trauerspiel.

Dann hechelt man auf Lesungen bei den "großen" Cons und ist einer von vielen auf mehreren Programmschienen. Man bezahlt auch hier für das Privileg, in einem Hinterzimmer lesen zu dürfen. Anreise, Hotel, Essen, Tischmiete.

Aber es muss ja sein, man hat ja ein Ziel.

Irgendwann wird mal eingeladen. Auch hier ist es noch so, dass man draufzahlt. Man will ja auch nicht gierig erscheinen. Aber inzwischen kennen einen ein paar Leute und dann kommen die Cons, wo man richtig bezahlt wird.

Kostendeckend. Wenn man jetzt nicht mitrechnet, dass man da oft insgesamt, mit allem drum und dran (hin und Rückfahrt und packen und so) auch drei Arbeitstage Vollzeit arbeitet. Und sich oft noch selbst verpflegen muss.

Manchmal bekommt man was zu essen, aber auf den Reisen muss man ja auch ...

Wenn man sich beschwert, wird man eben nicht mehr gebucht. Fertig.

Ist Realität und mecker ich auch nicht drüber.

Aber dann kommt die Zeit, wo man bekannter wird. Wo man weiß, dass man die Leute unterhalten kann. Wo man Leistung bringt. Und wo die Grenze zwischen: wir machen das alles zum Spaß und: das muss Hand und Fuß haben und inzwischen zahlen wir auch Steuern - verschwimmt.

Und dann wird man humorlos, wenn man immer noch zwei Tage Vollzeit arbeiten soll und dafür noch Eintritt bezahlen müsste. Obwohl einer, der nur rumsitzt, weil er mal unter einem Sturmtruppler-Helm geschwitzt hat und den Schweiß von Prinzessin Leia gerochen hat, fett Kohle bekommt.

Wenn man mit Essensgutscheinen abgespeist wird, obwohl man nicht vom Stand wegkann, um in der Schlange anzustehen. Oder mit einem Catering, welches nicht funktioniert und man nur ein Salatblatt statt belegte Brötchen findet. Oder damit, dass Essenspauschalen erstattet werden sollen, aber nur mit Quittungen, die Leute vor Ort aber keine Quittungen ausstellen können/wollen.

 

Ich lese sehr sehr gerne und ich weiß, das sich das gut mache. Und ich wünsche mir mehr Wertschätzung. Aber das kann ich auch nicht erwarten, weil das Publikum diese Wertschätzung erbringen muss. Letztlich ist es leider so, dass die ComicCons nur deshalb aus dem Boden schießen, weil die Leute das wollen! Die Veranstalter würden doch sofort damit aufhören, wenn es sich nicht lohnen würde! Aber statt Lesungen und wirklichem Kontakt will man eben Plastikwackelköpfe und ein Foto mit seinem Lieblingsstar. Isso. Mecker ich auch nicht drüber, ist wie überall. Die Leute wollen, was die Leute wollen.

Worüber mecker ich dann? Darüber, dass manche denken, sie können mich verarschen. Dass manche behaupten, es wäre nicht so und sie würden es doch besser machen. Wertschätzender. Nein, tun sie nicht. 

Es ist ein Geschäft und das knallhart. Also erzählt mir nicht, ihr wollt Kultur und wir haben uns alle lieb. Es geht um Profit und wenn es nur ist, dass wir alle auf null rauskommen. Was ein Deal wäre.

Aber ich werde weiter machen, weil ich von niemandem erwarte, dass er meinen Karren zieht. Den ziehe ich mit ein paar großartigen Menschen zusammen selbst. Ich habe keine Illusionen aber Hoffnungen. Ich hoffe auf den Tag, an dem ich wirklich davon leben kann. Das werde ich aber erst können, wenn meine Bücher den mainstream erreicht haben und ob ich das schaffe ... uff. Keine Ahnung.

Wenn ihr mich das nächste Mal auf einer Con oder einer anderen Veranstaltung seht, dann denkt daran, dass ich da bin, weil ich euch treffen will. Und dass ich meistens dafür draufzahle. Und dass ich einen Shop habe, in dem man alles bestellen kann. Das verpacke ich gern liebevoll und schicke es zu euch. Damit mache ich mein Geld. 

Auf Cons drücke ich euch alle gerne. Und les euch was vor. Ach: und ich komm auch gerne zu euch nach Hause oder auf eure Veranstaltung. Wenn es Kuchen gibt. Und Benzingeld. Und Wertschätzung. Weil die ist es, die mich am Laufe hält. 

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Home Office

Home office ist was Feines. Aber nur, wenn man sich organisieren kann. Was ist das Zauberwort? Disziplin. Ach quatsch: Fleiß. Schnell sein. Schnell hin, schnell weggeräumt. Schnell gedruckt, schnell verpackt, schnell geschrieben. Schnell gekocht, schnell aufgeräumt. Am besten aufräumen während des Telefonierens. Schnell mails geschrieben, schnell noch was am Roman gezaddelt. Wäsche ist fertig, aufhängen, Kaffee machen, schnell ne pn beantworten (oder zwei oder drei).

Paket kommt, auspacken, versuchen wegzuräumen. Der Platz wird eng in einem Haus, welches schon normalerweise für 3 Personen zu klein ist. Und dann noch ein business mit drin? Wir platzen aus allen Nähten. Waren stehen die Treppe hoch, eigene Druckerzeugnisse verdrängen früher mal gelesene Bücher, früher mal, als ich noch Zeit hatte, zu lesen. Luxus.

Zuviel Facebook, ja sicher. Während ich schreibe (immer mal zwischendurch) mach ich auch noch das Cover. Ach und ich muss in jeder meiner drölfzig Gruppen noch was posten. 

Planungen: nicht nur Material will für die kommenden Veranstaltungen gebunkert werden, nein, sie müssen organisiert werden: ab wann hab ich das Auto, Hotel buchen. Wer passt auf den Hund auf, wenn mein Mann mitgeht? Sind noch genug Flyer da? Lebenslauf und Bild zum x-ten Mal an Veranstalter schicken. 

Neue Visitenkarten, Klamotten und wo bitte kaufe ich Elan und Schwung?

Schnell drucke ich noch was, mein Schneidplotter schneidplottet, Tassen werden beklebt, Ketten werden gedengelt und Glanzbildchen von Hand geglanzt und ausgeschnitten.

Werden die Leute all das kaufen? Und welchen Preis zahlen sie? Lohnt sich das alles?

Ich weiß es manchmal nicht. Aber meistens macht es mir genug Spaß, um es zu tun. Und so lange meine Familie das mitmacht ... lebe ich meinen Traum. 

Und wenn das Finanzamt dann irgendwann sagt: das ist aber Liebhaberei, liebe Frau Bagus, dann ... leck mich am Poppes, dann verkauf ich halt Brötchen, kann wieder meine Treppe hochgehen, lese nur noch aus Spaß und rede mit mir selbst und meinen Viechern, statt mit facebook. Wird sich zeigen.

Jetzt erst mal Kaffee.

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LBM 2017

Aufgrund von massiven Festplattenschäden ist dieser Rückblick total durcheinander und lückenhaft. Aber dieser Bio-Computer, der sich Hirn nennt, ist nicht zu empfehlen. Er hält die Versprechungen nicht und ist wirklich teuer und anspruchsvoll im Unterhalt. 

(Ich hab auch keinen Ahnung, warum das Bild hier nicht gerade rückbar ist. Ich hab alles versucht. Dann soll das so sein.)

Aber wir wollen nicht über meine Software und Hardware sprechen, sondern über die Buchmesse. Es ist ja im Vorfeld immer so eine Frage, ob man die überhaupt machen muss. Ob das Not tut und ob man das braucht. Ich war jetzt das dritte Mal und es war mir durchweg klar: das muss.

Vor drei Jahren war ich schon da. In einem Autorenkollektiv. Das war durchwachsen, aber für eine erste Erfahrung ganz gut. Letztes Jahr war ich solo und es war furchtbar. Ich war im Umbruch mit mir und meinen Zielen und genauso verloren trieb ich durch die Mengen.

Aber dieses Jahr bin ich angekommen. Die Entscheidung, in einen Verlag - oder besser: zu einem Verleger - zu migrieren, und mit ihm zusammen einen Stand zu rocken, war genau richtig. Denn wir sind nicht nur eine Zweckgemeinschaft, wir sind Freunde und Familie. 

 

Familie: nicht immer die, die im Stammbuch stehen. Sondern die, die da sind, wenn man sie braucht. Lucy van Org und Axel Hildebrand. Der Herr von Aster und Bernhard Stäber. Alex Jahnke und Selina Haritz. Isa Theobald und ihre Entourage ... Sie alle haben den Stand belebt und zu einem wundervollen Treffpunkt gemacht. Zu einem Ort, den ich immer wieder als kleine Heimat empfunden habe, wenn ich mal vom Klo oder einer Lesung kam.

Die Lesungen waren schön ... ich liebe das. Und mir ist es völlig wurscht, ob jemand zuhört oder nicht. Ich steh gerne irgendwo rum und lese. Aber ich muss dünnere Bücher schreiben, dann der Arm wurde mir lahm. Ich sitz auch gerne und lese, wie zb abends in diesem grandiosen Noels Ballroom, um schlüpfrige Gedanken über die Zunge rollen zu lassen und danach im Halbschlaf die ebenso schlüpfrigen der anderen ungefiltert in mein Hirn zu lassen.

Im Vorfeld gab es die Idee zum "phantastischen Reiseführer", welcher dazu geführt hat, dass wir spezielle Aktionen hatten und bei uns konnte man den Mörder unseres "Stargastes" Dieter (der dreibeinige Ausserirdische) (jajajajaja) ermitteln. Das hat viel Spaß gemacht und die Leute in unseren Stand gezogen. 

Und wenn er es nicht schaffte, dann waren es unsere tollen Neuerscheinungen und die Anwesenheit von so vielen Autoren ... 

War der Stand auch noch so schön, so war es doch ein Auweia-Moment, als ich sah, dass er direkt neben der PAN Autorenlounge ist. Schließlich hab ich in der Vergangenheit ab und an mal für böses Blut gesorgt. ABER: es war Zeit für einen Neuanfang und er ist gemacht. Ganz nach Art eines Potlatch habe ich Geschenke ausgetauscht und so das Gleichgewicht des Karma wieder hergestellt. (Esoterisches Gesülze ist meinem Zustand geschuldet.) Ich hab auch schöne Neuigkeiten gehört: es könnte tatsächlich zu einer Satzungsänderung kommen! Ich freu mich mal vor.

Ich freu mich auch über die vielen Verkäufe. Mein Verleger hatte Bedenken im Vorfeld, aber am Samstag den Herrn von der Messebuchhandlung mit wedelnden Armen zu uns rennen zu sehen, weil Lucys Buch nach der Lesung auch bei ihm ratz fatz ausverkauft war, war ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Und auch die anderen schönen Bücher wurden bewundert und gekauft.

 

Und was wäre das alles ohne die Besucher, die, die extra wegen dir kommen vor dir stehen und sich freuen, weil sie dich sehen, hören und drücken können. Ich hatte nicht einen schlechten Moment, nicht eine dumme Begegnung. Meckern könnte ich nur, weil ich zu wenig Zeit zum Essen. Trinken und Ausruhen hatte. Aber das ist ja hohes Niveau. 

 

Wenn ich also auf die Eingangsfrage zurück komme: braucht man die Buchmesse?, dann ist die Antwort: Ja. Weil Facebook, Insta und Twitter nie erreichen, was man vor Ort und nah dran erlebt. Echte Solidarität, echte Keimzellen der Freundschaft, echte Ideenfunken, die zu Feuersbrünsten werden können. Die Dinge, die dort begonnen wurden, werden noch lange nachhallen. Und für mich bedeutet es: ich bin Autorin und mehr. Und das bleib ich auch ne Weile.

Daher mach ich jetzt hier Schluss, buche das Hotel für nächstes Jahr und kümmer mich wieder um die Dinge, die die Sache bis dahin am Laufen halten.

 

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DPP und Eierbecher

Als Kind habe ich immer tolle Geburtstage gefeiert. Es gibt da ja klassische Spiele, die nie aus der Mode kommen. Eines heißt Wasserlaufen. Jede Gruppe bekommt einen Eierbecher und schöpft damit Wasser aus einem Eimer, um es in einen anderen Eimer zu schütten. Auf Zeit. Man rennt also, verschüttet ne Menge und irgendwann ist Ende und der Wasserstand wird gemessen. Wer mehr hat, gewinnt. Vollkommen fair.

So könnte ein Publikumspreis sein. Jeder schüttet seinen Eierbecher voll Wasser in den Eimer, den er am liebsten hat. Hinter dem Eimer steht der Autor/Verlag/Künstler und freut sich. Und am Ende bekommt der Autor/Verlag/Künstler den Preis, dessen Eimer am vollsten ist, weil er einfach die meisten Fans hatte, die ihre Wasserladung bei ihm reingeschüttet haben.

 

Jetzt ändern wir aber die Spielregeln. Nicht alle Autoren dürfen hinter ihrem Eimer stehen. Es gibt schon ein paar Eimer, aber wenn man sein Becherchen nicht dort hinein schütten will, muss man es beschriften und am Ziel abstellen. Man weiß nicht genau, was mit dem Becher danach passiert. Man sieht auch den Autor/Verlag/Künstler nicht. Man weiß nicht ob es überhaupt was bringt, oder ob der Becher Wasser verschwendet ist. 

 

Was nun jeder einzelne entscheidet, ist sicher immer noch frei. Es ist immer noch möglich, dass ein Unbekannter gewinnt. Aber ich brauche sicher nicht mit dem Finger darauf zu zeigen, dass die zweite Variante deutlich ungerechter ist. 

 

Sei es wie es sei, man müsse ja nicht mitmachen.

Ich lasse es mir durch den Kopf gehen: ich habe letztes und vorletztes Jahr nicht mitgemacht. Ich habe meine Fans nicht dazu aufgefordert, für mich zu stimmen. Warum nicht?

Ganz am Anfang meiner Schreiberlingstätigkeit war ich mal auf einer Shortlist. Es ging um den Indie-Autor des Jahres. Und obwohl ich mir keine Chancen ausrechnete, war es großartig, auf dieser Liste zu stehen. Ich hatte das Gefühl, es ganz weit gebracht zu haben. Eine Riesenmenge anderer Autoren hatte ich ausgestochen, jucheee! Und wer sind denn die, die noch mit drin sind? Oh, recherchier .. hmm, nee die sind doch alle doof. Ich hab den Preis verdient! Ich bin so toll, so tapfer, so gut, die sind ... schlechter als ich. Ich will diesen Preis. Ich will da vorne stehen. Was zieh ich denn an? Dieser andere Nominierte ist ja ein Arsch, boah, sein Buch ist voll doof. Wann ist die Verleihung? Wem danke ich denn dann? Wehe ich gewinne nicht. Dann bin ich voll der Loser. Dann bin ich nichts wert. Das hab ich dann verdient, weil ich mir keine Mühe gegeben habe. Mist, und was denken dann alle von mir? Ich sollte mit dem Schreiben aufhören. 

 

Das sind die inneren Affen. Die wollen täglich, sekündlich gefüttert werden. Mit Zucker. Die wollen Zucker mit einem Blasebalg in den Arsch geblasen bekommen und jeden Tag werden sie lauter. Sie wollen sich gut fühlen und das um jeden Preis.

Preise machen mich zu einem schlechten Menschen. (Ich rede hier von mir, bitte, liebe Leser, anderen mag es anders gehen.) Also habe ich versucht, Preise zu ignorieren.

Jetzt bin ich seit einiger Zeit aber Mitglied einer Verlagsgemeinschaft. Wir Autoren wollen zusammenhalten und wir wollen, dass unser Verleger, der sich für uns täglich den Arsch aufreisst, weiterhin für uns da sein kann. Wir wollen, dass er verdient, damit wir verdienen. Und man verkauft mehr Bücher, wenn da ein Preis für verliehen wurde. Prestige.

 

Also ist da der DPP. Ich hab die Verleihungen zwei Jahre lang gesehen. Ich war entsetzt. Ich will nichts über die Bühnenshow an sich sagen, sondern über die Platzierung des Preises. Dieser ach so wichtige Preis wird am absoluten Ende einer Veranstaltung verliehen. Nachdem alle den ganzen Tag dort waren, wird das runtergerissen und die Händler packen im Hintergrund ein. Das Publikum ist weg, es sind nur noch die Prämierten und ihre Fans da. Und die warten die endlosen Laudatien ab, es wird applaudiert und das war`s. Da hilft auf der plötzliche Einsatz moderner Präsentationstechnik nichts, das Ganze war ein Trauerspiel. Onanie.

Jetzt wird eine eigene Veranstaltung drum herum gebastelt und er wird dotiert. Warum das gemacht wird, da kann ich nur spekulieren. Aber ich bin mir sicher, dass das nicht aus reiner Philantropie gemacht wurde. Das hat andere Gründe. Diese Orga hat kein Geld zu verschenken. Meine Spekulation (und bitte, achtet darauf, es ist Spekulation!): Der Preis wurde von seinem Ursprungsverleihungsort weggebracht. Die neue Veranstaltung ist neu. Man hat Angst, dass keiner kommt, weil man weiß, wie dieser Preis bisher verliehen wurde. Also würzt man das ganze mit Geld, dann kommt wenigstens jemand.

 

Und apropos Geld: Wie diese Liste, die Eimer, die da schon stehen, zustandegekommen ist, das will man nicht sagen. Also man sagt es schon, aber nicht, wer das gemacht hat. Das habe man denen versprochen. Warum? Ist es anrüchig, Jury zu sein? Ist es verwerflich? Sind die schützenswert? Was ist das Problem? Die Versicherungen, es wäre Insider und Menschen, die wüssten, was sie tun, reicht mir nicht.

Wenn ich es also nicht weiß, dann muss ich Schummelei und Klüngel unterstellen. Wäre nicht das erste Mal, dass diese Branche sich als ein Haufen von Klünglern darstellt. Ich habe nichts gegen Gemeinschaften und Zusammenschlüsse, ich bin selbst in einigen. Aber wenn es nur drum geht, Geld in gewissen Kreisen zirkulieren zu lassen, dann werde ich sauer. 

Menschen haben immer Gründe, warum sie Dinge tun, und Geld ist allzuoft einer davon. 

 

Jetzt wurde mir gestern Verachtung unterstellt. Ich würde es nicht wertschätzen, was da jemand tut. Ich würde rumjammern, dass ich nicht nominiert wäre und ich hätte nicht das recht, das alles zu kritisieren.

Doch darf ich.

Nur weil ein Branchenriese nicht nominiert wurde, und auch nicht jammert, dürfte ich das trotzdem, denn ... was schert den Riesen dieser Preis? Er hat doch genug ... Preise und Geld. Und wenn er den Preis wollte, dann könnte er ja seine Fans aufrufen, ihn trotzdem zu nominieren! Ist doch ganz einfach (Ironie) und er hat doch genug Fans! Er würde erdrutschartig ... ach nee um im Bild zu bleiben, sintflutartig gewinnen!

Ich muss einen Unternehmer für seine Arbeit nicht wertschätzen. Und ich dürfte den Preis trotzdem annehmen, weil ... wenn ich ihn tatsächlich bekommen würde, dann hätten sich ne Menge Fans für mich krummgelegt, und deren Aufwand nicht zu würdigen, das wäre wirklich sehr sehr schäbig von mir. 

 

Und ich darf alles kritisieren, was ich will. Ich muss mich nicht von oben herab behandeln lassen, nur weil manche den Fokus verloren haben. Die Welt dreht sich andauernd. Und nicht immer nur um die Gleichen ... 

Und es gewinnen eben nicht immer die Besten. Und nur weil jemand gewinnt, ist er nicht gut.

 

Ich hasse Preise.

 

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Welcher Autor will ich sein?

Heute stelle ich mir eine Frage, die sich jeder Mensch häufig stellt, wenn auch meist nicht bewusst. Aber wir treffen diese Entscheidungen ja dauernd.

 

Wer bin ich, wer will ich sein?

 

Und das auf zweifacher Ebene: erstens in unserem inneren Spiegel und zweitens im Spiegel der Welt, der Mitmenschen.

Ich stelle mir die Frage dann heute mal laut: welcher Autor will ich sein?

 

Will ich der stille Autor sein, der nur schreibt und sonst nichts? Ohh, das ist doch das Idealbild, denkt man so. Nur schreiben, alles andere macht der Verlag und am besten schreibt man im stillen Kämmerchen, in der einsamen Blockhütte oder so ... nur der Hund zu Füßen und die Katze auf dem Schoss, oder so. Und dann wird man berühmt, aber man muss sich nicht mit Fans rumplagen und dem Versenden von Lesezeichen und Teebeuteln.

 

Oder will ich der laute Autor sein, der ein Werk verbrochen hat und darauf rumreitet, bis der Arzt kommt. Der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und sofort eine Schreibschule aufmacht.

 

Es gibt noch die kooperativen Autoren, die sofort Rudelbildung betreiben und mit anderen Autoren Front gegen ... andere Autoren machen.

 

Oder man ist 24/7 für seine Leser da. Mit allem Zipp und Zapp und erwähnten Teebeuteln. Auf Instagram, Twitter und facebook. Autor zum Anfassen. Man weiß nachher alles von denen, bis hin zum Speiserest in den Zahnzwischenräumen, wegen extremer Nahaufnahmen bei Selfies.

 

Aber ... da ist es dann wieder genau, wie mit dem Mensch sein. Der eine so, der andere so. Und ich? Ach ... also ich habe gerade den großartigen Text von der grandiosen Meryl Streep gehört und bin total am Boden. Nicht im schlechten Sinne, sondern im Sinne von geerdet.

Der Dalai Lama soll mal sowas gesagt haben von wegen: die Welt brauche mehr ... und da waren auch Träumer und Geschichtenerzähler dabei. Ich fühle mich jetzt mal angesprochen. Ich würde mich zwar nicht als Bestsellerautorin bezeichnen (wie das manche Kollegen sofort tun, wenn sie mehr als 10 Bücher verkauft haben), aber ich hab in meinen vier Jahren erkleckliche Mengen verkauft. Ich hab also mit meiner Botschaft einige Menschen erreicht.

 

Meryl redet über Trump und über Menschlichkeit. Darüber, dass Medien missbraucht werden und gezielte Propaganda einem Mann zur absolut mächtigsten Figur der Welt macht, der weniger als ein Abziehbild ist. Der keine Werte verkörpert außer dem, dass es möglich ist, mit Ignoranz, Lügen und Dummschwätzen die niedrigsten Instinkte der Menschen wachzurufen, die es gibt. Der nichts als Wut und Zorn entfacht und was daraus wird, haben wir doch schon erlebt!

Ehrlich, ich schreibe keine historischen Romane, weil ich so gut in Geschichte war. Ich war mies. Ich will es auf den Lehrer schieben, aber ... was auch immer. Ich hab`s gemacht, weil es mir vom Settung her gefiel und ich wollte ja auch nur harmlose Unterhaltung schreiben. Aber letztlich schreibe ich etwas, was so heute wieder passt: ich schreibe von Fremdenhass und Feindseligkeit. Von Ausgrenzung und Abspaltung ganzer unschuldiger Bevölkerungsgruppen. Ich tue es letztlich im Kaiserreich, weil 1910 so eine spannende Zeit war, wo sowieso alles im Umbruch war. (Und weil ich halt eigentlich Steampunk schreiben wollte, ein saublödes Genre, dass auch nicht weiß, wo es hin will.) (Und weil ich Uniformen und hübsche Klamotten mag.)

Was ist meine Aussage (also die meiner Bücher)? Dass es nicht richtig ist, auszugrenzen. Dass es wichtig ist, transparent zu sein, Informationen zu verbreiten, Wissenschaft und Forschung zu ermutigen. In meinen Büchern sind die Leute intelligent und mutig. Das sind die Werte, die ich schätze.

Ich schätze keine Gewalt, falsche Coolness und ich glaube nicht, jemand ist mehr wert, weil sein Kontostand höher ist. Ich glaube nicht, dass jemand besser als jemand anderes ist. Ich glaube, jeder hat die gleichen Grundbedürfnisse und dass wir den anderen so behandeln sollen, wie wir selbst behandelt werden wollen.

 

Wenn ich als Autor und damit Künstler also Stellung beziehen soll, dann so: ich will, dass Intelligenz, Wissensdurst, und Mut wieder sexy werden. Ich will dass Heldinnen wie Agent Carter oder eben Annabelle Rosenherz mehr Aufmerksamkeit bekommen, als Trumps oder so. Ja, auch Vaiana geht da schon den richtigen Weg. Wir Künstler und Geschichtenerzähler müssen dafür sorgen, dass Leser dem nacheifern wollen. Wir müssen nicht nur dafür sorgen, dass wir gelesen werden.

Wenn ich das wollte, dann würde ich nämlich einen Millionär beschreiben der dämliche Frauen verführt und missbraucht. Und meine Cover wären einfarbig mit Kringeln und würden mit einem Wort beschreiben, wo oder wann, wie oft oder von wem sie missbraucht wird (After/Royal/50 usw). Oh, jetzt werd ich grad mal wieder sauer.

Nee, also ... was ich sagen will: Auch wenn mir das Alltagsautorengeschäft gerade mal wieder mächtig stinkt und ich in diesem Jahr definitiv etwas ändern muss, oder ganz aufhören ... Es macht eigentlich Spaß und es ist etwas, wo man mehr Verantwortung hat, als man denkt. 

Daher werde ich mich jetzt wieder um meinen Geschäfte kümmern. Aber am Ende mein Appell: werdet mutig. Schaut nicht weg. Lernt und hinterfragt. Werdet kritisch und bildet euch eine Meinung. (BILDET euch die, nicht sofort eine haben, sondern fundieren, nachhaken, forschen.) Und lasst nicht zu, dass wir Menschen auf die niedrigsten Instinkte reduziert werden. Lasst uns wie Roddenberry sein und lieber eine Sternenflottenakademie besuchen, als bald wieder Hitlerjugend.

 

Kein Trump-Desaster in Deutschland. Kein rechtes Gedankengut. Keine Gewalt. Keine Ausgrenzung. 

 

Bitte.

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Manchmal kann ich, wenn ich will.

Ich will ... mehr. Aber da sind ja immer Grenzen, und wenn man an solche gerät, dann muss man schauen, was man tut.

Es gibt die, die dann aufgeben. Ja, das ist eine Option, kommt ja auch auf die Grenze an. Ein totes Pferd soll man nicht mehr reiten.

Es gibt die, die die Grenzen niederreißen. Ja, geht auch. Manche Grenzen sind nur im Kopf. 

Und es gibt die, die Brücken bauen. Oder drüberspringen oder drumherum oder ... naja, jedenfalls welche, die Grenzen überwinden.

 

Jedenfalls ... gab es da letztlich diese Sache mit den ISBN's. Welche einigen meiner Bücher "fehlt". Für alle, die denken: oje oje, dann sind die doch keine richtigen Bücher!!! Doch, sind sie. Aber sie liegen dann halt nicht in Buchhandlungen rum, weil

- Buchhandlungen es nicht mit Selfpublishern haben. Verständlich, es gibt zugegebenermaßen viel Schrott.

- Buchhändler auch nur begrenzt Zeit haben. Sie suchen sich ihre Regalschätzchen aus. Verlage bieten an, Buchhändler bestücken ihre Läden. Nach welchem System auch immer, das ist jetzt hier nicht Thema.

- Buchhandlungen nur Bücher bestellen, die eine ISBN haben. Weil die dann im VLB stehen, im Verzeichnis lieferbarer Bücher. (Und auch wenn die Bücher da drin stehen sollten, stehen die manchmal nicht drin oder nur so, dass der Buchhändler sie nicht findet, aber auch das ist ein anderes Thema)

 

Bisher ist es so, dass meine erste Trilogie nur bei amazon oder bei mir zu bekommen ist. Und das war gut so. Aber jetzt wurde es Zeit, einen Sprung zu machen. Ich hätte mir jetzt natürlich selbst ISBNs kaufen können. Je 80 Euro das Stück. Das ist ein Haufen Geld und bringt mich immer noch nicht in Buchhandlungen. Ich brauche einen Partner. Nur ein Verlag und ein Verleger kann mir dazu verhelfen, diese Grenze zu überwinden. Und dann wurde mir klar: ich habe einen Partner!

Ich habe die Glasberg-Trilogie mit Edition Roter Drache publiziert und da war es nur logisch, dass ich jetzt mit der ganzen Aetherwelt dorthin migriere. Ich bin geehrt, dass der Verleger "Ja" gesagt hat. Es wird ein bisschen Arbeit. Ich werde die ersten drei Bücher nochmal durchackern und sie werden neue Cover bekommen (die hab ich ja schon mal gezeigt).

Ich bin da sehr sehr glücklich drüber. Es zeigt aber auch mal wieder: das ganze ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Es gibt dauernd Entscheidungen und manche sind wichtig und manche sind nur zu gewissen Zeitpunkten richtig. Ich bin erst jetzt so weit, ich hab viel gelernt.

Also: bald gibt es die Aetherwelt auch in allen Buchhandlungen. Das ist zumindest der Plan. Stay tuned.

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Warum ich einfach nicht kann, auch wenn ich irgendwie will ...

Achtung, es wird persönlich. Das hat was mit meinem Leben zu tun, weniger mit meinen Büchern. Obwohl das ja kaum trennbar ist.

Ich erzähl jetzt mal was über meinen Vater. Mein Vater war ein toller Typ. Er war fleißig, sehr intelligent, sah gut aus, er reiste viel und wusste viel. Er war Bezirksleiter einer Bausparkasse bei uns unten auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin (Kaiserstuhl). Alle kannten ihn. Alle. Der Bank-Lutz war in der CDU und Kassenwart beim Angelverein. Und er konnte gut saufen und feiern. Er war ein begnadeter Witzeerzähler und er hatte ein Gespür für Hierarchien. Er wusste, wie man nach oben kommt.

Ich war nach der Scheidung meiner Eltern (da war ich 10) bei ihm verblieben. Das war ok so, denn ich hatte alles, was ich brauchte. Ich wollte nicht weg, ich kam grad aufs Gymmi und war sowieso meines Vaters Liebling. Alles war prima (ja so hab ich das empfunden) bis auf die Zeiten, wo der Alkohol meinen Vater veränderte. Wenn er mehr als sonst trank, früher am Tag. Meist waren das die Wochenenden und dann gab es Streit. Man konnte ihm nichts recht machen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich 16 oder 17 wurde. Aber wir hatten uns gestritten. Und nach solchen Streits (die meist aus einseitigem längerem Anschreien seinerseits und Tränen meinerseits bestanden) war ich immer ein paar Tage Unperson. Ich war also an meinem Geburtstagsmorgen Unperson. Meine Geschenke lagen auf dem Tisch, aber niemand war da um mich zu umarmen oder so. Der Tag ging rum (keine Erwähnung meines Geburtstags) und mitten in der Nacht wurde ich geweckt. Mein Vater stand voll wie eine Strandhaubitze mit ein paar Geschäftskollegen (ebenfalls sehr betrunken) vor der Tür. Er wollte, dass ich aufstehe. Er legte seinen Arm um mich und erklärte diesen Männern, dass ich seine tolle Tochter sein, ich habe Geburtstag gehabt und er wäre sehr stolz auf mich. Dann durfte ich wieder ins Bett.

 

Ich liebte meinen Vater, wie man das so tut. Und ich litt lange unter dieser verdrehten Liebe, die er als einziges geben konnte. Ich machte meinen Selbstwert von seiner Anerkennung abhängig. Aber ... egal, wie sehr ich es drehe und wende: das kann es nicht sein. Selbst-Wert kann nur aus mir selbst kommen.

Einzig mein Stolz hat mich gerettet, eine Duckmäuserin zu werden. Denn ich wäre so gerne sein liebes Mädchen gewesen. Aber stattdessen hab ich mich vom Acker gemacht, sobald es ging. Ich weiß heute, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, worauf ich stolz sein kann, und das muss ich mir von niemandem sagen lassen. Vor allem nicht von Leuten, die mich überhaupt nicht kennen! Was soll das? Mein Vater hat mich nicht gekannt. Wie hätte er das auch können, dazu hätte er ja mal mit mir reden müssen.

 

Jetzt ist Stolz so eine Sache, die einem durchaus auch Einiges versauen kann. Ich schreib das heute, weil ich mal wieder mit mir hadere. Es geht um den PAN- das Phantastik Netzwerk.

Ja, ich weiß, wenn ich wollte, könnte ich da rein. Aber ... ich stell mir das so vor: Die Vorsitzende, die weder mich wirklich, geschweige denn mein Buch kennt (das hat sie fallen lassen wie einen faulen Apfel, als sie hörte, dass es SP ist), die würde ja kotzen. Die großen Namen ... die kennen mich auch nicht und vielleicht haben sie was gehört, aber was solls ... who is that anyway? Einige wüprden sich freuen und dann dürfte ich bezahlen und dabei sein.

Der einzige Grund wäre also, weil ich da was für SPs und so erreichen könnte. Weil ich ja prinzipiell so ein Netzwerk toll finde.

 

Wäre ich damals bei meinem Vater geblieben und hätte ich ihm immer nach dem Mund geredet, dann hätte ich mich nicht mit dem Sozialamt rumschlagen müssen, weil ich im Winter kein Holz zum heizen hatte außer dem, welches ich im Wald vom Boden gesammelt hab. Dann hätte ich mit 18 den Führerschein gemacht, anstatt auf der Straße zu sitzen und zu hungern, weil mich der Rechtsstreit so aufrieb, dass ich nicht essen konnte. Keine nachträgliche Sorge: ich hatte Wohnung und Essen. Ich hatte Freunde. Und ich hatte meinen Stolz. Ich war für mich eingestanden und hab gesagt: ich mach den Scheiss nicht mehr mit. Ich belüge mich nicht selbst indem ich sage, alles ist super. Die armen Leute, die das mitbekamen (Dorf halt) (Ich hätte vielleicht ein Pamphlet an die Kirchentür hängen sollen: der Bank-Lutz ist super Leute, macht euch keine Sorgen, eure heile Welt geht nicht kaputt, ich bin verkorkst, aber so sind die undankbaren Kinder ja). Nein ich konnte nicht mehr lügen, nur damit ich im Schoße der ach so bequemen Familie bleiben kann.

 

Und daher kann ich auch jetzt nicht in den PAN. Auch wenn ein Teil von mir das will. Auch wenn ich gerne teilhaben würde und die Macht des Netzwerks hätte. Aber ... ich hab meinen Stolz und ich hab kein Geld. (Wahrscheinlich hängt das auch zusammen, da arbeite ich dran.)

 

Ich hab einen fetten Kloß im Hals, weil ich das nicht will. Ich will keinen Streit und keinen Ärger. Ich will nicht ausgrenzen und mich nicht ausgrenzen. Aber ich kann nicht Teil von etwas sein, was in den Grundlagen falsch ist. Der Ansatz ist meiner Meinung nach falsch - aber das ist eine andere Diskussion. 

Ich musste aber mal loswerden, warum ich nicht kann, obwohl ich will. Das hab ich jetzt. 

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Warum Steampunk ein lausiges Genre ist.

Ja, das ist so. Alle wollen Steampunk schreiben. Inzwischen muss man es noch nicht mal mehr dauernd erklären. Aber lesen? Ach nö. Und die Verlage? Die Indies machen es. Aber die Großen lassen fein die Finger davon. Die haben nämlich nachgerechnet: es lohnt sich nicht.

Warum ist das so?

Schreiben: Autoren mögen Abenteuer. Und Steampunk hat welches. Wo sonst kann man fröhlich Science Fiction mit Fantasy mixen, Historie mit Romantik und zur Not noch Western oder Endzeit dazu mischen? Es ist so vieles möglich. Wie ich immer sage: Steampunk macht wieder weiße Flecken auf die Landkarte. Es lässt uns alltägliche Dinge neu sehen. Es lässt uns Abenteuer erleben, die man in engeren Genres nicht bekommt.

Lesen: Steampunker sind Macher. Sie basteln und nähen, sie sind immerzu beschäftigt mit dem nächsten und übernächsten Projekt. Ich will mal postulieren, dass sie auch stark visuell veranlagt sind, und das Fernsehen da einen stärkere Verlockung bietet, als das Buch. Die anderen? Nun, der Leser an sich ist skeptisch: bietet dieser seltsame Mix mir wirklich einen Mehrwert? Und diese Skepsis reicht, um nicht sofort zu kaufen.

Die Verlage: Naja, die rechnen eben hart. Wenn jemand wie Jim Butcher Steampunk schreiben will, dann darf er das, weil seine Fans hardcore sind und das lesen werden. Ansonsten, liebe Autoren, schreibt Genrerein, das passt besser ins Programm. 

 

Ich erlebe das alles täglich. Manche Tage nehme ich dann meine Bücher aus der Kategorie raus, um sie sichtbarer zu machen. Und packe sie in Fäntäsi, weil sie da vielleicht ... ein paar Tage später pack ich sie wieder zurück, weil, verdammt, sie sind Steampunk.

Ich frage auf Conventions und Messen immer erst, ob ich Steampunk noch erklären muss. Muss ich nicht mehr so oft, wie früher, aber immer noch oft genug. Und inzwischen sag ich auch, dass meine Bücher viel Fäntäsi, Krimi, Historie etc drin haben. Und es ist ja nicht gelogen. Trotzdem komm ich mir dann wie ein Verräter vor, wie jemand, der die Wanderhure auf Aether gesetzt hat.

 

Dazu kommt noch, dass Steampunk gerade "in" ist. Was all das bedeutet, was es für jede ehemalige Subkultur bedeutet: sie wird maistream und das macht sie oft nicht besser. Die Unken rufen schon lang den Untergang aus und das tut weh.

 

Aber wisst ihr was? Steampunk ist ein wundervolles Genre. Es ist nämlich eigentlich keins. Es ist eine Erlaubnis. Es ist so viel mehr als Krimi oder Thriller (wie soll man die beiden Cosplayen?). Es ist auch mehr als Fäntäsi, mehr als spitze Ohren, es ist für manche Lebenskultur.

Es ist die liebevolle Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit die es so nie gab, versetzt in eine Zukunft, die es so vielleicht geben könnte. Und es ist Fantasie, Spaß, viel Arbeit, Detailverliebtheit, genauso wie Ausgelassenheit. 

Es gibt mir die Möglichkeit, von allem das Beste zu picken. Und mich nicht in enge Grenzen einschränken zu lassen. Dass so viel Grenzenlosigkeit zu manch einer Ratlosigkeit führt, muss ich wohl in Kauf nehmen. Ich werde weiter daran arbeiten, eine Welt zu beschreiben, die mir inzwischen zu einer Heimat geworden ist.

Da geht noch viel.

Geht mit mir.

 

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Strange, stranger, Verlage

Liebe Schreiberleinchen, passt fein auf, ich erzähl euch jetzt was.

Wenn man was fertig geschrieben hat, dann darf man stolz sein. Man darf etwas dafür bekommen und man darf Ansprüche stellen. Man hat nämlich etwas geleistet.

Ich weiß, es ist die Mär noch nicht zu allen vorgedrungen, aber so, wie Frauen bei den Männern in der Kirche sitzen dürfen, wir alle der heiligen Messe in deutsch zuhören und wir das Klopapier seit ein paar Tagen per Knopfdruck bei amazon nachbestellen können, so gibt es heutzutage mehrere Möglichkeiten, mit dem Geschriebenen umzugehen.

Was man nicht tun muss, jedenfalls nicht zwingend, sind folgende Dinge: 

 

- Man muss keine Schreibgruppen besuchen. Man muss weder zu Stammtischen noch im Internet in Foren. Man muss sich nicht outen zu welcher Tageszeit man schreibt und wann einem die Plotbunnys durchs Hirn hoppeln.

- Man muss keine Schreibratgeber lesen. Man muss nicht Sol Stein oder sonst jemanden konsultieren.

- Man muss kein Pseudonym wählen, schon gar kein männliches als Frau oder umgekehrt. Und erst recht nicht für jedes Genre ein anderes.

- man muss keinen Agenten oder Verlag haben.

- man muss nicht für jedes Buch ne eigene Facebookseite aufmachen.

- man muss nicht alle paar Tage ein neues Gewinnspiel machen.

 

Was man dagegen darf: 

- man darf entspannt bleiben, auch wenn das Buch sofort auf Piratenseiten auftaucht.

- man darf die ersten paar Verlage, die an die Tür klopfen, ruhig ablehnen.

- man darf grottige erste Ausgaben seiner Werke drucken.

- man darf den Literaturbesserwissern widersprechen.

 

Das ist natürlich alles kein Weg zum Erfolg, davon rede ich hier nicht. Ich rede von den vielen Schreiberlingen, die ich getroffen habe, die am Anfang dachten, sie müssten all dies tun, oder nicht tun. Warum ist das so? Warum denkt man als braver Mensch, es gäbe für alles die eine Schablone, wenn die erfolgreichsten Menschen es einem doch vorgemacht haben, dass eben genau jene nicht gibt?

Eine Erklärung ist, dass der Weg beschwerlich ist. Man stößt auf Unverständnis und muss sich verteidigen. Die meisten Seelen sind verletzlich, gerade wenn es um Kreativität geht. Kreative Menschen müssen in unserer Gesellschaft oft sehr für ihre Passion kämpfen. Es ist nicht so wie bei Fußballtalenten (die ja auch nur durch harte Arbeit und ewiges Trainieren so weit gekommen sind), dass da ein gesellschaftliches Allgemeininteresse oder gar eine Akzeptanz besteht. Der, der schreibt wird erst mal als Sonderling abgetan.

Aber dennoch gibt es Zecken, die sich an einen heften, denn wer will nicht verdienen mit der Sucht des Menschen nach Geschichten? Denn wenn der Schreiberling ein Werk tatsächlich beendet hat, und es nicht grottig ist, dann ... dann kommen sie aus den Löchern.

- Schick mir dein Manuskript!

- Sie wollen Ihr Buch gedruckt sehen?

- Sie wollten schon immer Schriftsteller werden?

- Buchmarketing und Seelenverkauf - wir können beides!

 

Natürlich gibt es sie, die netten Verleger. Ich arbeite selbst mit einigen zusammen. Es gibt die Visionäre, die harten Arbeiter und die, die dich wirklich schätzen.

Aber es gibt auch eine Menge, die nur an dir verdiene wollen. Die dir erzählen, dass du das gut gemacht hast, BIS JETZT, jetzt übernehmen sie. Du brauchst nur hier, hier und hier zu unterschreiben und schwupps, machen sie dich reich und berühmt.

Aber wenn dein Buch nicht gleich so läuft, dann sind sie nicht schuld. Nein, du bist schuld. Sie haben doch eine Anzeige hier, hier und hier geschaltet. Nein nein, du bist zu wenig unterwegs, und vielleicht ist auch dein Buch nicht so gut, wie man gedacht habe, und schau, es gibt a, b und c Bücher. Und deins ist jetzt leider ein c-Buch. Entweder du bringst es unter die Leute oder es muss verramscht werden. Ach ja, du darfst es zum Sonderpreis ankaufen. Aus dem Vertrag lassen sie dich aber nicht raus, noooo way!

Der Vertrag ist auch so eine Sache, da kann man einen eigenen Blogpost drüber schreiben.

 

Naja, oder der Herr Verleger ruft dich an, erzählt dir lang und breit wie toll er ist und wie toll er dich findet. Er habe ein paar deiner Blogbeiträge gesehen. Du seist ja unangepasst, das findet er gut. Dass du kein Lektorat magst findet er gut (Herrgottsakra, wann hab ich das je gesagt????) weil, wenn du ein Buch mit ihm machst, dann gibts keins, dafür darfst du dir aus 123-Fotos jedes aussuchen, daraus macht er dann ein schönes Cover. Das Geld, welches du verdienst, scheffelweise, weil dein Buch wird ÜBERALL zu finden sein, das bringt er dir nach Hause, da er kein Bankkonto hat. Ja, klar, bekommst du nur 35% von ihm, aber du sollst doch nicht glauben, dass die 70% von amazon vollständig an dich gehen!!! Da musst du doch alles abziehen, und dann die Arbeit?!!! Nein, das macht er dann für dich. Schreib einfach was Nettes, was, ist ihm egal, er verlegt alles. Hauptsache billig. Anzahlung? Schnauf, da muss er eben seine Nebenhöhlen befeuchten. Nein, natürlich nicht. 

 

Leute, das sind wahre Geschichten. Ich bin traurig, belustigt und wütend im Wechsel. Ich will nicht verarscht werden und ich will auch nicht, dass andere verarscht werden. Also: denkt lieber ein paar Tage länger drüber nach. Und macht nicht alles, weil MAN es so macht und immer machen wird. Dinge ändern sich. Frauen haben das Wahlrecht bekommen und wir sind nicht gestorben, als wir schneller als 30 km/h gefahren sind. 

 

Bleibt stramm!

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Räusper ...

ui ui ich hab schon lange nichts mehr geschrieben. Warum? Ich bin unterwegs,. Hier und dort ... ich mach dies und das ... keine Zeit für meine Homepage.

 

Wisst ihr eigentlich, was das für ein Stress ist? Also diese Sachen alle. Früher war doch alles besser. da hat man auf seiner Reiseschreibmaschine getippt, nachdem oder bevor man sich zig Daiquiris reingeschraubt hatte, und dann hat man das Getippsel verschickt und dann wurde es gedruckt und man hat sich am Ende das Hirn rausgeblasen.

Mir kommt es vor, als hätte man mir zu Beginn das Hirn rausgeblasen. Und dann hätte ich getippt und irgendwann kommt das mit dem Alkohol.

 

Ich verbringe inzwischen manchmal mehr Zeit mit social media und Veranstaltungen, als mit Schreiben. Warum mache ich das? Weil es mir rein rechnerisch das Brot verdient. Es ist eine verdrehte Welt. Ich hab alle meine Bücher in diesem Strom amazon, aber davon könnte ich weder leben noch bringt mir das so viel ein, dass ich eine gewisse Würde bewahren kann.

Ich reise also herum und stelle mich an Tische. Ich schmink mich und lächle. Ich steh und steh und begrüße jeden und hör mir alles an und lese und erkläre meine Welt wieder und wieder.

 

Deshalb hier mal ein Dank an alle, die mir das Leben leichter machen: an alle die mich unterstützen. Das soll jetzt hier keine Oscar-Rede werden, und ich werde auch keine Namen nennen. Aber alles, was mich da am Laufen hält, ist dankenswert. Menschen, die mir beim Covermachen helfen (xanathon macht das auch für andere gerne ...). Menschen, die meine Welt mit beleben. Die das Amt bevölkern. Die mich einladen, die an mich denken, wenn es eine Veranstaltung gibt, zu der ich passen könnte.

 

Ich weiß, oft sieht es so aus, als würde sich die Welt um mich drehen. Tut sie auch, denn das tut sie für jeden. Aber in Wirklichkeit versuche ich nur, sie in meinem Hamsterrad schneller zu drehen, zu rennen und zu strampeln, damit es endlich geschieht, das Wunder. Das Wunder, dass ich vom Schreiben leben kann.

Warum ich das hier sage? Weil viele denken, ich könne das doch sicher. Nee, ihr Lieben: das ist ein Irrtum. Ich bin ja dumm und mache viele Fehler. Und daher: wenn ihr meint, ich bräuchte keine Hilfe mehr, dann ist das falsch. Das Blöde ist: ich hab so viele hilfreiche Menschen kennengelernt und weiß, dass es eigentlich echt unfair ist, noch mehr zu fordern. Dennoch: glaubt bitte weder, ich vergesse euch, noch denkt, dass ich euch nicht mehr nötig habe.

 

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, das Bild von dem Schloss richtig einzustellen. Verdammte Hacke, ich kriege es nicht gedreht. Aber ... so ist das manchmal. Danke ... für euer Verständnis.

 

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Ich wundere mich.

Eigentlich wundere ich mich nicht nur, ich bin wütend und sauer. Und ich möchte das ausdrücken. Aber eigentlich möchte ich einen Riesenhammer und dann gib ihm, immer druff auf die Kasperköpfe, die immer nur dann auftauchen, wenn ich was zum Thema Lektorat sage.

Was macht ihr eigentlich noch in meiner Timeline? Wir haben doch schon festgestellt, dass wir nicht zueinander passen? Wir haben unterschiedliche Ziele und Werte. Unsere Wege kreuzen sich zwar ab und zu, aber das reicht auch.

Was soll das also? Ich stichele euch an und ihr bellt zurück. Jedesmal. Warum? Ihr seid doch die, mit den ganzseitigen Anzeigen in Hochglanzblättchen. Die, die Werbeetats bekommen und Hotelzimmer und Minibars. Die mit Zimmerservice! Was interessiert es euch, was ich sage?

 

Mich beschleicht der Verdacht, ihr denkt, nur, weil ich viel sage und überall bin, wäre ich erfolgreich. Lächerlich. Ich verkaufe im Monat so viel Bücher wie ihr an einem Tag!

 

Wahrscheinlich gefällt es euch genau deshalb nicht, dass ich in euren Wäldern wildere. Es sind eure Wälder. Und man darf nur drin sein, wenn man die Riten durchgemacht hat. Agentensuche, Verlagsabsagen, überteuerte Schreibseminare ... schlimme Verlagscover, Ärger mit Lektoren ... dann bringt man Bücher raus, macht sofort einen auf Lehrer und sagt anderen, wie sie zu schreiben haben. Und was sie gefälligst zu tun haben, um RICHTIGE Autoren zu sein.

 

Das macht mich fuchsteufelswild. Und wisst ihr warum? Vor allem, weil ihr vermutlich nicht ein Wort von dem gelesen habt, was ich geschrieben habe. Nicht in diesem Internet, nein, in meinen Büchern. Ihr urteilt über mich als Mensch, nicht als Autorin.

 

Ich habe eure Bücher gelesen. Nicht alle fertig, denn ... manche sind leider gähnend langweilig. Ich sag nichts dazu. Ich rezensiere das nicht, obwohl mir zu manchen recht viel einfallen würde. Kein Spannungsbogen, mangelnde Charakterisierungen, ausufernde Beschreibungen, Infodumps, Wortwiederholungen etc.. Nee, ich versuchte sogar, das gut zu finden, wenn ich den Autor dahinter gut fand. Ich hab auf Facebook geteilt, was das Zeug hält und geliked und überhaupt.

 

Ich hab auch nichts mehr dazu gesagt, dass der Verein, der die Phantastik aus dem Kämmerchen holen will, plötzlich der Retter der Literatur sein will und Höhenflüge hat, die Weltherrschaftswillen nahelegen. Ja, macht! Es läuft doch gut für euch? Warum also immer wieder dieses Gegeifere?

 

Achso, weil ich auch nicht aufhöre, gegen euch zu sticheln? Nee, stimmt. Werd ich auch nicht. Weil es mir wichtig ist, ich sein zu dürfen. So bin ich, ich Idiot. Ich Unangepasste. Ja, ich gestehe, ich hätte gerne zu euch gehört. Zum Etablissement. Aber ich hab gemerkt, dass es nicht so ist. Und was jetzt? Schleichen wir umeinander herum, schauen uns nicht in die Augen und beharken uns im Internet. 

 

Ich glaube immer noch, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Dass es keine richtigen oder falschen Weg gibt. Ich bin nicht euer Feind. Das Business ist hart und wenn man glaubt, dass die Selfpublisher es schlimmer gemacht haben, dann verschanzt man sich zu sehr auf einem Level, welches in ein paar Jahren nicht mehr existieren wird.

Die Selfpublisher werden nicht verschwinden, nur weil man sie nicht gut findet. Und sie werden weiterhin Bücher ohne Lektorat herausbringen. Und es werden furchtbare Bücher drunter sein, grottige und nutzlose. Aber es werden auch wunderbare Bücher drunter sein. Und gut geschriebene und mit wenig Fehlern.

 

Alles ändert sich, aber Ausgrenzung war noch nie ein Weg. Ich spreche immer nur für mich. Ich brauche immer noch nicht zwingend ein Lektorat. Ich bin manchmal froh, wenn ich eins bekomme, manchmal nicht. Ich mach manche Sachen allein, andere mit Verlag. Ich mach ganz viel mit Leuten, ich mag Teams. Aber ich mag mich nicht verbiegen, um dazu zu gehören.

 

Daher meine Bitte: Entfreudet mich doch. Warum ich euch nicht entfreunde? Weil ich eigentlich gerne reden würde. Aber das, was bisher lief, nichts gebracht hat. Der Verein hat keine weiteren Anstalten gemacht, über das Thema Selfpublisher nachzudenken. Zumindest nicht öffentlich. Auf der Buchmesse wurde ich gefragt, ob ich denn meinen Büchern keine ISBN verpassen könnte. Erstens haben viele meiner Bücher eine, und zweitens: was nutzt sie mir, diese Nummer? Die Frage allein zeigt aber, worum es geht: möchte ich dazu gehören, muss ich euer Lied singen und: man hat mich nicht recherchiert. (Ich tue das übrigens, wenn mich jemand interessiert.)

 

Ich möchte aber integriert werden. Und zwar so, wie ich bin. Ich möchte nicht "nur" als Verlagsautor mitmachen dürfen und ich möchte, dass über die speziellen Bedürfnisse von Selfpublishern gesprochen wird.

Und wenn das nicht geht, dann möchte ich sagen dürfen, dass ich das doof finde. So wie ich es doof finde, wenn Integration auch anderswo nicht klappt. Weil es zu kompliziert ist und sich "keiner damit auskennt." 

 

Und wenn ihr mich dann doof findet, dann entfreundet mich bitte. Mit allen anderen bleibe ich gerne in Diskussion.

 

 

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Wo steh ich eigentlich?

Ich bin ja eher so eine Lokomotive. Ich fahr und fahr und ab und zu halt ich an, lad was ein und aus und dann fahr ich wieder. Meist klappt das ganz gut, weil ich viel Energie habe.

Im Moment habe ich weniger davon und halte daher inne. Das tut mir nicht gut. Das fahren auch nicht. Nichts tut mir grad gut. So ist das Leben manchmal.

So steh ich also hier und denk: wo steh ich denn? Ist das, was ich tu, gut und richtig? Soll ich, wenn meine Speicher wieder geladen sind, also weiterfahren, oder sollte ich das überdenken? Soll ich Autorin bleiben?

Das Foto hierzu habe ich gewählt, weil man ja nur einen Teil der Welt sieht. Man hat einen Fokus und die ganzen blinden Flecken. Man redet sich trotzdem ein, man könne das große Ganze sehen. Ist doch Unsinn.

 

Während ich selbst fahre, beobachte ich die anderen natürlich auch. Ich hab's hier schon oft erwähnt: ich finde vieles befremdlich.

- ich finde befremdlich, dass Autoren sofort, nachdem sie ein Buch rausgebracht haben, Schreibratgeber sind. Für mich ist der Prozess des Schreibens so individuell, dass ich allerhöchstens erzählen kann, wie ich es gemacht habe.

- ich finde es befremdlich, dass manche Autoren wie Popstars behandelt werden

- ich finde es sehr befremdlich, wie um die Gunst der Leser gerungen wird. Teebeutel, Kugelschreiber, Kindles und Kleinwagen (jaja, Übertreibung, ich weiß) werden da als Gewinne für den Kauf von Romanen versprochen

- ich finde es befremdlich, dass dauernd neue Gruppen gegründet werden, in denen Autoren für andere Autoren Werbelinks abwerfen.

 

Dann gibt es Dinge, die sind ganz schlimm. Die sind aber überall so: es gibt sie in allen Sparten: die Klugscheißer und Ewig-Besserwisser. Die, die das Abendland bewahren wollen und jeglichen Fortschritt mit Unkenrufen bewerfen. Die, die niemals etwas Neues ausprobieren und für die das gestern immer noch das Maß aller Dinge ist.

Im Buchuniversum sind das die, die am liebsten noch an Bleilettern lecken. Die reden dann von Dingen wie Schusterjungen in ebooks. Und sie würden nie ein Buch kaufen, welches nicht von einem Lektor(TM) bearbeitet wurde, der am besten noch in Reichsmark bezahlt wurde. Sie glauben, von Verlagen multipel zurückgewiesen zu werden sei die Hohe Schule der Autorenwerdung. Und dass Selfpublisher ihre Bücher in Copyshops drucken lassen. Oder von amazon, noch schlimmer.

 

Warum erwähne ich das alles? Weil es mir Kraft raubt. Weil ich eigentlich lieber nur schreiben würde. Aber ich muss meine Bücher ja auch an den Mann bringen. Also bin ich auf Facebook und auf Veranstaltungen. Und während Facebook mir Energie raubt, bringen Veranstaltungen die oft wieder. Wenn wir mit dem Amt unterwegs sind und den Leuten Lachen und Neugier abringen, dann ist das toll. Leider sind Veranstaltungen körperlich anstrengend. Das ist dann wieder schlecht. Und sie kosten Zeit. Zeit, die ich manchmal auch gerne mit meiner Familie verbringen würde.

 

Soll das hier ein Jammerpost werden? Jein. Ich denke aber, dass das Resumee vielleicht einigen helfen kann, die auch Autoren sind oder werden wollen.

Wie überall im Leben, muss man drauf achten wo man steht. Und je nachdem, wie man sich positioniert, wird es hart. Ich hab's mir schwer gemacht. Ich bin dickköpfig und gleichzeitig unfassbar naiv. Ich will immer alles und zwar sofort. Ich schreib Fäntäsy (igitt) und noch schlimmer: Steampunk. Was'n das? Steampunk ist doch Science Fiction. Geht ja gar nicht. Und schon gar nicht als Frau. Verlage fassen Steampunk nicht mit der Kneifzange an. Das läuft doch nicht.

Stimmt. Das läuft wie ein Zentner Lebkuchen. Nur zu bestimmten Zeiten, nur in bestimmten Zielgruppen. Wer es probiert findet es meistens ganz lecker. Aber dann reicht's auch. Nur wenige legen sich einen Vorrat an und essen immer und am liebsten Lebkuchen.

Also schaue ich zu, wie zwar Steampunk als Veranstaltung das Mittelalter ablöst und verkaufe auf solchen Veranstaltungen auch gut, bin aber ansonsten froh um jeden einzelnen Verkauf der sich auf amazon abspielt. Wo andere mit hübschen Trivialromänchen abräumen und 5-stellige Beträge im Monat verdienen. Wo sie dafür dann noch belohnt werden (warum eigentlich, amazon? Die verdienen doch genug, warum müssen sie noch einen Bonus bekommen? ach ja, damit sie bei dir bleiben, verstehe).

Ich versuche es natürlich auch noch anders, wildere in anderen Genres. Da ich aber nicht für alles eine Blogtour mache, keine kindles verlosen kann und kein erkleckliches Werbebudget habe, bleibt auch das ... marginal. Ich arbeite mit Verlagen und Herausgebern zusammen. Das ist auch anstrengend. Manchmal gut, manchmal nicht so.

 

Was mach ich denn jetzt? Na klar, weiter. Ich mach weiter. Ich wollt's nur mal gesagt haben. ich wollte es mal, für alle, die bis hierhin lesen, gesagt haben, dass ich es sauschwer finde. Und für alle, die etwas anderes denken: es lohnt sich nicht. Trotz einiger Bücher, einem Kartenspiel und anderem Zeug, welches ich verkaufe, lohnt es sich nicht. Ich schwimme nicht im Geld, würde ich es in ein Becken werfen und reinhüpfen, würde ich mir das Genick brechen. 

 

Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Ist das, was ich tu, gut und richtig? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich gedacht habe, es wäre leichter. Ich weiß, dass ich denke, dass ich weitermachen sollte. Ich hoffe, dass irgendwann ein Punkt erreicht ist, wo Leute, die Geld haben (und die soll es geben), mir welches davon abgeben und die Aetherwelt endlich durchstarten kann. Verdammt: ich will mein Brettspiel, ich will meinen Film und die Serie und die App .. den Comic, die Graphic Novel, den Themenpark ...

 

Wo steh ich eigentlich? Ach Scheiß drauf, ich bleib nicht stehen. Ich fahr lieber. Bis bald. Ach, und wenn ihr mich anschubsen wollt, gerne! Denkt mal drüber nach. Wer meine Bücher gelesen hat, kann die aber immer noch verschenken. Oder ein Aetherdeck kaufen. Oder zwei. Geht hier über die Homepage ganz leicht. 

Danke.

 

 

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epubli und kein Ende

Vor langer langer Zeit, als ich noch jung und dumm war, habe ich einen Vertrag unterschrieben. Das macht man in Deutschland so, und das ist ja auch oft gut so. Ein Vertrag regelt für beide Seiten die Modalitäten der Zusammenarbeit.

Ich wollte meine Bücher auch außerhalb von amazon anbieten. Aber wie es nun mal läuft, es lief nicht. Wenn es nicht läuft, dann muss man schauen, ob man das Hindernis wegbewegen kann, oder eben einen anderen Weg suchen.

Ich bin dann exklusiv zu amazon gegangen, weil das select Programm mir einige Vorteile brachte. Ich habe per mail (9.09.2013) meinen Vertrag gekündigt und die Antwort bekommen, dass voraussichtlich innerhalb von einer Woche alle Shops meine Bücher aus dem Verkauf gezogen hätten.

Wie groß also meine Überraschung, als eine mail von amazon am 29.1.2016 mir sagte, dass ich entweder sofort dafür sorge, dass mein Buch aus dem Regal von KOBO verschwindet, oder sie würden alle meine Bücher sperren.

Ich habe dann epubli mails im Stundentakt geschrieben. Es hat einen Tag gedauert, bis endlich alles weg war. Keine Entschuldigung, keine Transparenz. Nichts. 

Weil das so nicht geht, habe ich einen Anwalt kontaktiert. Schließlich ist das für mich klar ein Fall von Urheberrechtsverletzung und von: wenn man es nicht kann, dann soll man es halt lassen.

epubli erklärt nämlich dauernd, dass das alles sehr aufwendig sei. Es sei nicht möglich, den Prozess der Löschung zu überwachen. Es sei ihnen keine Schuld bewusst, wenn überhaupt haben ja die anderen schuld (also KOBO).

Aber: ich habe einen Vertrag mit epubli. Und ich habe damit Rechte. Ich habe das recht, darauf zu pochen, dass der Vertrag eingehalten wird. So wie ich meine Seite des Vertrages einhalten musste.

Wenn epubli es nicht schafft, seinen Teil zufriedenstellend zu lösen, dann müssen sie aufhören! Dann ist die Dienstleistung nichts wert! Jeder Dienstleister weiß das! Man kann sich nicht aussuchen, welchen Teil des Vertrages man erfüllt und welcher "zu schwierig" ist.

 

Bis jetzt bietet epubli mir an, meinen Anwalt zu bezahlen und einen 100 Euro Gutschein. Aber ich will keine Bücher bei denen kaufen. Ich möchte, dass die aufhören, das Urheberrecht mit Füssen zu treten. Ich möchte, dass sie ihre Kunden gut behandeln. Ich bin sicher nicht die Einzige, der so etwas passiert ist.

Ich werde leider nicht viel erreichen, weil der wirtschaftliche Schaden nicht hoch ist. Aber es könnte bei jemand anderem einer entstehen. Als bitte: wer auch bei epubli ist oder jemanden kennt: lasst euch nichts gefallen und achtet darauf, dass die ihre Arbeit richtig machen.

In diesem Sinne: frohes Schaffen.

 

 

 

 

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Respekt

In den 80ern gabs mal so eine Sache, so eine Psycho-Sache: Thomas Harris schrieb Die Familienkonferenz. Sein Geschreibsel bezog sich auf eine neue Art der Psychoanalyse, die Transaktionsanalyse. Die Grundlagen dazu hat Eric Berne geschrieben. Wer sich ein wenig mit Psychoanalyse auskennt (und ein solides Halbwissen hat da ja jeder), der findet Parallelen.

Bei Berne gibt es aber nicht nur Es, Ich und Über-Ich, sondern einige andere spannende Dinge (bitte dort nachzulesen).

Das Spannendste an sich ist (für mich), dass es nicht nur um eine Einzelperson geht. Es geht immer um mindestens zwei, denn nur so kann ja eine Transaktion zustande kommen. Der Herr Harris nahm zur Grundlage, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, mit seinem Gegenüber umzugehen, abhängig davon, wie man ihn empfindet.

Ich bin ok, du bist ok -oder- Ich bin ok, du bist nicht ok. (Es gibt natürlich auch Ich bin nicht ok, du bist ok, etc, aber da will ich jetzt nicht drauf eingehen).

Ich bin ok, du bist ok. Wir sind beide ok, wir versuchen miteinander umzugehen. Wir versuchen und zu verstehen und zu respektieren. Wir versuchen uns zu helfen und uns auch zu lieben. Wir versuchen es miteinander, weil wir und gegenseitig (im besten Falle) gut finden.

Ich bin ok, du bis NICHT ok. Ich hab Ahnung, du nicht. Ich weiß, wo es langgeht, du nicht. Ich mache nichts für dich, ohne dass du etwas für mich tust. Du bist eine Zumutung für mich. Wenn ich etwas für dich tue, dann musst du mir dankbar sein.

 

Die erste Einstellung ist Respekt. Die zweite ist Arroganz.

Als Mensch und Autorin versuche ich, respektvoll zu sein. Das ist schwierig, denn viele Menschen sind das nicht. Das Internet macht es noch leichter, es nicht zu sein. Unsere Vorbilder in Politik und Sport machen es uns leicht, die arrogante Haltung anzunehmen, denn sie tun es ja auch. Millionen hinterziehen, sich zuviel Geld bezahlen zu lassen, mit dem Geld anderer Menschen zu spekulieren ... zu lügen und zu betrügen, das alles ist: Ich bin ok und es ist mir scheißegal ob ihr Blödis ok seid oder nicht.

Manche Leute meinen ja, es wäre ok zu sagen: Wir sind ok (Gruppe/Ethnie/Familie/Fussballverein) aber alle anderen nicht. 

Manche Autoren meinen: Ich bin so ok, dass ich sogar abschreiben kann, meine Leser (die nicht ok sind, weil ich die für dumm verkaufe) kaufen alles von mir.

 

Ich versuche ok zu sein. Und ich versuche, andere Menschen als ok zu nehmen. Natürlich habe auch ich Grenzen, und die muss ich setzen. Aber meine Grundhaltung werde ich nicht aufgeben, nur weil die Welt voll von laut schreienden Arschlöchern ist.

Ich werde weiterhin jeden Menschen mit dem Respekt behandeln, den er verdient. Und ich werde jedem einen Kredit geben, wenn ich ihn kennenlerne. Ist dieser Kredit aufgebraucht, und ich sehe keine weiteren "Einnahmen" in dem Geben und Nehmen, dann ist es allerdings vorbei mit der Transaktion.

 

Im Internet ist das leicht. Ich entfreunde solche Leute. Sind ja auch oft keine Freunde. Im echten Leben ist das schwerer. Nicht alles ist so leicht zu durchschauen, man erkennt nicht sofort wenn man manipuliert und ausgenutzt wird. Ich hinterfrage mich ständig und wundere mich immer, wenn andere Menschen mit einem festgelegten Handlungskatalog durch die Welt spazieren. Sie sind frei von Skrupeln, das kann auch positiv sein. Für sie. Ich beneide sie manchmal. 

Ich selbst bin unsicher, da ich immer glaube, irgendetwas verpasst zu haben. Ich glaube immer, alle denken erstmal so wie ich. Vertrauensselig. Naiv. Macht aber nichts. Ich leb damit schon ne ganze Weile.

 

Warum ich das erzähle? Weil man aus eigener Kraft ne ganze Weile laufen kann auf dieser Welt. Man kann rennen und springen und immer vorwärts gehen. Aber es gibt Momente, da strauchelt man. Da ist mal leer und verliert den Mut. Und dann kommt der Moment, wo man Hilfe bekommt, von Menschen, die Freunde sind. Die mich ok finden, so wie ich sie ok finde. Und die mir aufhelfen und mich weiterschieben. Sanft und liebevoll, bis ich wieder allein gehen kann. Und solche Leute behält man nur, wenn man sie gut behandelt. Und da wir Menschen und ich ganz besonders, andere Menschen brauchen, sind Freunde etwas ganz ganz essentielles zum Leben. Ich bin dankbar, dass ich welche habe und hoffe, dass ihr auch welche habt.

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Gefäße.

In mir drin ist ein Gefäß. Es ist nicht jeden Tag das Gleiche. Und es ist nicht jeden Tag voll. Das wäre schön. Es ist das Gefäß meiner Energie, meiner Lebenskraft, meines Chi, oder was auch immer man dazu sagen will.

 

Über den Tag wird das Gefäß oft leerer. Es passiert so viel, was Kraft kostet. Man gibt Mitleid aus. Man schenkt jemand anderem Aufmerksamkeit. Man ist auf einem beschwerlichen Weg. Man wird verletzt und muss heilen. Man ist entsetzt und muss Dinge verarbeiten.

 

Manche Tage wird es auch voller. Dann schäumt man über und egal was passiert, man hat immer noch mehr und mehr zu geben. Man bekommt auch etwas. Andere schenken einem Freude und Lob.

 

Ich versuche mir dessen bewusst zu sein. Das ist mir meine Gesundheit wert, denn ich merke, wenn ich mit dem Inhalt meines Gefäßes nicht haushalte, dann werde ich krank. Im psychischen wie im physischen Sinn.

 

Ich versuche mir auch dessen bewusst zu sein, mit was ich das Gefäß fülle. Ich will all die leckeren Dinge, manchmal süß, manchmal sauer, fruchtig, gehaltvoll, spritzig und auch schon mal bitter. Bei mir macht es die Mischung. Andere wollen nur Wasser. Oder sie glauben, ihre Gefäße mit Drogen und Alkohol gut füllen zu können. Aber das ist ein Irrtum.

 

Die Wasserleute sind anstrengend. Sie versuchen Reinheit zu erreichen. Sie sind oft dogmatisch und glauben, der Weisheit letzter Schluss zu sein. Dabei ist es glaube ich sehr anstrengend, das Wasser rein zu halten: ein winziges bisschen Fremdes und ... schwupps .. .ist die Reinheit dahin.

 

Es ist möglich, dass Menschen sich gegenseitig ihre Gefäße befüllen: das ist gut und das sind gesunde Beziehungen. Wenn man spürt, dass einem etwas unnötig viel Füllung raubt, dann sollte man aufpassen. Natürlich kann man auch schlechte unausbalancierte Beziehungen retten, aber es kostet Arbeit. Die muss man investieren, wenn man denkt, dass es die Beziehung wert ist.

Letztlich ist es immer eine Entscheidung, wie man mit seiner Kraft haushaltet. Was will ich erreichen, wo will ich hin, welchen Einsatz bin ich dafür bereit zu leisten.

 

Manche Tage kommt mir mein selbstgewählter Weg unverschämt schwer vor. Blöde Steine und keine tolle Aussicht. Aber ... es ist mein Weg, und wenn ich zurückschaue, dann bin ich schon so weit gekommen. Umdrehen ist nicht. Wer mich begleitet ist gerne eingeladen, von meinem Gefäß etwas zu bekommen. Ich hab ne bunte Mischung zu bieten.

Was bietest du?

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Kröten.

Ich mag ja Facebook. Eigentlich. Und ich mag ja Menschen. Eigentlich. Aber heute und gestern und manchmal finde ich beides echt blöd.

Besonders blöd finde ich, dass ich meist selbst schuld bin. Denn facebook ist nur ein Werkzeug und Menschen ...? Was wundere ich mich eigentlich noch.

Ich mag sie aber, die Menschen. Ich brauche auch einige davon. Es gibt welche, die ich sogar ganz ganz toll finde. Und ich merke mit zunehmendem Alter, dass das die sind, die niemandem etwas beweisen müssen.

 

Ich hab als Heilpraktikerin viel über Homöopathie gelernt, und ich selbst bin keine glühende Verfechterin davon, fand aber die Analysen des menschlichen Verhaltens und die Archetypen der großen Mittel immer spannend. Und es gibt da so einige pathologische Zustände.

Es gibt zB Phosphorus: das sind Menschen, die haben eine Mission. Die ruhen und rasten nicht, sie haben etwas zu sagen, zu tun, sie müssen die Welt verändern und verbessern. Sie können nicht anders. Da gibt es sicher sehr wertvolle darunter, die die Welt wirklich zu einem besseren Ort gemacht haben. Aber es gibt auch einen Menge, die ihre Energie einem falschen Ziel unterordnen oder über das Ziel hinausschiessen.

Und dann gibt es Lycopodium: der Wolf im Schafspelz. Menschen, die sich angeblich einer Sache widmen, nur um sie eigentlich zu sabotieren oder sich selbst zu profilieren.

Hepar Sulf: Leute, die wütend, unhöflich, grausam, überempfindlich und immer angriffsbereit sind.

Chamomilla vulgaris ist ein bockiges, schnell eingeschnapptes und leicht reizbares Kind. Wenn es nicht bekommt, was es will, droht Ungemach.

Und und und.

Wir erkennen schnell welche wieder, denn: wir denken in Schubladen. Das macht das Leben leicht. Schwer wird es erst, wenn die betroffenen Menschen in keine Schublade gedrängt werden wollen oder wenn es nicht passt. Wenn sie nicht passen oder wenn es einem nicht passt, was sie sagen.

Dann wird einfach wild umformuliert. Dann wird verallgemeinert und draufgeballert, denn: es passt nicht, und was nicht passt muss passend gemacht werden.

 

Ich habe vorgestern die Nase in den Wind gehalten und gesagt: "Bah, es stinkt! Wer auch immer diesen Geruch verursacht hat: ich mag es nicht! Ich finde den Gestank eklig!"

Ich hab's ein bissl provokant formuliert, so á la: "Holla, wer hat denn hier einen großen Haufen Scheiße produziert, das stinkt ja bis hier! War bestimmt ein hässliches fettes Biest!"

 

Und was ich meinte war: es stinkt.

Was ich nicht sagte: der, der den Haufen gemacht hat, ist blöd. 

Ich sagte auch nicht: xy hat einen stinkenden Haufen gemacht.

Und ich sagte nicht: es dürfen keine Haufen mehr gemacht werden.

 

Was passierte? Welche, die sich schon lange anhören müssen, dass sie stinkende Haufen machen, kamen aus Löchern gekrochen und summten und brummten wie wütende Wespen um mich herum. Sie warfen mich mit Leuten in einen Topf, die ich weder kenne, noch deren Verhalten ich gutheisse.

Was taten sie? Sie stachen zu. (mich)

Was noch? Sie nannten mich beim Namen. Sie machten es persönlich.

Was noch: sie meinten, mich mundtod machen zu müssen. Mich und meine Freunde.

 

Leute: ihr schafft es nicht, zuzuhören. Ihr seid so mit eurer Rechtschaffenheit beschäftigt, dass ihr nicht mehr klar denken könnt. Jetzt bin ich ja zum Glück robust. Und ich hab auch viele, die mir beigestanden haben. Obwohl ich immer noch nicht nachvollziehen kann, wie man so wenig zuhören kann.

Aber ... naja. Eigentlich mag ich Menschen. Und ich hab mich daher entschlossen, nicht alle blöd zu finden, weil ein paar davon blöd sind.

Also hab ich ein paar Leute gelöscht von meiner "Freundesliste" und werde versuchen, wieder meiner Arbeit nachzugehen.

 

Warum ich den Blogeintrag geschrieben habe? Weil die Kröte in meinem Hals saß und mich am Atmen gehindert hat. Ja, die Wespen haben es geschafft, mich zu verletzen. Aber jetzt spuck ich aus und mach mich ans gesunden.

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Keine Entschuldigung

Heute habe ich kein Bild. Nur Text. Und keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.

 

Ich hab lang überlegt, ob ich überhaupt was dazu schreiben muss. Nein, muss ich nicht. Will ich aber. Ich will etwas dazu schreiben, was es mit mir tut.

 

Ich hab meine Meinung in die Welt geblökt. Das mach ich schon ganz lang, machen viele andere Leute auch, nennt sich bloggen. Und normalerweise lesen das ein paar 10 Leute. Völlig ok. Stört mich nicht. Ich bin kein Blogger von Beruf oder Berufung. Ich hab was zu sagen, und ich bilde mir ein, dass jemand anderer von meinen Aussagen profitieren kann.

 

Ich bin mit einem sehr dominanten Vater aufgewachsen. Mein Vater hat mich irre geliebt, aber er konnte mir das nie sagen. Er konnte mich auch nicht wirklich kennen lernen, das war ihm nicht möglich. In seinem Universum hat sich alles um ihn gedreht. Ich hatte da zu sein, für ihn und sonst nichts.

Gleichzeitig war ich nie gut genug. Einerseits in meinen Leistungen, obwohl ich immer ohne Lernen im oberen Durchschnitt war. Andererseits als Partner für ihn und sein verdrehtes Leben. Als Alkoholiker konnte es bei uns von gemütlich lustig zu brüllend zornig laut sehr schnell gehen. Man lernt als Kind: Aufpassen. Pass auf, was er sagt, wie er handelt. Duck dich, wenn er ausflippt und lach, wenn er lacht. Mach, was er will. Und achte drauf, immer da zu sein, wenn er das will.

Was das mit mir gemacht hat? Ich wusste lange nicht, was es bedeutet, eigene Ziele zu haben. Ich wusste nicht, wer ich wirklich bin und was ich will. Ich wusste nur, ich war nicht gut genug. 

 

Ich bin dann mit 18 abgehauen. Das sehe ich heute bittersüß. Einerseits hat es mich stark gemacht, andererseits habe ich ihm nie widerstanden. Und dann hab ich dies und jenes gemacht. Und dies und das. Aber nichts richtig. Vielleicht, weil ich nicht wusste, was richtig für mich ist.

 

Und dann hab ich das Schreiben begonnen. Und es fühlte (und fühlt) sich richtig an. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas tue, was ganz ICH bin. Ich liebe es und ich tue es so, wie ich es kann. Ich lerne täglich dazu, arbeite mit vielen Menschen zusammen. 

 

Ich habe es nicht nötig, instrumentalisiert zu werden. Ich bin keine Marionette mehr. Diverse Leute haben mich in dieser letzten Diskussion benutzt. Ist ok, können sie, ist ja alles öffentlich. Ich hab's öffentlich gemacht. Aber ich will sagen: es schert mich nicht. Ob ich zu viele oder zu wenige Ausrufezeichen benutze oder was auch immer: lasst stecken. 

 

Verwechselt nicht mich als Person mit dem, was die anderen daraus gemacht haben. Ich jedenfalls stehe zu dem, was ich gesagt habe, weil nur so kann ich mich spüren. Ich brauchte sehr sehr lange, um mich zu finden. Und ich lasse mich von Kleingeistigkeit nicht mehr unterdrücken. Ich werde weiter schreibend kreativ sein, weil ich das bin.

Ich bin aber niemand, der zu einer Revolution aufgerufen hat. Ich habe nie gesagt, alle sollen es so machen wie ich. Jeder kann das für sich selbst entscheiden und das soll er bitte auch. Aber worum ich alle bitte: Leben und leben lassen. 

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Ich weigere mich.

Ich weiß nicht, wie oft ich mich darüber schon aufgeregt habe. Und jetzt ist es auch mal wieder soweit. Mir ist vor ein paar Tagen förmlich der Kopf geplatzt und das hört nicht auf.

 

Worum gehts?

Es geht mal wieder um das unsägliche Ding mit dem Lektorat. Und als Clickbait: es geht auch um Bücherklau und meinen Status als Autorin.

 

Ich weigere mich.

Ich bin dagegen, dass ein vorhandenes Lektorat (und am Besten noch ein bezahltes), ein Qualitätskriterium für Bücher ist.

Wikipedia: Als Bearbeitungsform umfasst das Lektorat für gewöhnlich die rechtschreibliche, stilistische,grammatikalische und inhaltliche Verbesserung von Texten. Das Aufgabenfeld eines Lektors umfasst über die Tätigkeit des Lektorierens hinaus aber auch die Prüfung der eingehenden Manuskripte oder Typoskripte, die Zusammenstellung eines Verlagsprogramms, das Publikationsmarketing und die Begleitung von Skripten bis zur Veröffentlichung. Durch einen Korrektor werden Texte rechtschreiblich und grammatikalisch überprüft. Die stilistische Bearbeitung wird als stilistisches Lektorat bezeichnet, das zwar zumeist ein Korrektorat einschließt, jedoch stets darüber hinausgeht.

Ein unlektoriertes Buch kann trotzdem ein Korrektorat genossen haben! Denn die schlichte Rechtschreibprüfung ist etwas gänzlich anderes, als eine umfassende Bearbeitung des Textes, die auch den Inhalt einschließt.

Jetzt ist ein Lektorat aber teuer. Und als Selfpublisher hat man es sowieso schwer und verzichtet aus verschiedensten Gründen vielleicht darauf. 

 

Ich habe das getan. Weil ich schlicht und ergreifend kein Geld dafür übrig hatte. Und da mag es sein, dass da stilistische Fehler drin sind. Also ... Augen, die wandern (der Klassiker), oder eine Dialogzeile, die nicht gesagt, sondern gezwinkert wird. Anfängerfehler.

 

Das alles bedeutet aber erstens nicht, dass mein Buch schlecht ist. Es hat einige Schwachstellen, aber es scheint doch viele derart zu überzeugen, dass ich immer wieder positive Rückmeldungen bekomme. Seltsamerweise sind es oft die Kollegen, die sich an den Fehlern stoßen und reiben.

Das sind manchmal Leute, die selbst irre lang an ihren Texten rumfeilen und Geld ausgeben, um den und den noch drüberschauen zu lassen. Die sich dann völlig verlieren, weil sie den Überblick nicht mehr haben, die wievielte Version ihres Textes sie nun schon vor sich haben. Und sie sind so tief innerlich verunsichert, dass es doch nur ein Lektor retten kann, das Häufchen Unglück. Und die mich anfeinden und förmlich von sich stoßen, weil sie es nicht begreifen können, wie man einfach so ... (Wenn ich so viel Geld ausgegeben hätte und dann keiner mein Buch kauft, oder einfach einer daherkommt und 'nichts' ausgegeben hat, dann wäre ich auch bitter.)

 

Aber man kann! Man kann die Fähigkeit haben, ein Buch einfach so zu schreiben. Man kann Talent haben.

 

Man kann es auch tun, wenn man keins hat. Ja. Und man kann auch kein Talent, aber ein riesiges Selbstbewusstsein haben. Man kann ein Grund für absolutes Fremdschämen sein, mit einem grottigen Cover und einer peinlichen autobiografischen Beichte. Oder einer Masturbationsvorlage. Das ist alles erlaubt! Weil ... weil es die Freiheit gibt, zu publizieren! Und das ist gut so! Es muss nicht immer die Verlagsdiktatur sein, denn wer sagt denn, dass die Verlage der Hüter eines allwissenden Gerätes sind, welches ihnen sagt, was gut und was schlecht ist?

Nee, sie haben kein so ein Gerät, sie haben Lektoren. Sie haben Leute, die sich um das Verlagsprogramm kümmern und schauen, wie der Verlag Geld einnimmt. Da geht es nicht nur um Qualität, sondern um Kommerz. Natürlich haben die auch Ansprüche! Aber weder Lektoren noch Verlage sind Götter, die angebetet werden müssen.

 

 

Ich will diesen Dünkel nicht mehr. Dieses Gelaber, dass die Verlage die Hüter der Buchkultur sind, und dass Selfpublisher Dilettanten sind. Ich will, dass sich die Hetzer an ihren Ansprüchen verschlucken und endlich den Mund halten. Denn für jede Perle, die ein Verlag publiziert hat, gibt es hunderte, die abgelehnt wurden. Und es ist oft nur der Dickköpfigkeit mancher Autoren zu verdanken, dass Bücher trotzdem erschienen sind. 

Und wer sich die Verlagslandschaft anschaut weiß auch, dass es welche gibt, die mit Freude Schund produzieren, weil der auch Geld bringt. Mein Lieblingsschundverlag Egmont Lyx erfreut mich regelmäßig mit Leseproben die so furchtbar sind, dass mir neben den Lachtränen auch welche der Trauer über die Wangen laufen. Und die Sachen von denen laufen wie geschnitten Brot. Lektorierter Schund.

 

Ich will nicht bestreiten, dass Texte besser werden können! Nein, das tue ich nicht! 

Ich will nur bestreiten, dass kein Text unlektoriert gut sein kann!

Oder anders gesagt: Ein Text wird nicht durch ein Lektorat gut! Er wird vielleicht besser, aber ... wie sagte es eine in einer Diskussion: Man macht aus einem ausreichenden Text einen befriedigenden. Und aus einem guten Text vielleicht einen sehr guten. Aber aus einem ausreichenden Text kaum einen sehr guten. Es kommt auf das Ausgangsmaterial an. Und das bezweifel ich auch nicht!

Aber noch einmal: Zu sagen, dass kein Text unlektoriert sein soll, ist schlicht und einfach falsch. 

 

Was aber unbestreitbar ist: kein Text sollte unkorrigiert sein. Dafür gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Und kein Text sollte gestohlen werden. 

 

Ich finde es schlimm, dass die jüngsten Abschreib-Affairen wieder auf die Selfpublisher zurück fallen. So etwas gab es auch schon immer. Ist kein neues Phänomen.

 

Ich bin froh, dass die meisten Selfpublisher den Kopf hoch halten. Es ist ein sauschweres Geschäft. Auch ohne Bashing. Die meisten von uns geben alles und ein bisschen mehr, um ihr Buch gut zu machen und haben es nicht nötig, dass man die Nase über sie rümpft.

Daher: Lasst euch nichts erzählen. Es braucht keinen Bücher TÜV oder eine andere Zensur. Was schlecht ist, wird einfach nicht gelesen werden. Und die, die ewig zischen und motzen ... die können mich mal.

Ich weigere mich, mich schlecht deswegen zu fühlen. Ich bin Autorin und glaub auch, dass ich eine ganz gute bin. Und falls ich meinen eigenen Ansprüchen mal nicht mehr genüge, dann höre ich auf. Aber nicht, weil ich nicht genug Geld für eine optionale Dienstleistung hatte. 

 

Foto: Impressed Arts.

 

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5 Mal Zweifel. Vom Auf und Ab.

Warum ich meinen Job als Autorin manchmal ein schlimmes Auf und Ab finde?

 

1. Am Aller-aller-aller-Schlimmsten ist die Zackenkurve von amazon. Welcher Autor kennt es nicht, das böse Dashboard, auf das man so oft starrt und jedesmal ist es eher wie eine Geißel, statt ein überraschtes Augenaufreissen. Für alle Nicht-Autoren: Die Zackenkurve zählt auf einem Graphen Verkäufe pro Tag. Und auf dem linken Zahlenstrahl sollten gefühlt immer so 100 oder so sein, oder 1000 oder ... aber in Wirklichkeit ist da eher ne 1 und an super-duper Tagen eine 10. Jedesmal kommt man dann auf dumme Ideen: Eines der Bücher mal wieder kostenlos machen? Dann bekommt man eine Riesenzacke in grün. Tolles Gefühl. Wie Absinth: grün, süß und dann bitter, später halluziniert man von Rankings und Weltherrschaft. Bis das Buch wieder was kostet und die grüne Zacke verschwindet.

 

2. Das nächste Auf und Ab ist das Schreiben selbst: Man hat ne Idee und die ist Gold! Bonanza! Los gehts, das wird ein Mega-Seller! Ja, klar, die ersten Worte und dann noch ein paar und dann ... stop, brems dich: du hast ja noch keine Ahnung über die Chars, welche Haarfarbe, welche Augenfarbe und wo spielt das? Gibts in Hintertupfingen auch so eine Location, oder wird der Leser aus Hintertupfingen merken, dass du da was erfunden hast? Recherche!!! Ich schreibe ja auch chronologisch, da kann schonmal eine Szene nerven und man hat überhaupt keine Lust, die zu schreiben. Aber da muss man durch.

 

3. Bin ich gut genug? Jajajaja, die Rezis sind gut. Die Leute haben es gekauft (nicht genug Leute, nicht genug). Hab ich genug Werbung gemacht, oder zu viel? Mach ich genug auf den Social Media, oder zu wenig. Gewinnspiel oder nicht? Ist mein Buch gut? Ach, das hab ich schon gefragt. Ist es nicht besser, mal was anderes zu schreiben? Könnte ich das? Soll ich nicht doch einen Agenten und dann einen großen Verlag ... so richtig mit allem Zipp und Zapp. Mensch, oder soll ich mal rumjammern, so richtig laut und allen, die denken, dass mir die Sonne aus dem Arsch scheint, mit der Realität konfrontieren? Nein, nein, mach das nicht, das will keiner wissen. Lass sie alle denken, du sparst auf dein Ferienhaus auf den Malediven. Nee, meine Bücher sind scheiße. Die paar, die die gut finden, reißen es nicht raus. Ich sollte es lassen, Brötchen im Baumarkt verkaufen und den Rest der Zeit abhängen.

 

4. Wenn der Tag rum ist und meine Augen kaum noch den Abendfilm sehen; wenn ich meine echte Familie nicht erkenne, weil meine Buchfiguren mein Denken kontrollieren. Wenn ich beim Einschlafen, während des Schlafens und beim Aufwachen nur an die Story denke. Wenn ich es hasse, dass jemand während dem Hundespaziergang sprechen will, weil ich will nicht sprechen, ich will denken!!!! - dann zweifelt ein kleines Stimmchen und nagt: Es kostet dich viel zu viel Zeit und Energie.

 

5. Wenn ich lese, was die Leute so lesen. Wenn ich diesen Kram, dieses hirnerweichende Scheißzeug lese und denke: Herrgottsakra! Mit so einem seichten Mist macht man also Geld? Warum warum warum kann ich das nicht? Warum kann ich keinen solchen Herzschmerzbestseller schreiben? So wie Nicolas Sparks oder sogar wie die, die über Ereketionsstörungen bei einem Vampir schreibt? Bestseller! Ja, genau, ist so. Ich drück mir bald die Augen raus, schneid mir die Finger ab. Dann ist Schluss und ich muss was anderes machen. Ach, nee, doof, ohne Augen und Finger. Mach ich nicht. Aber Zweifeln tu ich schon, an dem, was manchmal Bestseller ist. Seufz.

 

Punkt 1-5 habe ich täglich und zwar mehrmals, in wechselnder Reihenfolge. Nur mal so gesagt. Ich mach trotzdem weiter. Ist wie mit einer Droge: die Höhenflüge vergisst man nicht, und man schafft und schafft, um noch einmal und noch einmal welche erleben zu dürfen.

 

Meine Freundinnen, die ich unten aufgeführt habe, kämpfen auch täglich. Womit? Lest hier: (links folgen)

Hope Cavendish

Melissa David

Gloria Manderfeld

Thomas Knip

Kay Noa

 

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Vom Wundern und Staunen

Es wird so viel geredet. So viel. Aber das kommt uns, glaube ich, nur so vor. Der Mensch hat die Sprache entwickelt, um zu reden. Um sich auszutauschen und um von Wundern zu erzählen.

 

Tiere müssen immer wieder von vorne anfangen und was nicht genetisch veranlagt ist, muss abgeschaut werden. Daher können sie in der geringen Zeitspanne, in der sie leben, nicht wirklich weit kommen.

Menschen können Wissen weitergeben und daher vom Erfahrungsschatz der Ahnen massiv profitieren.

Wir verwechseln aber gerade Bildung mit Wissen. Nicht die Menge an Wissen, die ein Mensch hat, macht ihn gebildet. Sondern die Art, wie er sich 

 

erstens Wissen aneignet

und zweitens damit umgeht.

 

Wir werden heutzutage erschlagen mit Wissen. Neue Erkenntnisse, Informationen und Nachrichten. Und da muss eine neue Dimension her. Eine neue Art, damit umzugehen.

 

Man sieht das gut auf Facebook: meine Generation ist gerade überfordert. Wir sind die, die es noch mitbekommen haben, wie die Computer angefangen haben, wie es nur drei Programme gab und die Tagesschau das Maß aller Dinge war. Meinung wurde gemacht von dpa und Reuters. Man musste für Recherche noch in Bibliotheken und das Internet war zunächst die Heimat von Bekloppten Informatikern.

Wir sind aber auch die, die technikaffin geworden sind. Wir sind langsam reingewachsen und haben jeden Sprung mitgemacht. Wir sind erst nicht und dann doch auf Facebook und anderen sozialen Medien gelandet und sehen mit Besorgnis, wie damit umgegangen wird. Wir bekommen Angst.

 

Weil: wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass das, was wir lesen, stimmt. Wir haben nicht mehr die begrenzte Auswahl, die es uns leicht macht, zu entscheiden, wem wir glauben wollen. Jeder Hinz und Kunz darf jetzt was sagen, und es kann endlos verbreitet werden. Nicht mehr nur Strauß oder Schmidt, Kohl oder Möllemann.

Nee, die Geissens, die Madonnas, die Kardashians ... alte Idole werden auch gestürzt, weil jedes kleinste Stück Dreck hervorgekramt wird, um eine Clickbaitnachricht zu machen. Und dann sterben Leute und dann doch nicht, weil es Falschmeldungen waren.

David Bowie ist tot. Oder ist er es nicht? Oder doch? Schlimm. Noch schlimmer war alles, was rund um die Flüchtlinge und Köln die Tage abging.

 

Was mich ärgert ist eigentlich, dass dann immer gleich der Untergang des Abendlandes ausgerufen wird und alles schlimm und ich bin mal weg von Facebook ist ja furchtbar und alle sind doof und ... 

Ich glaube, die nächste Generation wird es da einfacher haben. Die leben mit diesem ewigen Chatter. Die werden sich anders bilden, und das ist auch gut so.

Aber was ich mir wirklich wünschte, wäre, dass sie das auch schon in der Schule könnten: sich anders bilden. Sich selbst bilden, mithilfe von Lehrern. Weil es nicht mehr möglich ist, alles zu wissen, und schon gar nicht nötig ist. Vieles Wissen, was die da eingetrichtert bekommen, ist eher hinderlich. Was sie aber nicht gut gelehrt bekommen, ist wie man lernt. Und wie man das Wissen wirklich nutzt, vernetzt und etwas weiterdenkt. Schon überhaupt nicht, wie man kritisch denkt. Naja, sicher gibt es Ausnahmen, aber ... seufz.

 

Warum heißt die Überschrift eigentlich: vom Wundern und Staunen?

Ich habe darüber nachgedacht, welche meine tollsten ersten Male waren, und habe festgestellt, dass es oft Dinge waren, die mich überrascht haben. Und Überraschungen definieren sich dadurch, dass man vorher nichts oder wenig weiß. Also ist es wirklich mein Kritikpunkt an dieser Informationsflut: sie entzaubert oft. Manchen gelingt es dennoch, Wunder zu schaffen und diese so auch unters Volk zu bringen. Und da ist der Tod Bowies wieder: er wusste wohl, dass er stirbt. Macht aber ne Platte und alle freuen sich. Kein Ton vom Sterben vorher. Kein: kauft mein Ding, weil ich bin todkrank. Da geht ein Großer groß. Wunderbar, zauberhaft, tragisch und verwunschen. Ganz der Koboldkönig. Ich verneige mich und gehe jetzt wieder Wunder schaffen.

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Alles bunt und granatenstark

Ich bebildere meinen Beitrag zum Jahresende mit meinem Lieblingsbild. Das ist ...

1. tatsächlich von mir fotografiert ist (also die Tasche mit den Samen)

2. eines meiner Lieblingszitate aus Rheingold ist

3. ein Beispiel dafür ist, wie ich arbeite, nämlich immer mit ein bisschen Schwund (ja, Rheingold ist 2015 rausgekommen, nicht 2014)

4. zuletzt ein Sinnbild, welches einen Abschluss der Aetherwelt darstellt.

 

Nein nein nein, keine Sorge! Die Aetherwelt stirbt deswegen nicht, ganz im Gegenteil! 

Aber: die sechs Bücher haben eine Welt geschaffen, die erst am Ende des letzten Buches so ist, wie ich sie mir vorstelle. Also ist Rheingold ein Abschluss und ein Neubeginn.

Ich plane diverse Dinge in dieser Welt. Sicher noch ein paar Bücher -auch ein Kinderbuch- und wenn sich genug Beiträge finden dann auch eine Anthologie.

Aber... viel toller: ich plane (mit anderen zusammen) ein Spiel. Wir beginnen klein mit einem Kartenspiel, aber das ist nur die Basis für ein echtes eigenes Spiel. Mit allem Zipp und Zapp: Beamten und Fräuleins, Luftschiffen und Soldaten und Verdorbenen - ach nee, Veränderten! Mit Spielplan und Regeln und Geld und ...

Das wird toll. Glaubt mir. (by the way: wer uns da unterstützen will, sei es Geld- oder Arbeitsmäßig, ist herzlich willkommen).

Das Rollenspiel ist auch noch nicht tot, aber ... das dauert.

Und es wird Illustrationen geben, Sonderauflagen und solche Dinge. Dinge, die einen niederkauern und 'my precioussss' zischen lassen. Spart schonmal.

 

Abgesehen davon schreibe ich mit anderen Autorinnen etwas, was bald die Welt erschüttern wird. Ja, da bin ich sicher. Ist aber geheim.

 

Und ich hab noch etwas, was ich machen will, das ist dann was ganz anderes. So eine Art ... SciFi ... mal schauen. Das wird auch großartig. 

 

Anfang des Jahres kommt "Ruhelos", ein Aetherwelt-Büchlein, welches in Köln spielt. Ich hab dafür extra einen Kölsch-Übersetzer eingestellt und werde vermutlich das Hochdeutsche im Anhang reintun, weil Kölsch, himmelherrje, das kann man ja nicht lesen!

 

Und was ich nicht mehr machen will ...

- ich will weniger Angst haben. Wovor? Vor Krieg und noch schlimmer, vor Mitmenschen. Ich mag meine Freundesliste nicht nach braunen Ärschen durchforsten.

- ich will mich nicht unter Wert verkaufen. Ich schenke gerne, aber ich werde mich nicht verramschen

 

Was will ich noch? Bunt sein und granatenstark. Kindlich freudig bleiben. Gelegenheiten wahrnehmen und Leute umarmen. Machen und schaffen. Ich freu mich auf jeden, der was mit mir zu tun haben will, über jede Einladung und jeden, der mich anquatscht.

 

Leute, ich freu mich auf das nächste Jahr! Bis bald! Machts gut und bleibt mir treu!

 

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Auf was ich als Autor nicht verzichten kann.

Also ... ich könnte auf Kaffee verzichten.

Ja, das geht. Ich könnte auf meinen Rechner verzichten. Das wäre schon schlimmer. Damit würde ich natürlich auch auf mein Lieblingsschreibprogramm verzichten (scrivener). 

Ich könnte auf Buchgruppen verzichten, auf Agenten und Verlage.

Aber ich könnte nicht auf meine Leser verzichten.

Ich mag es drehen wie ich will. Ich schreibe nicht primär FÜR meine Leser. Ich habe auch keinen in meinem Kopf, der da bohrt und nagt. Aber was soll die Geschichte, wenn sie keiner liest?

 

Jetzt bläst sich der Leser auf und fühlt sich wichtig. Zu Recht und trotzdem: ganz ganz lange ist die Geschichte allein meine. Es ist wie eine Schwangerschaft: das Glück, zu wissen, dass es so ist, ist eine winzige Blüte im Kopf der Mutter.

So ist es mit Geschichten. Sie sprießen im Inneren. Sie strecken dann ihr Köpfchen raus und werden entweder als Unkraut ausgezupft oder bestaunt und gehegt und gepflegt. 

Ich teste diesen Keimling, ich laufe um ihn herum und suche nach seinem Namen. Ich sehe mir die Blätter an, die sich entfalten und zu jeder Minute kann es trotzdem passieren, dass er als Unkraut endet.

Falls aber nicht, dann fange ich irgendwann an, ihn zu düngen und vielleicht eine Haltestange und ...

Naja, ihr versteht sicher.

Und immer noch ist es total MEINE Geschichte. Ich entscheide alles. Ich feile herum und setze jedes Wort mit Bedacht. Und erst, wenn sie zur Blüte gekommen ist, und alles daran stimmt, dann gebe ich sie frei.

Und erst, wenn die Leser sie gelesen haben, dann ist sie perfekt. Wenn sie nicht nur in meinem Kopf funktioniert, sondern auch in deren Köpfen. Wenn der Leser in meine Welt eingetreten ist, und meinen Pfaden gefolgt ist.

Daher: ich könnte auf meine Leser nicht verzichten.


Einige andere Autoren haben sich auch noch Gedanken gemacht, auf was sie nicht verzichten könnten: 


Kari Lessir

Hope Cavendish

Melissa David


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Dystopien, Superhelden und Solarpunk.

Es gibt was Neues: Solarpunk. Und ich hab heute morgen drüber nachgedacht, warum sich da jetzt alle drauf stürzen.

Wir haben jetzt Panem hinter uns. Wir leben mit dem x-ten Batman und sogar Wolverine soll sterben. Wir haben 1984 schon längst eingeholt und Star-Wars erfindet sich auch nicht neu, nur ohne Jar-Jar Binks dafür mit alten Helden (wirklich alt, nicht jung-alt. Alt-Alt).

Jetzt lese ich gerade, wir haben Panem noch vor uns, weil die Prequels drehen wollen. Ja, klar, der geneigte Leser will ja wissen, wie es zu den 13 Staaten kam und alles. Alles alles wissen. Alles bis ins kleinste ...

Nein, wir brauchen was Neues. Ich persönlich denke ja, meine Aetherwelt ... aber so neu ist das auch nicht. Grimm, 'Once upon a time' und andere Formate haben ja auch schon die Märchen wieder hervorgekramt.

Aber: warum schwappen solche Sachen hoch, warum sind sie Zeitgeist und dann nicht mehr?

Weil wir sie brauchen. Die Zeit braucht sie, die Menschen, die in der zeit leben, braucht sie. Wir brauchen immer Superhelden, das erklärt den ewigen Zyklus dieser Figuren. Egal, wer sie sind und mit welchen Desastern wir sie bekämpfen, ob wie sie sterben lassen oder ob wir sie neu erfinden. Sie sind Phoenixe aus der Asche, sie sind das Götterpantheon, zu welchem wir aufschauen.

Und manchmal brauchen wir auch Hoffnungshelden. So wie Harry Potter oder Katniss Everdeen, die keine Helden sein wollen, aber in diese Rollen hineinwachsen. Die eine dystopische Welt durchleben, so wie wir unsere Welt durchleben. Also die Welt, die wir befürchten: unsere Angst-Welt.

Die Zukunft ... sie wird nicht sein wie Gotham City und niemand will einen Super-oder Batman. Die machen alles kaputt und scheren sich einen Dreck um die Normalos (wie wir sie sind). Wir wollen sie verehren, aber wir wollen sie nicht wirklich um uns haben. Batman wäre ein mieser Boyfriend und die anderen ... alles Egomanen.

Wir wollen schon eher Harry oder Katniss und sie wollen bitte auch ein gutes Ende nehmen! Ich gönne es Harry, dass er heiratet und Kinder bekommt und bete, dass es dabei bleibt! Bitte kein Prequel oder Sequel! Solche Helden sind rund und müssen so bleiben? Solche Helden sind nämlich sterblich und sollen das auch dürfen!

In Solarpunk dürfen Menschen auch Helden sein, und ich würde gerne einen schreiben. Einen, oder viele, die sich den Aufgaben stellen, die wir alle jetzt schon sehen: der Rettung der Welt, und zwar nicht vor Krieg oder Superschurken. Nein, vor der Zerstörung unserer Umwelt, vor der Bedrohung durch Großkonzerne und andere Katastrophen. Und solche Gefahren brauchen Helden. Wie die aussehen? Nun, ich möchte welche, die anpacken. ich möchte welche, die nicht aus Zufall oder Bestimmung Held werden, sondern die sich bewusst entscheiden. Menschen wie du und ich, nur dass sie nicht jammern sondern handeln.

Yeah, ich freu mich drauf.

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Warum Autoren manchmal einsam sind.

Im letzten Blogeintrag habe ich vom Pilgern gesprochen und davon, dass man doch ein Zentaur ist, und kein Reiter auf einem bockigen Pferd.

Dennoch ist man als Autor oft genau so. Denn man ist immer ein Mensch, getrennt von seiner Geschichte, und dann doch wieder nicht.

Wie entstehen Geschichten? Woher kommt das? Das fragen die Leuten einen immer wieder, aber ... ich finde die Beantwortung der Frage zunehmend schwierig. Ich bemerke auch, dass ich mich manchmal entfremde und auch schon Schwierigkeiten mit diesem "echten" Leben hatte.


Ich finde es überhaupt nicht mysteriös, mehrere Leben zu führen. Und es ist ja nicht nur ICH und das Buch. Ich lebe ja alle Leute in diesem Buch (nicht alle Alle, aber die wichtigsten). Ich gehe also ein Stück in ihren Schuhen. Auch wenn sie mir nicht passen.

Ich bin zB eine Weile in Falks Schuhen gegangen. Ich habe seine Figur nach einem Schauspieler geformt und habe mir diesen Mann genau angeschaut. Wie steht er, wie geht er? Und ich bin versuchsweise auch so gegangen. Ich habe mit die Welt zu eigen gemacht, wie er das tut. Das war sehr erhellend und hat mir sehr geholfen.


Aber wenn man dann als Autor interviewt wird, dann heißt es immer: wo kommen die Geschichten her? Und ich muss antworten: Weiß ich nicht! Ich weiß, woher mache Sätze dann kommen, die einzelnen Beschreibungen, aber woher die Story an sich kommt? Keinen blassen Schimmer.


Was mich als Autor dann noch sehr einsam macht, ist die Tatsache, dass ich meine Lieblingsstellen nicht lesen kann. Also laut, bei Lesungen. Weil: die spoilern total. Oder sie sind so eigen, dass sie nur im weiten Kontext zu verstehen sind. Oder: man würde als Autorin voll anfangen zu heulen, wenn man sie vorliest.


Ganz besonders einsam machen einen die allerwichtigsten Entscheidungen: wie enden die Geschichten? Was wird aus den Charakteren? Wird aus einer Tri- doch eine Tetralogie? Oder noch mehr?

Aber genau diese Entscheidungen machen den Unterschied. Im echten Leben hat man oft das Gefühl, die Geschichten sind nicht rund und man habe keine Kontrolle. Viele Menschen fühlen sich unvollständig, wenn Teile ihrer Geschichte für sie keinen Sinn machen. Manche sind in Endlosschleifen gefangen und müssen immer wieder das Gleiche Elend wiederholen, weil sie keine Möglichkeit zum Ausbruch finden.


Also Autor macht man das aber: man reitet die Figuren und die Geschichte. Mancher Autor plant jedes Detail voraus, andere (wie ich) lassen sich überraschen. Aber wir wollen alle ein schlüssiges Ende. Wir wollen Auswege, wir wollen Chancen und wir wollen Charaktere, die über sich selbst hinauswachsen. Darum entscheiden wir Autoren, ganz ganz einsam, auch schon mal über schlimme Dinge, die unseren Protagonisten geschehen. Um an deren Beispielen zu beweisen, dass man auch diese überleben kann.


Das Erzählen von Geschichten ist wie alle anderen kreativen Beschäftigungen etwas, was uns einsam machen kann. Denn als Künstler horche ich tief in etwas hinein, tauche auf trübe Grunde und wühle im Schlamm. Ich besteige hohe Berge und fahre endlose Straßen. Aber ich tue es allein und entscheide einsam, was ich dann teile. Mit dem Leser, dem Zuhörer, dem anderen.


Falls du als Leser also manchmal keinen Zugang zu mir findest, liegt es daran, dass ich tatsächlich woanders bin. Ich bin im nächsten Buch. Oder ich bin auf der Seite von Falk, wenn er wütend ist, während dir Minerva wichtiger ist. Das passiert. Aber: als Autor freut man sich über Leser, die mit einem tauchen, reiten, fahren und laufen. Daher freue ich mich über jeden, der mit mir spricht und seine Erfahrungen mit mir teilt. 


Denn ein Pilger ist zwar oft allein, aber man kann Teile des Weges zusammen gehen.


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